Der Dawes-Plan


Hausarbeit (Hauptseminar), 1997

23 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Zustandekommen des Dawes-Plans:
l Die deutsche Position
l Die französische Position
l Die Rolle der USA und Großbritanniens

III. Wesentliche Inhalte und Wirkungen des Planes

V. Ergebnis

VI. Quellen- und Literaturnachweis

I. Einleitung

Nach Ruhrkampf und immer stärker werden Spannungen sowohl zwischen Deutschland und Frankreich als auch zwischen den deutschen Parteien über die sogenannte "Erfüllungspolitik" versprach der Dawes-Plan 1924 dem Deutschen Reich zumindest vorübergehend eine Atempause bei den Reparationszahlungen.

Es ist zu fragen, was die wesentlichen politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für das Zustandekommen des Planes waren, der den Zahlungsplan von 1921 quasi außer Kraft setzte. Es gilt besonders, die deutschen und die französischen Positionen und ihre jeweiligen Motive zu untersuchen, und abzugleichen, inwieweit diese in das Dokument eingeflossen sind. Insbesondere auch die in der Literatur widersprüchlich interpretierte französische Außenpolitik verdient Beachtung, um die deutsche einordnen zu können. Die Rolle der USA und Großbritanniens lassen sich gemeinsam behandeln, denn auch wenn die USA das einzige reine Geberland unter den Alliierten des Ersten Weltkrieges waren, so ergeben sich zwischen den außenpolitischen Positionen eine Reihe von Parallelen.

Nach Inkrafttreten des Planes hatte sich die internationale Arena in Europa wirtschaftlich und politisch verändert. Es gilt daher nach den Folgen der wesentlichen Bestimmungen des Planes zu fragen, bevor er zusammenfassend bewertet wird. Dem Schwerpunkt des Seminars entsprechend wird das Hauptaugenmerk auf der Außenpolitik liegen. Die beim Dawes-Plan eng verbundene Wirtschaftspolitik und -entwicklung wird nur insoweit einbezogen, wie es das Verständnis der Außenpolitik erfordert.

II. Zustandekommen des Dawes-Plans:

l Die deutsche Position

Der Dawes-Plan hatte für Stresemanns Außenpolitik grundsätzliche Bedeutung. Für ihn war das Erreichen des Planes der erste Schritt in seiner Konzeption, Deutschlands außenpolitische Handlungsfreiheit zu vergrößern, eine grundsätzliche Gleichberechtigung wiederherzustellen und langfristig über den Weg einer Revision des Versailler Vertrages Deutschlands Großmachtstellung wiederzuerlangen.[1]

In der späteren Reichstagsdebatte über die Annahme des Dawes-Planes beschrieb Stresemann seine konzeptionelle Einordnung der mit dem Plan verbundenen Anleihe in einem über rein wirtschaftspolitische Erwägungen hinausgehenden Kontext: "Für mich steht die Frage der Erreichung einer internationalen Anleihe, die uns ein Moratorium gewährt und die unter diesen Voraussetzungen gegeben wird, daß die Verkehrseinheit wiederhergestellt wird, daß wir die freie Verfügung über die Wirtschaftskräfte unseres Reiches wiederbekommen, im engsten Zusammenhang mit der Freiheit Deutschlands selbst, die heute über die Grenzen des Versailler Vertrages eingeengt und außerordentlich beschränkt ist."[2]

Bei seinem Amtsantritt als Reichskanzler im August 1923 stand Stresemann vor eng verknüpften wirtschafts- und außenpolitischen Problemen. Die Inflation hatte die Reichsmark praktisch wertlos gemacht: Während 1 US-$ im zweiten Quartal 1922 noch rund 300 RM kostete, fiel der Kurs zum Zeitpunkt der Ruhrbesetzung auf 10.000 RM, im Juni 1923 war der Dollar schon 150.000 RM wert. Außenwirtschaftlich war Deutschland damit lahmgelegt, Importe wichtiger Maschinen und anderer Güter waren unbezahlbar geworden. Verschärft wurde diese Situation durch die entfallenden Rohstofflieferungen aus dem besetzten Ruhrgebiet und durch die hohen Kosten des Ruhrkampfes.[3] Diese tatsächliche Misere wurde aus deutscher Sicht noch durch einen psychologischen Effekt verstärkt: Nach dem Versailler Vertrag und seiner Implementation, den internationalen Handelsbarrieren, Absatzhemmnissen auf dem Weltmarkt, und die totale Ausbeutung des Ruhrgebietes für die französische Industrie, war für die Deutschen keine Atempause in Sicht. Aus ihrer Sicht drohten sie nach ihrer militärischen und außenpolitischen Stellung in der Welt auch noch ihre Wirtschaftskraft endgültig einzubüßen.[4]

Nicht zuletzt die Ruhrbesetzung hatte gezeigt, daß aus deutscher Sicht die Pariser Regierung kaum zu Zugeständnissen an Berlin bereit war, die den Weg zu einer Revision des Versailler Vertrages hätten ebnen können. Für Stresemann galt es daher, auch nach einem Weg zu suchen, außenpolitischen Druck auf Paris auszuüben, seinen Positionen entgegen zu kommen. Dafür bot sich aus Stresemanns Sicht ausschließlich die wirtschaftspolitische Situation Deutschlands an - als möglicher Absatzmarkt besonders amerikanischer Güter und als Hauptschuldner. Vor dem Zentralvorstand der DVP definierte Stresemann dies am 22. November 1925 (also ein Jahr nach dem Dawes-Plan) so: "Ich glaube, die Benutzung weltwirtschaftlicher Zusammenhänge, um mit dem Einzigen, womit wir noch Großmacht sind, mit unserer Wirtschaftsmacht, Außenpolitik zu machen, ist die Aufgabe, die heute jeder Außenminister zu lösen hätte."[5]

Voraussetzung für eine glaubwürdige Rolle Deutschlands in der internationalen Wirtschaftspolitik und für eine internationale Anleihe war allerdings eine Stabilisierung der Währung. Die gelungene Einführung der Rentenmark hatte insofern nicht nur wirtschaftspolitische Effekte, die hier nicht weiter behandelt werden können, sondern war die Grundlage für die folgende Schlüsselforderung Berlins im Verhältnis zu den Westmächten: Die Reparationszahlungen, die nach Darstellung der Reichsregierung Deutschlands Leistungsfähigkeit bei weitem überstiegen[6], sollten durch ein Sachverständigengutachten entpolitisiert und die Entscheidung darüber aus der unter starkem französischen Einfluß stehenden Reparationskommission (Repko) in eine Verhandlungsrunde mit deutscher Beteiligung verlagert werden.

[...]


[1] Peter Longerich: Deutschland 1918-1988. Die Weimarer Republik. Hannover 1995, S. 154; Eberhard Kolb: Die Weimarer Republik, (=Grundriß der Geschichte, Bd. 16), München 1984, S. 62f

[2] Äußerungen des Reichsaußenministers Dr. Stresemann im Reichstag, 28. Februar 1924, in: Ursachen und Folgen, VI, Dok. 1251 a), S. 62

[3] vgl. Longerich, S. 135f, Kolb 64

[4] Peter Krüger: Das Reparationsproblem der Weimarer Republik in fragwürdiger Sicht. Kritische Überlegungen zur neuesten Forschung .in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Bd. 29 (1981), S. 21-47, hier: 37f

[5] zitiert nach Kolb, S. 63 (ohne Quellenangabe) 5 Inwieweit dies zutrifft, ist umstritten; zur Beschreibung der deutschen Position jedoch nur periphär bedeutsam. Über die unterschiedlichen Beurteilungen vgl. Krüger, bes. S. 23ff

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Der Dawes-Plan
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Die Außenpolitik der Weimarer Republik
Autor
Jahr
1997
Seiten
23
Katalognummer
V6002
ISBN (eBook)
9783638137010
ISBN (Buch)
9783638639187
Dateigröße
629 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zustandekommen, Folgen und Einordnung des Dawes-Planes unter außen- und wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten.
Schlagworte
Dawes Plan, Young Plan, Stresemann, Poincare, Herriot, Rheinland, Reparationen
Arbeit zitieren
Carsten Lietz (Autor:in), 1997, Der Dawes-Plan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6002

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