US-Militär in Städten und Landkreisen - Autoritäre Besatzung oder partnerschaftliche Leitung?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

23 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Militärregierung in den bayerischen Städten und Landkreisen
1) Einrichtung von lokalen Detachments in Bayern
2) Allgemeine Aufgaben der lokalen Detachments

III. Erste Schritte in der Besatzung Eichstätts

IV. Die örtlichen Militärgouverneure
1) Die Stellung der Militärgouverneure
2) Die Ausbildung der Militärgouverneure
3) Captain Towle – Der Militärgouverneur als „Willkürherrscher“?

V. Aufgaben und Maßnahmen der Militärregierung in Eichstätt
1) Administrative Development and Organization
2) Political Affairs
3) Flüchtlinge und Displaced Persons

VI. Autoritäre Besatzung oder partnerschaftliche Leitung Eichstätts?

VII. Schlussbemerkung

VIII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Der Jahrestag der Besetzung Eichstätts und vieler anderer bayerischer Städte durch die Amerikaner im Frühjahr 1945 jährte sich vor kurzem zum sechzigsten Mal. Diese setzte den Schlussstrich unter einen über 6 Jahre grausam geführten 2. Weltkrieg, der auf allen Seiten unzählige Todesopfer forderte. Doch spricht man heute mit Zeitzeugen über die darauf folgende Besatzungszeit der bayerischen Städte und Landkreise, so hört man nicht selten heraus, dass die Amerikaner ein zumeist faires und auch freundliches Regiment über die eingenommenen Städte führten. Heißt das, dass die Amerikaner trotz der hunderttausenden Verluste an Soldaten in ihren eigenen Reihen innerlich so gefestigt waren, dass sie die Gräuel der Kriegszeit ausblenden und als partnerschaftliche Leiter fungieren konnten? Oder steckt ein verklärtes Bild der Vergangenheit dahinter, das zudem beeinflusst ist, durch die starken transatlantischen Annäherungsversuche, die seit Beginn der 50er Jahre durch Konrad Adenauer unternommen wurden. Wäre es nicht verständlich, wenn von der amerikanischen Militärregierung in den bayerischen Städten eine harte autoritäre Herrschaft ausgehen würde, um zu zeigen, wer der Sieger und wer der Besiegte ist? In wessen Händen liegt es, das Verhältnis zwischen Besatzungsmacht und eingenommener Stadt zu bestimmen und zu beeinflussen und wie viel Macht fällt dem örtlichen Militärgouverneur zu? Wie geht der Eichstätter Militärgouverneur mit seiner Stellung um?

Dies sind die Leitfragen, die auf den folgenden Seiten so weit als möglich an dem Beispiel Eichstätt beantwortet werden sollen, wobei nur der Zeitraum von Kriegsende bis 1. Juni 1946 berücksichtigt werden kann. Hierbei soll in erster Linie auf die Militärregierung in Eichstätt geblickt werden. Da eine derartige Betrachtung für diese Stadt bis heute in der Wissenschaft nahezu nicht stattfand, müssen vor allem zwei Quellen herangezogen werden. Erstens ist dies der Annual report 1945/46 von Captain Raymond Jordan Towle über Eichstätt in den OMGB-Akten. Zweitens sind dies Zeitzeugenberichte, die unter dem Titel „Die weiße Fahne“ von Tobias Ettle herausgegeben wurden. Beide Quellen sind des Öfteren von der subjektiven Wahrnehmung der jeweiligen Verfasser geprägt, jedoch soll versucht werden, diese Subjektivität zu erkennen und zu relativieren.

Als Literatur dienen vor allem die Dissertation von Elmar Ettle zur Entnazifizierung in Eichstätt und die Artikelreihe „60 Jahre Kriegsende“, die vor kurzem in der Lokalzeitung „Eichstätter Kurier“ von dem pensionierten ehemaligen Chefredakteur dieser Zeitung und Lokalhistoriker Joseph Ettle verfasst und herausgegeben wurde.

II. Militärregierung in den bayerischen Städten und Landkreisen

1) Einrichtung von lokalen Detachments in Bayern

Nachdem im April bzw. Anfang Mai 1945 die bayerischen Städte von den Amerikaner besetzt und die Kampfhandlungen beendet worden waren, wurden dort unmittelbar danach lokale Detachments eingerichtet. Während im Mai jedes Detachment noch für ca. drei Landkreise zuständig war, konnte ab Mitte Juni ein eigenes Detachment in jedem Landkreis eingerichtet werden.[1]

Je nach Bevölkerung und Bedeutung des jeweiligen Detachments wurden sie in fünf verschiedene Typen eingeteilt und nach Buchstaben geordnet. Buchstabe „E“ stand für Länder bzw. Regierungsbezirke, für Großstädte stand „F“ und für die kleineren Stadt- und Landkreise wurden die Buchstaben „G“, „H“ und „I“ verwendet. Bei den großen Detachments des Typs „E“ sollten 26 Offiziere und 35 Soldaten eingesetzt werden, bei dem kleinsten Detachment des Typs „I“ waren vier Offiziere und sechs Soldaten beabsichtigt.[2] Jedoch wurde in der Realität die Personalstärke selten wie geplant erreicht.

Bis Ende Juli wurden die fünf Regierungsbezirksdetachments Oberbayern, Mainfranken, Mittel- und Oberfranken, Schwaben und Niederbayern-Oberpfalz eingerichtet, die den kleineren örtlichen Detachments übergeordnet waren. Die fünf Militärregierungen der Regierungsbezirke selbst unterstanden dem Regional Military Government Detachment in München, das auf Länderebene die Verantwortung inne hatte. Desweiteren gab es 152 Stadt- und Landkreisdetachments. Die Amerikaner strebten danach relativ schnell eine schrittweise Rückübertragung der Verwaltungsbefugnisse an die Deutschen an, wofür am 5. Oktober 1945 die so genannte USFET-Direktive der US-Militärregierung ausgegeben wurde. Darin wurde bekannt gegeben, dass bis spätestens 30. Juni 1946 alle lokalen Detachments die aktive Verwaltungstätigkeit einstellen sollten. Zum 1. Mai 1946 wurden alle Landkreis-Detachments und zum 1. Juni 1946 alle kombinierten Landkreis-Stadtkreis-Detachments in Liaison and Security Offices umgewandelt. Diese waren direkt der OMGBY unterstellt, da die Regierungsbezirksdetachments zum 1. Juni 1946 komplett aufgelöst wurden.[3]

Die Liaison and Security Offices übten nicht mehr direkte Kontrolle auf die bayerischen Bürger aus, sondern sie nahmen die Oberaufsicht über die jeweiligen Stadtverwaltungen wahr. Wegen der dadurch verminderten Aufgabenbereiche wurde die Offiziers- und Soldatendichte in diesen Offices gesenkt, da der Großteil der Verwaltung von den Deutschen übernommen werden konnte. Die größte Zahl der in Bayern eingesetzten Verwaltungssoldaten waren ca. 4000 Mann. Ab Juli 1946 waren es nur noch an die 1000 Amerikaner, die in der Administration Dienst taten.[4]

2) Allgemeine Aufgaben der lokalen Detachments

Die Bayerische Militärregierung hat für die Stadt- und Landkreisdetachments eine Richtlinienvorgabe gegeben, nach der die jeweiligen Militärgouverneure vorgehen sollten. Dies war besonders wichtig, da es in den ersten Nachkriegswochen an Vielem mangelte und Vieles in geordnete Bahnen gebracht werden musste. Anhand dieser Vorgaben mussten die jeweiligen Detachmentleiter zuerst wöchentlich, dann monatlich und schließlich nur noch quartalsweise einen Bericht abgeben. Durch die klar gegliederte Form fiel es der jeweils übergeordneten Militärregierung leichter, sich ein Bild über die Aufgaben und Tätigkeiten der lokalen Detachments zu machen.

Zu folgenden Bereichen musste der jeweilige Militärgouverneur Stellung nehmen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

III. Erste Schritte in der Besatzung Eichstätts

Am 25. April 1945 nahmen amerikanische Truppen Eichstätt ein. Dies geschah ohne Blutvergießen und große Zerstörungen, da einige Eichstätter den einmarschierenden Soldaten rechtzeitig die „weiße Flagge“ gezeigt hatten. Am Nachmittag des selben Tages wurde von den Amerikanern der Übergangsbürgermeister Josef Kleber eingesetzt, der vor allem die Vorgaben des Militärs den Bewohnern bekannt geben und versuchen sollte, dass die Einwohner der Stadt friedlich mit den einmarschierten Truppen umgingen[6]. Für alle Eichstätter wurde in den folgenden Wochen eine Ausgangssperre von 18.00 – 7.00 Uhr verhängt, mit deren Hilfe die Amerikaner die Verhältnisse in der eroberten Stadt ruhig und kontrolliert halten wollten.[7]

Im Mai wurden von dem Regierungsbezirksdetachment Ober- und Mittelfranken in Ansbach die drei Kreise Weißenburg, Gunzenhausen und Eichstätt einem lokalen Detachment unterstellt. Dies hatte seinen Sitz in Weißenburg und war der Leitung von Major Lailey unterstellt. Für die Belange Eichstätts war Major Ben Reed in diesem Detachment zuständig.[8]

Am 4. Mai 1945 fand dann auf Betreiben der Militärregierung die Wahl eines neuen Landrats und Bürgermeisters statt. Es wurde ein Gremium aus 12 Wahlmännern benannt, nachdem deren Vergangenheit kontrolliert worden war. Jeder dieser 12 musste fünf weitere integre Männer für die Wahl benennen. Zur Wahl selbst durften sich Personen aufstellen lassen, die einen umfassenden Fragebogen ausgefüllt und einen schriftlichen Lebenslauf verfasst hatten. Zum Landrat wurde daraufhin Dr. Otto Betz und zum Bürgermeister Romuald Blei gewählt.

Am 25. Juni 1945 wurde das Eichstätter Detachment von dem Commanding Officer European Civil Affairs Division in Bad Homburg mit der Kennung H6 H2 eingerichtet. Schon vier Tage darauf, am 29. Juni 1945 konnte eine eigene lokale Militärregierung mit 22 Mann, angeführt von Captain Raymond Jordan Towle, ihren Dienst in der Kleinstadt aufnehmen.[9]

[...]


[1] Vgl. Heydenreuther, OMGB, S. 163.

[2] Vgl. Heydenreuther, OMGB, S. 162.

[3] Vgl. Heydenreuther, OMGB, S. 283 f.

[4] Vgl. Zeitler, US-Militärregierung in Oberfranken, S. 4.

[5] Latzin, Berichterstattung der amerikanischen Militärregierung, S. 891f.

[6] Dazu: Ettle, Weiße Fahne, S. 45f.: Aufruf an die Bevölkerung von Kleber am 4. Mai 1945: „Am 25. April um 10 Uhr sind die alliierten Truppen in unsere Stadt eingezogen, eine Stunde der Zeitenwende mit dem neuen Programm: Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden. Um zunächst die schwierigen Übergangsprobleme lösen zu können, bitten wir folgendes beachten zu wollen.

1.Im Gegensatz zu den Propagandamethoden der Vergangenheit hat die alliierte Militärregierung Verständnis für unser Schicksal bewiesen. Wovor wir bewahrt geblieben sind, kann nur der verstehen, der die Greuel und Verwüstungen in anderen Städten gesehen und erlebt hat. Unsere altehrwürdige Stadt, deren Namen über die Grenzen Deutschlands hinaus einen Klang hat, ist einer der wenigen Orte, die nur geringfügige Spuren des Kampfes zeigen. Seien wir uns bewusst, daß die Stadt ohne Schuß und ohne Bombeneinwirkung der alliierten Truppen übergeben werden konnte.
2. Wir erwarten, daß die Bevölkerung die alliierte Militärregierung in ihren schweren Aufgaben unterstützt und den alliierten Truppen Achtung und weitgehendstes Entgegenkommen bekundet. […]
5. Die Hauptaufgaben der nächsten Zukunft werden sein: Die Lebensmittelversorgung, der Wiederaufbau des Zerstörten und die Linderung der größten Not.
6. Vermeiden Sie bitte übereiltes, unüberlegtes Handeln! Jeder Bürger bewahre Ruhe und Besonnenheit! Verkennen Sie nicht, daß in unserem Städtchen, in dem einst 8229 Einwohner friedlich lebten, heute das Schicksal von 25000 Menschen aller Nationen gestaltet werden muß. Verschonen Sie uns mit kleinen persönlichen Angelegenheiten, bis die Neuorganisation vollzogen und die verantwortlichen Stellen besetzt sind. […]

Eichstätt, den 4. Mai 1945. Der Bürgermeister, eingesetzt von der alliierten Militärregierung: I. A. Kleber, Stadtoberinspektor.“

[7] Vgl. Ettle, EK 93, S. 33.

[8] Vgl. OMGB 10/81-1/1, S. 1.

[9] Vgl. Ettle, EK 110, S. 31.; vgl. OMGB 10/81-1/1, S. 1.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
US-Militär in Städten und Landkreisen - Autoritäre Besatzung oder partnerschaftliche Leitung?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
23
Katalognummer
V60054
ISBN (eBook)
9783638538183
ISBN (Buch)
9783638667005
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Nachkriegszeit hat vieles in Deutschland für lange Zeit geprägt. Doch wie waren die ersten Monate der Besatzung in den US-regierten Bereichen? Am Beispiel Eichstätts wird dies näher erläutert.
Schlagworte
US-Militär, Städten, Landkreisen, Autoritäre, Besatzung, Leitung
Arbeit zitieren
Hans-Peter Schneider (Autor), 2005, US-Militär in Städten und Landkreisen - Autoritäre Besatzung oder partnerschaftliche Leitung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60054

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