Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Didactics - History

Die Karlspreisreden im Spiegel der Zeit

Title: Die Karlspreisreden im Spiegel der Zeit

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 20 Pages , Grade: 2

Autor:in: Hans-Peter Schneider (Author)

Didactics - History
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Der Karlspreis ist zu einer festen, weit über die Grenzen Deutschlands bekannten Institu-tion geworden, die aus dem heute immer stärker zusammenwachsenden Europa nicht mehr wegzudenken ist. Seit Beginn der 1950er Jahre wurde er meist alljährlich in Aachen an Personen aus In- und Ausland verliehen, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben und diese vorantrieben. Innerhalb dieser mehr als 50 Jahre hat sich die politische Situation in Europa grundlegend verändert. Von der schweren Nachkriegszeit mit dem anfänglichen Misstrauen gegenüber Deutschland, über die immer stärker werdenden Annäherungsversuche untereinander bis hin zu dem Knüpfen freundschaftlicher Beziehungen, die in der EU mündeten, haben die europäischen Staaten vieles erlebt und mitgestaltet. Viele Politiker, die diese Entwicklung entscheidend geprägt hatten, haben den Karlspreis für ihre Verdienste erhalten.


In dieser Arbeit sollen nun die Reden der Preisträger untersucht werden. Oft haben die Redner in ihren Vorträgen versucht, den Bogen zu dem Namensgeber dieses Preises, Karl dem Großen, zu spannen. Doch wie sehen diese historischen Anklänge aus. Sind sie betont objektiv gehalten und konform mit der geltenden wissenschaftlichen Auffassung? Oder bemühen sich die Preisträger darum, ein Karlsbild zu zeichnen, das ihren Zwecken dient und legen historische Ereignisse und Taten Karls dahingehend aus? Was erwähnen sie von Karls Leben, was lassen sie weg und wie passt das in die jeweilige politische Situation? Oder verzichten die Redner gänzlich auf eine eigene Auslegung der Karlsvita, vielleicht sogar auf eine Erwähnung des Kaisers? Diese Fragen sollen im Folgenden erörtert und, so weit es möglich ist, geklärt werden.


Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Grundlegende Fragen

2. Entstehung und Sinn des Karlspreises

3. Die Darstellung von Leben und Taten Karls des Großen in Reden von Karlspreisträgern

3.1. 1950er Jahre: Graf Coudenhove-Kalergi, Konrad Adenauer und Winston Churchill

3.1.1. Richard Nikolaus Graf Coudenhove-Kalergi 1950

3.1.2. Konrad Adenauer 1954

3.1.3. Winston Churchill 1955

3.1.4. Analyse der Reden

3.2. 1960er Jahre: Joseph Bech, Edward Heath und Antonio Segni

3.2.1. Joseph Bech 1960

3.2.2. Edward Heath 1963

3.2.3. Antonio Segni 1964

3.2.4. Analyse der Reden

3.3. 1970er und frühe 1980er Jahre: Don Salvador de Madariaga und Emilio Colombo

3.3.1. Don Salvador de Madariaga 1973

3.3.2. Emilio Colombo 1979

3.3.3. Analyse der Reden und Gründe für die geringe Berücksichtigung Karls

3.4. Späte 1980er Jahre: Francois Mitterand und Helmut Kohl

3.4.1. Francois Mitterand 1988

3.4.2. Helmut Kohl 1988

3.4.3. Analyse der Reden

3.5. 1990er Jahre und Anfang des zweiten Jahrtausends: Königin Beatrix der Niederlande, Roman Herzog, und Valéry Giscard d’Estaing

3.5.1. Königin Beatrix der Niederlande 1996

3.5.2. Roman Herzog 1997

3.5.3. Valéry Giscard d’Estaing 2003

3.5.4. Analyse der Reden

3.6. Der Karlsbezug in den verschiedenen Zeiträumen

4. Zusammenfassung und Schlussreflexion

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie in den Dankesreden der Karlspreisträger der Bezug zu Karl dem Großen hergestellt wird und inwiefern dieses historische Bild als Legitimationsgrundlage oder Vision für den europäischen Einigungsprozess im Spiegel der Zeit dient.

  • Historische Analyse des Karlsbezugs in ausgewählten Karlspreisreden von 1950 bis 2003.
  • Untersuchung der Instrumentalisierung oder Adaption des Kaiserbildes in Abhängigkeit von der jeweiligen politischen Situation.
  • Vergleichende Betrachtung der wechselnden Bedeutung von Historie in der europäischen Identitätsbildung.
  • Reflektion über die Veränderung des Diskurses von einem idealisierten Herrscherbild hin zur kritischen Auseinandersetzung mit historischer Realität.

Auszug aus dem Buch

3.1.4. Analyse der Reden aus den 1950er Jahren

Betrachtet man die ausgewählten Reden kann man deutliche Ähnlichkeiten in den Ausführungen der drei Politiker entdecken. Die schlimmen Kriegsjahre und die Zeit des Wiederaufbaus haben eindeutige Spuren hinterlassen. Alle drei Männer versuchen ihre Vorstellungen von einem vereinten Europa den Zuhörern näher zu bringen. Sie wollen den Frieden erreichen, der über Jahrzehnte und Jahrhunderte zwischen den Staaten nicht geschlossen werden konnte. Karl der Große wird in allen drei Reden als der „Einer“ dargestellt, als derjenige, der Frieden und Wohlstand in die europäischen Stämme brachte.

Das Frankenreich Karls wird zum Idealbild für das zukünftige Europa erklärt, die damalige Struktur und Ordnung zum Vorbild genommen. Keiner der drei Politiker erwähnt, dass Karl sein Frankenreich erst gründen konnte, nachdem er viele blutige Schlachten für sich entschieden hatte. Es wird also das Positive aus der Zeit Karls des Großen herausgezogen und hervorgehoben und das Negative verschwiegen. Die Politiker nehmen ihre Dankreden zum Anlass, Visionen vorzubringen, wie Europa in Zukunft gemäß ihren Vorstellungen aussehen könnte. Diese klingen teilweise utopisch, wenn man sieht, dass erst vor knapp zehn Jahren der grausame zweite Weltkrieg sein Ende fand.

Gerade Winston Churchill hatte selbst als Premierminister Englands großen Einfluss auf den Kriegsverlauf genommen und war in allen Alliierten Entscheidungen gegen Deutschland einer der Mitinitiatoren. Dass dieser Mann 10 Jahre danach von einer Vereinigung Europas spricht, in das auch das besiegte Deutschland aufgenommen werden soll, zeigt, wie sehr auf eine Normalisierung der Verhältnisse der Staaten untereinander hingearbeitet wurde. Dahingehend muss auch die bewusste Weglassung der Schlachten Karls gedeutet werden, da keiner der Politiker falsche Ängste in der kriegsmüden Bevölkerung wecken wollte. Sie wollten den Menschen wohl eher durch die Konstruktion eines geschichtlichen Musterstaates Sicherheit geben und in ihnen gewissermaßen die Begierde nach der europäischen Einigung wecken.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Grundlegende Fragen: Das Kapitel erläutert die Relevanz des Karlspreises und formuliert die Forschungsfrage, ob und wie Preisträger das Bild Karls des Großen politisch instrumentalisieren.

2. Entstehung und Sinn des Karlspreises: Hier wird der historische Kontext der Nachkriegszeit dargelegt, in dem die Initiative für den Preis als Beitrag zur europäischen Verständigung entstand.

3. Die Darstellung von Leben und Taten Karls des Großen in Reden von Karlspreisträgern: Dieses Hauptkapitel analysiert chronologisch gegliedert die Reden verschiedener Jahrzehnte und die sich wandelnde Wahrnehmung der Person Karls.

4. Zusammenfassung und Schlussreflexion: Das Fazit stellt fest, dass das Bild Karls des Großen stets aktuellen politischen Bedürfnissen angepasst wurde und eine deutliche Entwicklung hin zu mehr historischer Offenheit erkennbar ist.

Schlüsselwörter

Karlspreis, Karl der Große, Europäische Einigung, Identitätsbildung, Historische Instrumentalisierung, Dankesreden, Nachkriegszeit, Frankenreich, Politische Visionen, Europäische Integration, Geschichtsdidaktik, Wertegemeinschaft, Europäische Geschichte, Identitätspolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie Preisträger des Internationalen Karlspreises zu Aachen in ihren Dankesreden Bezug auf Karl den Großen nehmen und diese historische Figur für ihre Visionen eines geeinten Europas nutzen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit verknüpft die Geschichte des Karlspreises mit der Entwicklung des europäischen Einigungsprozesses und analysiert die wechselnde Interpretation historischer Vorbilder in politischen Reden.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, ob die Preisträger ein historisch objektives Bild Karls zeichnen oder ob sie sein Leben und seine Taten selektiv interpretieren, um aktuelle politische Ziele zu stützen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Der Verfasser nutzt eine inhaltsanalytische Methode, um markante Dankesreden aus verschiedenen Jahrzehnten im Kontext der jeweiligen politischen Situation zu interpretieren.

Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?

Der Hauptteil ist chronologisch gegliedert und analysiert Reden von den 1950er Jahren bis zum Anfang des neuen Jahrtausends, wobei auf die spezifischen historischen und politischen Hintergründe der jeweiligen Redner eingegangen wird.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Europäische Integration, Geschichtsbild, Karl der Große, politische Rhetorik und Identitätsbildung beschreiben.

Warum wird in den 1970er Jahren kaum auf Karl den Großen Bezug genommen?

Die Arbeit legt nahe, dass die politische Krise dieser Zeit und die wirtschaftliche Stagnation dazu führten, dass man sich verstärkt auf gegenwärtige Probleme konzentrierte, statt historische Vergleiche zu suchen.

Welche Entwicklung lässt sich in den 1990er und 2000er Jahren feststellen?

In diesem Zeitraum zeigt sich ein deutlich kritischerer Umgang mit dem historischen Bild Karls, da Redner wie Roman Herzog nun auch die gewaltsamen Aspekte seiner Herrschaft thematisieren.

Excerpt out of 20 pages  - scroll top

Details

Title
Die Karlspreisreden im Spiegel der Zeit
College
LMU Munich  (Geschichtliche Fakultät/ Geschichtsdidaktik)
Course
Hauptseminar: Vermittlungsinstanzen im Vergleich
Grade
2
Author
Hans-Peter Schneider (Author)
Publication Year
2005
Pages
20
Catalog Number
V60055
ISBN (eBook)
9783638538190
ISBN (Book)
9783638844000
Language
German
Tags
Karlspreisreden Spiegel Zeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Hans-Peter Schneider (Author), 2005, Die Karlspreisreden im Spiegel der Zeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60055
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  20  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint