Die immer schneller werdende Entwicklung der Technik und der damit verbundene Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften, kann schon lange nicht mehr alleine durch eine schulische Ausbildung gedeckt werden. Der Einzelne muss in der Lage sein, sich auch nach der Ausbildung immer weiter qualifizieren zu können. „Dies ist nicht allein im Interesse des Individuums gefordert, sondern auch im Blick auf den Erhalt eines funktionsfähigen ökonomischen Systems notwendig.“ (Wittpoth 2003, S. 32). Diese Notwendigkeit eines lebenslangen Lernens ist nicht neu. Bereits im 19. Jahrhundert wurde die Notwendigkeit des sog. „life long learning“, angesichts der zunehmenden Industrialisierung erkannt. Dem versuchte man anfänglich mit gegründeten Volksbildungsvereinen gerecht zu werden. In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts wird wieder verstärkt die Forderung nach „lebenslangem Lernen“ laut. Qualifizierung und Weiterbildung der Erwachsenen gehören jetzt unter Anderem zu den Hauptaufgaben der Erwachsenenbildung. Die Hausarbeit wird die Geschichte der Erwachsenenbildung kurz skizzieren und das Aufgabenverständnis in den verschiedenen Epochen (während des Nationalsozialismus und die Entwicklungen nach 1945 in der BRD und DDR) deutlich machen. Anfänglich ist immer noch von Volksbildung die Rede, erst ab 1945 etabliert sich der Begriff Erwachsenenbildung endgültig und löst den der Volksbildung ab. Zusätzlich setzt sich der Begriff Weiterbildung als Oberbegriff gegenüber Erwachsenenbildung durch. Da die beiden Begriffe oft nicht klar voneinander zu unterscheiden sind und synonym verwendet werden, empfiehlt sich eine kurze Definition: Weiterbildung dient zur Vermittlung von Qualifikationen für die Sicherung beruflicher Leistungsfähigkeit (vgl. Kaiser 2001, S.91). Erwachsenenbildung dagegen orientiert sich an dem Einzelnen und hilft ihm bei der Gewinnung und Sicherung von Identität (ebd.).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte der Erwachsenenbildung
3. „Erwachsenenbildung“ im Nationalsozialismus
3.1. „Bildung“ im Bereich Kunst
4. Unterschiedlichen Entwicklungen nach 1945
4.1. Die Phasen in der BRD
4.2. Die Phasen in der DDR
5. Schluss
6. Literaturangaben
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit skizziert die historische Entwicklung der Erwachsenenbildung unter besonderer Berücksichtigung der Zeit des Nationalsozialismus sowie der differierenden Bildungswege in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR nach 1945.
- Historische Genese der Erwachsenenbildung
- Funktionalisierung von Bildung im Nationalsozialismus
- Beeinflussung durch politische Ideologien am Beispiel der Kunst
- Systemvergleich der Erwachsenenbildung in BRD und DDR
- Wandel des Aufgabenverständnisses von der Personenbildung zur Qualifizierung
Auszug aus dem Buch
3.1. „Bildung“ im Bereich Kunst
Zeitgleich wurden 1937 in München die Ausstellungen „Entartete Kunst“ und die „Große Deutsche Kunstausstellung“ eröffnet. Sie hatten das Ziel, den Deutschen einerseits das „Vollkommenste, Fertigste und Beste“ zu zeigen, „was deutsche Kunst vollbringen mag“ (Schuster 1988, S. 84) und dem gegenüber „Ausgeburten des Wahnsinns, der Frechheit, des Nichtkönnentums und Entartung“ zu zeigen (Ansprache Zieglers zur Eröffnung der Ausstellung „Entartete Kunst“; in Schuster S. 97).
Bilder der Ausstellung „Entarteten Kunst“ waren zuvor aus den Museen entwendet worden. Später wurden sie vernichtet oder gewinnbringend ins Ausland verkauft. Nur durch beherzte Sammler, die die Werke zu einem hohen Preis kauften und sicher bewahrten, konnten viele bedeutende (heute unbezahlbare) Werke des 20. Jahrhunderts gerettet werden.
Während bei der „Großen deutschen Kunstausstellung“ auf das richtige und schöne Präsentieren der Bilder geachtet wurde (durch hohe, helle Räume und eine großzügige Aufhängung) und „brave, recht konservative Malerei“ gezeigt wurde (Schuster 1988, S. 90), hat man bei der Ausstellung „Entartete Kunst“ durch die Aufstellung der Bilder alles unternommen, um beim Betrachter den „Eindruck von Chaos und Unordnung“ zu erwecken (Schuster 1988, S. 104).
Der Aufbau der einzelnen Ausstellungsräume war zwar unterschiedlich, diente „aber einmündig der Verunglimpfung sowohl der Künstler, wie der Händler als auch der Sammler“ (Schuster 1988, S. 95).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert grundlegende Begriffe wie Erwachsenenbildung und Weiterbildung und erläutert die Relevanz lebenslangen Lernens für Individuum und Wirtschaft.
2. Geschichte der Erwachsenenbildung: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung von den Anfängen der Volksaufklärung im 18. Jahrhundert bis zur Reformorientierung der Weimarer Republik nach.
3. „Erwachsenenbildung“ im Nationalsozialismus: Hier wird die Instrumentalisierung der Bildung zur Festigung nationalsozialistischer Ideologie und die Zerschlagung unabhängiger Bildungsträger beschrieben.
3.1. „Bildung“ im Bereich Kunst: Dieser Unterpunkt illustriert anhand der Ausstellungen zur „Entarteten Kunst“ die manipulative Wirkung nationalsozialistischer Bildungspolitik auf die Wahrnehmung der Bevölkerung.
4. Unterschiedlichen Entwicklungen nach 1945: Das Kapitel vergleicht den Wiederaufbau der Bildungssysteme unter den Alliierten und die anschließende Divergenz der politischen Systeme.
4.1. Die Phasen in der BRD: Es werden die verschiedenen Entwicklungsstufen der Erwachsenenbildung in der BRD, von der demokratischen Neuausrichtung bis zur Qualifizierungsphase, analysiert.
4.2. Die Phasen in der DDR: Das Kapitel behandelt die zentrale Steuerung und Integration der Erwachsenenbildung in das sozialistische System der DDR.
5. Schluss: Der Schluss reflektiert den Status quo nach der Wiedervereinigung und die zunehmende Schwierigkeit, Erwachsenenbildung und Weiterbildung voneinander abzugrenzen.
6. Literaturangaben: Ein Verzeichnis der verwendeten Quellen und Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Erwachsenenbildung, Weiterbildung, Nationalsozialismus, Volksbildung, BRD, DDR, Lebenslanges Lernen, Qualifizierung, Identitätslernen, Re-education, Volkshochschule, Ideologie, politische Schulung, Systemvergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Wandel und die unterschiedliche Ausgestaltung der Erwachsenenbildung im historischen Kontext, insbesondere unter dem Einfluss des Nationalsozialismus sowie der staatlichen Trennung in BRD und DDR.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen der Begriffswandel von der Volksbildung zur Erwachsenenbildung, die ideologische Vereinnahmung von Bildung sowie die Auswirkungen politischer Systeme auf die Weiterbildungspraxis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Geschichte der Erwachsenenbildung zu skizzieren und das sich wandelnde Aufgabenverständnis in den verschiedenen Epochen und politischen Systemen kontrastierend gegenüberzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene fachwissenschaftliche Quellen aus der Pädagogik und Geschichtsforschung zusammenführt, um die Epochen und Entwicklungsphasen zu systematisieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Bildungspolitik, den Einfluss auf die Kunstwahrnehmung sowie den systematischen Vergleich des Wiederaufbaus in der Bundesrepublik und der DDR.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Erwachsenenbildung, Ideologie, Systemvergleich, Qualifizierung, Identitätslernen und den historischen Wandel nach 1945 definiert.
Wie wirkte sich die nationalsozialistische Ideologie konkret auf die Bildungseinrichtungen aus?
Durch Zentralisierung, „Säuberungen“ des Personals und die Durchsetzung des Führerprinzips wurden Bildungseinrichtungen zu Instrumenten der politischen Propaganda und Kriegsführung funktionalisiert.
Welchen Zweck verfolgten die Ausstellungen „Entartete Kunst“ und „Große Deutsche Kunstausstellung“?
Sie dienten der kulturellen Manipulation, indem einerseits nationalsozialistische Kunstästhetik propagiert und andererseits missliebige Kunst sowie deren Schöpfer durch gezielte Stigmatisierung diffamiert wurden.
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- Claudia Faller (Author), 2005, Erwachsenenbildung im Nationalsozialismus und die Entwicklung danach, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60059