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Das Brüsseler Pressecorps und europäische Öffentlichkeit

Title: Das Brüsseler Pressecorps und europäische Öffentlichkeit

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 31 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Annette Schramm (Author)

Communications - Journalism, Journalism Professions
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Mit der Diskussion um eine europäische Verfassung, dem Betritt von zehn neuen Mitgliedern zur EU und der Tatsache, dass sich immer weniger Menschen für Europa begeistern können, wird die Frage nach einer Europäischen Öffentlichkeit immer dringender. Die Europäische Union ist zu einem eigenständigen politischen System geworden, dessen Entscheidungen immer deutlicher die Innenpolitik der Nationalstaaten beeinflußt. Mit dieser Entwicklung rücken zunehmend auch Fragen nach Demokratie, Identität und Kontrolle dieses politischen Systems in den Vordergrund. Die Wissenschaft hat dazu verschiedene normative Modelle europäischer Öffentlichkeit formuliert, mit unterschiedlichen Implikationen. Diese übergreifende Diskussion verdeutlicht den Stand der Entwicklung, die Hindernisse, die es zu überwinden gilt, aber auch Grenzen die kurz- und mittelfristig nicht veränderbar sein werden. Von wachsendem Interesse ist auch der Beitrag, den Akteure, nicht nur auf politischer Seite, sondern auch auf Seiten der Medien für eine europäische Diskussion leisten. Im Puzzlespiel der vielen verschiedenen Akteure, die an der Konstitution einer europäischen Öffentlichkeit beteiligt sind, spielen die Journalisten in Brüssel sicher eine herausragende Rolle. Die allgemeine Debatte um eine europäische Öffentlichkeit ist Voraussetzung, um in die tiefergehende Problematik des Brüsseler Pressecorps einzusteigen. Die besondere Position der Brüsseler Journalisten resultiert aus ihrer Vermittlungsleistung zwischen Nationalstaat und Europäischen Institutionen. Doch angesichts des vielbeklagten Öffentlichkeitsdefizits und empirischen Hinweisen auf eine magere Berichterstattung über Europa ist fraglich, ob sie ihrer Aufgabe gewachsen sind. Ziel dieser Arbeit soll es daher sein, die normativen Grundlagen journalistischer Arbeit in Brüssel herauszuarbeiten, sie in Beziehung zu den empirischen Gegebenheiten zu setzen und eine mögliche Ursache des Öffentlichkeitsdefizits zu bestimmen. Dazu werden folgende Fragen zu beantworten sein: Wie sind die Arbeitsbedingungen der Brüsseler Journalisten, welches Selbstverständnis haben sie, welche Quellen nutzen sie? Wie sieht die Berichterstattung über europäische Themen aus und lässt sich ein Zusammenhang zu der journalistischen Arbeitweise herstellen? Und welche Schlußfolgerungen lassen sich daraus für die Entstehung einer Europäischen Öffentlichkeit ziehen?

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Europäische Öffentlichkeit

2.1. Modelle Europäischer Öffentlichkeit

2.2. Gesamteuropäische Öffentlichkeit

2.2.1. Segmentierte Themenöffentlichkeiten

2.2.2. Europäisierung nationaler Öffentlichkeiten

2.2.3. Diskurstheoretische Öffentlichkeit

2.3. Demokratie, Identität und Kontrolle

3. Das Brüsseler Pressecorps

3.1. Die Entwicklung

3.2. Die Arbeitsbedingungen

3.3. Der Mikrokosmos

3.4. Informationsquellen

3.4.1. Kommission

3.4.2. Ministerrat

3.5. Europa als Thema

3.6. Journalismuskulturen

3.6.1. Ein einheitlicher europäischer Journalimus?

3.6.2. Journalismuskulturen in Brüssel

3.7. Berichterstattung über Europa

4. Empirischer Teil

4.1. Fragebogen und Durchführung

4.2. Ergebnisse

4.2.1. Demographische und Berufsbezogene Merkmale

4.2.2. Einstellungen zu Europa

4.2.3. Informationsquellen

4.2.4. Ziel der täglichen Arbeit

4.2.5. Verhältnis zu den Heimatredaktionen

5. Schlußfolgerungen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Ziel der Arbeit ist es, die normativen Grundlagen journalistischer Arbeit in Brüssel herauszuarbeiten, sie in Beziehung zu den empirischen Gegebenheiten zu setzen und eine mögliche Ursache des Öffentlichkeitsdefizits der EU zu bestimmen, wobei insbesondere die Arbeitsbedingungen, das Selbstverständnis und die Quellenwahl der Korrespondenten untersucht werden.

  • Rolle des Brüsseler Pressecorps im Integrationsprozess
  • Einfluss der Arbeitsbedingungen auf die Berichterstattung über Europa
  • Journalismusverständnis und Konflikt zwischen nationaler Perspektive und EU-Thematisierung
  • Analyse der Informationsquellen und des Umgangs mit politischen Akteuren
  • Empirische Untersuchung deutscher Korrespondenten in Brüssel

Auszug aus dem Buch

3.3. Der Mikrokosmos

Die ständige Nähe der Akteure hat in Brüssel einen eigenen Mikrokosmos hervorgebracht, der seine eigene Geschichte, Regeln und Rituale hat. Dieser Mikrokosmos determiniert stark die Arbeit der Journalisten. Am sichtbarsten ist er wohl in der täglichen Pressekonferenz der Kommission: dem „rendez-vous de midi“ im Breydel. Eine Art von Korpsgeist scheint in Brüssel allgegenwärtig zu sein. Unter den Journalisten hat er sich in der Anfangszeit herausgebildet. Weit weg von den Heimatredaktionen sind alle Journalisten mit dem sperrigen Thema Europa befaßt, versuchen die komplexen Entscheidungsprozeduren nachzuvollziehen. Aber auch die Erinnerung an Marathon-Verhandlungen, das Ausharren bei nächtlichen Sitzungen, das Gefühl an der historischen Entwicklung Europas teilzuhaben sind Konstitutionsmerkmale des Korpsgeistes.

Es herrscht eine freundliche Atmosphäre unter den Journalisten, Konkurrenz und Wettbewerb sind Begriffe, die noch nicht lange auf das Pressecorps zutreffen. „Kollegialität ist das Stichwort.“ (Teichert 2002, S.11) Man teilt Informationen, wenn es Ereignisse zum gleichen Zeitpunkt gibt, neue Journalisten werden herzlich aufgenommen und Kontaktadressen geteilt. Internationale Kollegen werden nach Interpretationen und Einschätzungen aus der jeweiligen Landesperspektive befragt. Zudem sichert man sich so ab, um nicht allein auf die nationale Informationsvermittlung angewiesen zu sein. Auch dass es keinen, wie in europäischen Hauptstädten üblichen Zirkeljournalismus gibt, befördert das entspannte Verhältnis. Europa taugt eben nicht zur parteipolitischen Polarisierung (vgl. Stabenow 1997, S.19)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung der Problematik um die Europäische Öffentlichkeit und Erläuterung der Zielsetzung der Arbeit sowie der zentralen Forschungsfragen.

2. Europäische Öffentlichkeit: Theoretische Herleitung verschiedener normativer Modelle und Diskussion der Zusammenhänge zwischen Öffentlichkeit, Demokratie, Identität und Kontrolle.

3. Das Brüsseler Pressecorps: Analyse der Entwicklung, Arbeitsbedingungen, des spezifischen Mikrokosmos, der Informationsquellen sowie der unterschiedlichen Journalismuskulturen und Berichterstattungsmuster.

4. Empirischer Teil: Durchführung und Auswertung einer schriftlichen Befragung deutscher Korrespondenten in Brüssel zu Einstellungen, Arbeitszielen und dem Verhältnis zu Heimatredaktionen.

5. Schlußfolgerungen: Fazit über die Hindernisse einer kritischen Berichterstattung und Ausblick auf notwendige strukturelle Veränderungen zur Stärkung der europäischen Öffentlichkeit.

Schlüsselwörter

Europäische Öffentlichkeit, Brüsseler Pressecorps, Europäische Union, Journalismus, Korrespondenten, Medienberichterstattung, Öffentlichkeitsdefizit, Demokratiedefizit, Korpsgeist, Integrationsprozess, Informationsquellen, Pressekonferenz, Transnationalisierung, politische Kontrolle, politische Kommunikation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen den komplexen politischen Entscheidungsprozessen der EU und der journalistischen Berichterstattung aus Brüssel vor dem Hintergrund der Debatte über ein europäisches Öffentlichkeitsdefizit.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?

Im Fokus stehen die normativen Modelle einer europäischen Öffentlichkeit, die täglichen Arbeitsbedingungen der Journalisten in Brüssel, deren Selbstverständnis sowie der Einfluss der Heimatredaktionen auf die EU-Berichterstattung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Hauptziel besteht darin, die normativen Grundlagen und die empirischen Realitäten journalistischer Arbeit in Brüssel in Beziehung zu setzen, um Ursachen für die oftmals kritisierte, magere Berichterstattung über Europa zu identifizieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Autorin kombiniert eine theoretische Literaturanalyse zu Modellen der europäischen Öffentlichkeit mit einer eigenen empirischen, schriftlichen Befragung unter deutschen Korrespondenten in Brüssel.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Mittelpunkt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung des Brüsseler Pressecorps, den prägenden „Mikrokosmos“ vor Ort, den Umgang mit institutionellen Informationsquellen wie Kommission und Ministerrat sowie unterschiedliche Journalismuskulturen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Wichtige Begriffe sind Europäische Öffentlichkeit, Brüsseler Pressecorps, Korrespondenten, Öffentlichkeitsdefizit, politische Kontrolle und journalistische Arbeitsbedingungen.

Welche Rolle spielt der "Korpsgeist" in Brüssel?

Der Korpsgeist beschreibt die kollegiale Atmosphäre und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Journalisten in Brüssel, die gemeinsam mit einem komplexen Thema ringen, was laut Autorin jedoch auch investigativen Journalismus behindern kann.

Warum ist das Verhältnis zu den Heimatredaktionen so wichtig?

Die Redaktionen in den Nationalstaaten üben Kontrolle über die Korrespondenten aus und setzen durch ihre oft nationale Ausrichtung sowie mangelndes Interesse an EU-Themen enge Grenzen für die Arbeit vor Ort.

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Details

Title
Das Brüsseler Pressecorps und europäische Öffentlichkeit
College
Dresden Technical University  (Philosophische Fakultät Institut für Kommunikationswissenschaft)
Grade
1,0
Author
Annette Schramm (Author)
Publication Year
2004
Pages
31
Catalog Number
V60075
ISBN (eBook)
9783638538343
Language
German
Tags
Brüsseler Pressecorps
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Annette Schramm (Author), 2004, Das Brüsseler Pressecorps und europäische Öffentlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60075
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