Mafia und Rosenkreuzer, zwei Phänomene die auf den ersten Blick wenige beziehungsweise keine Ähnlichkeiten aufweisen. Trotzdem wird des öfteren ein Kriterium genannt, das ihnen zugeordnet wird. Sie seien beide als Geheimgesellschaften zu verorten. Dieser These gilt es daher in dieser Arbeit einer Überprüfung zu unterziehen und anhand einer Analyse aufzuarbeiten.
Geheimgesellschaften stellen eine Erscheinung dar, die von der Gesellschaft wenig Beachtung findet. Dies wird natürlich gefördert durch das geheime Wirken, da man hier nicht gerade um Öffentlichkeit und Publicity bemüht ist. Wenn man sich aber mit dem Verlauf der Geschichte beschäftigt und diese Thematik dazu berücksichtigt, lässt sich erkennen, dass Geheimgesellschaften in jeder Phase der Historie präsent waren und dass sie unterschiedlichste gesellschaftliche Wirkungen hervorriefen. Insbesondere in Zeiten religiöser, politischer und sozialer Umbrüche konnte man erhöhte Aktivitäten dieser Form von Zusammenschlüssen ausmachen, die dann als eine Anlaufstelle für verschiedenste Ziele und Personen fungierte.
Die Hauptaufgabe dieses Buches besteht darin, die Mafia und die Rosenkreuzer etymologisch, historisch und ihrer gesellschaftlichen Wirkung nach darzustellen, dies wird in jeweils eigenständigen Punkten erfolgen. Das Ziel ist es einen allgemeinen Überblick zu geben und mit den Erscheinungen vertraut zu werden.
Anschließend erfolgt eine generelle Auseinandersetzung mit dem Thema Geheimgesellschaften. In dieser sollen charakteristische Merkmale von Geheimgesellschaften ermittelt werden, die diesen Gruppen immanent sind. Mit diesen Merkmalen lässt sich dann auch überprüfen, ob es sich bei der Mafia und den Rosenkreuzern um geheimgeselschaftliche Organisationen handelt.
Wenn beide Geheimgesellschaften darstellen, müsste sich ihrer Funktions-und Strukturweise nach um ähnliche Gebilde handeln. Dies gilt es nachzuweisen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Mafia
2.1 Mafia – eine etymologische Bestimmung
2.2 Mafia – eine historische Genese
2.3 Mafia als manifeste Erscheinung
Struktur / Organisation / Verhaltensweisen
Mafia und Gewalt
Mafia und Macht
2.4 Mafia als amerikanische Abwandlung
3. Die Rosenkreuzer
3.1 Rosenkreuzer – eine etymologische Bestimmung
3.2 Rosenkreuzer – eine historische Genese
3.3 Rosenkreuzer – Struktur / Lehren / Einflüsse
4. Geheimgesellschaften
4.1 Das Geheimnis
4.2 Der Gehorsam
4.3 Die Hierarchie
4.4 Die Integration
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die These, ob sowohl die Mafia als auch die Rosenkreuzer als Geheimgesellschaften zu klassifizieren sind, indem sie deren historische Entwicklung sowie ihre gesellschaftliche Wirkungsweise einer tiefgehenden soziologischen Analyse unterzieht.
- Etymologische und historische Herleitung beider Phänomene
- Analyse der Machtstrukturen und des organisatorischen Aufbaus
- Untersuchung der Rolle von Geheimhaltung, Gehorsam und Integration
- Vergleich der soziologischen Relevanz und Wirkung in der Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
Struktur / Organisation / Verhaltensweisen
Ursprünglich generierte sich die innere Stärke der Mafia durch den Familiensinn der Sizilianer. „In erbittertem Haß gegen die offiziellen Regierungen hat Siziliens Bevölkerung sich Jahrhunderte lang an die Einheit der Familie oder des Stammes geklammert, da dies die einzigen Stellen waren, die ihr Schutz und moralische Hilfe boten. Die Disziplin der Mafia entstand, weil das Mitglied einer Familie, dem Unrecht getan worden war, nur außerhalb des öffentlichen Rechtes Gerechtigkeit finden konnte. Wo niemand dem Gesetz der fremden Eindringlinge traut, tritt das Gesetz der Familie in Kraft.“ Die daraus resultierende Familiendisziplin bezeichnet man auch mit dem Begriff „Omertà“, was übersetzt „Mannhaftigkeit“ bedeutet. Dazu gehört die unabdingbare Verpflichtung der Nichteinschaltung von staatlichen Behörden, wenn eine Gewalttat der Familie anheim fiel. Eine Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen war generell strengstens untersagt und verachtet.
Die diesbezüglichen Rachebestrebungen sind elementare Pflichten der betroffenen Familie, die nach dem Prinzip: „Aug um Aug und Zahn um Zahn in einem Streit zwischen Familien, bis alle männlichen Familienmitglieder tot waren; die stoische und ergebene Hinnahme des Unrechtes und der Beschimpfungen durch den Feind oder Unterdrücker, bis der Augenblick zur Rache gekommen war; die lebenslange Weigerung, einmal erlittenes Unrecht zu vergeben oder zu vergessen; die völlige Hingabe an das Wohl der Familie, weil das Wohlergehen des einzelnen von dem Wohlergehen aller ihrer Mitglieder abhängig war und eine wohlhabende Familie die Angriffe eines Feindes besser durchstehen konnte als eine arme; blinder Gehorsam dem Familienoberhaupt gegenüber, dessen Wille zum Gesetz wurde; und eine Vorliebe für Geheimhaltung, da das staatliche Gesetz grundsätzlich jeder Gesellschaft in der Gesellschaft feindlich gegenübersteht. Ein solcher Ehrenkodex entwickelte in den Familien der Mafia eine hohe Selbstachtung und einen ausgeprägten Sinn für Ehre und Pflicht. Er führte aber auch zu Mordtaten von einer Barbarei und Gemeinheit, wie sie in moderner Zeit nur selten ihres gleichen gefunden haben.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert die Forschungsfrage und die Absicht, Mafia und Rosenkreuzer als Geheimgesellschaften zu analysieren.
2. Die Mafia: Beleuchtet etymologische Wurzeln, historische Entstehung in Sizilien, deren Manifestation als kriminelle Organisation sowie die amerikanische Adaption.
3. Die Rosenkreuzer: Beschreibt die Ursprünge der Bewegung im 17. Jahrhundert, deren Manifeste und die Wandlung hin zu den heutigen esoterischen Dienstleistungsunternehmen.
4. Geheimgesellschaften: Erarbeitet soziologische Merkmale wie Geheimnis, Gehorsam, Hierarchie und Integration, die für die Definition einer Geheimgesellschaft essenziell sind.
5. Fazit: Führt die Analyse zusammen und bestätigt die Einstufung beider Organisationen unter den Begriff der Geheimgesellschaft, trotz ihrer grundlegend unterschiedlichen inhaltlichen Ausrichtung.
Schlüsselwörter
Mafia, Rosenkreuzer, Geheimgesellschaft, Cosa Nostra, Omertà, Macht, Gewalt, Hierarchie, Integration, Initiation, Soziologie, Geschichte, Geheimnis, Organisation, Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Mafia und die Rosenkreuzer unter dem Aspekt ihrer gemeinsamen Eigenschaft als Geheimgesellschaften.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die historische Entwicklung, die Organisationsstrukturen, den Ehrenkodex, die Machtausübung und die sozialen Integrationsmechanismen beider Organisationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, dass beide Phänomene trotz unterschiedlicher Motivationen die für Geheimgesellschaften typischen strukturellen und sozialen Merkmale aufweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische und gesellschaftswissenschaftliche Analyse, die auf bestehender Fachliteratur und Dokumenten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Mafia-Strukturen, der historischen Entwicklung der Rosenkreuzer sowie eine theoretische Einordnung von Geheimgesellschaften anhand der vier Grundpfeiler Geheimnis, Gehorsam, Hierarchie und Integration.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Geheimgesellschaft, Macht, Organisation und soziologische Strukturmerkmale charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Hierarchie bei der Mafia von der bei den Rosenkreuzern?
Während die Mafia eine strikte Hierarchie der Gewalt etabliert, ist die Hierarchie bei den Rosenkreuzern als eine Hierarchie der Erkenntnis zu verstehen.
Welche Bedeutung kommt der Frau in der Mafia zu?
Der Frau kommt eine Schlüsselrolle in der Sozialisation der nächsten Generation zu, da sie die mafiosen Werte an die Kinder vermittelt und den Familienzusammenhalt im Verborgenen sichert.
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- Dipl.-Soziologe Mark Ruth (Author), 2002, Mafia und Rosenkreuzer. Geheimgesellschaften: Geschichte und gesellschaftliche Wirkung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6010