Barthold Heinrich Brockes "Irdisches Vergnügen in Gott" Brockes Naturverständnis anhand ausgewählter Gedichte


Hausarbeit, 2005

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Autor

3. Brocke´s Hauptwerk „Irdisches Vergnügen in Gott“

4. Brocke´s Naturverständnis und die Darstellung im Gedicht
4.1 „Kirsch-Blühte bey der Nacht“
4.1.1 Darstellung von Form und Inhalt
4.1.2 Deutung und Interpretation
4.2 „Die kleine Fliege“
4.2.1 Form, Inhalt und Darstellung
4.2.2 Deutung und Interpretation

5. Der pyhsikotheologische Gottesbeweis

6. Beide Gedichte im Vergleich

7. Zusammenfassung und Ergebnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

An Ihro

Reichs= Hoch= Gräfl. Excellens

Herr Graf Albrecht Wolffgang

Grafen zu Schaumburg Lippe und Sternburg

„Großer Graf!

Erhabner Geist!

Auszug dessen, was die Welt

An Verdienst und Seelen-Größe

Groß und für vortrefflich hält.

Der Wissenschaft, Erfahrung, Muth, Vernunft, Person und Stande

Jugend Menschen-Lied und Großmuth

unfern im gantzen Deutschen Lande

Selbst ein Irdisches Vergnügen.!

Dir auf dein gehofft Belieben wird,

des Irdischen Vergnügens Auszug,

billig zugeschrieben.“[1]

B. H. Brockes

Mit diesen Zeilen beginnt das „Irdische Vergnügen in Gott“, das Hauptwerk von Barthold Heinrich Brockes. Nur, wer war dieser Mann, welche Werke hat er uns hinterlassen und wie lassen sich diese inhaltlich zuordnen? Mit diesen Fragen soll sich die hier vorliegende Hausarbeit beschäftigen. Ich behandle in dieser Arbeit einen der bekanntesten Poeten des 18. Jahrhunderts[2], seine Werke und deren Bedeutung. Nach der Vorstellung des Autors und seines Hauptwerkes werde ich zwei ausgewählte Gedichte darstellen, beschreiben und interpretieren und versuchen deren Bedeutung und Sinn darzulegen. Außerdem versuche ich die Frage zu beantworten, warum Brockes gerade durch solche Gedichte und Inhalte bekannt wurde, wie sie im späteren Verlauf aufgezeigt werden. Dadurch möchte ich auf die ganz speziellen Eigenheiten seiner Werke und seiner Dichtung hinzuweisen, um damit seine großartige Leistung zu veranschaulichen: der Tatsache die Kunst der beschreibenden Dichtung in die deutsche Literatur eingebracht zu haben[3].

2. Der Autor – Barthold Heinrich Brockes

Barthold Heinrich[4] Brockes wurde am 22.September 1680 in Hamburg als Sohn eines reichen Kaufmanns geboren. Dies verschaffte ihm die Möglichkeit einer guten Schulbildung durch den Besuch des Gymnasiums und des Johaneums[5], wodurch er auch die Möglichkeit erhielt in Halle Jura zu studieren. Nach seinem Studium begab er sich auf Reisen durch fast ganz Europa und besuchte mit wenigen Ausnahmen alle Länder. Dies war der Beginn seiner wissenschaftlichen Neugierde und Forschungen, die ihn bis an sein Lebensende begleiteten. Er wurde Stadtrat in Hamburg, 1728 Stadtrichter, zwei Jahre später sogar Landrichter. Trotz seiner bürgerlichen Herkunft wurde er 1733 zum kaiserlichen Pfalzgrafen ernannt, wodurch sein Ansehen und die Bekanntheit seiner Werke deutlich stiegen.[6]

Sein Hauptwerk, die 9-bändige Gedichtsammlung[7], erschien zwischen 1721 und 1748. Dabei wurde jeder Band einzeln veröffentlicht, der letzte erschien erst nach seinem Tod. So konnte nie eindeutig geklärt werden, ob die Sammlung ganz abschlossen war.[8] Auch aufgrund des Inhaltes und der Art seiner Gedichte wurde Brockes unter Zeitgenossen und späteren Lesern mehr als Naturforscher, denn als Poet gesehen. Diese Meinung entstand aus der Tatsache heraus, dass er beschreibende Gedichte, gerade über das Aussehen und die Gestalt der Natur und ihre Geschehnisse verfasst hatte. Er schuf damit eine neue Art des Inhaltes der Dichtung und nutzte deren Möglichkeiten der Beschreibung aus. Dies war auch im Gedanke der nahenden Epoche der Aufklärung (ca. 1695 bis 1780[9] ) Dies wird im späteren Verlauf dieser Arbeit noch ausführlicher zur Sprache kommen.

Barthold Heinrich Brockes starb am 16. Januar 1747 in Hamburg kurz vor der Vollendung des 9. Bandes seiner Gedichtsammlung. Sein Werk und dessen Neuerungen blieben der Literatur jedoch erhalten.[10]

3. „Irdisches Vergnügen in Gott“ – Brockes´ Hauptwerk

Epochal gesehen muss man diese Gedichtsammlung zwischen dem Barock (ca. 1605-1695) und der Aufklärung einordnen. Sie wird als bezeichnender Ausschnitt der Epoche der „Frühaufklärung“[11] gesehen. Der Großteil der Texte aus dieser Zeit sind zwar noch religiöser Art und gipfeln in der Verherrlichung Gottes, jedoch sind sie auch beschreibend in der Darstellung der Natur und zeigen ansatzweise Erkenntnisse aus Forschung und Wissenschaft.[12]

Die Gedichte Brockes´ beschreiben die Natur sehr ausführlich und von allen Seiten. Daher kommen nicht nur, nach dem menschlichen Verständnis, „schöne“, sondern auch andere Geschöpfe der Natur[13] vor. Alle Gedichte enden im Lobpreis der Welt in all ihrer Form und Vielfalt als Werk Gottes. Besonders interessant ist dabei die teils detaillierte Betrachtung und Beschreibung einzelner Elemente in Flora und Fauna, die teilweise präzisen wissenschaftlichen Analysen gleichen. Der Begriff Natur stellt bei Brockes eine wohlgesetzte und göttliche Weltordnung und Vorbild für die Menschen als Bildnis der Werke Gottes dar. Dies steht in Bezug zum damaligen Weltbild. Gott wird jedoch noch nicht unmittelbar in der Natur gesucht, er befindet sich, dem Glauben nach, auf einer höheren Ebene. Die Natur bezeugt in ihrer vielseitigen Erscheinung aber dessen Macht. Alle Gedichte enden mit dieser Aussage, zu der Brockes selbst schrieb:

„Von einem jeglichen Vergnügen sollt billig Gottes Lob das Ende;

Das Ende von dem Lobe Gottes ein Anfang vom Vergnügen seyn.“[14]

Der Titel von Brockes´ Gedichtsammlung verweist in seinem Wortlaut auf ein physikalisch-moralisches Vergnügen. Die Natur und ihre Wissenschaft werden hier der Moral bzw. der Sittlichkeit nicht entgegengesetzt, sondern beide Seiten gehen in Gott auf. Die Poesie setzt dabei aber das, von Brockes verwendete, beschreibende Verfahren voraus. Dies führt in seinen Werken zum sogenannten „deskriptiven Naturpoem“, dem beschreibenden Naturgedicht[15]. Auf diese Weise vereint Brockes zwei scheinbar gegensätzliche Gebiete: die Kunst, dies meint die Kunst des Dichtens, und die Wissenschaft. Erstere ist mit ihrer Eigenschaft, auch Abstraktes zu behandeln, der Wissenschaft entgegengestellt, denn diese stützt sich auf Forschung und Tatsachen.

Brockes benutzt in seinen Werken zusätzlich die Tagebuchpoesie, das heißt, das lyrische Ich entspricht dem Autor, und daher Brockes selbst. Dieser beobachtet die Natur und vermittelt seine Beobachtungen dann dem Leser in seinen deskriptiven Gedichten.

Dadurch wird die Poesie überall gegenwärtig und ist für die Leser authentisch beglaubigt. Diese können sich im Text wiederfinden, wenn beispielsweise Dinge aus der eigenen Erfahrung beschrieben werden.

Eine weiterer Besonderheit der Dichtung von Brockes ist die von ihm benutzte, große Aufwertung und Vergottesdienstlichung der Sinne in und durch seine Gedichte. Das lyrische Ich benutzt alle Sinne um die Natur zu erfahren und zu beschreiben. Sehen, Hören, Riechen, Fühlen und Schmecken machen die Vielfalt der Natur dem menschlichen Geist zugänglich. Die Welt wird also durch die Sinne beglaubigt.[16] Gleichzeitig nutzt der Leser bestimmte Sinne im Lesen oder Vortragen der Gedichte, wodurch diese Erfahrung nochmals zum Vorschein kommt, wenn auch nicht so stark wie beim Verfassen und Erleben vor Ort. Durch diese Tatsache sind die Gedichte nicht mehr typisch für die Epoche des Barock. Die Anfänge der Aufklärung zeigen sich. In dieser Epoche herrscht allerdings eine andere Sicht der Weltordnung und diese stimmt nicht mit der von Brockes überein. Daher muss man diese Werke epochal zwischen Barock und Aufklärung einordnen. Man bezeichnet diese Zeit daher als Frühaufklärung.[17]

Eine weitere Besonderheit stellt der äußere Aufbau der Gedichte dar. Die Tatsache, dass Brockes die Natur nicht als eine Masse dargestellt, sondern jeweils einzelne Elemente oder Vorgänge beschrieben hat, führt dazu, dass die Beschreibung an sich als Mittel der Darstellung in seinen Werken verwendet wurde.[18] Dafür reichen aber die damals üblichen Formen des Sonetts, (14 Zeilen), oder die der Ode nicht aus, da deren Regelformen gebrochen würden. Brockes verwendet stattdessen prosa-ähnliche, freie Versformen. Ebenso gibt es keine festen Metren oder Reimformen, und auch das lyrische Ich ist fast immer mit dem Autor gleichzusetzen. Die Form scheint sich erst aus dem Inhalt des Gedichtes zu ergeben, den Brockes beschreiben möchte. Er schafft damit eine gänzlich neue Art von Gedichten, und diese steht im Einklang mit der Neuheit des Inhaltes und der Absicht, in welcher Brockes seine Werke verfasste. Dies zeichnet teilweise den schon angesprochenen Typ des deskriptiven Naturpoems aus.

[...]


[1] Vgl.: Auszug der vornehmsten Gedichte aus „Irdisches Vergnügen in Gott“ Faksimiledruck von 1738. Stuttgart: Metzler, 1965. S. 5 Vorwort: Widmung an seinen Gönner, Graf Albrecht Wolffgang zu Schaumburg-Lippe und Sternburg.

[2] So nennt ihn H. C. Buch in: Ut pictua Poesis,. München: Carl Hanser, 1972. S. 64.

[3] Ebd.

[4] Vereinzelt stößt man auch auf den 2. Vornamen „Hinrich“. Es ist nicht sicher festzustellen, welcher korrekt ist.

[5] Johaneum in Hamburg: Gelehrtenschule (lt.: Hamburger Stadtgeschichte).

[6] Vgl.: Wucherpfennig, Wolf (Hrsg.): Geschichte der deutschen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 3. Auflage. Stuttgart: Klett, 1996. S. 86f.

[7] Mit diesem Werk beschäftigt sich auch Punkt 3 in dieser Arbeit.

[8] Ich konnte keine Hinweise auf eine Unvollständigkeit der Sammlung finden.

[9] Vgl.: Wucherpfennig, Wolf (Hrsg.): Geschichte der deutschen Literatur.

[10] Vgl.: Auszug der vornehmsten Gedichte aus „Irdisches Vergnügen in Gott“. Nachwort, S. 2ff.

[11] Ebd.

[12] Vgl.: auch Punkt 2.: Der Autor.

[13] Vgl.: Punkt 5. Die kleine Fliege.

[14] Vgl.: Irdisches Vergnügen in Gott. Band VIII. S. 518.

[15] Vgl.: Ketelsen, Uwe: Naturpoesie als Medium bürgerlicher Ideologiebildung des früher 18. Jahrhundert, in: Mecklenburg, Norbert. Naturlyrik und Gesellschaft. Stuttgart: Klett, 1977. S. 45f.

[16] Vgl.: Guntermann, Georg: Barthold Heinrich Brockes´ „Irdisches Vergnügen in Gott“ und die Geschichte seiner Rezeption in der deutschen Germanistik. Bonn: Bouvier, 1980. S. 223ff.

[17] Ebd. S. 104f.

[18] Vgl.: Buch, Hans Christoph: Ut Pictura Poesis.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Barthold Heinrich Brockes "Irdisches Vergnügen in Gott" Brockes Naturverständnis anhand ausgewählter Gedichte
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für neuere deutsche Literatur)
Veranstaltung
Proseminar Naturlyrik
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V60121
ISBN (eBook)
9783638538756
ISBN (Buch)
9783640203895
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Barthold, Heinrich, Brockes, Irdisches, Vergnügen, Gott, Brockes, Naturverständnis, Gedichte, Proseminar, Naturlyrik
Arbeit zitieren
Florian Huber (Autor), 2005, Barthold Heinrich Brockes "Irdisches Vergnügen in Gott" Brockes Naturverständnis anhand ausgewählter Gedichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60121

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