Unternehmen sind heutzutage vielfältigen Veränderungen ausgesetzt. Neue Technologien, die Globalisierung und veränderte Erwartungen seitens der Stakeholder führen dazu, dass die Anpassung an solche Veränderungen im Unternehmen immer mehr zu einer Standardanforderung für Führungskräfte wird. Veränderungen erfolgreich durchzuführen wird zu einer Schlüsselkompetenz1. Um einen Prozess des Wandels in einer Organisation erfolgreich zu bewältigen wird oftmals ein externer Berater für Organisationsentwicklung engagiert. Dieser hat erheblichen Einfluss auf den Erfolg oder Misserfolg der Veränderung und das Ausmaß möglicher unerwünschter Nebeneffekte. Er muss Veränderungen initialisieren, bestehende Strukturen und Beziehungen analysieren und mit den betreffenden Mitarbeitern die Veränderung planen, umsetzen, verwirklichen und kontrollieren. Dabei kommt ihm eine ganz spezielle Rolle zu. Er soll das Veränderungsgeschehen leiten und die Gesamtorganisation zum angestrebten Ziel führen, wobei er als externe Person nicht immer Einsicht in Zusammenhänge und auch nicht die notwendige Durchsetzungsmacht besitzt. Darüber hinaus birgt der Organisationsprozess an sich ein hohes Maß an Konfliktpotential. Dies kann zu erheblichen Problemen führen. Die zentrale Frage der folgenden Arbeit lautet darum: Wie kann der Change Agent innerhalb des Organisationsentwicklungsprozesses Macht ausüben und Veränderungen erfolgreich durchführen? Es sollen die Aufgaben und Funktionen des Change Agents mit den verschiedenen Formen der Machtausübung zusammengebracht werden. 1 vgl.
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1 vgl. Lies 2003, S. 14-15
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
4. Change Agent und Organisationsentwicklung
4.1. Organisationsentwicklung
4.2. Change Agent
4.3. Veränderung und der Organisationsentwicklungsprozess
4.4. Phasen und Konflikte im Organisationsentwicklungsprozess
4.5. Anforderungen an den Change Agent
5. Macht und Machtausübung
5.1. Definitionen von Macht in Organisationen
5.2. Machtquellen im Unternehmen
5.3. Machtaspekte für den Change Agent
5.3.1. Persönlichkeit
5.3.2. Beziehung
5.3.3. Organisationskultur
5.4. Wie wird Macht eingesetzt? (=mikropolitische Taktiken)
5.4.1. Zwang / Druck
5.4.2. Belohnen / Vorteile schaffen
5.4.3. Einschaltung höherer Autoritäten
5.4.4. Rationales Argumentieren
5.4.5. Koalitionsbildung
5.4.6. Persönliche Anziehungskraft
5.4.7. Idealisierung / Ideologisierung
6. Möglichkeiten der Machtausübung für den Change Agent
6.1. Implikationen durch die Situation des Change Agents
6.2. Ziele des Change Agents bei der Machtausübung
6.3. Anwendung der mikropolitischen Taktiken
6.4. Machtausübung in den einzelnen Phasen
6.4.1. Anfangsphase (Unfreeze)
6.4.2. Mittelphase (Move)
6.4.3. Endphase (Freeze)
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie ein externer Change Agent in Organisationsentwicklungsprozessen trotz mangelnder formaler Durchsetzungsmacht erfolgreich Einfluss nehmen kann, um Veränderungsprozesse zu steuern und Widerstände zu überwinden.
- Die Rolle und Funktion des Change Agents in Veränderungsprozessen.
- Grundlagen und Definitionen von Macht in sozialen Systemen.
- Die Anwendung spezifischer mikropolitischer Taktiken zur Einflussnahme.
- Die situative Anpassung der Machtausübung an verschiedene Phasen des Wandels.
- Das Spannungsfeld zwischen der Rolle als externer Berater und der notwendigen Parteinahme.
Auszug aus dem Buch
4.4. Wie wird Macht eingesetzt? (=mikropolitische Taktiken)
Abhängig von den Machtressourcen und Machtgefügen in einem Unternehmen bzw. von den Persönlichkeitsmerkmalen und Zielen des Machtausübenden wird Macht unterschiedlich eingesetzt. Laut Neuberger (1995) werden sieben Hauptgruppen von Machtausübung unterschieden. Diese sieben Gruppen decken jedoch nicht jede Art von Machtausübung ab, da dem Akteur hier wahrscheinlich unbegrenzte Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Diese sieben Hauptgruppen haben sich aber in einer Reihe von Untersuchungen als wesentlich herausgestellt. Sie sind: Zwang / Druck, Belohnen / Vorteile schaffen, Einschaltung höherer Autoritäten, rationales Argumentieren, Koalitionsbildung, Persönliche Anziehungskraft und Idealisierung / Ideologisierung. Eine ähnliche Unterteilung treffen auch French & Raven.
Im Rahmen von Zwang / Druck findet eine unmittelbare Konfrontation zwischen zwei Personen statt. Es geht zumeist um Bestrafung oder Strafandrohung (auch im Sinne von Belohnungsentzug). Diese Form der Machtausübung setzt bestimmte Dinge voraus: die Person, die Macht ausübt, muss bestimmte Machtressourcen besitzen und anerkannte Macht gegenüber der anderen Person (im Sinne von legitim garantierter Macht) haben.
Belohnen / Vorteile schaffen meint die positive Verstärkung von erwünschten Verhaltensweisen. Diese Taktik kann als Gegenteil der Zwang / Druck Taktik verstanden werden. Voraussetzung in diesem Bereich ist, dass die Person A ein Belohnungsmittel, welches Person B begehrt, besitzt und dass die Person B dem jeweiligen Tauschversprechen Glauben schenkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Rolle des Change Agents in Veränderungsprozessen und stellt die Forschungsfrage, wie dieser mittels Machtausübung erfolgreich Veränderungen steuern kann.
4. Change Agent und Organisationsentwicklung: Dieses Kapitel erläutert Begriffe der Organisationsentwicklung, definiert den Change Agent als externen Berater und beschreibt die drei Phasen eines Veränderungsprozesses nach Levin.
5. Macht und Machtausübung: Hier werden theoretische Grundlagen zu Macht, Machtquellen und mikropolitische Taktiken (wie Zwang, Belohnung, Koalition) als Werkzeuge der Einflussnahme analysiert.
6. Möglichkeiten der Machtausübung für den Change Agent: Das Kapitel verknüpft die zuvor erarbeiteten Taktiken mit der spezifischen Situation des Change Agents und analysiert deren Anwendung in den Phasen Unfreeze, Move und Freeze.
7. Fazit: Die Autoren fassen zusammen, dass der Erfolg eines Change Agents primär durch Expertenmacht und indirekte Taktiken wie rationales Argumentieren und persönliche Anziehungskraft gesichert wird, anstatt durch direkte Druckausübung.
Schlüsselwörter
Change Agent, Organisationsentwicklung, Machtausübung, Mikropolitik, Veränderungsmanagement, Machtquellen, Expertenmacht, Koalitionsbildung, Unfreeze, Move, Freeze, Widerstand, Einflussnahme, Beratung, Rollenflexibilität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten eines externen Change Agents, in einem Organisationsentwicklungsprozess Macht auszuüben, um Veränderungen erfolgreich zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt Organisationsentwicklung, Machttheorien in Unternehmen, mikropolitische Taktiken sowie die spezifische Rolle des externen Beraters in verschiedenen Phasen des Wandels.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Wie kann der Change Agent innerhalb des Organisationsentwicklungsprozesses Macht ausüben und Veränderungen erfolgreich durchführen?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse von Fachliteratur zu Organisationspsychologie, Machttheorien und Beratungskonzepten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Machtquellen, Aspekte der Persönlichkeit und Beziehungspflege sowie die Anwendung konkreter mikropolitischer Taktiken in den drei Phasen des Wandels nach Levin.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Change Agent, Organisationsentwicklung, Machtausübung, mikropolitische Taktiken, Expertenmacht und Phasenmodelle der Veränderung.
Warum ist die Unterscheidung zwischen direkter und indirekter Macht für den Change Agent wichtig?
Da der Change Agent meist keine formale Weisungsbefugnis besitzt, sind direkte Taktiken wie Zwang oft wirkungslos oder kontraproduktiv; indirekte Taktiken fördern hingegen die Identifikation mit dem Ziel.
Welche Rolle spielt die Koalitionsbildung?
Koalitionsbildung ist für den Change Agent essenziell, um sich Ressourcen zu erschließen, Unterstützung durch offizielle Machtträger zu erhalten und seine eigene Expertenmacht zu vergrößern.
Wie unterscheidet sich die Taktik in der Unfreeze- von der Freeze-Phase?
Während in der Unfreeze-Phase die Vertrauensbasis und der Abbau von Widerständen durch Kommunikation und Koalition im Vordergrund stehen, reduziert sich die aktive Machtausübung des Beraters in der Freeze-Phase zugunsten der Stabilisierung durch die Führungskräfte.
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- Mag. (FH) Verena Stättner (Author), Elke Vonach (Author), 2006, Macht in Organisationen - Machtausübung des Change Agents im Organisationsentwicklungsprozess, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60127