Schriftspracherwerb im Anfangsunterricht


Hausarbeit, 2006

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Ihalt

1 Einleitung

2 Aspekte des Schriftspracherwerbs
2.1 Unterrichtsvoraussetzung
2.2 Konsequenzen für den Lese- und Schreiblernprozess
2.3 Blick in die Praxis

3 Die Anlauttabelle in Kombination
3.1 Strukturierungsangebot durch Materialien
3.2 Strukturierungsangebot durch Gebärdensprache
3.3 Neue Medien
3.4 Die Druckschrift

4 Lernvoraussetzungen erkennen
4.1 Das Würzburger Trainingsprogramm
4.2 Entwicklungsmodelle der Schreibentwicklung

5 Bezug zur Praxis

6 Resümee
6.1 Ausblick

7 Literatur- & Quellenverzeichnis

8 Anhang

1 Einleitung

»Schreiben – das intellektuelle Produktionsmittel des Menschen« [1]

(Utz Maas)

Mit diesen einleitenden Worten von Utz Maas möchte ich meine Ausarbeitung „Aspekte des Schriftspracherwerbs im Anfangsunterrichts“ beginnen. Das Zitat stellt nicht nur die Wichtigkeit des Schreibens dar – es gibt auch zu verstehen, dass dieses Produktionsmittel eine intellektuelle Position vertritt. Aus diesem Grund halte ich es für besonders relevant mit dem Schreiben am Anfang oder zu Beginn der Schulzeit so früh wie möglich zu beginnen. Nicht nur, um unseren Schülern eine Stütze im deutschen Sprachraum zu bieten, sondern auch um sie durch unterschiedliche Methoden zum selbständigen erwerben der Schriftsprache zu erziehen.

Nach einer OECD-Studie versagt das deutsche Schulsystem bei der Förderung von Migrantenkindern, so berichtet die deutsche Presseagentur in den vergangenen Tagen.[2] Als „gravierend“ wird herausgestellt, dass in Deutschland mehr als 40% der Migrantenkinder der zweiten Generation nicht über die niedrigsten Kompetenzstufen sowohl in Mathematik als auch im Lesen hinauskommen.[3] Hierbei stellt sich die Frage, ob der Anfangsunterricht diese bestehenden Mängel auffangen kann. Inwiefern können die unterschiedlichen Methoden des Schriftspracherwerbs zu einem flüssigeren Lesen oder fehlerlosen Schreiben beitragen? Welche Methoden können den Schreib- oder Leselernprozessen unterstützen?

In meiner Hausarbeit werde ich auf verschiedene Wege des Schriftspracherwerbs im Anfangsunterricht eingehen, diese näher beleuchten und am Ende einen Blick in die Praxis des Schulalltag werfen.

2 Aspekte des Schriftspracherwerbs

In den letzten Jahren hat sich im Hinblick auf den Schriftspracherwerb im Anfangsunterricht eine wesentliche Entwicklung vollzogen. So geht man von der Ganzheits-, der analytischen Methode oder der Methodenintegration ab, bezieht sich vielmehr auf den konstruktivistischen Lernansatz und dessen Übertragung auf das Lesen- und Schreibenlernen. Dies wird auch deutlich in der Veröffentlichung des Arbeitskreises Grundschule „Schatzkiste Sprache 1“. Angelika Speck Hamdan erörtert in ihrem Aufsatz die Grundzüge des Lernprozesses aus konstruktivistischer Sicht und überträgt diese speziell auf den Grundschulunterricht.[4] Ausgangspunkt ihrer Überlegungen ist die These, dass Lernen auch ohne Unterricht stattfindet und dass gelehrt wird, ohne dass gelernt wird. Speck-Hamdan betont in ihren Thesen die Autonomie des Lerners. Jedes Kind steuert seinen eigenen Lernprozess und hat somit die Möglichkeit Anregungen aufzunehmen oder das Lernen zu verweigern. Es werden neue Erfahrungen in bereits vorhandene Strukturen eingeordnet, um die Sicht der Welt in ein Gleichgewicht mit eigenen Lernerfahrungen zu bringen.[5] Die Lerner setzen ihr Wissen in Bezug zu vorhandenen und neuen Situationen. Daraus ergibt sich, dass die individuellen Voraussetzungen des Kindes berücksichtigt werden müssen und die Eigenaktivität des Lernenden gewichtet werden muss, um einen sinnvollen Lernprozess anzubahnen. Der Lehrende kann den Fortgang des Lernprozesses und die Stufe der Lernentwicklung durch Fehleranalyse erkennen. Fehler haben somit ihren eigenen diagnostischen Wert. Diese Erkenntnis ist vor allem für die Unterstützung des weiteren Lernprozesses wichtig.

2.1 Unterrichtsvoraussetzung

Unterricht ist demzufolge natürlich nicht überflüssig, er findet nur unter anderen Voraussetzungen statt. Der Lehrer wirkt als Coach, der die geeignete Umgebung und die geeigneten Anregungen bietet, um Lernprozesse in Gang zu setzen, er wirkt im Sinne einer Ermöglichungsdidaktik (Gegensatz: Erzeugungsdidaktik) als Moderator im Lernprozess. Das Sprechen und die Kommunikation über Lernprozesse ist ein wichtiger Aspekt im Unterricht sowohl für den Lehrenden, der seine Schlüsse aus den Äußerungen ziehen kann, wie auch für den Lernenden, der durch Versprachlichung der Problematik Erkenntnisse erreicht.

Das Berücksichtigen dieser Voraussetzungen führt zum „Lernen von Lernen“ , zum Entwickeln von Lernstrategien und ist damit ein wichtiger Ausgangspunkt für das lebenslange Lernen, dass durch die vielen Veränderungen der Lebensgewohnheiten und dem Fortschreiten der technischen Entwicklung nicht nur von uns verlangt, sondern auch von unseren Kindern gefordert wird.[6]

2.2 Konsequenzen für den Lese- und Schreiblernprozess

Natürlich ergeben sich Konsequenzen aus diesem Lern-Modell für die Anbahnung des Lese- und Schreiblernprozesses. Zunächst wird deutlich, dass Lesen und Schreiben aufeinander bezogen werden müssen. Der Schreiblernprozess unterstützt parallel zum Leselernprozess den vielschichtigen Prozess des Schriftspracherwerbes. Beim Bezug Lesen-Schreiben erkennen die Kinder die Strukturen und Unterstützung ihrer Hypothesen, die den Lernprozess erleichtern. Fehler sind dabei nicht zu vermeiden. Fehler sind, wie oben schon angesprochen wurde, eine lernspezifische Notwendigkeit, sie sind individuelle Konstruktionen und als Zwischenschritte zum orthographisch richtigen Schreiben und flüssigen Lesen zu begreifen.[7]

2.3 Blick in die Praxis

Im Unterricht wird dieser Ansatz umgesetzt, indem die Kinder auf eigene Erfahrungen zurückgreifen können. So bietet es sich in den allerersten Stunden an, eine Korrespondenz zwischen Schreib- und Sprachschema aufzuzeigen. Die meisten Kinder können ihren Namen mehr oder wenig vollständig in Großbuchstaben, manche schon mit Hilfe der Groß- und Kleinbuchstaben aufschreiben. Auch das Wiedererkennen des eigenen Namens wird geleistet. Nach dem Wiedererkennen der Namensschildchen[8], können diese Kärtchen nach verschiedenen Ordnungsschemata sortiert werden. Dies geschieht an der Tafel oder auf dem Boden. So ergeben sich in den ersten Stunden rege Diskussionsanlässe, bei denen sich die Kinder mit Schrift und Schreiben auseinandersetzen. Beispielsweise überlegt sich Onno, dass sein Name symmetrisch aufgebaut ist und stellt fest, dass er eine Gemeinsamkeit mit Nina hat. Nina findet heraus, dass ihr Namen ebenfalls vier Buchstaben hat und dass Nadine mit dem gleichen Buchstaben anfängt. Das Finden von Gemeinsamkeiten lässt sich weiter fortsetzen. Die Schulanfänger arbeiten mit dem Material und kommunizieren mit ihren Mitschülern. Der Lehrer braucht nur wenig bei der Steuerung der Gespräche eingreifen und Impulse geben. Die Kinder sind motiviert bei der Sache und können gleich Bezug zur Anlauttabelle nehmen. So lernen die Kinder von Anfang an Strukturierungshilfen kennen, die sie beim selbstständigen Anwenden der Anlauttabelle und damit beim Leselernprozess unterstützen.[9]

[...]


[1] Aus: Spitta, G. (2001), S.75

[2] Aus: Giessener Anzeiger (Stand: 16.5.2006)

[3] vgl. ebd.

[4] vgl. Speck-Handam, A. (2001)

[5] siehe auch Äqulibrationsmodell von Piaget

[6] vgl. Speck-Handam, A. (1998)

[7] vgl. Speck-Handam, A. (2001)

[8] Immer wiederauftauchendes Ritual im Unterricht der Schulanfangszeit.

[9] Beobachtung in einer ersten Klasse.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Schriftspracherwerb im Anfangsunterricht
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut der Germanistik )
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V60177
ISBN (eBook)
9783638539203
ISBN (Buch)
9783656794288
Dateigröße
3272 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schriftspracherwerb, Anfangsunterricht
Arbeit zitieren
Stephanie Müller (Autor:in), 2006, Schriftspracherwerb im Anfangsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60177

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