1. Theoretische Einführung
ADHS / Aufmerksamkeits- ,Hyperaktivitätsstörung
"ob der Philipp heute still
wohl bei Tische sitzen will?
Er gaukelt und schaukelt
Er trappelt und zappelt
auf dem Stuhle hin und her."
(Heinrich Hoffmann, "Der Struwwelpeter")
Das Portrait eines hyperaktiven Kindes zeichnete 1845 Dr. Heinrich Hoffmann in seinem berühmten "Struwwelpeter" (einem, nach unseren heutigen Begriffen, eigentlich recht sadistisches Kinderbuch, in dem jedes unartige Verhalten grausam bestraft wird). Kinder, die wir als verhaltensgestört bezeichnen, gab es demnach auch früher schon.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Theoretische Einführung
1.1. Diagnose
1.2. Vorkommen
1.3. Erklärungsansätze
1.4. Medizinische, verhaltenspsychologische und familiensystemische Maßnahmen
2. Falldarstellung
3. Die klientenzentrierte Gesprächsführung nach C. Rogers
3.1. Die Haltung des Gesprächsführenden
3.1.1. Echtheit (Kongruenz)
3.1.2. Positive Wertschätzung
3.1.3. Einfühlendes Verstehen
3.2. Techniken der klientenzentrierten Gesprächsführung
4. Rollenspiel
5. Auswertung des Rollenspiels
6. Ausblick:
6. Ausblick:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das hyperkinetische Syndrom und seine Auswirkungen auf das soziale Umfeld betroffener Kinder. Ziel ist es, durch die theoretische Fundierung sowie eine praxisorientierte Falldarstellung aufzuzeigen, wie sozialpädagogische Beratung nach dem klientenzentrierten Ansatz nach C. Rogers zur Bewältigung der Herausforderungen im Beratungsalltag beitragen kann.
- Theoretische Grundlagen und Diagnosekriterien des hyperkinetischen Syndroms
- Diversität der Erklärungsansätze (medizinisch vs. sozialwissenschaftlich)
- Methodik der klientenzentrierten Gesprächsführung
- Analyse eines konkreten Fallbeispiels in der Erziehungsberatung
- Interventionsmöglichkeiten in der Beratungspraxis
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Echtheit (Kongruenz)
Dies ist die grundlegendste unter den Einstellungen des Beraters. Eine Beratung ist mit größter Wahrscheinlichkeit dann erfolgreich, wenn der Berater in der Beziehung zum Klienten sich selbst, ungezwungen ist und sich in der Beziehung zum Klienten wohlfühlt. Das heißt: der Berater ist sich dessen, was er empfindet oder erlebt bewusst. Seine Gefühle und Erfahrungen sind ihm jedoch nicht nur zugänglich, sondern er kann sie auch durch sein Wesen angemessen in die Beziehung zum Klienten einbringen. Das bedeutet, dass es sich um eine direkte Begegnung mit dem Klienten handelt, eine Begegnung von Person zu Person. Diese Echtheit und Offenheit erfordert wirkliches Interesse am anderen, es erfordert genug Sicherheit, die beschützende berufliche Rolle aufzugeben, und es erfordert zuallererst ein wirkliches Offensein für das eigene Erleben. Es geht hier jedoch immer darum eine Intensität anzuschlagen, die dem Patienten und der augenblicklichen Situation angemessen ist! Der Berater soll einerseits der Versuchung widerstehen, sich hinter einer professionellen Maske zu verstecken. Andererseits darf er den Klienten nicht mit seinen Empfindungen oder Problemen belasten, bzw. unkontrolliert damit herausplatzen (vgl. Weinberger 1988; S. 35; 36).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Theoretische Einführung: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Begriffe und medizinisch-sozialwissenschaftlichen Erklärungsansätze für das hyperkinetische Syndrom bei Kindern.
1.1. Diagnose: Hier werden die Definitionsschwierigkeiten sowie die klinischen Diagnosekriterien gemäß DSM-IV für das hyperkinetische Syndrom vorgestellt.
1.2. Vorkommen: Dieser Abschnitt thematisiert die Häufigkeit der Störung bei Kindern und nennt begleitende Symptome wie Frustrationstoleranz oder Stimmungsschwankungen.
1.3. Erklärungsansätze: Hier erfolgt eine Gegenüberstellung naturwissenschaftlich-medizinischer und sozialwissenschaftlich-pädagogischer Theorien zur Entstehung von Hyperaktivität.
1.4. Medizinische, verhaltenspsychologische und familiensystemische Maßnahmen: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene Interventionsmöglichkeiten, von medikamentöser Behandlung bis hin zur Psychotherapie und systemischen Ansätzen.
2. Falldarstellung: Hier wird das Fallbeispiel der vierjährigen Victoria eingeführt, deren Problemverhalten im Kindergarten und zu Hause von der Mutter in der Beratungsstelle geschildert wird.
3. Die klientenzentrierte Gesprächsführung nach C. Rogers: Dieser Teil beschreibt die Methode nach Rogers als hilfreiches Werkzeug in der beratenden Arbeit zur Förderung der Selbstexploration des Klienten.
3.1. Die Haltung des Gesprächsführenden: Dieser Abschnitt definiert die notwendigen Beratervariablen Echtheit, positive Wertschätzung und einfühlendes Verstehen.
3.1.1. Echtheit (Kongruenz): Hier wird dargelegt, warum die Authentizität des Beraters als Basis für eine gelungene Klient-Berater-Beziehung unerlässlich ist.
3.1.2. Positive Wertschätzung: Dieses Kapitel erklärt, wie die bedingungslose Akzeptanz des Klienten unabhängig von dessen aktuellem Verhalten den Beratungsprozess unterstützt.
3.1.3. Einfühlendes Verstehen: Hier wird die Technik des empathischen Hineinversetzens in das Erleben des Klienten als Grundvoraussetzung für die Beratung dargestellt.
3.2. Techniken der klientenzentrierten Gesprächsführung: Dieser Teil erläutert das Verbalisieren emotionaler Erlebnisinhalte als zentrale Technik zur Strukturierung der Klientenäußerungen.
4. Rollenspiel: Dieses Kapitel dokumentiert ein konkretes Beratungsgespräch zwischen einer Sozialpädagogin und der Mutter der betroffenen Victoria.
5. Auswertung des Rollenspiels: Hier wird das geführte Gespräch unter Bezugnahme auf die zuvor definierten klientenzentrierten Methoden analysiert und reflektiert.
6. Ausblick:: Dieser abschließende Teil beschreibt den weiteren Verlauf der Fallgeschichte nach der Beratung, inklusive ärztlicher Diagnose und therapeutischer Schritte.
Schlüsselwörter
Hyperkinetisches Syndrom, ADHS, klientenzentrierte Gesprächsführung, Carl Rogers, Erziehungsberatung, Sozialpädagogik, Diagnosekriterien, Kongruenz, Empathie, positive Wertschätzung, Fallbeispiel, Verhaltensauffälligkeit, Symptomatik, Beratungspraxis, Systemische Interventionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Einordnung des hyperkinetischen Syndroms sowie der praktischen Anwendung der klientenzentrierten Gesprächsführung nach C. Rogers in der sozialpädagogischen Erziehungsberatung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Ursachenforschung von Hyperaktivität, die therapeutische Haltung nach Carl Rogers und deren konkrete Umsetzung in der Beratungspraxis.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Nutzen klientenzentrierter Beratungsmethoden für Eltern von Kindern mit hyperkinetischem Syndrom aufzuzeigen und einen konkreten Beratungsprozess anhand eines Fallbeispiels zu illustrieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung und einer qualitativen Analyse eines Rollenspiels, um den Beratungsprozess zu dokumentieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine ausführliche Falldarstellung der vierjährigen Victoria sowie die theoretische und praktische Analyse der klientenzentrierten Gesprächsführung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind neben ADHS und hyperkinetischem Syndrom vor allem die Kernkompetenzen nach Rogers (Echtheit, Empathie, Wertschätzung) und die sozialpädagogische Beratungsmethodik.
Welchen Stellenwert nimmt die "Echtheit" (Kongruenz) für den Berater ein?
Echtheit wird als grundlegendste Einstellung beschrieben, da der Berater nur durch eine authentische Beziehung zum Klienten ein Umfeld schafft, in dem konstruktive Persönlichkeitsänderungen möglich sind.
Wie soll die im Fallbeispiel behandelte Mutter in der Beratung unterstützt werden?
Die Mutter wird durch die Sozialpädagogin dabei unterstützt, ihr Kind besser zu verstehen, den "Teufelskreis" aus Schuldgefühlen und sozialem Druck zu durchbrechen und aktiv die richtigen medizinischen Fachstellen für eine Diagnose aufzusuchen.
- Quote paper
- Martina Hassemer (Author), 2001, Das hyperkinetische Syndrom. Theoretische Hintergründe und Interventionsmöglichkeiten in der sozialarbeiterischen Beratungspraxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6018