Auschwitz steht bis in die heutige Zeit als Symbol für die Gräuel und Brutalitäten, die der Antisemitismus annehmen kann. Die Frage, die schon viele Gelehrte beschäftigte, ist: Wie konnte es zu Auschwitz kommen, wobei Auschwitz als Synonym für die von den Nazis betriebene industrielle Massenvernichtung während der Zeit des Dritten Reiches steht. Hierbei möchte ich zuerst historisch vorgehen und den Antisemitismus auf den die NSDAP gründete darstellen. Die bekanntesten antisemitischen Schriftsteller werden zunächst mit ihren Theorien erläutert, um dann den Bogen zur Weltanschauung Hitlers zu spannen. Danach soll diese kurz dargestellt werden. Zum anderen möchte ich auf den Erklärungsansatz von Adorno eingehen, der in einer vielschichtigen Studie versuchte, den Rechtsextremismus und seine Entstehung zu erklären. Besonderes Augenmerk fällt hierbei auf den autoritären Charakter, der als Ergebnis von Adornos Forschungen steht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorgeschichte und Definition von Antisemitismus
3. Die Schriften, auf welche die Nationalsozialisten aufbauen konnten
3.1 A. de Gobineau
3.1.1 Antisemitische Rezeption und Umdeutung Gobineaus in Deutschland
3.2 Charles Robert Darwin
3.2.1 Darwins Evolutionstheorie
3.2.2 Der Sozialdarwinismus
3.3 Eugen Dühring
4. Grundlagen der Rassentheorie bei Adolf Hitler
4.1 Die Umsetzung durch die Nationalsozialisten
4.2 Hitlers Schlussfolgerungen
5. Adornos Betrachtungen
5.1 Zivilisationstheoretische Grundlagen
5.2 Gesellschaftliche Ebene
5.3 Sozio-ökonomische Ebene
5.4 Religiöse Ebene
5.5 Psychologische Ebene
5.6 Autoritärer Charakter
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Genese und die ideologischen Grundlagen des Antisemitismus, der in die industrielle Massenvernichtung des Holocaust mündete. Ziel ist es, den Aufbau antisemitischer Denkmuster durch verschiedene Theoretiker sowie die soziologische Interpretation durch Theodor W. Adorno kritisch zu beleuchten.
- Historische Herleitung des Antisemitismus seit der Antike und dem Mittelalter.
- Analyse der rassistischen Schriften von Gobineau, Darwin und Dühring als ideologisches Fundament der Nationalsozialisten.
- Darstellung der nationalsozialistischen Rassentheorie und Lebensraumpolitik.
- Soziologische und tiefenpsychologische Untersuchung des Antisemitismus nach Adorno (u.a. autoritärer Charakter).
- Die Rolle der Aufklärung und Bürokratisierung bei der Entstehung totalitärer Strukturen.
Auszug aus dem Buch
3.1 A. de Gobineau
Die Schrift „Essai sur L’inégalité des races humaines“ („Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen“) des Franzosen A. de Gobineau, die von 1853 bis 1855 erschien, bildete gegen Ende des 19. Jahrhunderts – obwohl nicht mit der entsprechenden Intention verfasst - eine der Grundlagen für den sich immer dynamischer entwickelnden Antisemitismus im Deutschen Reich. Der Diplomat und Schriftsteller Joseph Arthur Comte de Gobineau (1816-1882) begann sich während seiner Ausbildung in der Schweiz mit der Rassenfrage auseinanderzusetzen. Im Vorwort seines „Essai“ heißt es, er habe „wie durch Instinkt über die Frage der Rassen nachzudenken begonnen“. Der hoch gebildete Gobineau durchlief eine steile diplomatische Karriere, die ihn bis nach Persien und Ägypten führte. Auf diese Weise kam er mit einer Vielzahl ethnischer Gruppierungen in Berührung. Gobineau hatte zunächst die Absicht, die Geschichte naturwissenschaftlich zu betrachten und ihr so eine Grundlage zu geben. So erwartete er „von der Wissenschaft (im vorliegenden Falle der Biologie) die Lösung aller gesellschaftlichen Probleme…“. Für ihn war Geschichte stets durch die Existenz von Rassen bestimmt. Die Unterschiede zwischen den Rassen ermöglichten seiner Ansicht nach die Erklärung des gesamten menschlichen Zusammenlebens und ihrer Geschichte. Basis für diese Anschauung bildete die Einteilung der Menschheit in drei Grundrassen, eine überlegene weiße, die darunter anzusiedelnde gelbe und die als am minderwertigsten anzusehende schwarze Rasse. Alle drei Rassen ließen sich auf eine Urrasse zurückführen und stellten demzufolge Varianten derselben dar. Ihre unterschiedliche Wertigkeit ergab sich nach Gobineau aus ihrer kulturellen, religiösen und sprachlichen Entwicklung. Die Überlegenheit der weißen Rasse betrachtete Gobineau als naturgegeben. Die Weißen konnten sich auf die Arier zurückführen. Diese hätten aufgrund ihrer Überlegenheit nahezu alle Kulturen der außereuropäischen und minderwertigen Völker begründet. Während dieser langwierigen Kultivierungs- und Eroberungsprozesse sei es jedoch zu einer Rassenmischung und einer daraus resultierenden Verunreinigung der arischen Rasse gekommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Fragestellung nach den Ursprüngen des industriellen Massenmordes in Auschwitz und skizziert das Vorgehen mittels historischer Analyse der antisemitischen Literatur sowie soziologischer Ansätze Adornos.
2. Vorgeschichte und Definition von Antisemitismus: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung vom religiös motivierten Antijudaismus der Antike und des Mittelalters hin zu den pseudowissenschaftlichen, rassistisch geprägten Feindbildern des 19. Jahrhunderts.
3. Die Schriften, auf welche die Nationalsozialisten aufbauen konnten: Hier werden die einflussreichen Autoren Gobineau, Darwin und Dühring analysiert, deren Theorien die Grundlage für den nationalsozialistischen Antisemitismus legten.
4. Grundlagen der Rassentheorie bei Adolf Hitler: Das Kapitel erläutert, wie Hitler die Theorien seiner Vorläufer in seine Weltanschauung integrierte, radikalisierte und in eine zerstörerische Lebensraumpolitik überführte.
5. Adornos Betrachtungen: Adornos vielschichtiger Ansatz zur Entstehung des Rechtsextremismus wird hier dargelegt, wobei insbesondere die Dialektik der Aufklärung und der autoritäre Charakter untersucht werden.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die Radikalisierung antisemitischer Grundideen und reflektiert das Problem der zunehmenden Bürokratisierung und Entfremdung in modernen Gesellschaften gemäß Adorno.
Schlüsselwörter
Antisemitismus, Nationalsozialismus, Rassentheorie, Arier, Auschwitz, Adorno, Autoritäre Charakter, Dialektik der Aufklärung, Sozialdarwinismus, Eugenik, Lebensraum, Ideologie, Sündenbock, Faschismus, Gesellschaftskritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die ideologische Entstehung des Antisemitismus und analysiert, wie historische Schriften und soziologische Faktoren zusammenwirkten, um den Holocaust zu ermöglichen.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die Arbeit fokussiert sich auf die rassistische Literatur des 19. Jahrhunderts, die nationalsozialistische Weltanschauung sowie die soziologisch-psychologischen Studien von Theodor W. Adorno.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet, wie der Antisemitismus historisch begründet wurde, wie die Nationalsozialisten darauf aufbauten und welche strukturellen Ursachen in der Gesellschaft (nach Adorno) diesen Prozess begünstigten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historische Literaturanalyse, um die Quellen des Antisemitismus aufzuzeigen, und kombiniert diese mit soziologischen und tiefenpsychologischen Erklärungsansätzen aus Adornos Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Rassentheorien von Autoren wie Gobineau und Dühring, die Transformation der Evolutionstheorie Darwins in den Sozialdarwinismus, Hitlers Ideologie und Adornos Analyse gesellschaftlicher Ebenen.
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter?
Zu den zentralen Begriffen gehören unter anderem Antisemitismus, Rassentheorie, autoritärer Charakter, Lebensraum, Sozialdarwinismus und Aufklärung.
Wie unterscheidet Adorno zwischen verschiedenen Gesellschaftsformen im Kontext des Antisemitismus?
Adorno differenziert zwischen der bürgerlichen und der spätkapitalistischen Gesellschaft, wobei er in letzterer die Gefahr einer totalen Verwaltung sieht, die den Einzelnen entmündigt und für faschistische Ideologien anfällig macht.
Warum wird der "autoritäre Charakter" als entscheidend angesehen?
Der autoritäre Charakter zeichnet sich durch blinden Gehorsam gegenüber Autoritäten aus und dient als psychologisches Erklärungsmodell dafür, warum Menschen Befehle zur Vernichtung anderer in einem hierarchischen System ausführen.
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- Bernd Kirschmer (Author), 2006, Die Genese des Antisemitismus, der zu Ausschwitz führte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60202