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"Zur Freiheit verurteilt". Eine Untersuchung von Sartres Freiheitsbegriff

Title: "Zur Freiheit verurteilt". Eine Untersuchung von Sartres Freiheitsbegriff

Seminar Paper , 2005 , 24 Pages , Grade: gut bis sehr gut

Autor:in: Sara Stöcklin (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Summary Excerpt Details

Im Essay „Der Existentialismus ist ein Humanismus“ fasst Jean-Paul Sartre den Kerngedanken seiner Philosophie zusammen: Der Mensch ist Freiheit. Ohne Halt, ohne vorgegebene Werte und ohne Entschuldigungen muss er vor sich selbst verantworten, was er ist und tut. Allen deterministischen Strömungen der Philosophie und Naturwissenschaften zum Trotz verwirft und widerlegt Sartre den Gedanken, dass der Mensch von seiner Umwelt, seiner Gesellschaft, seinem Charakter oder seinem natürlichen Wesen zu dem gemacht wird, was er ist. Die Fülle an Schriften, die er hinterlassen hat, ist seit ihrer Entstehung eine Goldgrube für Philosophierende, die sich mit der Beschaffenheit der menschlichen Existenz auseinandersetzen.
Obwohl der Existentialismus Sartres, erstmals ausführlich dargelegt in seinem frühen philosophischen Hauptwerk „Das Sein und das Nichts“, in erster Linie die Strukturen des Seins behandelt, ist der Begriff der Freiheit das tragende Element eben dieser Strukturen und schimmert bei all seinen Auseinandersetzungen durch. In der vorliegenden Arbeit wird der Freiheitsbegriff Sartres untersucht und kritisch beleuchtet. In einem ersten Teil wird der Frage nachgegangen, wie Sartre die Freiheit des Menschen in ihrem Ursprung begründet resp. den Determinismus widerlegt. Daraufhin wird seine Definition von Freiheit unter Berücksichtigung der drei Aspekte „Wesenlosigkeit“, „Erfahrung“ und „Nichtung“ untersucht und erörtert, warum der Mensch gemäss Sartre zur Freiheit „verurteilt“ ist. Dabei werden die Begriffe der Angst, Verlassenheit und Verantwortlichkeit ins Zentrum gerückt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellen

3. Der Ursprung der Freiheit

3.1. Die Nicht-Existenz Gottes

3.2. Die Existenz geht der Essenz voraus

3.3. Widerlegung des Determinismus

4. Was ist Freiheit?

4.1. Freiheit ist wesenlos

4.2. Freiheit als Erfahrung

4.3. Freiheit als Nichtung

5. Zur Freiheit verurteilt?

5.1. Angst und Verlassenheit

5.2. Verantwortlichkeit

6. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Freiheitsbegriff von Jean-Paul Sartre, um zu klären, wie Sartre die absolute Freiheit des Menschen begründet, warum der Mensch zur Freiheit "verurteilt" ist und welche Rolle Verantwortung, Angst und Verlassenheit in seinem philosophischen System spielen.

  • Existenzialismus und die Nicht-Existenz Gottes
  • Die Priorität der Existenz gegenüber der Essenz
  • Widerlegung deterministischer Menschenbilder
  • Die phänomenologische Struktur der Freiheit (Wesenlosigkeit, Erfahrung, Nichtung)
  • Ethische Konsequenzen: Verantwortung und der "Entwurf" des Menschen

Auszug aus dem Buch

3.1. Die Nicht-Existenz Gottes

Für Sartre und seine Philosophie ist die Nicht-Existenz Gottes eine absolute Notwendigkeit. Insbesondere sein Freiheitsbegriff ist darauf aufgebaut und davon abhängig, doch da die Freiheit das tragende Element seines ganzen Gedankengebäudes ist, würde dieses unter einem Gottesbeweis vollständig zusammenbrechen. So wie Kant die Existenz Gottes notwendig postuliert, muss Sartre die Nicht-Existenz Gottes notwendig postulieren. Obwohl Sartre den Begriff „Gott“ hier nicht spezifiziert, geht aus dem Zusammenhang klar hervor, dass eine Instanz ausserhalb unserer selbst gemeint ist, die uns geschaffen und ein Wesen gegeben hat, die Werte festsetzt und vor der wir uns verantworten müssen. Sartre ist sich der Konsequenzen, die eine „Abschaffung“ Gottes mit sich bringt, durchaus bewusst:

Der Existentialist denkt […]: es ist sehr unangenehm, dass Gott nicht existiert, denn mit ihm verschwindet jede Möglichkeit, Werte in einem intelligiblen Himmel zu finden; es kann kein a priori Gutes mehr geben, da es kein unendliches und vollkommenes Bewusststein gibt, es zu denken.

Dostojewski schrieb: „Wenn Gott nicht existiert, ist alles erlaubt.“ Das ist der Ausgangspunkt des Existentialismus.

Wenn zum andern Gott nicht existiert, haben wir keine Werte oder Anweisungen vor uns, die unser Verhalten rechtfertigen könnten […].

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Existenzialismus-These ein, dass der Mensch durch seine Freiheit zur Selbstverantwortung ohne äußere Entschuldigung gezwungen ist.

2. Quellen: Dieses Kapitel stellt die primären Textgrundlagen vor, insbesondere Sartres Essay "Der Existentialismus ist ein Humanismus" und sein Hauptwerk "Das Sein und das Nichts".

3. Der Ursprung der Freiheit: Hier wird die Freiheit ontologisch fundiert, ausgehend von der Nicht-Existenz Gottes, der Priorität der Existenz vor der Essenz und der Widerlegung des Determinismus.

4. Was ist Freiheit?: Dieses Kapitel beleuchtet Freiheit nicht durch eine Definition, sondern durch eine phänomenologische Beschreibung als Wesenlosigkeit, gelebte Erfahrung und als Prozess der Nichtung.

5. Zur Freiheit verurteilt?: Es wird untersucht, warum Freiheit existentiell als "Urteil" empfunden wird, was mit den Begriffen Angst, Verlassenheit und der unentrinnbaren persönlichen Verantwortung verbunden ist.

6. Schluss: Der Schluss würdigt Sartres Philosophie als hochaktuellen Gegenentwurf zum Determinismus, kritisiert jedoch gleichzeitig die radikale Zumutung der persönlichen Verantwortung für jede Lebenssituation.

Schlüsselwörter

Existenzialismus, Jean-Paul Sartre, Freiheit, Existenz, Essenz, Determinismus, Für-sich-sein, An-sich-sein, Nichtung, Verantwortung, Angst, Verlassenheit, Selbstentwurf, Phänomenologie, Ontologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Freiheitsbegriff von Jean-Paul Sartre und seiner existenzialistischen Philosophie, die den Menschen als absolut frei und selbstverantwortlich definiert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die Ontologie der Freiheit, die Ablehnung deterministischer Weltbilder, die existentiellen Gefühle von Angst und Verlassenheit sowie die radikale ethische Verantwortung des Individuums.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die philosophische Herleitung von Sartres Freiheitsbegriff zu prüfen und kritisch zu hinterfragen, warum der Mensch laut Sartre keine Ausrede für sein Handeln besitzt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die phänomenologische Analyse, um Sartres Argumentationsstruktur aus seinen Werken zu rekonstruieren und kritisch zu bewerten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Begründung der Freiheit (Nicht-Existenz Gottes, Existenz vor Essenz), die Beschreibung des Freiheitsbegriffs (Wesenlosigkeit, Nichtung) und die Konsequenzen für den Menschen (Verantwortung, Angst).

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie "Für-sich-sein", "An-sich-sein", "Entwurf", "Verantwortlichkeit" und die radikale Ablehnung von Determinismus charakterisiert.

Warum spielt das Beispiel der Analphabetin in Indien eine Rolle?

Es dient dazu, Sartres Widerlegung des Determinismus zu verdeutlichen: Eine äußere Situation bestimmt das Handeln nur, wenn der Mensch sie durch seinen persönlichen Entwurf als Mangel oder Motivation interpretiert.

Warum bezeichnet Sartre Freiheit als "drückend"?

Da es keinen Gott und keine vorgegebenen Werte gibt, muss der Mensch jeden Sinn und jede Moral selbst erschaffen. Diese absolute Eigenverantwortung für das eigene Leben und die gesamte Welt wird als "drückend" wahrgenommen.

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Details

Title
"Zur Freiheit verurteilt". Eine Untersuchung von Sartres Freiheitsbegriff
College
University of Basel  (Philosophisches Seminar)
Course
Einführung in die Religionsphilosophie
Grade
gut bis sehr gut
Author
Sara Stöcklin (Author)
Publication Year
2005
Pages
24
Catalog Number
V60216
ISBN (eBook)
9783638539517
ISBN (Book)
9783638792684
Language
German
Tags
Freiheit Eine Untersuchung Sartres Freiheitsbegriff Einführung Religionsphilosophie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sara Stöcklin (Author), 2005, "Zur Freiheit verurteilt". Eine Untersuchung von Sartres Freiheitsbegriff, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60216
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