Berlin, Moskau, London, Paris. Wo man auch hinschaut, die Großstadt gerät wieder in den Blickpunkt. Das Leben, besonders in den Industrienationen spielt sich immer stärker in den Großstädten ab. Doch nicht nur die Vergrößerung der Städte nimmt kontinuierlich zu, auch die Unübersichtlichkeit und die steigende Armut in bestimmten Stadtteilen haben sich dadurch enorm verschärft. Waren die Städte in Europa von einer sozialräumlichen Spaltung nach amerikanischem Vorbild bisher nicht betroffen, so nehmen die Tendenzen zur Gettoisierung auch in europäischen Großstädten rasant zu. Nicht erst seit den Krawallen im November 2005 in Paris weiß man, dass die Lage in den französischen Vororten besonders prekär ist. Die Problemlagen der Gesellschaft spiegeln sich dort am deutlichsten. Dem Reichtum und Wachstum stehen Armut, Kriminalität und Angst gegenüber. Damit ist die soziale Rolle und die sozialen Funktionen, die die Stadt und die Stadtinstitutionen ihrer Bevölkerung bieten muss, unumgänglich geworden. Welche Rolle kann dabei die Gemeinwesenarbeit spielen? Dass der Kauf eines „Hochdruckreinigers“ bei der Firma Kärcher und die anschließende „Säuberung des Problemviertels vom Gesindel“ nicht die Lösung des Problems sein kann, ist bestimmt auch Nicht-SozialarbeiternInnen bewusst. Aber welche Lösungsmodelle kann die Gemeinwesenarbeit bieten, um z.B. Unruhen wie in den Pariser Vororten gar nicht erst aufkommen zu lassen? Insbesondere wegen der Aktualität dieser erschreckenden Entwicklung, versuche ich der Frage, ob die derzeitige Entwicklung in den Großstädten ein Thema für die Gemeinwesenarbeit sein kann, nachzugehen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Großstadt
1.1 Begriffserklärung Großstadt
1.2 Stadtentwicklung in Europa ab dem 18.Jh
1.3 Die Aktuelle Entwicklung in der Großstadt Paris
2. Alltagsrealitäten und Perspektiven Jugendlicher
3. Gemeinwesenarbeit
3.1 Begriffserklärung GWA
3.2 Methoden, Ziele und Wirkung
3.3 Geschichte der Gemeinwesenarbeit
3.4 Aktuelle Begriffe der Gemeinwesenarbeit
3.4.5 Quartiersmanagement
3.4.6 Agenda 21
4. Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit
5. Warum Gemeinwesenarbeit als Lösung?
6. Das Programm „Soziale Stadt“ als Lösungsansatz
Schlusswort
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Entwicklung europäischer Großstädte vor dem Hintergrund zunehmender sozialräumlicher Spaltung und Gettoisierung. Ziel der Arbeit ist es, die Rolle der Gemeinwesenarbeit (GWA) als präventives und stabilisierendes Handlungsmodell zu bewerten, um gesellschaftliche Krisen in städtischen Brennpunkten zu bewältigen.
- Stadtentwicklung und Urbanisierung in Europa seit dem 18. Jahrhundert
- Die Auswirkungen von Segregation auf den Alltag und die Perspektiven Jugendlicher
- Historische Entwicklung und methodische Grundlagen der Gemeinwesenarbeit
- Verknüpfung von moderner Stadtentwicklungspolitik mit Ansätzen der GWA
- Evaluation des Programms „Soziale Stadt“ als Lösungsansatz für Problemviertel
Auszug aus dem Buch
3.2 Methoden, Ziele und Wirkung
Gemeinwesenarbeit verknüpft auf Grund der Problemzusammenhänge soziale Ziele mit ökonomischen, räumlichen, baulichen, ökologischen, rechtlichen und kulturellen Zielen. Die Gestaltung von Lebenswelten mit den BewohnerInnen eines Stadtteils setzen einerseits im Stadtteil an, dort, wo sich der Lebensalltag der Menschen abspielt, und andererseits in der Vermittlung zu anderen Systemebenen (Verwaltung, Politik, Wirtschaft). Die methodischen Konzepte der Gemeinwesenarbeit orientieren sich jeweils nach den Gegebenheiten und Situationen des Gemeinwesens und werden prozesshaft angelegt.
GemeinwesenarbeiterInnen sind sozusagen ProzessbegleiterInnen, welche die Menschen in der Selbstorganisation und Eigeninitiative ermutigen, fördern und unterstützen. Sie orientieren sich an den Bedürfnissen und Interessen der Menschen und nehmen gerade auch die alltäglichen Themen war. GWA aktiviert, nutzt und stärkt vorhandene Ressourcen im Stadtteil. Sowohl persönliche Ressourcen einzelner Menschen, soziale Ressourcen durch Beziehungen und infrastrukturelle bzw. materielle Ressourcen. Soziale Netzwerke werden geschaffen und gestärkt. Dazu werden BewohnerInnen aktiviert und VertreterInnen aus Politik und Verwaltung animiert, um in Kooperation mit den Betroffenen in Aushandlungsprozessen zufrieden stellende Lösungen zu entwickeln.
Die Probleme der Menschen sind fast immer komplexer Natur und können nicht erfolgreich in segmentierten Ansätzen gesehen werden, sondern erfordern umfassende Bearbeitungen. Dazu werden von den GemeinwesenarbeiterInnen ressortübergreifende Kooperationen gesucht und gefördert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Großstadt: Definition des Begriffs Großstadt sowie Überblick über die historische Stadtentwicklung in Europa und die aktuelle Situation in Metropolen wie Paris.
2. Alltagsrealitäten und Perspektiven Jugendlicher: Qualitative Einblicke in die Lebenswelt marginalisierter Jugendlicher anhand von Interviews, die von Diskriminierung und begrenzten Zukunftsperspektiven berichten.
3. Gemeinwesenarbeit: Einführung in das Arbeitsprinzip der GWA, ihre historischen Wurzeln in der Settlement-Bewegung sowie aktuelle Konzepte wie Quartiersmanagement und Agenda 21.
4. Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit: Analyse der Notwendigkeit, Stadtentwicklungspolitik durch soziale Ansätze der GWA zu ergänzen, um abwärtsgerichtete Prozesse in Quartieren aufzuhalten.
5. Warum Gemeinwesenarbeit als Lösung?: Darstellung von sechs zentralen Argumenten, warum die GWA als bewohnerorientiertes Handlungskonzept zur Problemlösung in Stadtteilen geeignet ist.
6. Das Programm „Soziale Stadt“ als Lösungsansatz: Vorstellung der Verwaltungsvereinbarung von 1999 zur gezielten Förderung sozial benachteiligter Stadtgebiete und deren erste Bilanz nach sechs Jahren.
Schlüsselwörter
Gemeinwesenarbeit, Stadtentwicklung, Großstadt, Segregation, Soziale Stadt, Quartiersmanagement, Jugendhilfe, Empowerment, Sozialraum, Partizipation, Urbanisierung, Stadtteilentwicklung, Vernetzung, Marginalisierung, Settlement-Bewegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob die aktuelle Entwicklung in europäischen Großstädten, die vermehrt durch soziale Spaltung geprägt ist, erfolgreich durch Ansätze der Gemeinwesenarbeit beeinflusst werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Stadtentwicklung, die Lebensrealität benachteiligter Jugendlicher, die Geschichte und Methoden der Gemeinwesenarbeit sowie staatliche Programme wie die „Soziale Stadt“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Nutzen der Gemeinwesenarbeit als prozessorientiertes Handlungsinstrument aufzuzeigen, um soziale Brennpunkte zu stabilisieren und die Bewohner aktiv an der Gestaltung ihres Lebensumfelds zu beteiligen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die durch Interviewauszüge aus Fachliteratur zur Verdeutlichung der jugendlichen Lebenswelt ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Wurzeln der GWA, moderne Begriffe wie das Quartiersmanagement und die strategische Notwendigkeit einer Vernetzung von sozialen und stadtplanerischen Akteuren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind insbesondere Gemeinwesenarbeit, Segregation, Stadtentwicklung und Partizipation.
Welche Rolle spielt das Fallbeispiel Paris in der Arbeit?
Paris dient als Beispiel für eine wachsende soziale Polarisierung und dient als Ausgangspunkt für die kritische Reflexion von Ansätzen zur „Säuberung“ von Problemvierteln durch repressive Maßnahmen.
Wie bewertet der Autor das Programm „Soziale Stadt“?
Der Autor sieht das Programm als wichtigen Schritt, betont jedoch, dass für nachhaltige Erfolge Zeit, kontinuierliche personelle Infrastruktur und eine langfristige finanzielle Absicherung unabdingbar sind.
- Citation du texte
- Patrick Wehner (Auteur), 2006, Die aktuelle Entwicklung in den Großstädten - Eine Chance für die Gemeinwesenarbeit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60300