Möglichkeiten und Probleme von E-Learning


Zwischenprüfungsarbeit, 2002

31 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von E-Learning

3. Lehr-Lerntheorien im Zusammenhang mit E-Learning
3.1 Behaviorismus
3.2 Konstruktivismus
3.3 Selbstgesteuertes Lernen
3.4 Zusammenhang mit E-Learning

4. Technische Voraussetzungen

5. Möglichkeiten von E-Learning

6. Probleme mit E-Learning

7. Lösungsansätze bzw. Prinzipien zur Gestaltung von E-Learning
7.1 „Authentizität und Anwendungsbezug”
7.2 „Multiple Kontexte“
7.3 „Soziale Lernarrangements“
7.4 „Informations- und Konstruktionsangebot“
7.5 „Instruktionale Anleitung und Unterstützung“

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Momentan findet eine Entwicklung von der Informationsgesellschaft hin zur Wissensgesellschaft statt. Dabei liegt der Schwerpunkt nicht nur auf dem Beziehen von Informationen, sondern es ist mehr und mehr von Bedeutung, die gesammelten Informationen in einen Kontext einzubinden, um Wissen zu generieren. Dieser Prozess ist nicht nur durch traditionelle Wissensvermittlung möglich, sondern auch durch die Neuen Medien - wie momentan der Computer und das Internet - welche mehr und mehr in das alltägliche Leben eindringen. Die Zahl der Menschen wächst, die mit dem Internet und anderen weltweiten Netzen vertraut sind und sich deren Vorteile zunutze machen. Kann man doch anhand dieses Mediums jederzeit die aktuellsten Informationen bekommen, die man sonst aus Büchern oder Zeitschriften beziehen würde, welche nicht immer dem aktuellen Stand entsprechen oder welche eventuell nicht jederzeit zur Verfügung stehen. Es findet sozusagen eine Veränderung der Informationsdienstleitung statt, welche zunehmend Datenbanken, Wissens-Managementsysteme und andere Arten der Informationsverwaltung bereitstellt, die ort- und zeitunabhängig erreichbar sind.

Nun stellen sich folgende Fragen: Wie kann man diese Art der Wissensdarbietung für die Erwachsenen- und Weiterbildung nutzen? Welche Arten der Nutzung existieren schon? Welche Anforderungen sind an diese Art der Wissensvermittlung zu stellen, um den Ansprüchen an hochwertige Wissenserlangung gerecht zu werden?

Um auf diese Fragen eine Antwort zu finden, sollte man den Bereich des E-Learning genauer betrachten, welcher sich in den letzten Jahren stark entwickelt hat. E-Learning wird in verschiedenen Bereichen der Weiterbildung ausprobiert und angewendet. Das sind die Bereiche der allgemeinen Weiterbildung, der beruflichen Weiterbildung und der betrieblichen Weiterbildung. In jedem dieser drei Bereiche gibt es unterschiedliche Anforderungen, was die technische Umsetzung und die didaktische Aufbereitung betrifft. Ferner gibt es in den drei Bereichen entsprechend der Nachfrage und den geforderten Qualifikationen ganz unterschiedliche Angebotsstrukturen.[1]

2. Definition von E-Learning

Mit E-Learning ist meistens „electronic learning“[2] [3] gemeint. Dieser Begriff umfasst alle Arten des Lernens mit Informations- und Kommunikationstechnologien, wobei man sich nicht nur auf internetbasiertes Lernen bezieht, sondern auch auf das Lernen mit Offline-Technologien wie z.B. PCs, Palms, etc. Diese I&K- Technologien haben allerdings nicht die Funktion, dem Lernen als nebensächliches Hilfsmittel zu dienen, sondern sie sollen bewusst und gezielt in den Prozess des Lernens integriert werden. Somit liegt der Schwerpunkt nicht auf der Art und Weise des Lehrens, sondern auf den Formen des Lernens. Diese Tatsache wird oft nicht richtig beachtet, da der Begriff E-Learning sowohl im Zusammenhang mit Lernen als auch im Zusammenhang mit Lehren verwendet wird. Im angelsächsischen Sprachgebrauch gibt es ferner den Begriff des E-Teaching, welcher bezug nimmt auf die Formen elektronischen Lehrens. Eine klare Abgrenzung des Begriffs E-Learning findet im deutschen Sprachraum kaum statt und macht demzufolge eine genaue Definition schwierig (vgl. SCHEFFER/HESSE 2002, S.45).[4]

Im weiteren Verlauf liegt der Fokus auf WBT’s[5] und CBT’s[6], also E-Learning auf Computer bezogen. Um diese Arbeit nicht unnötig unübersichtlich zu gestalten und wesentliche Möglichkeiten und Probleme von E-Learning aufzuzeigen, werden andere Medien, wie z.B. Palms, Handys oder ähnliches kaum berücksichtigt. Beim Lesen der Bücher und Texte fiel auf, dass dies dort größtenteils ebenso gehandhabt wird. Denn oftmals konzentrierten sich die Autoren auf betriebliche Weiterbildung, welche als Weiterbildungsmedium in Bezug auf E-Learning auch hauptsächlich den Computer nutzt.

3. Lehr-Lerntheorien im Zusammenhang mit E-Learning

In unserer heutigen Informations- und Wissensgesellschaft ist eine Auseinandersetzung mit Lehr-Lerntheorien unumgänglich, schließlich erlangt man Wissen nicht ohne weiteres. Zudem gewinnt der Aspekt des lebenslangen Lernens immer mehr an Bedeutung, da es vor allem in mancher beruflicher Hinsicht unumgänglich sein wird, sich weiterzubilden, um die Qualität der eigenen Arbeit zu sichern.[7]

Lerntheorien haben zum Ziel, „... die Ursachen des Lernergebnisses zu ergründen und die zugehörigen Lernprozesse zu beschreiben.“[8] Der Prozess des Wissenserwerbs muss somit nach Art und Weise des Wissens und der Lernumstände ausgerichtet sein. Lehrtheorien hingegen „... versuchen, eine Beziehung zwischen Lehrstrategie bzw. -methode, ihrer Auswirkung auf den Lernprozeß und dem Lernergebnis, das durch den Prozess erzeugt wird, herzustellen [GAGN85, 244].“[9] Infolge der Forderung nach einer „... neue(n) Kultur des individuellen und organisationalen Lernens, in der lebenslanger Wissenserwerb, Erfahrungsaustausch und kooperative Zusammenarbeit zur Selbstverständlichkeit für jeden werden...“[10], sollte man sich mit diesen Aspekten intensiv auseinandersetzen. Im folgenden wird die Lehr-Lerntheorie des Behaviorismus, des Konstruktivismus und das selbstgesteuerte Lernen erklärt und im Anschluss der Zusammenhang mit E-Learning aufgezeigt.

3.1 Behaviorismus

Dem Behaviorismus liegt die Annahme zugrunde, dass „... es objektiv richtiges Wissen gibt und das verlässliches Wissen über die Welt existiert.“[11] [12] Daraus resultiert, dass eine eindeutige Struktur in der Welt vorherrscht, welche eine geeignete strukturelle Entwicklung des Lernens ermöglicht und folglich dem Lerner zum Ziel bietet, sich diese Struktur anzueignen.

Charakteristisch für den Behaviorismus ist der Glaube an ein objektiv messbares Verhalten und Untersuchungen, wie Reiz- Reaktions- Beziehungen zustande kommen. Den Lehrenden (und den Forscher) interessiert nicht, welche Vorgänge (Emotionen, Wahrnehmungen, Motive) sich im Gehirn des Lernenden abspielen, sondern nur seine Verhaltensweisen auf bestimmte Reize. Ziel ist dabei, durch den bewussten und gezielten Einsatz von Reizen und Anregungen ein bestimmtes Verhalten bei dem Lernenden zu erzeugen. Der Mensch ist also ein „... passives, von externen Reizen gesteuertes Wesen“[13].

Der Behaviorismus wird aber auch kritisiert, da er die inneren Abläufe des Lernens ignoriert. Gedankengänge und Verständnis des Lernenden sind nicht von Bedeutung bei dieser Lerntheorie, da der Schwerpunkt auf das Verhalten und Wirken des Lehrenden gesetzt wird und somit die Inhalte des Wissens, welche der Lernende sich aneignen soll, nicht unbedingt verstanden und verarbeitet sein müssen (vgl. POHL 1999, S. 31).

3.2 Konstruktivismus

Der Konstruktivismus ist eine Erkenntnistheorie, welche besagt, dass der Mensch mit seinem Lebensraum lediglich strukturell verbunden ist. Laut SIEBERT (1999) „... wandeln (wir) Impulse von außen in unserem Nervensystem ‚strukturdeterminiert’, das heißt auf der Grundlage biografisch geprägter psycho-physischer kognitiver und emotionaler Strukturen, um.“[14]. Die dadurch entstehende Wirklichkeit ist kein Abbild der Welt, sondern sie ist beobachterabhängig. Der Konstruktivismus ist keine eigene Wissenschaftsdisziplin, sondern ein Paradigma, welches innerhalb der Disziplin und über die Disziplin hinaus von „... ontologischen und metaphysischen Wahrheitsansprüchen distanziert“[15] ist. Beim gemäßigten Konstruktivismus, der im pädagogisch-psychologischen Kontext verwendet wird, stehen Lerner und Lernprozess im Mittelpunkt, während das Lehren zu Gunsten des Lernens hintenangestellt wird. Die lernende Person sollte sich in erster Linie selbstgesteuert Wissen aneignen. Zudem sollte dieses Wissen durch authentische Fragestellungen aus dem Alltag genauer bearbeitet werden. Der Lehrende hat nicht wie beim Behaviorismus die Funktion, beim Lernenden ein bestimmtes Verhalten zu erzeugen, sondern er hat die Aufgabe, in Problemsituationen Hilfestellung zu geben und dem Lerner Hilfsmittel zur Bearbeitung dieser Probleme zur Verfügung zu stellen. Somit hat der Lehrende eher die Funktion eines Beraters, der auf die Bedürfnisse des Lernenden reagiert (vgl. REINMANN-ROTHMEIER/MANDL 2001, S. 15ff.).

REINMANN-ROTHMEIER/MANDL kritisieren allerdings, dass es bisher noch keine eindeutig umsetzbaren Konzepte gäbe, wie man nach dem konstruktivistischen Ansatz lernen und lehren könne (2001). Ein weiteres Problem sei die Anforderung an den Lerner, auf direkte Instruktionen und Kontrolle auch bei schwierigeren und komplexeren Aufgabenstellungen zu verzichten. Vielleicht sind manche Lerner für solch eine Art und Weise des Lernens geschaffen. Allerdings kann so eine Situation auch zur Überforderung des Lernenden führen, was den eigentlichen Lernerfolg zunichte macht und unbeabsichtigt eine negative Einstellung gegenüber „lockeren“ Lernmethoden bewirken kann.

3.3 Selbstgesteuertes Lernen

Das selbstgesteuerte Lernen ist für den Bereich des E-Learning von großer Bedeutung. Der Hauptaspekt dieses Ansatzes ist die Feststellung, dass eine Person nur dann etwas lernen kann, wenn sie es selber lernen möchte und die Lernvorgänge selbst initiiert. Sie muss sich selber entscheiden, welchen Weg sie gehen möchte, um ihr Lernziel zu erreichen. Dies umfasst auch die Wahl der Lernform und des Lerninhaltes. Genaugenommen eignet man sich das gewünschte Wissen aktiv an und nimmt nicht nur an einer Wissensvermittlung passiv teil; d.h. Informationen und Fakten werden konstruktiv verarbeitet. Somit hat der Lernende selbst die Verantwortung für den Lernweg und das Lernergebnis.[16]

Die Vorteile sind hierbei, dass der Lernende sich sowohl sein Lerntempo als auch sein Lernpensum selber vorgeben kann. Die Schwierigkeit hingegen ist, dass die Motivation für das Lernen allein vom Lernenden selbst ausgeht und dieser versuchen muss, sich selbst dann zu motivieren, wenn der Lernstoff nicht mehr sein hundertprozentiges Interesse weckt. Ebenso kann es zur Erschwerung der Lernsituation kommen, wenn die Sinnhaftigkeit des zu lernenden Inhaltes nicht mehr verstanden wird und deshalb die Motivation sinkt.

In Bezug auf E-Learning-Szenarien bedeutet dies, dass das Lernmaterial interessant und praxisorientiert aufbereitet sein sollte, weil dadurch dem Lernenden die Erarbeitung des Wissens erleichtert wird. Eine mögliche Art der Betreuung ist hierbei durch einen Tutor denkbar, der bei Schwierigkeiten unterstützende und fördernde Funktion hat, jedoch nur auf eine hilfesuchende Reaktion des Lernenden hin. Denn selbstgesteuertes Lernen ist kein völlig isoliertes Alleinlernen, sondern soll die lernende Person dazu animieren, aktiv und selbstbestimmt zu arbeiten und durch konstruktiven Austausch mit anderen Schwierigkeiten zu lösen.

3.4 Zusammenhang mit E-Learning

Um eine geeignete Lerntheorie für E-Learning Prozesse zu finden, sollte man sich mit den drei oben erklärten Ansätzen auseinandersetzen. Der Behaviorismus ist im Zusammenhang mit E-Learning nicht gerade sinnvoll und eigentlich sogar das absolute Gegenteil von dem, was man in solchen Lernsituationen braucht. Denn bei E-Learning kommt es - wie schon erläutert wurde- auf den Lernenden und nicht auf den Lehrenden an. Es werden zwar durch bestimmte Programme, wie z.B. durch Lernsoftware, gewisse Reize beim Lernenden ausgelöst. Zum eigentlichen Lernvorgang gehört jedoch noch sehr viel eigenständiges Handeln des Lernenden. Der Wissenserwerb erfolgt folglich zum großen Teil mit Hilfe von selbstgesteuertem Lernen, da der Lernende oft selbst entscheiden muss, mit welchem Tempo er vorgeht und welches Lernziel er sich setzt (vgl. SCHEFFER/HESSE 2002, S. 36). Ebenso läuft der Wissenserwerb häufig konstruktiv ab; d.h. das anzueignende Wissen sollte durch selbst erzielte Verstehensprozesse in das bisherige Wissen eingebunden werden, um den Lernerfolg zu steigern und nicht nur träges Wissen zu erzeugen.

Der Lernende muss bei Problemen selbst Hilfe anfordern oder in einer elektronischen Hilfe nachlesen, was zu tun ist. Er besitzt sehr viel Eigenverantwortlichkeit für sein Lernen, wodurch klar wird, dass bei E-Learning der Fokus hauptsächlich auf dem konstruktivistischen Ansatz und auf selbstgesteuertem Lernen liegt.

[...]


[1] Da es den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, werde ich nicht getrennt auf die einzelnen Bereiche eingehen, sondern versuchen, Ergebnisse in Bezug auf die wesentlichen Möglichkeiten und Probleme mit E-Learning darzulegen.

[2] http://www.managerseminare.de/msemi/875180/frontend/elexikondaten.html?kat=2000&urlID=39152

[3] Vgl. SCHEFFER, Ute/HESSE, Friedrich W. (Hg.) 2002, S.46.

[4] Im weiteren Verlauf der Arbeit wird E-Learning nur auf das Lernen mit I&K- Technologien bezogen und nicht auf das Lehren mit diesen Medien.

[5] Web Based Training

[6] Computer Based Training

[7] Vgl. REINMANN-ROTHMEIER, Gabi/MANDL, Heinz: Virtuelle Seminare in Hochschule und Weiterbildung. Drei Beispiele aus der Praxis, 2001, S. 9-14.

[8] Vgl. POHL, Christian: Methodik und Realisation von Systemen zur effizienten Wissensvermittlung durch Hypermedia, 1999, S. 31.

[9] Vgl. POHL, Christian: Methodik und Realisation von Systemen zur effizienten Wissensvermittlung durch Hypermedia, 1999, S. 36.

[10] Vgl. REINMANN-ROTHMEIER, Gabi/MANDL, Heinz: Virtuelle Seminare in Hochschule und Weiterbildung. Drei Beispiele aus der Praxis, 2001, S. 10.

[11] http://www.managerseminare.de/msemi/875180/frontend/lexikondaten.html?kat=23&urlID=42614

[12] Ebenda.

[13] Vgl. POHL, Christian: Methodik und Realisation von Systemen zur effizienten Wissensvermittlung durch Hypermedia, 1999, S. 31.

[14] Vgl. SIEBERT 1999, S. 5f..

[15] Vgl. SIEBERT 1999, S. 7.

[16] Vgl. http://www.managerseminare.de/msemi/875180/frontend/lexikondaten.html?kat=23&urlID=347

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Details

Titel
Möglichkeiten und Probleme von E-Learning
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
31
Katalognummer
V60313
ISBN (eBook)
9783638540216
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Möglichkeiten, Probleme, E-Learning
Arbeit zitieren
Bianca Keusen (Autor), 2002, Möglichkeiten und Probleme von E-Learning, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60313

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