Die vorliegende Arbeit soll die Theorie von Thomas Hobbes ausführlich darstellen, nachdem zuvor auf Hobbes’ Vita und auch auf die gesellschaftlichen sowie die politischen Umstände seiner Zeit, vor allem den englischen Bürgerkrieg, eingegangen werden wird.
Es soll immer wieder auch die Staatstheorie des Aristoteles in den Blick genommen und diese der Theorie Hobbes’ gegenübergestellt werden, um wichtige Unterschiede untersuchen und die radikale Abwendung Hobbes’ von den antiken Vorstellungen erkennen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Thomas Hobbes
2.1. Biografie
2.2. Gesellschaftlicher und politische Hintergrund
3. Hobbes’ Menschenbild
4. Staatstheorie
4. 1. Naturzustand
4. 2. Gesellschaftsvertrag
4. 3. Gesellschaftszustand
4. 4. Zum Begriff des ‚Leviathan’
5. Abschließende Bemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Staatstheorie von Thomas Hobbes grundlegend darzustellen und dabei insbesondere ihre radikale Abwendung von antiken philosophischen Vorstellungen, wie denen des Aristoteles, zu verdeutlichen und zu analysieren.
- Biografischer Kontext und prägende politische Erfahrungen von Thomas Hobbes
- Analyse des anthropologischen Menschenbildes als Basis der Vertragstheorie
- Konstruktion und Funktionsweise des Naturzustands als hypothetisches Gedankenexperiment
- Die Logik des Gesellschaftsvertrags und die Einsetzung des Souveräns
- Die Rolle und absolute Machtstellung des Leviathan im Gesellschaftszustand
Auszug aus dem Buch
4. 1. Der Naturzustand
Im Zentrum der Hobbesschen Vertragstheorie steht das Theorem des Naturzustandes, durch dessen Analyse erst der rechtsfreie Raum als nicht wünschenswert ausgezeichnet wird und deutlich wird, dass ohne eine allgemeine Macht ein sicheres Leben nicht möglich ist.
Aristoteles kann von einem solchen Naturzustand gar nicht ausgehen, da für ihn der Mensch als zôon phýsei politikón, als ein „von Natur aus […] staatenbildendes Wesen“ wie die Ameisen und die Bienen schon immer und von Natur aus in einen gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt ist. Hobbes greift genau diesen Punkt der aristotelischen Theorie auf und gibt mehrere Gründe an, warum sich Menschen nicht wie die so genannten politischen Lebewesen Ameise und Biene verhalten. Diese Gründe sind, kurz zusammengefasst, der beständige Wettstreit der Menschen um Ehre und Würde, die nicht vorhandene Einheit von Privat- und Gemeinwohl, die Vernunft, welche die Menschen immer wieder ihre Verwaltung kritisieren und so Bürgerkriege heraufbeschwören lässt, die dem Mensch allein eigene Fähigkeit der Sprachbenutzung, die Angewohnheit der Menschen, auch in Mußezeiten zu Feindschaft und Kritik an der Regierung zu neigen, und schließlich die Tatsache, dass die Übereinstimmung dieser politischen Lebewesen „natürlich ist“, während sie bei den Menschen „nur auf Vertrag beruht, der künstlich ist“.
Mit seiner zôon politikón-Diese verbindet Aristoteles die Auffassung, dass die politische Gemeinschaft als logisch prioritär angesehen werden muss, denn „das Ganze muß ursprünglicher sein als der Teil“ – soll heißen, dass der Mensch als isoliertes, bindungsloses Lebewesen seine ihn auszeichnenden intellektuellen und ethischen Anlagen überhaupt nicht vervollkommnen kann. Daher ist für Aristoteles die Politik nicht von der Ethik abzutrennen, während Hobbes beide Untersuchungsbereiche getrennt betrachtet. Eben diese begründungslogische Priorität der politischen Gemeinschaft bestreitet Hobbes mit seiner Theorie. Er sieht die staatliche Gemeinschaft als sekundär an und kann daher den Naturzustand als den fiktiven Lebensraum der natürlichen, vorsozialen Menschen unter Abstraktion aller Institutionen und Regeln ohne moralische und rechtlich-staatliche Ordnung annehmen, der „einfach das [ist], was da ist, wo Recht nicht ist“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Suche nach der idealen Staatsform ein und skizziert die radikale Abkehr von traditionellen, aristotelischen Ansätzen hin zur modernen politischen Philosophie bei Thomas Hobbes.
2. Thomas Hobbes: Das Kapitel bietet eine biografische Skizze von Hobbes und beleuchtet die gesellschaftlichen sowie politischen Faktoren, insbesondere den englischen Bürgerkrieg, die sein Denken maßgeblich beeinflussten.
3. Hobbes’ Menschenbild: Hier wird der Mensch als isoliertes, von Selbsterhaltungstrieb und Machtstreben geleitetes Wesen dargestellt, was einen scharfen Kontrast zum aristotelischen Menschenbild bildet.
4. Staatstheorie: Dieses zentrale Kapitel expliziert das Gedankenexperiment des Naturzustandes, die Notwendigkeit des Gesellschaftsvertrages zur Friedenssicherung sowie die Rolle und absolute Machtfülle des Leviathan.
5. Abschließende Bemerkungen: Die Autorin resümiert die Untersuchung und weist auf die Grenzen der Arbeit sowie auf weiterführende Forschungsmöglichkeiten bezüglich Hobbes' Werk hin.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Staatstheorie, Gesellschaftsvertrag, Naturzustand, Leviathan, Souverän, Kontraktualismus, Aristoteles, Selbsterhaltung, politische Philosophie, Macht, Frieden, Widerstandsrecht, Souveränität, Englischer Bürgerkrieg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Staatstheorie von Thomas Hobbes, insbesondere sein Hauptwerk Leviathan, und setzt diese kritisch in Bezug zur klassischen politischen Philosophie des Aristoteles.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Menschenbild bei Hobbes, die Konstruktion des Naturzustandes als rechtsfreier Raum und die Begründung staatlicher Herrschaft durch einen Gesellschaftsvertrag.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, die radikale Abkehr von antiken Staatsvorstellungen hin zur neuzeitlichen, auf rationalen und wissenschaftlichen Prinzipien basierenden Staatstheorie von Hobbes aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoriegeschichtliche Analyse, die Hobbes’ Argumente durch Textarbeit und den Vergleich mit zeitgenössischen sowie antiken Gegenpositionen (insb. Aristoteles) untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Hobbes' Menschenbild, die Analyse des Naturzustandes, die Herleitung des Gesellschaftsvertrags und die Erläuterung der Souveränitätsrechte des Leviathan.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Kontraktualismus, Naturzustand, Souverän, Leviathan, Selbsterhaltung und die Abgrenzung zum antiken Staatsverständnis.
Wie begründet Hobbes den Verzicht auf das Widerstandsrecht?
Da der Souverän durch den Vertragsschluss aller mit allen autorisiert wurde, den Frieden zu sichern, wäre Widerstand gegen ihn ein Widerspruch zum Zweck des Vertrags, der den Rückfall in den gefährlichen Naturzustand bedeuten würde.
Inwiefern ist der „Leviathan“ eher Maschine als lebendiger Organismus?
Hobbes konzipiert den Staat als rationale, von Menschen geschaffene Konstruktion (homo artificialis) zur Friedenssicherung, was im Gegensatz zur aristotelischen Sichtweise des Staates als natürlicher Lebensform steht.
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- Sonja Filip (Author), 2006, „Homo homini lupus“ - Die Staatstheorie des Thomas Hobbes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60334