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Zum Frauenbild in Neidharts Winter- und Sommerliedern

Ein Liedvergleich zwischen WL 9 und SL 1

Title: Zum Frauenbild in Neidharts Winter- und Sommerliedern

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 28 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Vera Fischer (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit hat sich zwei Ziele gesetzt.
Zum einen möchte sie dem Leser einen ersten Eindruck des mittelalterlichen Dichters Neidhart, seines Werkes und seiner Besonderheiten vermitteln. Zum anderen soll es darum gehen, vor dem Hintergrund der Frage nach einem möglichen Neidhartschen „Frauenbild“, zwei seiner Lieder detailliert zu analysieren und zueinander in Beziehung zu setzen.
Warum aber stellen die Lieder Neidharts und darunter im Besondern die so genannten Sommerlieder nun einen Sonderfall dar? Entscheidend ist die Tatsache, dass Neidhart die Frau zur zentralen Figur seiner Sommerlieder macht und das Frauenlied bei ihm somit nicht als eines unter vielen erscheint, sondern in den Sommerliedern eine eigene Gattung konstituiert. Doch nicht nur die Sommerlieder erweisen sich in Bezug auf die Beantwortung einer solchen Frage als produktiv. Neidhart hat neben den Sommerliedern noch ein weiteres großes Liedcorpus hinterlassen, die so genannten Winterlieder. Diese sind wiederum so interessant für die Beantwortung der Frage, da sie durch die Verkehrung des etablierten Minneschemas des Hohen Sang einen neuen Blick auf die Rolle der Frau freilegen. Vorausgesetzt ist in bei dieser Unternehmung selbstverständlich die Tatsache, dass alle Annahmen zu Neidharts Frauenbild abgeleitet von seinem Liedcorpus nur über das in den Liedern agierende lyrische Ich zu treffen sind. Das heißt ein Neidhartsches Frauenbild ist in dieser Arbeit immer gekoppelt an eine autorbezogene Interpretation des lyrischen Ichs.

Gewiss kann die vorliegende Arbeit nur einen exemplarischen Eindruck von Neidharts Werk vermitteln und das Neidhartsche Frauenbild bei weitem nicht erschöpfend thematisieren, doch erhebt sie den Anspruch, den Dichter Neidhart in seiner Vielseitigkeit präsentieren zu wollen und wenigstens eine Skizze seines individuellen Frauenbildes anzulegen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Der Dichter Neidhart – biographische und literarische Spuren

3. Die für Neidhart charakteristischen Liedtypen: Sommerlied und Winterlied

4. Zur Rolle der Frau in Neidharts Winterlied

5. Zur Rolle der Frau am Beispiel von Mutter- Tochterlied SL 1

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Frauenbild im Werk des mittelalterlichen Dichters Neidhart, indem sie exemplarisch zwei ausgewählte Lieder, ein Winter- und ein Sommerlied, detailliert analysiert und zueinander in Beziehung setzt.

  • Biographische und literarische Einordnung des Dichters Neidhart
  • Differenzierung der charakteristischen Liedtypen: Sommer- und Winterlieder
  • Analyse von Frauenrollen und Minneschemata in Neidharts Lyrik
  • Untersuchung des Rollenverhältnisses in Mutter-Tochter-Liedern
  • Vergleichende Interpretation der Interaktion zwischen Sänger-Ich und Frauenfiguren

Auszug aus dem Buch

4. Zur Rolle der Frau in Neidharts Winterlied 9

Das zu Grunde liegende Lied Neidharts ist sowohl in Handschrift R als auch in c überliefert und umfasst in beiden Überlieferungen sieben Strophen mit jeweils sieben Versen. Die Strophenform des Liedes ist die der Stollenstrophe. Im Aufgesang, d. i. Vers 1-4, liegt im Reimschema der Kreuzreim vor, im Abgesang, d. i. Vers 5-7, findet sich eine dreifache Reimpaarreihe, so dass sich ein Reimschema ababccc, dedefff, usw. ergibt.

Obwohl, wie im vorangegangenen Kapitel herausgestellt, die dominierende Form der Winterlieder das Monologlied ist, handelt es sich bei jenem Winterlied zu Teilen um ein Dialoglied. Im Gespräch sind eine Frau und das Sänger- Ich.

Das Lied stellt eine Art Streitgespräch dar, in dem Sänger und Mädchen einen offenen Konflikt austragen. Das Sänger-Ich, eine junge Frau begehrend, gerät bei jener in Missgunst, da er ihr ihren gläsernen, roten Griffel entriss und jene damit schwer enttäuschte, so dass sie sich rächen wollte und den Griffel zurück verlangte.

Obwohl Sänger und Frau in Strophe III und IV in einen direkten Dialog eintreten, bleibt die Erzählperspektive schwerpunktmäßig beim Sänger. Das Lied eignet sich insofern also für eine Analyse des Frauenbildes, da es einerseits zu einer konkreten Interaktion beider Geschlechter kommt, andererseits das subjektive Frauenbild des Sänger-Ichs freigelegt wird. Die Dörper-Sänger Rivalität findet in diesem Lied keinen direkten Ausdruck. Wie sie sich jedoch auf das Neidhartsche Frauenbild auswirkt, sollen ergänzende Verweise zu anderen Liedern zeigen, die in die Analyse beider Lieder hineinfließen werden. Zu Strophe 1 WL 9:

„Nu ist der kleinen vogelîne singen und der liehten bluomen schîn vil hast zergân. wolde ein wîp mir liebez ende bringen, mir waer, als ichs immer bêde solde hân, diu mich ir genâden ie verzêch von kindes beine; doch bit ich die guoten, dazs ir triuwe an mir erscheine, mînes herzen küneginne ich meine.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Die Arbeit erläutert ihre Ziele, den Dichter Neidhart vorzustellen und sein Frauenbild anhand von Liedanalysen exemplarisch zu skizzieren.

2. Der Dichter Neidhart – biographische und literarische Spuren: Dieses Kapitel betrachtet die historische Einordnung Neidharts und kritisiert die biographistische Germanistik hinsichtlich der Deutung seines Namens und Werkes.

3. Die für Neidhart charakteristischen Liedtypen: Sommerlied und Winterlied: Es werden die formalen und inhaltlichen Unterschiede der beiden Hauptgattungen sowie das zugrunde liegende Minneschema erläutert.

4. Zur Rolle der Frau in Neidharts Winterlied: Die Analyse des Winterliedes 9 beleuchtet die Interaktion zwischen dem Sänger-Ich und einer wehrhaften, selbstbewussten Frauenfigur.

5. Zur Rolle der Frau am Beispiel von Mutter- Tochterlied SL 1: Untersucht wird der Rollentausch zwischen Mutter und Tochter und die damit verbundene Aufwertung der Rolle der „Alten“.

6. Fazit: Die Autorin fasst zusammen, dass Neidhart die Rolle der Frau im Minnesang aufwertet und die Ambivalenz der Geschlechterbeziehungen in seinem Werk produktiv nutzt.

Schlüsselwörter

Neidhart, Frauenbild, Winterlied, Sommerlied, Minnesang, Mutter-Tochter-Lied, Dörper, Huote, Rollentausch, Mittelalterliche Literatur, Lyrikanalyse, Sänger-Ich, Geschlechterrollen, Gattungsparodie, Reienstrophe

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Frauenbild im Werk des mittelalterlichen Dichters Neidhart, wobei der Fokus auf dem Vergleich von zwei spezifischen Liedtypen liegt.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?

Die zentralen Themen sind die literarische Charakterisierung von Frauenfiguren, die Funktion des Minneschemas sowie die Dynamik von Mutter-Tochter-Interaktionen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, ein exemplarisch begründetes Verständnis für das Neidhartsche Frauenbild zu entwickeln, das über die bloße Projektionsfläche traditioneller Minne hinausgeht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse und Interpretation von ausgewählten Primärtexten sowie den Diskurs mit fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen zu den Liedtypen, die detaillierte Analyse von Winterlied 9 und Sommerlied 1 sowie die Rolle des Sänger-Ichs untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Neidhart, Frauenbild, Sommerlied, Winterlied, Minnesang, Dörper und Mutter-Tochter-Lied.

Welche Bedeutung hat der Griffel in Winterlied 9?

Der Griffel dient als zentrales Bild für einen Konflikt; er kann wörtlich als Gegenstand, aber auch metaphorisch als erotisches oder sexuelles Symbol gedeutet werden.

Wie unterscheidet sich die Rolle der Mutter in Sommerlied 1?

Im Gegensatz zur traditionellen Aufsichtspflicht (huote) zeigt Neidhart hier eine Mutter, die selbst Begehren äußert und somit die Rollenkonstellation mit ihrer Tochter umkehrt.

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Details

Title
Zum Frauenbild in Neidharts Winter- und Sommerliedern
Subtitle
Ein Liedvergleich zwischen WL 9 und SL 1
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für ältere deutsche Literatur)
Course
Hauptseminar:„Lyrik des hohen und späten Mittelalters“
Grade
1,3
Author
Vera Fischer (Author)
Publication Year
2006
Pages
28
Catalog Number
V60356
ISBN (eBook)
9783638540568
ISBN (Book)
9783638667371
Language
German
Tags
Frauenbild Neidharts Winter- Sommerliedern Hauptseminar Mittelalters“
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Vera Fischer (Author), 2006, Zum Frauenbild in Neidharts Winter- und Sommerliedern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60356
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