In den vergangenen Jahren entwickelte sich in der Bundesrepublik Deutschland eine bedeutende Gruppe von Dauerarbeitslosen, welche sich von Konjunkturzyklus zu Konjunkturzyklus vergrößerte. Somit entstand ein Sockel von Arbeitslosen, der nicht mehr abgebaut werden konnte. Hierzu gehören oft die typischen Problemgruppen: gering Qualifizierte, Behinderte und alte Mitbürger. Ebenfalls eine Rolle spielt die friktionelle Arbeitslosigkeit. In Deutschland wechseln zwischen 6 und 7 Millionen Mitbürger ihren Arbeitsplatz pro Jahr. Diese finden in der Regel nicht gleich zum nächsten Monatsanfang einen neuen Job, sondern sind für eine gewisse Zeit erwerbslos. Alles spricht also für die Suche nach einer möglichst effektiven und sozialgerechten Vermittlung. Um diese zu garantieren galt bis 1994 das Vermittlungsmonopol der Bundesanstalt für Arbeit. Demnach wurde es Privatorganisationen untersagt, für Arbeitnehmer einen Arbeitsplatz bzw. für Arbeitgeber einen Arbeitswilligen zu suchen. Ausnahmen gab es lediglich für Künstler und Führungskräfte. Im Jahre 1994 trat eine Veränderung auf. Das Vermittlungsmonopol wurde aufgehoben und der Arbeitsmarkt somit liberalisiert. Von Jahr zu Jahr steigerte sich die Anzahl der von privaten Unternehmen vermittelten Arbeitnehmer. So wurde 2000 knapp 27% mehr Arbeitswilligen eine Arbeitsstelle vermittelt als 1999. Um die Richtigkeit dieser Deregulierung zu diskutieren, muss man das Thema von zwei Seiten her betrachten. Zum einen spielt der sozialpolitische Schutzgedanke eine wichtige Rolle, und zum anderen die „Effizienz der Arbeitsvermittlung im Sinne arbeitsmarktpolitischer Zweckmäßigkeit“. Ich versuche nun in diesem Text zunächst einige Gründe zu nennen, die für das Vermittlungsmonopol sprechen und anschließend einige, die zur Abschaffung geführt haben, um dann daraus die Folgen abzuleiten. Die einzelnen Gründe diskutiere ich mit Hilfe von einigen bekannten ökonomischen Theorien aus der wissenschaftlichen Literatur, wie zum Beispiel der Effizienzlohn- oder die Insider-Outsider-Theorie und versuche dadurch zu zeigen, ob sie für ein Vermittlungsmonopol oder dagegen sprechen. Dann komme ich noch im speziellen auf die Folgen der Aufhebung um abschließend im Fazit kurz die Diskussion zusammenzufassen, die zeigt, dass die Aufhebung des Vermittlungsmonopols positive Auswirkungen für die Arbeitssuche hat, obwohl dies empirisch schwer zu belegen ist. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gründe für ein Vermittlungsmonopol bis zum Jahre 1994
2.1 Die Verelendungstheorie
2.2 Die Gefahr der Geschäftemacherei
2.3 Die Gefahr des „Rosinenpickens“
2.4 Die Intransparenz des Arbeitsmarktes
2.5 Die Ressourcen des Staates
3. Gründe für eine Abschaffung des Vermittlungsmonopols
3.1 Die Widerlegung der Gründe für ein Vermittlungsmonopol
3.2 Die Überforderung der staatlichen Behörden
3.3 Das Grundrecht auf freie Berufswahl und Arbeitsplatzsuche
3. 4 Die Öffnung für den Markt der Europäischen Union
4. Die Folgen der Aufhebung des Vermittlungsmonopols
4.1 Eine Erfassung der Folgen in Zahlen
4.2 Die Bedeutung für den gewerbsmäßigen Arbeitskräfteverleih
4.3 Die inhaltlichen Veränderungen durch die Aufhebung des Vermittlungsmonpols
5. Zusammenfassung/Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Aufhebung des Vermittlungsmonopols der Bundesanstalt für Arbeit im Jahr 1994 und bewertet die ökonomischen sowie sozialpolitischen Argumente für und gegen die Marktliberalisierung im Bereich der Arbeitsvermittlung.
- Historische Begründung des staatlichen Vermittlungsmonopols
- Widerlegung der Monopolargumente durch wettbewerbliche Ansätze
- Die Rolle der Insider-Outsider-Theorie auf dem Arbeitsmarkt
- Folgen der Marktöffnung für den gewerbsmäßigen Arbeitskräfteverleih
- Zusammenspiel von öffentlicher und privater Arbeitsvermittlung
Auszug aus dem Buch
2.3 Die Gefahr des „Rosinenpickens“
Da der wirtschaftliche Erfolg eines privaten Vermittlers von möglichst reibungslosen und für den Arbeitgeber positiven Vermittlungen abhängig ist, besteht die Gefahr, dass sich die privaten Agenturen lediglich auf die gut qualifizierten, leicht vermittelbaren Arbeitsuchenden spezialisieren und die anderen dem Arbeitsamt überlassen. Man redet in diesem Zusammenhang auch vom „Rosinepicken“, da die leichten Fälle am schnellsten heraus gepickt werden (vgl. Deregulierungskommission, 1991). Die daraus entstehende Problematik wäre eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, die aus dem Arbeitsmarkt entsteht: die gut qualifizierten, die schnell einen Job finden, da sie privat vermittelt werden, und die schweren Fälle der Langzeitarbeitslosen, die im privaten Markt keine Chance haben und somit zum Arbeitsamt gehen müssen. Warum Arbeitslose, die schon länger auf der Suche sind, keinen Arbeitsplatz mehr bekommen, versucht die „Insider-Outsider-Theorie“ näher zu analysieren.
Man geht davon aus, dass ein Arbeitnehmer schwerer an einen Job kommt, je länger er arbeitslos ist und so zum „Outsider“ wird: „the longer people are unemployed, the more their skills depreciate and become obsolescent, the more discouraged and ineffective they become in the process of job search and the more wary firms become of hiring them“ (Snower, 1997). Dieses Problem ist zum Teil in der heutigen Gesellschaft schon zu beobachten. Es hat zur Folge, dass dem Arbeitsamt eine erfolgreiche Vermittlung nicht mehr zugetraut wird. Dadurch wird die problematische Situation der Langzeitarbeitslosen noch verschärft. Hier kann ein problematischer Teufelskreis entstehen der sich immer weiter zum Nachteil des Arbeitslosen verstärkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Entwicklung der Dauerarbeitslosigkeit in Deutschland und stellt das Vermittlungsmonopol der Bundesanstalt für Arbeit bis 1994 in den Kontext sozialpolitischer und ökonomischer Überlegungen.
2. Gründe für ein Vermittlungsmonopol bis zum Jahre 1994: Dieses Kapitel erläutert die historischen Beweggründe für die staatliche Kontrolle der Arbeitsvermittlung, wie etwa den Schutz vor Verelendung und die Sicherung von Markttransparenz.
3. Gründe für eine Abschaffung des Vermittlungsmonopols: Es werden Gegenargumente und ökonomische Theorien präsentiert, die eine Liberalisierung des Arbeitsmarktes rechtfertigen und die staatliche Überforderung sowie Grundrechtsfragen thematisieren.
4. Die Folgen der Aufhebung des Vermittlungsmonopols: Hier werden statistische Entwicklungen seit der Liberalisierung analysiert und die Auswirkungen auf den gewerbsmäßigen Arbeitskräfteverleih sowie die inhaltliche Wettbewerbssituation untersucht.
5. Zusammenfassung/Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Aufhebung des Monopols positive Impulse für die Arbeitsvermittlung bietet, sofern staatliche und private Akteure komplementär agieren.
Schlüsselwörter
Vermittlungsmonopol, Bundesanstalt für Arbeit, Arbeitsmarkt, Liberalisierung, Arbeitslosigkeit, Rosinenpicken, Insider-Outsider-Theorie, Arbeitsvermittlung, Deregulierung, Arbeitskräfteverleih, Beschäftigung, Wettbewerb, Sozialpolitik, Effizienzlohn-Theorie, Job-AQTIV-Gesetz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Hintergründe und Auswirkungen der Aufhebung des staatlichen Vermittlungsmonopols der Bundesanstalt für Arbeit im Jahr 1994.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die historischen Argumente für das staatliche Monopol, deren kritische Widerlegung sowie die Effekte der Liberalisierung auf die Arbeitsvermittlungspraxis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den ökonomischen Nutzen der Arbeitsmarkt-Deregulierung zu bewerten und aufzuzeigen, wie sich der Wettbewerb zwischen privaten Anbietern und der staatlichen Behörde gestaltet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse ökonomischer Modelle, wie der Insider-Outsider-Theorie und der Kontrakttheorie, ergänzt durch die Auswertung offizieller Arbeitsmarktstatistiken.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begründung des ehemaligen Monopols, dessen Widerlegung und die anschließende empirische Erfassung sowie inhaltliche Bewertung der Folgen der Aufhebung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind das Vermittlungsmonopol, die Deregulierung des Arbeitsmarktes, die Rolle von privaten Vermittlungsagenturen und das Phänomen des Rosinenpickens.
Wie erklärt der Autor die Gefahr des „Rosinenpickens“?
Der Autor beschreibt dies als Risiko, bei dem private Vermittler nur leicht zu vermittelnde, hochqualifizierte Arbeitskräfte wählen, wodurch Langzeitarbeitslose bei staatlichen Stellen zurückbleiben.
Welche Bedeutung hat das Job-AQTIV-Gesetz in diesem Kontext?
Das Gesetz wird als ein Instrument genannt, das durch die Zusammenarbeit von öffentlichen und privaten Akteuren neue Chancen für schwer vermittelbare Arbeitslose schaffen soll.
- Quote paper
- Robert Brandt (Author), 2002, Auswirkungen der Aufhebung des Vermittlungsmonopols der Bundesanstalt für Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60398