Theorie des Schönen im Mittelalter


Seminararbeit, 2000
24 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

1. Der moderne Begriff der Ästhetik und die mittelalterlichen Theorien von der Kunst und dem Schönen
1.1. Der Kunstbegriff des Mittelalters

2. Im Vergleich: der mittelalterliche und der neuzeitliche Kunstbegriff
2.1. Artes liberales und artes mechanicae
2.2. Die mittelalterliche Kunstphilosophie als Wissenschaftstheorie oder Technologie?
2.3. Das Kunstwerk als Mittel zum Zweck – Zweckbestimmung - Lehrhaftigkeit
2.3.1. Die Wirkung eines mittelalterlichen Kunstwerkes - Der Aufstieg zum Unsichtbaren
2.4. Résume:

3. Die Schönheit der Kunst im Mittelalter
3.1. Schönheit: kein primärer Zweck eines Kunstwerkes
3.2. Résume:

4. Anschaubarkeit und universale Schönheit
4.1. Die Objektivität des Schönen
4.1.1. Kunst als Natur und Natur als Kunst

5. Die Kategorie der Schönheit
5.1. Kunst und Philosophie
5.1.1. Die Anschauung als vollkommene Erkenntnis
5.1.2. Die Objektivität der Bedeutung – allgemein verständliche Symbole
5.2. Résume:

6. Anschauung des Universalen, Theoretischer Charakter der Kunst
6.1. Die Bearbeitung von Materie
6.2. Die Schönheit der Materie
6.3. Die Schönheit des Abbildes
6.4. Das Menschenbild und die abstrakten Darstellungen
6.5. Die Architektur
6.6. Die Schönheit des Lichtes

7. Definition des Schönen :Formale (moderne) und materielle(mittelalterliche) Definition

EINE HISTORISCHE VERORTUNG
1. Die Anonymität des Kunstschaffens und der Begriff des Schönen an sich. Von der Völkerwanderung bis zur karolingischen Renaissance
1.1. Klassizismus und Antiklassizismus
1.1.1. Der Künstler als Mittler
2. Die ästhetischen Ideen der karolingischen Renaissance und des Johannes Scotus
2.1. Der karolingische Klassizismus
2.1.1. Die Übernahme des Corpus Areopagiticum im Abendland
3. Die Auffassung vom Schönen in der ottonischen Zeit und in den Klosterreformen des 10. Jahrhunderts.
3.1. Der Einfluss des Pseudo Dionysius
3.1.1. Cluniazensischer Orden und ottonisches Reich
4. Der Begriff des Schönen in der romanischen Epoche
4.1. Der Einfluss des Pseudo Dionysius. Romanische Basiliken
5. Die gotische Interpretation des christlichen Platonismus
5.1. Chartres, St. Viktor und Clairvaux als Mittelpunkte des ästhetischen Denkens
5.1.1. Licht- und Zahlenmetaphysik
5.1.2. Die Farbe, die Proportion, die Linie
5.2. Résume:

Vorwort

In Anschluss an die Vorlesung Kunstgeschichte des Mittelalters stellte sich für mich die Frage, warum erschienen manche Stile, Methoden, Dekorationen, ... den Menschen im Mittelalter als schön, als göttlich, als die beste Möglichkeit, und warum war die Gotik und später das Barock so andersartig gelagert.

Aus diesem persönlichen Interesse heraus habe ich mich entschieden, nicht eine Werkbeschreibung eines mittelalterlichen Kunstwerkes oder Bauwerkes zu schreiben, sondern mich mit dem theoretischen Thema der Theorie des Schönen, der Ästhetik auseinander zu setzten.

Ich habe mich in der folgenden Arbeit sehr stark and Rosario Assuntos Werk „Die Theorie des Schönen im Mittelalter“ angelehnt Da mir auf diesem, mir bis dato unbekannten Gebiet der Kunsttheorie die Sprachbewandtnis fehlt, habe ich mich nicht zu weit von Assuntos Grundlagen und Textfluss weggewagt. Im Laufe der Arbeit ist mir immer mehr bewusst geworden, auf welch schwieriges Thema ich mich eingelassen hatte. Eine Verquickung von Kunst, Religion und Philosophie, eine neue mir beinahe unbekannte Art zu denken, in einer großen Einheit. In gewissen Abschnitten hat mir Umberto Eco mit seinem Werk „Kunst und Schönheit im Mittelalter“ beim Verstehen geholfen, manche Sachverhalte und Gedankengänge bedürfen meinerseits noch stärkerer philosophischer und religionsgeschichtlicher Fundierung.

Diese Arbeit ist somit als ein erster Versuch einer Annäherung an die Kunsttheorie zu verstehen, keinesfalls ein eigenständiges, auf fundiertem Wissen basierenden Werk, was im Umfang dieser Arbeit leider nicht möglich gewesen ist.

1. Der moderne Begriff der Ästhetik und die mittelalterlichen Theorien von der Kunst und dem Schönen

Kann man von einer mittelalterlichen Ästhetik sprechen?

Das Mittelalter kennt den Begriff Ästhetik noch nicht, da es auch die Kunst nicht als eine subjektive, menschliche Schöpfung sieht. Im Mittelalter sind die Theorie des Schönen, die Kunsttheorie und Theorie der sinnlichen Wahrnehmung noch streng voneinander getrennt.

Für uns ist heute die Philosophie des Schönen und die Philosophie der Kunst dasselbe. Das Schöne wird als ein subjektiver menschlicher Ausdruck verstanden. Als solcher ist er eine die menschlichen Werke, seien es Kunstwerke oder mit Kunstfertigkeit geschaffene Dinge, näher bestimmende Eigenschaft. Für den mittelalterlichen Menschen war die Schönheit eine objektive Eigenschaft des Seins an sich. Die Eigenschaft konnte der Mensch aufdecken aber nicht hervorbringen. Also konnten die vom Menschen geschaffenen Dinge nur an der Schönheit teilhaben, sie aber nie verkörpern. Was wir heute Kunstwerk nennen, war im Mittelalter ein zu nützlichen Zwecken geschaffenes Ding.

Als leicht verständliches Beispiel: „Während wir die Natur als schön beurteilen, wenn sie sich der Kunst nähert, galt im Mittelalter die Kunst als schön, wenn sie sich der Natur anglich.

1.1. Der Kunstbegriff des Mittelalters

Die im Mittelalter geschaffenen Werke müssen natürlich immer unter den Bedingungen ihrer Entstehung gesehen werden. Dies erreichen wir, indem wir sie in ihrer eigenen geschichtlichen Wahrheit zu verstehen versuchen. Wir können sie zwar nur mit unseren eigenen Augen betrachten, aber mit der Kenntnis wie ihre Urheber und deren Zeitgenossen sie wohl sahen.

Das bedeutet nun für uns, dass wir den Kunstbegriff des Mittelalters wiederfinden müssen. Was bedeutete wohl Kunst im Denken der Menschen im Mittelalter?

2. Im Vergleich: der mittelalterliche und der neuzeitliche Kunstbegriff

2.1. Artes liberales und artes mechanicae

Heute ist Kunst ein Terminus, der eine menschliche Tätigkeit beschreibt, die einen subjektiven sinnlichen Ausdruck schaffen will. Der mittelalterliche Terminus will etwas anders mit Kunst bezeichnen.

Artes (Künste) waren die artes liberales (freien Künste) und die artes mechanicae (die mechanischen Künste). Ars (Kunst) entspricht im ersten Fall unserem heutigen Terminus Wissenschaft. Keine der sieben freien Künste des Altertums und des Mittelalters entspricht unseren heutigen Vorstellungen von Kunst. Malerei, Bildhauerei, Weberei, ... alles das galt einfach als Technik (artes mechanicae). Man rechnete sie einfach zu den Tätigkeiten die der Mensch ausführt um seine materiellen Bedürfnisse zu befriedigen.

Die artes liberales kann man als geistige Tätigkeiten bezeichnen, gipfelnd in der Theologie.

2.2. Die mittelalterliche Kunstphilosophie als Wissenschaftstheorie oder Technologie?

Weil Malerei und Plastik im Mittelalter zu den mechanischen Künsten gezählt wurden, bildete ihre theoretische Erörterung einen Teil der Technologie.

Die Architektur nahm in dieser Zweiteilung eine Sonderstellung ein, da sie sich von der artes mechanicae unterscheide, indem sie sich auf Wissenschaft gründe. Architektur als angewandte Wissenschaft (artes liberales) die wie die artes mechanicae auf materielle Bedürfnisse der Menschen eingehe. Malerei und Bildhauerei standen im Dienste der Architektur und dienten dem Architekten dazu, die Anmut des Gebäudes zu verbessern. Dieser überzweckmäßige Aspekt der Malerei und Bildhauerei verbindet sie nun mit dem Werk des Architekten. Hier können wir schon einen ersten Übergang von der Technologie zur Ästhetik in der mittelalterlichen Kunstauffassung finden.

2.3. Das Kunstwerk als Mittel zum Zweck – Zweckbestimmung - Lehrhaftigkeit

Die Eigenart eines mittelalterlichen Kunstwerkes bestand also, wie schon gesagt darin, dass sich Technik und Metaphysik darin verschränken, weiters beinhaltete es einen allegorischen Sinn und sollte lehrhaft sein. So war eben die werbende Wirksamkeit die Aufgabe für die das Kunstwerk bestimmt war.

Diese Einbeziehung weltlicher Ziele, die je nach der Gebrauchsbestimmung des Kunstwerkes moralischer, politischer oder erotischer Art sein konnten, in die Kategorie des Ästhetischen ist für uns schwer nachzuvollziehen. Für den mittelalterlichen Menschen war das Kunstwerk ein Gegenstand, dessen Aufgabe es war nützlich zu sein, bestimmte Wirkungen hervorzurufen, zu belehren, zu orientieren, zu bewegen.

Die Form entsprach einer gewissen Zielsetzung, bedeutete gewisse Ideen und übte eine gewisse Wirkung auf das Gemüt dessen aus, der ihm begegnete. Ein Gegenstand, der allen diesen Ansprüchen gerecht wurde, entsprach dem, was wir ein Kunstwerk nennen.

Wenn wir also ein mittelalterliches Werk in seiner Gesamtheit verstehen wollen, dann dürfen wir auch die inhaltliche Seite dieser Werke nicht, wie es so oft geschieht, abstrahieren. Ein mittelalterliches Bild ist eine Metapher einer bestimmten Bedeutung. Diese Metapher ist aber keine Hülle von der wir das Kunstwerk befreien dürfen, es ist die Voraussetzung die es erst denkbar macht.

Ein Kunstwerk wurde somit immer für einen bestimmten Zweck geschaffen

2.3.1. Die Wirkung eines mittelalterlichen Kunstwerkes - Der Aufstieg zum Unsichtbaren

Diese Kunst der Einheit führt dem Menschen, nach Dante, das Absolute, die unsichtbare Wirklichkeit vor Augen, auf der das Sichtbare ruht. Das Kunstwerk wird als eine Art Zwischenwelt gesehen.

Abt Suger berichtet zum Beispiel über den von ihm unternommenen Neubau der Kathedrale von St. Denis und versichert: „Er habe sich gefühlt wie in einer Region, die nicht völlig in dem Morast der Erde versunken aber auch noch nicht völlig zur Reinheit des Himmels erhoben war. Sie war so beschaffen, dass sie es ihm erlaubte, sich von jener niederen zu der anderen, höheren Welt zu erheben.“

2.4. Résume:

Künstlerische Arbeit war für das mittelalterliche Denken eine menschliche Tätigkeit, die für einen praktischen Zweck bestimmte Gegenstände schuf. Diese waren aber so geartet, dass sich bei ihrem Gebrauch eine Anschauung ergab, die den Benutzer zu Erkenntnis bestimmter Ideen führte und zu bestimmten Verhaltensweisen veranlasste. In jener Anschauung nahm er schon in diesem Leben überweltliche Erfahrung vorweg. Die positive Qualität aller dieser menschlichen Erzeugnisse war die Schönheit.

Aber auch der Schönheitsbegriff war im Mittelalter anders gelagert als er uns heute geläufig ist, was zum nächsten Kapitel überleitet.

3. Die Schönheit der Kunst im Mittelalter

3.1. Schönheit: kein primärer Zweck eines Kunstwerkes

Im Mittelalter war nicht Schönheit der Zweck für den Kunstwerke geschaffen wurden. Die Schönheit war vielmehr ein dem Werkstoff, wie der Bearbeitungsweise anhaftendes Attribut. Somit war der Begriff der künstlerischen Schönheit im Mittelalter umfassender als im modernen Denken. Ein Kunstwerk war ein opus artificale, das aus einem bestimmten Material und für eine praktische Bestimmung gefertigt war. Dazu war es so gestaltet, dass es metaphorisch eine bestimmte Bedeutung vermitteln konnte. Die Schönheit eines solchen opus artificiale bezog sich nicht auf das eine oder andere seiner objektiven Merkmale und ebenso wenig auf das persönlichen Tun/Schaffen oder die Kreativität des artifex, wie wir heute zu denken gewöhnt sind, sondern die Schönheit bezog sich auf alle in ihrer Einheit. Die Schönheit war somit immer der Bestimmung, der Bedeutung und dem Zweck des Gegenstandes untergeordnet.

Im Mittelalter war also die Kategorie des Kunstschönen nicht von der des Nützlichen zu trennen, sie war vielmehr durch diese bedingt.

Damals wurden die Kunstwerke eher wie heute unser Industrial Design eingeschätzt. Aus diesem Grund hatten das gewählte Material und die im Hinblick auf die Funktion, zu der das Werk bestimmt war, angewandte Technik einen entscheidenden Anteil an der Schönheit des Erzeugnisses selbst.

Das Mittelalter hatte eine eindeutig objektiv-materialistische Auffassung der Schönheit.

Im Mittelalter wurden Kunstwerke auch nach ihren moralischen Zielsetzungen als schön beurteilt. So ist es auch zu verstehen, dass obszöne Darstellungen in Sakralbauten zu finden waren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Theorie des Schönen im Mittelalter
Hochschule
Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz - Kunstuniversität Linz  (Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Seminar
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2000
Seiten
24
Katalognummer
V6040
ISBN (eBook)
9783638137324
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theorie, Schönen, Mittelalter, Seminar
Arbeit zitieren
Martina Traxler (Autor), 2000, Theorie des Schönen im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6040

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