Sind Frauen Gewinner oder Verlierer der Globalisierung?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Globalisierung

3. Zahlen zur Geschlechterungleichheit
3.1. Geschlechterindizes

4. Feministische Ökonomie

5. Ausgangsbedingungen
5.1. Zugang zu Qualifikation
5.2. Zugang zu ökonomischen Ressourcen

6. Standortvorteil Frau

7. Frauenarbeit
7.1. Frauen in Industrieländern
7.2. Frauen in Entwicklungsländern
7.2.1. Der informelle Sektor

8. Emanzipation durch Arbeit?

9. Rechtliche Regelungen

10. Gender Mainstreaming und Empowerment

11. Fazit

12. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Frau Christa Wichterich Soziologin und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Attac formuliert folgende These zur Globalisierung; „ Die neoliberalistische Globalisierung nutzt die hierarchischen Geschlechterverhältnisse und andere soziale Ungleichheiten, um sich über Mechanismen wie Konkurrenz und Polarisierung, Aufwertung und Abwertung, Ausschluss und Integration durchzusetzen. “. Das neoliberalistische Regime baut auf bestehende Geschlechterverhältnisse auf, modernisiert sie aber gemäß der Markt-, Effizienz- und Wettbewerbslogik. Zusammenfassend gesagt, Globalisierungsprozesse haben unterschiedliche Auswirkungen auf Männer und Frauen und sie realisieren sich über die Geschlechterordnung.[1]

Ungleichheit zwischen den Geschlechtern gehört zu den ungelösten Problemen der Weltentwicklung. Bisher haben Frauen in keiner Gesellschaft die gleichen Chancen auf ein gutes Leben wie Männer. Tagtäglich werden wir damit konfrontiert, sei es im eigenen gelebten Alltag oder wir erfahren aus der Zeitung und dem Fernsehen von benachteiligten Frauen in anderen Ländern. Welche Auswirkungen hat Globalisierung auf die Geschlechterungleichheit? Sind Frauen Verlierer der Globalisierung oder eröffnen sich ihnen dadurch Möglichkeiten und Chancen zur Gleichberechtigung. Kapitel 2 setzt sich mit der Definition der Globalisierung auseinander und macht diese anhand eines Beispiels anschaulich. In Kapitel 3 sind geschlechtsbezogene Daten zu finden und Verfahren zur Messung, die die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen widerspiegeln. Die feministische Perspektive zur Ökonomie findet eine kurze Erläuterung in Kapitel 4. Eine kurze Auseinandersetzung mit den differenten Zugangsbedingungen von Frauen und Männern erfolgt in Kapitel 5. In Kapitel 6 wird deutlich, weshalb in Entwicklungsländern gerade Frauen für die Industrie einen Standortvorteil bedeuten. Das nächste Kapitel beschreibt die Frauenarbeit in den Entwicklungs- und Industrieländern. Nicht zuletzt stellt sich dann die Frage, ob die Ausübung einer Tätigkeit zu mehr Partizipation führen kann und damit zur Gleichberechtigung. Rechtliche Regelungen, die zur internationalen Harmonisierung von Gleichstellungspolitiken am Arbeitsmarkt geschaffen wurden, sind in Kapitel 9 zu finden. Abschließend werden zwei wichtige politische Ansätze zur Gleichstellung der Geschlechter erörtert und im Fazit soll die Frage beantwortet werden, ob Globalisierung einen Beitrag zur Gleichberechtigung leisten kann oder die Ungleichheit noch weiter ausbaut.

2. Definition Globalisierung

„Globalisierung bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass die ganze Welt zu einem Produktionsstandort geworden ist.“ Eine Beispielkette für Jeans soll das näher erläutern. Indische Landwirte bauen Baumwolle an und benutzen dafür Pestizide und Düngemittel aus Deutschland. Anschließend wird die Baumwolle in der Türkei zu Garn verarbeitet, um danach in Taiwan zu Stoff gewebt zu werden. Die Franzosen färben die Stoffe mit chemischen Farbstoffen, bevor sie in Honduras mit Hilfe britischer Kurzwaren zu Jeans genäht werden. Die Aufträge kommen von einer amerikanischen Firma, die unter anderem auch den deutschen Markt beliefert. Wenn der Jeansträger seine Hose in die Altkleidersammlung gibt, wird sie dann eventuell in der Dritten Welt billig weiterverkauft oder verschenkt. In der Textilbranche ist die Globalisierung besonders weit, doch auch andere Unternehmen nutzen immer intensiver den Weltmarkt der Produktionsstandorte. So lässt zum Beispiel die Lufthansa ihre Finanzbuchhaltung in Indien erledigen usw..[2] Die OECD (Organization for Economic Cooperation and Development) bezeichnet Globalisierung als einen Prozess, durch den Märkte und Produktion in verschiedenen Ländern immer mehr voneinander abhängig werden- dank der Dynamik des Handels mit Gütern und Dienstleistungen und durch Bewegungen von Kapital und Technologie.[3] Globalisierung ist ebenfalls ein multidimensionaler Prozess der Neuordnung gesellschaftlicher Verhältnisse über nationalstaatliche Grenzen hinweg. Die Globalisierung findet nicht nur auf Finanzmärkten und in der Handelspolitik statt, sondern Frauen und Männer in ihrem gelebten Alltag in Betrieben, auf Feldern, in Haushalten und sozialen Beziehungen setzen die Globalisierung lokal um.[4] Globalisierung wird in der Fachliteratur auch oft als widersprüchlicher Prozess bezeichnet, der neue Optionen und Chancen bietet, gleichzeitig aber auch neue Risiken für marginalisierte Gruppen enthält, die über einen eingeschränkten Zugang zu Wissen und Qualifikationen sowie Macht und Entscheidungspositionen verfügen.[5]

3. Zahlen zur Geschlechterungleichheit

- 70% der 1,3 Milliarden Armen sind Frauen.
- 80% der Flüchtlinge vor Kriegen und Katastrophen sind Frauen und Kinder.
- 78% der Mädchen in Entwicklungsländern gehen heute zur Schule. Trotzdem sind 60% aller Analphabeten Frauen.
- Nur 30% der Frauenarbeit wird bezahlt. Bei den Männern liegt der Anteil bei 75%, dabei leisten die Frauen weltweit mehr als die Hälfte der Arbeitsstunden. In Afrika verrichten Frauen 80 bis 90% der landwirtschaftlichen Arbeit.
- Jedes Jahr sterben mehr als eine halbe Million Frauen an den Folgen häufiger Schwangerschaften und mangelnder medizinischer Betreuung bei der Geburt.
- Frauen und Mädchen sind sexuellen Missbrauch und physischer Gewalt ausgesetzt.
- Jede dritte Frau muss ohne männliche Hilfe für die Ernährung und Erziehung ihrer Kinder aufkommen.
- Frauen stellen ca. 60 bis 80% der Beschäftigten im informellen Sektor. Deren Arbeit ist rechtlich und sozial nicht gesichert und volkswirtschaftlich nicht erfasst.
- Der Anteil von Frauen an Führungspositionen in Wirtschaft und Verwaltung liegt bei 14%, nur ca. 12% aller Parlamentsmitglieder sind Frauen.[6]

3.1. Geschlechterindizes

Die Vereinten Nationen entwickelten seit der vierten Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking verschiedene Methoden zur Messung von Geschlechtergleichheit. Es handelt sich zum einem um den Gender related Development Index (GDI), der wie der allgemeine Index menschlicher Entwicklung (HDI) die Indikatoren Lebenserwartung, Bildungsmöglichkeiten und Einkommen misst, jedoch nach Geschlecht differenziert. Je niedriger der GDI- Wert ist je größer die Unterschiede zwischen den Geschlechtern.[7] Laut Bericht von 2002 weisen 33 von 147 Ländern einen GDI- Wert von weniger als 0,5 auf, d.h. in diesen Ländern haben Frauen nicht

halb so viele Chancen auf Gesundheit, Bildung und Einkommen wie Männer. Den höchsten Wert erreicht Australien mit 0,95 und Deutschland liegt im internationalen Vergleich auf Platz 16 mit einem GDI- Wert von 0,92.[8] Vor der Zeit der Weltfrauenkonferenz 1995 wurde ein Anstieg des GDI verzeichnet, doch ist seitdem trotz der Selbstverpflichtung der Staatengemeinschaft auf Maßnahmen zur Verbesserung der Lebenssituation von Frauen ein leichter Rückgang der Werte festzustellen. Besonders in armen Ländern sind die Lebenschancen von Frauen schlechter als die der Männer. So weisen Länder wie Sierra Leone, Niger und Burkina Faso seit Jahren die niedrigsten Werte beim GDI auf.[9] (s. Abbildung 1)

Die Tragweite der Geschlechterungleichheit wird durch den zweiten geschlechtsspezifischen Index Gender Empowerment Measure (GEM) noch deutlicher. Im Unterschied zum GDI, der die Grundlagen menschlicher Entwicklung bemisst, erfasst das GEM den Anteil von Frauen in der Legislative und in den Führungsebenen der Wirtschaft. Den höchsten GEM- Wert von 0,84 erreicht Norwegen und Deutschland liegt mit dem GEM- Wert von 0,76 im weltweiten Ranking auf Platz 8.[10] Vergleicht man beide Werte wird deutlich, dass die Partizipationsmöglichkeiten von Frauen am öffentlichen Leben weltweit noch geringer ausfallen als ihre Chancen auf Gesundheit, Einkommen und Bildung. (s. Abbildung 2)[11]

[...]


[1] Wichterich, S. 8

[2] Kessler, S. 27

[3] Von Plate, S. 3

[4] Wichterich, S. 8

[5] Deutscher Bundestag, S. 309

[6] BMZ, S. 2

[7] Deutscher Bundestag, S. 310

[8] Ruppert, S. 100

[9] Deutscher Bundestag, S. 310

[10] Ruppert, S. 100

[11] Deutscher Bundestag, S. 310

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Sind Frauen Gewinner oder Verlierer der Globalisierung?
Hochschule
Technische Universität Berlin
Veranstaltung
Internationale Beziehungen - Theorien und politische Praxis
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
26
Katalognummer
V60403
ISBN (eBook)
9783638540919
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sind, Frauen, Gewinner, Verlierer, Globalisierung, Internationale, Beziehungen, Theorien, Praxis
Arbeit zitieren
Nadja Giese (Autor), 2004, Sind Frauen Gewinner oder Verlierer der Globalisierung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60403

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