Im Frühjahr 1775 erschien eine Ankündigung von Sophie Charlotte Ackermann und Friedrich Ludwig Schröder, den Prinzipialen der Ackermannschen Schauspielgesellschaft. Diese suchten nach einem neuen Stück für ihr Repertoire. Johann Anton Leisewitz bediente sich der „Geschichte vom Tod der Söhne des Herzogs Cosmus I. (im Jahre 1562)“ und schrieb das Trauerspiel „Julius von Tarent“. Auch Friedrich Maximilian Klinger hörte vom Wettbewerb - und durch Johann Martin Miller auch von Leisewitz‘ Plänen und bediente sich des gleichen Stoffes und der gleichen Quelle. Klingers Drama „Die Zwillinge“ konnte knapp den Sieg im Wettbewerb erringen. Obwohl beide Dramen das gleiche Thema - den Bruderzwist - behandeln und der gleichen Quelle folgen, gibt es jedoch große Unterschiede. In dieser Arbeit sollen zunächst die Charaktere der vier Brüder sowie ihre Motivationen ausführlich dargestellt werden, um danach den Bruderzwist und den anschließenden Brudermord beider Dramen miteinander zu vergleichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Johann Anton Leisewitz „Julius von Tarent“
2.1.1. Julius
2.1.2. Guido
2.2. Friedrich Maximilian Klinger „Die Zwillinge“
2.2.1. Guelfo
2.2.2. Ferdinando
2.3. Der Bruderzwist im Vergleich
3. Schlussteil
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht das Motiv des Bruderzwistes sowie den anschließenden Brudermord in Johann Anton Leisewitz' „Julius von Tarent“ und Friedrich Maximilian Klingers „Die Zwillinge“. Ziel ist es, die unterschiedlichen Motivationen der Charaktere sowie die spezifischen Bedingungen herauszuarbeiten, die in beiden Dramen zu den tragischen Ereignissen führen.
- Charakteranalyse der vier Brüder und ihrer individuellen Beweggründe.
- Gegenüberstellung des Entstehungs- und Verlaufs des Konflikts in beiden Werken.
- Untersuchung der Schuldfrage der handelnden Figuren.
- Vergleich der literarischen Umsetzung des Kain-und-Abel-Motivs im Sturm und Drang.
- Analyse der Rolle der Väter und deren Mitverantwortung am tödlichen Ausgang.
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Julius
Julius, der Namensgeber des Dramas, wird klar durch seine Gefühle beherrscht. Er ist schon „von Natur aus gefühlsmäßig veranlagt“5. Auch sein Vater, Fürst Constantin, beschreibt ihn als liebenden Gefühlsmenschen: „Ehe der als ein Kind wußte, was Liebe ist, hatte er schon ihren schmachtenden Blick. Als Knabe war es sein größtes Vergnügen, in der Einsamkeit zu träumen“ (J. S. 16). Bereits in der Expositionsszene des Dramas schildert er seinem Vertrauten Aspermonte seine Liebe zu Blanca, die durch einen Tagtraum neu entbrannt ist (vgl. J. S. 5). Er behauptet von sich, dass er alle denkbaren Empfindungen kennt und alle durchlebt hat (vgl. J. S. 6). Bei der Liebe zu Blanca gibt es jedoch für Julius einige Hindernisse: „Ich habe ein Herz und bin ein Fürst – das ist mein Unglück“ (J. S. 7). Aufgrund des zu großen Standesunterschiedes hat Julius‘ Vater Blanca ins Kloster geschickt (vgl. J. S. 16). Die anderen Hindernisse bei der Liebe tauchen erst im weiteren Verlauf des Dramas auf.
In Julius kommt der Entführungsgedanke zum Vorschein: Er spricht zu sich selbst im Imperativ und fordert sich auf, Blanca zu entführen und sich „mit ihr in einem Winkel der Erde“ (J. S. 7) zu verbergen. „In der robinsonhaften Idyllik des ländlichen-einfachen Lebens meint er den Sinn seines Daseins mit Blanca verwirklichen zu können.“6 Allerdings will er seinen Vater nicht kränken und überlegt daher, erst dessen Tod abzuwarten (vgl. J. S. 7). Sein Freund und Vertrauter, Graf Aspermonte, versichert ihm die ewige Gefolgschaft, versucht jedoch trotzdem Julius davon zu überzeugen, auch das Wohl des Volkes nicht zu vernachlässigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Entstehungsgeschichte der beiden Dramen im Kontext eines Wettbewerbs dar und definiert die Forschungsaufgabe des Vergleichs der Charaktere und Motive.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die Protagonisten und deren Handlungen in Leisewitz' „Julius von Tarent“ und Klingers „Die Zwillinge“, gefolgt von einer direkten vergleichenden Gegenüberstellung.
2.1. Johann Anton Leisewitz „Julius von Tarent“: Dieses Kapitel widmet sich der Charakterisierung von Julius und Guido als von Gefühlen und Ehrgeiz getriebene Figuren.
2.1.1. Julius: Es wird Julius' Unentschlossenheit, sein „hamletisches Zögern“ und seine leidenschaftliche, aber passive Natur untersucht.
2.1.2. Guido: Das Kapitel beleuchtet Guidos Ehrgeiz, seine Neidgefühle gegenüber dem Bruder und seine affektgeladene Handlungsweise.
2.2. Friedrich Maximilian Klinger „Die Zwillinge“: Hier werden die Zwillinge Guelfo und Ferdinando hinsichtlich ihrer spezifischen Konstellation und Charaktereigenschaften untersucht.
2.2.1. Guelfo: Analyse von Guelfos Neid, seinem tief verwurzelten Hass auf den Bruder und seiner Rolle als treibende Kraft des Konflikts.
2.2.2. Ferdinando: Charakterisierung von Ferdinando als Gegenpol zu Guelfo, geprägt von Schwäche, Einfühlsamkeit und Passivität.
2.3. Der Bruderzwist im Vergleich: Dieser Abschnitt zieht das Fazit des Vergleichs und stellt fest, dass trotz des identischen Themas die Motivationen und der Umgang mit dem Brudermord grundlegend verschieden sind.
3. Schlussteil: Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet das Kain-und-Abel-Motiv in den literaturgeschichtlichen Kontext ein.
4. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Sturm und Drang, Bruderzwist, Brudermord, Johann Anton Leisewitz, Friedrich Maximilian Klinger, Julius von Tarent, Die Zwillinge, Kain-Abel-Motiv, Ehrgeiz, Subjektivismus, Gefühl, Neid, Charakteranalyse, Literaturvergleich, Drama.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Behandlung des Motivs des Bruderzwistes und des anschließenden Brudermordes in zwei zentralen Dramen der Epoche des Sturm und Drang.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Charakterisierung der Brüderpaare, die Rolle des Neids und des Ehrgeizes, das Kain-Abel-Motiv sowie die Mitverantwortung der elterlichen Figuren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Unterschiede in den psychologischen Motivationen und den Entstehungsbedingungen des Konflikts bei Leisewitz und Klinger präzise herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit folgt einer vergleichenden literaturwissenschaftlichen Analyse, die sowohl die Primärtexte als auch einschlägige Sekundärliteratur zur Interpretation heranzieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Charakterstudie der Figuren Julius, Guido, Guelfo und Ferdinando sowie eine abschließende vergleichende Analyse des Bruderzwistes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Sturm und Drang, Bruderzwist, Brudermord, Literaturvergleich, Subjektivismus und Charakteranalyse.
Wie unterscheiden sich die Hauptfiguren Julius und Guido in ihrer Motivation?
Julius wird als passiver Gefühlsmensch mit „hamletischem Zögern“ beschrieben, während Guido durch einen übersteigerten Ehrgeiz und eine engstirnige Fixierung auf seine Ehre motiviert ist.
Welche Rolle spielt der Vater im Vergleich der beiden Stücke?
In beiden Dramen wird den Vätern eine Mitschuld am tragischen Ende zugesprochen, da sie durch Bevorzugung eines Sohnes oder durch mangelnde Konsequenz den Konflikt mitbefeuert haben.
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- Daniel Steinbach (Author), 2005, Der Bruderzwist im Drama des Sturm und Drang - Johann Anton Leisewitz' "Julius von Tarent" im Vergleich zu Friedrich Maximilian Klingers "Die Zwillinge", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60438