Drogenkonsum im Jugendalter - eine Analyse zum Phänomen mit Blick auf die Schulpraxis


Examensarbeit, 2004
100 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Terminologische Abgrenzungen
2.1 Drogen- Versuch einer definitorischen Klärung
2.2 Definition der Begriffe Drogengebrauch, Drogenmissbrauch, Abhängigkeit bzw. Sucht
2.3 Definition Jugendalter/ Adoleszenz

3. Drogenarten und ihre Wirkungsweise
3.1 Wirkungsweise auf das Zentrale Nervensystem
3.2 Klassifizierung psychotroper Substanzen
3.3 Harte und weiche Konsummuster
3.4 Legale Drogen: Alkohol und Tabak
3.5 Illegale Drogen: Cannabis, Kokain und Heroin
3.6 Verbreitung legaler und illegaler Drogen

4. Entwicklungsmechanismen und Risikofaktoren
4.1 Substanzmissbrauch als Problemverhalten
4.2 Genetische Disposition
4.3 Risiko- und Schutzfaktoren im personalen Bereich
4.4 Familiäre Risiko- und Schutzfaktoren
4.5 Risiko und Schutz durch Gleichaltrige
4.6 Risiko und Schutz auf schulischer Ebene

5. Theoretische Ansätze zur Erklärung von Substanzmissbrauch
5.1 Neurobiologische Erklärungsansätze
5.2 Psychologische Erklärungsansätze
5.3 Soziologische Erklärungsansätze

6.Prävention von Alkohol und Drogenmissbrauch
6.1 Geschichte schulischer Suchtprävention- von der Informationsvermittlung zur Kompetenzförderung
6.2 Ziele und Grundsätze schulischer Suchtprävention
6.3 Life- Skills Programme - ein vielversprechender Ansatz
6.4 Klasse2000 - Suchtprävention und Gesundheitsförderung in der Grundschule

7. Konsequenzen für die Schulpraxis und Perspektiven

8. Verallgemeinerung der Erkenntnisse

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Jugendliche haben beim Übergang ins Erwachsenenalter schwierige Entwicklungsaufgaben, wie die Ablösung von den Eltern, den Aufbau einer gegengeschlechtlichen Beziehung und die Findung einer eigenen Identität zu bewältigen. Diese Anforderungen gehen oft mit erhöhten Belastungen und mit der Suche der Jugendlichen nach Hilfsmitteln einher, um die Entwicklungsaufgaben und die daraus resultierenden Belastungen zu meistern. Drogenkonsum kann als solches Hilfsmittel angesehen werden, da er verschiedene Funktionen erfüllt, die mit der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben zusammenhängen. So kann Drogengebrauch beispielsweise dem Zugang zu einer Gleichaltrigengruppe, der Vorwegnahme der Erwachsenenrolle und der damit verbundenen demonstrativen Abgrenzung vom Elternhaus dienen.

Einerseits kann Drogenkonsum also mit positiven Entwicklungszielen verbunden sein, muss aber, wegen seiner Folgen für die Gesundheit und die psychosoziale Entwicklung sowie wegen seiner Suchtgefahren, als inadäquate und somit zu vermeidende Art der Problembewältigung klassifiziert werden.

Programme zur primären Suchtprävention, die hauptsächlich an der Schule durchgeführt werden, versuchen dem Konsum und Missbrauch von Drogen zuvorzukommen, indem sie den Jugendlichen unter anderem alternative Handlungsmöglichkeiten für die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben und der sonstigen Alltagsanforderungen vermitteln.

Auf Grund des eben dargestellten Zusammenhanges und der damit verbundenen weiten Verbreitung von Drogen, vor allem Alkohol und Tabak, unter Jugendlichen besitzt das Thema vorliegender Arbeit ständige Aktualität, v.a. auch für Lehrer, die für die Durchführung schulischer Suchtpräventionsprogramme zuständig sind.

Ich habe mich für die Bearbeitung des Themas „Drogenkonsum im Jugendalter“ entschieden, da ich der Ansicht bin, dass die Initiierung und Durchführung schulischer Suchtprävention kompetente Lehrer erfordert, die sich mit der Drogenproblematik auseinandergesetzt haben. Ich gehe davon aus, dass ich durch die Beschäftigung mit diesem Thema die notwendigen Kompetenzen sowie die erforderliche Motivation für die Durchführung von schulischen Suchtpräventionsprogrammen erarbeite und darüber hinaus in der Lage bin, Suchtprävention als Unterrichtsprinzip umzusetzen sowie als Multiplikator im Lehrerkollegium zu agieren.

Inhaltlich werden in vorliegender Arbeit zunächst zentrale Begriffe, die der Thematik zu Grunde liegen, geklärt. Im weiteren Verlauf richtet sich der Focus auf die Wirkungsweise von Drogen auf das zentrale Nervensystem sowie auf einzelne legale und illegale Drogen, deren Geschichte, Wirkungsweise, Folgen und Verbreitung. Daran anschließend wird in erster Linie der Frage nach den Faktoren, die Drogenkonsum begünstigen, bzw. davor schützen, nachgegangen. Unumgänglich, vor allem, um Aussagen über Ursache- Wirkungszusammenhänge machen zu können, ist die Frage nach verschiedenen theoretischen Ansätzen zur Erklärung von Substanzmissbrauch und deren heutige Relevanz. Der letzte Teil vorliegender Arbeit beschäftigt sich schließlich mit schulischer Suchtprävention, deren Grundsätze, Ziele und Geschichte. In diesem Zusammenhang werden zwei erfolgversprechende Ansätze schulischer Suchtprävention mit Blick auf die Suchtentstehungstheorien diskutiert.

2. Terminologische Abgrenzungen

In diesem Kapitel sollen grundlegende Begriffe umrissen und Definitionsversuche verschiedener Autoren dazu angeführt werden. Es handelt sich hierbei um die Begriffe Droge, Drogenkonsum oder Drogengebrauch, Missbrauch, Abhängigkeit und Sucht.

2.1 Drogen- Versuch einer definitorischen Klärung

Petermann u.a. (1997, S. 15) weisen auf die uneinheitliche Verwendung des Terminus „Droge“ hin. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden illegale Substanzen wie z.B. Haschisch, Heroin oder Kokain als Drogen bezeichnet, Alkohol, Nikotin und Medikamente hingegen nicht. Fachleute bezeichnen auch solche legalen Substanzen als Drogen. In diesem Zusammenhang wird zwischen legalen und illegalen Drogen unterschieden. Auf diese Unterscheidung wird in einem der folgenden Kapitel noch näher eingegangen.

Es ist möglich zwischen dem medizinischen, dem juristischen und dem erweiterten Drogenbegriff zu unterscheiden. Unter den medizinischen Drogenbegriff fallen alle psychotropen Substanzen. Dies sind Substanzen, die psychische Veränderungen hervorrufen, indem sie auf das Zentralnervensystem einwirken und so beim Konsumenten Stimmungs-, Gefühls- und Wahrnehmungsveränderungen auslösen, die zunehmend Missbrauch und Abhängigkeit bewirken können (vgl. Petermann u.a. 1997, S. 15).

Von der Internationalen Klassifikation Psychischer Störungen werden folgende Substanzen als Drogen bezeichnet: Alkohol, Opioide, Cannabinoide, Sedativa oder Hypnotika, Kokain, Stimulanzien einschließlich Koffein, Halluzinogene, Tabak und flüchtige Lösungsmittel (vgl. Dilling u.a. 1994, zit. nach Petermann u.a. 1997, S. 15).

Die Grundlage des juristischen Drogenbegriffs stellt das Betäubungsmittelgesetz vom 28.07.1981 dar. Betäubungsmittel sind größtenteils die oben schon beschriebenen psychotropen Substanzen. Petermann u.a. (1997, S. 16) betonen bei diesem Drogenbegriff besonders folgende Unterscheidung:

1. Verkehrs- und verschreibungsfähige Betäubungsmittel, wie beispielsweise Alkohol und Schlafmittel.
2. Verkehrsfähige, aber nicht verschreibungsfähige Betäubungsmittel. Hierunter fallen u.a. Ausgangsstoffe für die pharmazeutische Industrie.
3. Nicht verkehrs- und verschreibungsfähige Betäubungsmittel. Diese decken den Bereich der klassischen illegalen Drogen ab, wie beispielsweise Halluzinogene und Cannabinoide.

Nach dem erweiterten Drogenbegriff ist alles, zumindest potenziell, eine Droge was zum Wiederholungszwang und schließlich zur Abhängigkeit führt. Nach diesem Konzept ist es, im Gegensatz zum medizinischen Modell, nicht die Droge, welche eine Sucht auslöst, sondern die sozial und kulturell angelegte Disposition zur Sucht verschafft sich Drogen verschiedenster Art (vgl. Petermann u.a. 1997, S. 16). Wenn man in diesem Kontext beispielsweise an Spielsucht oder an Esssucht denkt wird deutlich, dass auch Dinge, die zum Leben eines jeden Menschen selbstverständlich dazugehören, als Drogen in Betracht kommen können.

Scheerers und Vogts (1989; zit. nach Kähnert 1999, S. 23) Definitionsversuch stimmt wohl weitgehend mit dem medizinischen Drogenbegriff überein. Sie verstehen unter Drogen „alle Stoffe, Mittel und Substanzen, die auf Grund ihrer chemischen Natur Strukturen oder Funktionen im lebenden Organismus verändern, wobei sich diese Veränderungen insbesondere in den Sinnempfindungen, in der Stimmungslage, im Bewusstsein oder in anderen psychischen Bereichen oder im Verhalten bemerkbar machen.“ Nach dieser Definition fallen alle psychotropen Substanzen unter den Begriff der Droge.

2.2 Definition der Begriffe Drogengebrauch, Drogenmissbrauch, Abhängigkeit bzw. Sucht

Petermann u.a.(1997, S. 17) erläutern die Begriffe des Gebrauchs, Konsums, Missbrauchs und der Abhängigkeit oder Sucht exemplarisch am Beispiel des Alkoholtrinkens. Sie weisen darauf hin, dass sich diese Begriffe auch für andere legale sowie illegale Drogen verwenden lassen. Wenn Alkohol in Analogie zu kurzlebigen Konsumgütern betrachtet wird und genau so getrunken wird wie nicht- alkoholische Getränke, so spricht man von Konsum oder Gebrauch. Dieser Konsum des Alkohols kann in großen Mengen, oft und über einen langen Zeitraum benutzt, zu Missbrauch, zu Sucht oder Abhängigkeit führen.

Wobei an dieser Stelle gesagt werden muss, dass nicht allein Menge, Häufigkeit und Dauer des Konsums zu einer Abhängigkeit führen. Hier spielen noch viele andere Faktoren wie etwa die Art und Weise des Gebrauchs, Persönlichkeitsmerkmale, die stoffliche Beschaffenheit und Wirkungsweise der Droge sowie das soziale Umfeld eine bedeutende Rolle.

Kruse u.a. (1996, S. 47ff) betonen ausdrücklich, dass ein wiederholter Drogenkonsum nicht zwingend zur Herausbildung einer Abhängigkeit führt und weisen diesbezüglich auf die Möglichkeit eines sich über Jahre erstreckenden, kontrollierten Heroingebrauchs ohne Abhängigkeitsentwicklung hin.

Nach Selke (2002) gibt es keine einheitliche Definition von Sucht. Allen Definitionen sei allerdings die Feststellung gemeinsam, dass sich das Phänomen Sucht nicht von heute auf morgen einstellt, sondern einen dynamischen Prozess darstellt. Immer begleitet sei sie auch von dem Begriff der Zwanghaftigkeit. Für das Entstehen von Sucht nennt Selke das Zusammenwirken der Faktoren Individuum, Gesellschaft und Suchtmittel.

Unter dem Begriff „Süchtigkeit“ versteht Battegay (1994, S. 21ff) „eine allen Süchtigen gemeinsame psychologische Grundlage“. Damit ist gemeint, dass die verschiedenen Süchte, seien sie stoffgebunden oder nicht, Äußerungen ein und derselben süchtigen Fehlhaltung bzw. Fehlentwicklung sind. Weiter beschreibt Battegay Süchtigkeit mit dem Vorhandensein eines unwiderstehlichen Verlangens nach - wenigstens scheinbarer - Überwindung der dem Individuum in der sozialen Wirklichkeit gesetzten Grenzen mit Hilfe von Mitteln oder Handlungen, die dem Lustgewinn, der Unlustverhütung, der Verminderung sozialer Distanz und der Leistungssteigerung dienen.

Die Internationale Klassifikation Psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt die „Abhängigkeitserkrankung als Abhängigkeitssyndrom (...), welches sich durch eine Gruppe von Verhaltensauffälligkeiten sowie körperlichen und kognitiven Phänomenen auszeichnet. Dabei hat der Konsum einer Substanz oder einer Substanzklasse für die betroffene Person Vorrang gegenüber anderen Verhaltensweisen, die von ihr früher höher bewertet wurden“ (Kruse u.a. 1996, S. 47).

Bei der Abhängigkeit von einer Substanz kann zwischen einer psychischen und einer physischen Abhängigkeit unterschieden werden, wobei die psychische Abhängigkeit der körperlichen immer voraus geht. Oft kommt es nur zu einer psychischen Abhängigkeit. An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass der Gebrauch und Missbrauch bestimmter Substanzklassen, wie beispielsweise der Cannabinoide, keine physische Abhängigkeit hervorrufen. Auf diese Eigenschaften der verschiedenen Drogen wird in einem der folgenden Kapitel noch genauer eingegangen.

Bei Kruse u.a. (1996, S. 24) findet sich beispielsweise eine Unterscheidung zwischen psychischer und physischer Abhängigkeit:

„Die psychische Abhängigkeit ist primär gekennzeichnet durch den Wunsch sich zentralnervös wirksame Substanzen zuzuführen, um deren positive Wirkung zu erleben. Nachfolgend werden, nach längerem Konsum, die psychoaktiven Substanzen immer wieder genommen, um bei Nachlassen der positiven Wirkung der Droge den quälenden Entzugssymptomen zu entgehen.

Die physische Abhängigkeit oder auch die >Neuroadaption< wird als Zustand veränderter Steuerungsmechanismen im zentralen und peripheren Nervensystem aufgefasst, welche unter der chronischen Zufuhr abhängigkeitsauslösender Substanzen ein Gleichgewicht der Zell- und Organfunktion erlaubt. Um dieses Gleichgewicht zu erhalten und ein Entzugssyndrom zu verhindern, muß die entsprechende Substanz bei nachlassender Wirkung ständig zugeführt werden.“

Ebenfalls eine zur Abhängigkeit gehörende Zustandsänderung ist die Toleranzentwicklung gegenüber einer psychoaktiven Substanz. Von dieser spricht man, wenn nach wiederholter Applikation die Dosis erhöht werden muss, um die gleiche Wirkung zu erzeugen (vgl. Kruse u.a. 1996, S. 24).

1964 machte die WHO den Vorschlag, die Begriffe Sucht und Gewöhnung bei chemischen Stoffen durch den Terminus der Abhängigkeit von psychotropen Substanzen zu ersetzen. (vgl. Petermann u.a. 1997, S. 18). Trotzdem wird in einem großen Teil der einschlägigen Literatur der Suchtbegriff verwendet, meist synonym zum Terminus der Abhängigkeit. Van Dijk (2002, S. 15) hingegen versteht unter Sucht die Extremform der Abhängigkeit.

Unter Missbrauch psychoaktiver Substanzen wird der andauernde oder gelegentliche übermäßige Drogengebrauch verstanden. 1969 präzisierte die WHO den Missbrauchbegriff durch die Konzepte des unerlaubten, gefährlichen, dysfunktionalen und schädlichen Gebrauchs (vgl. Petermann u.a. 1997, S. 18).

Newcomp und Bentler (1989; zit. nach Petermann u.a. 1997, S. 18ff) nennen Klassifikationsaspekte für die Altersgruppen von Kindern und Jugendlichen zur Unterscheidung von Gebrauch und Missbrauch. Hiernach wird der Konsum mittlerer und großer Mengen psychoaktiver Substanzen über längere Zeiträume als Missbrauch angesehen. Eben dies gilt auch für den Konsum kleinerer Mengen in unangemessenen Situationen wie etwa im Straßenverkehr. Des weiteren wird von Missbrauch gesprochen, wenn die physiologischen und persönlichen Voraussetzungen für den verantwortlichen Gebrauch nicht erfüllt sind. Ob diese Voraussetzungen gegeben sind, hängt mitunter vom Entwicklungsstand der jeweiligen Person und ihren Lebensumständen ab. Jeder regelmäßige Drogenkonsum vor der Pubertät ist somit Missbrauch. Newcomp und Bentler gehen auch von Missbrauch aus, wenn der Drogenkonsum negative Konsequenzen, wie eine Beeinträchtigung der Gesundheit, eine Schädigung sozialer Beziehungen oder das Auftreten von Rechtsbrüchen und Gewalt, zur Folge hat.

Da es in vorliegender Arbeit um stoffgebundene Süchte gehen soll, spielen hier sowohl der medizinische als auch der juristische Drogenbegriff eine Rolle. Trotzdem wird gleichzeitig von der Grundannahme des erweiterten Drogenbegriffs ausgegangen, die besagt, dass nicht allein die Droge als Suchtauslöser anzusehen ist, sondern zuvor eine sozial und kulturell angelegte Disposition zur Sucht vorhanden sein muss. Der Suchtbegriff wird synonym zu den Termini der psychischen und physischen Abhängigkeit verwendet.

2.3 Definition Jugendalter/ Adoleszenz

Jugend, als die Zeit zwischen Kindheit und Erwachsenenalter, wurde lange Zeit aus einer bio- psychologischen Sichtweise als reifebedingter Entwicklungszeitraum betrachtet. Um die vielfältigen Probleme des Jugendalters verstehen zu können, reicht diese Sicht jedoch nicht aus und muss durch eine soziologische Perspektive ergänzt werden. Danach tritt Jugend als besonderer sozialer Status erst in entwickelteren Gesellschaften auf, wenn zur Familie neue Sozialisationsinstanzen hinzukommen, die den Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenleben ausdehnen, so dass eine Art jugendliche Teilkultur entsteht (vgl. Böhm 2000, S. 274).

Silbereisen und Masche (1999, S. 192) sehen das Vorhandensein einer zeitlichen Spanne von der körperlichen und geistigen Reife bis zur Einnahme der Erwachsenenrolle als Vorrausetzung, um von einer Jugendphase zu sprechen. In Gesellschaften, in denen dies nicht gegeben ist, wechselt das Individuum aus der Kindheit unmittelbar in den Erwachsenenstatus.

Nach Schmidtbauer (2001, S. 134) ist das Jugendalter die Zeitspanne vom Beginn der Pubertät, die zwischen elf und 14 Jahren einsetzt, bis zur Mitte der zwanziger Jahre. Die Adoleszenz wird manchmal noch als besondere Periode abgetrennt und bezeichnet dann das Stadium des Jugendalters nach der Pubertät, welches das 17. bis 21. Lebensjahr umfasst. Einige Autoren sehen die Adoleszenz hingegen noch bis zum 25. Lebensjahr reichend (vgl. Reinold u.a. 1999, S. 2).

Die Pubertät geht mit Veränderungen im körperlichen Bereich, wie beispielsweise dem Auftreten der sekundären Geschlechtsmerkmale, einher.

Die kognitive Entwicklung ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sich beim Jugendlichen die Fähigkeit zum Abstrahieren ausdifferenziert. So ist es für ihn nun möglich zu erkennen, dass moralische Regeln von Menschen vereinbart sind, und entsprechend anderer Wertvorstellungen eigene moralische Normen aufzustellen.

Jugendliche haben schwierige Entwicklungsaufgaben beim Übergang ins Erwachsenenalter zu bewältigen. Unabhängigkeit von den Eltern, der Aufbau einer festen heterosexuellen Partnerschaft und die Integration in die Berufswelt können als wichtige Aufgaben angesehen werden. Der Aufbau einer eigenen Identität ist eng mit diesen Aufgaben verknüpft. (vgl. Silbereisen, Masche 1999, S. 192ff).

Als Quellen dieser Entwicklungsaufgaben benennt die Entwicklungspsychologie die Komponenten individuelle Leistungsfähigkeit, soziokulturelle Entwicklungsnorm und individuelle Zielsetzungen in einzelnen Lebensbereichen“ (Oerter 1987, zit. nach Petermann u.a. 1997, S. 26).

Das Selbstwertgefühl, welches als Indiz psychischer Gesundheit gesehen werden kann, steigt im Laufe der Jugendzeit an und die Position eines Jugendlichen bezogen auf die anderen seines Alters verändert sich über die zweite Lebensdekade kaum (Stabilität). Problematisch ist es jedoch, wenn Jugendliche von der Mehrzahl ihrer Altersgleichen abweichen. Als Beispiele können in diesem Zusammenhang beschleunigte oder verzögerte körperliche Reife, zu frühe Übernahme von Erwachsenenrollen, beispielsweise angezeigt durch Vater- oder Mutterschaft sowie unfreiwillige Arbeitslosigkeit in der Familie und deren Folgen, genannt werden.

„In der früher ungewohnten Kombination von Freiheit in der Gestaltung intimer Beziehungen mit wirtschaftlicher Abhängigkeit (...) kann man eine Besonderheit unserer Zeit sehen, die zu der Ausdehnung der Jugendzeit geführt hat (...) und die manche Zunahme von Problemverhaltensweisen erklären dürfte“ (Silbereisen, Masche 1999, S. 194).

Dieses Problemverhalten Jugendlicher stellt aber häufig nur dem Zeitpunkt, nicht dem Inhalt nach einen Verstoß dar. Zu langes Wegbleiben von zu Hause beispielsweise oder Alkoholkonsum im Übermaß können außerdem mit positiven Entwicklungszielen wie dem Aufbau von Freundschaften verbunden sein. Solches Problemverhalten wird in den meisten Fällen wieder aufgegeben (vgl. Silbereisen, Masche 1999, S. 195).

3. Drogenarten und ihre Wirkungsweise

3.1 Wirkungsweise auf das Zentrale Nervensystem

Um die Wirkungsweise der einzelnen Drogen besser verstehen zu können, ist es wichtig, die Funktionsweise von Synapsen zu kennen. Das sind die Strukturen, an welcher psychotrope Substanzen „angreifen“.

Das zentrale Nervensystem des Menschen verfügt über Milliarden von Nervenzellen, die für die Verarbeitung von Informationen verantwortlich sind. Entlang einer Nervenzelle werden die Informationen in Form von elektrischen Erregungen weitergeleitet. An den Schaltstellen zweier Nervenzellen, den Synapsen, erfolgt die Übertragung der Information von der einen auf die andere Nervenzelle mittels eines chemischen Reizes. Eine Synapse besteht aus den Strukturen der Präsynapse (Teil der elektrisch erregten Nervenzelle, „Senderzelle“), der Postsynapse (Teil der Nervenzelle auf die die Erregung übertragen wird, „Empfängerzelle“) und des synaptischen Spaltes (Art Lücke zwischen Prä- und Postsynapse). Ausgelöst vom in der Präsynapse ankommenden elektrischen Impuls, werden aus dieser chemische Botenstoffe (Transmitter) in den synaptischen Spalt freigesetzt. Über diesen Spalt gelangen die Transmitter zur Postsynapse, wo sie an spezifische Rezeptoren binden. Mittels der durch diese Bindung geänderten Ionenverteilung der Empfängerzelle wird im Falle eines „erregenden“ Transmitters (z.B. Dopamin) die Empfängerzelle erregt, so dass der elektrische Impuls weitergeleitet wird oder im Falle eines „hemmenden“ Transmitters (z.B. GABA) die Empfängerzelle gehemmt, so dass eine Weiterleitung des Impulses unterbleibt. Nach dieser Signalweiterleitung wird der Ausgangszustand der Synapse wieder hergestellt, indem der Transmitter wieder aus dem synaptischen Spalt entfernt wird. Dies geschieht entweder mittels spezifischer Enzyme, die den Transmitter abbauen oder durch dessen Wiederaufnahme in die Präsynapse (vgl. Kähnert 1999, S. 25ff).

Die wichtigsten Transmitter des zentralen Nervensystems sind Dopamin, Serotonin, Noradrenalin, Acetylcholin, Opioidpeptide und verschiedene Aminosäuren wie GABA. Die chemische Struktur vieler Drogen ist der Struktur dieser Botenstoffe sehr ähnlich, so dass „Drogenmoleküle“ an die Rezeptoren der Postsynapse binden können und somit, je nachdem welcher Transmittertyp „nachgeahmt“ wird, eine Erregung oder Hemmung in der Nervenzelle bewirken. Manche Drogen verhindern die Entfernung des Transmitters aus dem synaptischen Spalt, indem sie entweder die Wiederaufnahme in die Präsynapse verhindern oder die für den Abbau des Transmitters zuständigen Enzyme hemmen. Auch hierdurch wird eine wiederholte Erregung oder Hemmung der Nervenzelle ausgelöst.

Aufgrund von Tierversuchen vermuteten Olds und Milner bereits 1954 einen „neuronalen Schaltkreis der Lust“ im zentralen Nervensystem. Dieser, so die Vermutung, spielt bei der Belohnung und Befriedigung durch Futter und Sexualität sowie bei Drogenkonsum eine Rolle. Einige Jahre später gelang es, diese Theorie zu belegen und die „Lust-Bahnen“ zu identifizieren: Sie gehören zum mesolymbischen System, einem Gehirnareal (vgl. Giros, Spielewoy 2002, 42ff).

Es gibt also ganz bestimmte Nervenzellen in einem unserer Gehirnteile, die bei Drogenkonsum, Nahrungsaufnahme und sexueller Aktivität erregt werden. Es ist interessant, dass nicht nur der selbe Begriff der Süchtigkeit stoffgebundenen sowie nicht- stoffgebundenen (z.B. Sexsucht oder Esssucht) Süchten zu Grunde liegt, sondern auch auf molekularer Ebene eine gemeinsame Basis vorhanden ist.

Dem Transmitter Dopamin wird im Zusammenhang der Drogenwirkung die bedeutendste Rolle zugesprochen, da die Nervenzellen des belohnenden mesolymbischen Systems mit diesem arbeiten. Ob Alkohol, Nikotin, Schlafmittel, Cannabis, Kokain oder Amphetamine, alle greifen sie auf unterschiedliche Art in die Signalübertragung der dopaminergen Nervenzellen ein. Das Endergebnis ist aber in jeder Hinsicht das gleiche: An den Präsynapsen der Nervenzellen wird mehr Dopamin frei. Die erhöhte Ausschüttung von Dopamin wird als Wohlbefinden bzw. als Hochgefühl empfunden. Dieser Zusammenhang stellt eine wichtige neurobiologische Grundlage für den Substanzmissbrauch dar (vgl. Giros, Spielewoy 2002, S. 43).

Trotzdem kann man die Wirkung von Drogen auf molekularer Ebene nicht auf ein Eingreifen in den Dopaminstoffwechsel reduzieren. Die verschiedenen Drogentypen greifen noch in den Stoffwechsel anderer Transmitter ein. Nikotin beispielsweise bindet an Acetylcholinrezeptoren und sorgt dadurch für eine Erregung der Nervenzelle. In den Kapiteln 3.4 und 3.5 wird auf die spezifische Wirkungsweise einzelner Drogen genauer eingegangen.

Das Andocken einer psychotropen Substanz an einen Rezeptor verändert das molekulare Gedächtnis der jeweiligen Nervenzelle. Diese verändert sich ganz ähnlich wie bei der so genannten Langzeitpotenzierung, die bei Lernprozessen eine Rolle spielt (vgl. Giros, Spielewoy 2002, S. 44). Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass es so etwas wie ein Drogengedächtnis gibt. So kann ein starkes Verlangen nach der jeweiligen Droge noch Jahre nach der Drogenabstinenz auftreten. Dieser „Stoffhunger“ ist aus neurobiologischer Sicht auf eine dauerhafte Veränderung der Nervenzellen zurückzuführen.

3.2 Klassifizierung psychotroper Substanzen

Die verschiedenen psychoaktiven Substanzen werden in legale und illegale Drogen unterteilt. Welche Stoffe als illegal gelten wird vom Betäubungsmittelgesetz festgelegt, mit der Begründung, dass besagten Substanzen ein besonders hohes Abhängigkeitspotenzial und eine besondere Schädlichkeit zueigen seien (vgl. Mader 2000, S. 16). Wenn man sich aber die Wirkung und Folgen verschiedener Substanzen genauer anschaut, wird klar, dass es legale Drogen gibt, die als wesentlich gefährlicher einzustufen sind wie manche illegalen. Alkoholmissbrauch beispielsweise kann weitaus gravierendere Folgen nach sich ziehen wie der Missbrauch von Cannabis.

Alkohol, Koffein, Nikotin und Medikamente wie Analgetika (Schmerzstillende Mittel), Tranquilizer (Beruhigungsmittel), Barbiturate (Schlaf –und Beruhigungsmittel) und bestimmte Opiate (Morphin, Codein, Methadon) werden zu den legalen Drogen gezählt. Die Stimulanzien Amphetamin (z.B. Speed), Ecstasy, Kokain und Crack, die Halluzinogene LSD und Cannabis sowie die Opiate Opium und Heroin zählen zu den illegalen Drogen (vgl. Mader 2000, S. 5). Andere Autoren wie z.B. Kähnert (1999, S. 24) zählen Cannabis nicht zu den Halluzinogenen. Bei ihr bilden Haschisch und Marihuana eine eigene Gruppe, die der Cannabinoide. Aufgrund der nur leicht halluzinogenen Wirkung von Cannabis, die verschiedene andere Drogen, welche nicht zu den Halluzinogenen gehören, auch aufweisen, wird in vorliegender Arbeit Kähnerts Einteilung für sinnvoller erachtet.

3.3 Harte und weiche Konsummuster

Im allgemeinen Sprachgebrauch existiert eine Klassifizierung illegaler psychoaktiver Substanzen nach „weichen“ und „harten“ Drogen. „ Durch diese Klassifizierung soll zum Ausdruck gebracht werden, dass der Gebrauch von bestimmten Substanzen mit geringeren Risiken verbunden ist als der Gebrauch anderer Stoffe. Auch wenn die einzelnen psychoaktiven Substanzen unterschiedliche Folgewirkungen besitzen, hängen diese jedoch nicht vorrangig von der Droge, sondern vielmehr von den Konsummustern ab“ (Kähnert 1999, S. 24).

Kähnert (1999, S. 24ff) hält es deswegen für sinnvoller von „weichen“ und „harten“ Konsummustern zu sprechen. Ersteres ist durch einen Probier- und Gelegenheitskonsum gekennzeichnet, bei welchem die jeweilige Substanz nur zu bestimmten Anlässen genommen wird und keinen zentralen Stellenwert im Alltag der Person hat. „Harte“ Konsummuster entsprechen einem regel- bzw. gewohnheitsmäßigen und exzessiven Konsum über einen langen Zeitraum. Der Drogenkonsum ist hier ein fester Bestandteil des Alltags. Dieses Konsummuster führt häufiger zu schädlichen Nebenwirkungen und birgt eine hohe Abhängigkeitsgefahr.

„Harte“ Konsummuster entsprechen wohl schon einem Missbrauch, wobei „weiche“ dies nicht unbedingt tun.

Burian (1996, S. 78) weist darauf hin, dass die Einnahme von Cannabis nur im gesellschaftlichen Zusammenhang gesehen und bewertet werden darf und dass die Eigenwirkung dieser Droge zweifellos nachrangige Bedeutung hat.

Um seine These zu stützen verweist Burian (1996, S. 83) auf die Daten einer Feldstudie von Comitas aus dem Jahre 1976 aus der hervorging, dass Cannabis die Leistung von jamaicanischen Rohrzuckerschneidern nicht reduzierte. Nach dieser Studie kann nicht behauptet werden, Cannabis führe zu Leistungsverfall und Apathie. Es wird anscheinend das Gegenteil bewirkt.

Laut Täschner (1979, S. 166; zit. nach Burian 1996, S. 81) ist gerade der Leistungsabfall eine wesentliche Cannabiswirkung und auch in der Informationsbroschüre der Polizei zum Thema „Rauschgift“ wird in diesem Zusammenhang von einer reduzierten Leistungsbereitschaft und einem möglichen sozialen Abstieg gesprochen (vgl. Landeskriminalamt 1999, S. 28).

In der einschlägigen Literatur wird konträr diskutiert, ob Cannabis die Lern- und Gedächtnisleistung sowie die Motivation negativ beeinflussen kann (vgl. Kähnert 1999, S. 29).

Wenn Cannabis in unserem Kulturkreis wirklich zu Leistungsverfall führt und auf Jamaica eine motivierende, zur Arbeit anregende Wirkung hervorruft, so hängt die Wirkung dieser Substanz offensichtlich vom soziokulturellen Kontext ab, der die Konsumenten mehr beeinflusst als die Eigenwirkung der Droge. Ich denke dies gilt ebenso für andere Drogenarten: In Ländern, in welchen der Konsum bestimmter psychotroper Substanzen Teil der Kultur ist, ähnlich wie man Alkoholkonsum als Teil der abendländischen Kultur bezeichnen kann, verstehen sich die Menschen in der Regel besser auf den Umgang mit der jeweiligen Substanz. Nicht zuletzt weil dieser Drogenkonsum oft religiös bedingten Regeln und Ritualen unterworfen ist. Aufgrund dieser „Hilfen“ und Erfahrung im Umgang mit der jeweiligen Droge neigen die Konsumenten wohl eher dazu, ein „weiches“ Konsummuster auszubilden. Ein Beispiel dafür ist der erste Kontakt der Indianer mit Alkohol. Viele bildeten „harte“ Konsummuster aus und richteten sich mit „Feuerwasser“ zu Grunde. Mit der Vorstufe des Kokain, die sie durch Kauen der Kokastrauchblätter zu sich nahmen, konnten sie anscheinend besser umgehen, da dieser Umgang zu ihrer Kultur gehörte.

Durch diesen Zusammenhang kann die Bevorzugung der Unterscheidung zwischen harten und weichen Konsummustern gegenüber der Differenzierung zwischen harten und weichen Drogen zusätzlich begründet werden.

3.4 Legale Drogen: Alkohol und Tabak

Alkohol

Alkohol (Ethanol) bezeichnet den psychoaktiv wirkenden Bestandteil alkoholischer Getränke. Die meisten werden durch Destillation, wie beispielsweise Whisky, oder durch Gärung, wie Bier oder Wein, gewonnen (vgl. Mader 2000, S. 10).

Schon in der Jungsteinzeit gab es eine systematische Herstellung von einer Art Bier und Wein. Mehrere tausend Jahre lang waren alkoholische Getränke eine der wichtigsten Flüssigkeitsquellen des Menschen. Sie dienten wegen ihrem hohen Kaloriengehalt zudem als Nahrungsmittel. Ein weiterer Grund für diesen häufigen Konsum von Alkohol war die damalige Knappheit von sauberem Trinkwasser. Aus dieser Schlüsselrolle für die Ernährung des Menschen sind alkoholische Getränke erst spät durch andere Getränke, wie z.B. durch Tee und Kakao sowie durch die Aufbereitung von Trinkwasser im letzten Jahrhundert, verdrängt bzw. ergänzt worden. Im europäischen Kulturkreis konnte man alkoholische Getränke noch vor etwa 100 Jahren als Alltagsgetränke bezeichnen, während die Trinkwasseraufbereitung durch einfaches Kochen in den asiatischen Hochkulturen zur Erfindung vieler nicht- alkoholischer Getränke, wie beispielsweise Tee, führte (vgl. Medicine- Worldwide 2002).

Dieser kurze Rückblick in der Geschichte soll zeigen wie sehr der Alkoholkonsum in der Tradition unserer abendländischen Kultur verwurzelt ist. So kommt jeder Jugendliche und selbst jedes Kind unweigerlich mit Alkohol in Kontakt. Mit diesem „Kontakt“ umgehen zu lernen, halte ich für wichtiger, als die absolute Abstinenz anzustreben. Dabei können schulische Suchtpräventionsprogramme helfen.

Alkohol kann psychisch und körperlich abhängig machen. Alkoholismus gilt als die folgenschwerste Suchtkrankheit. In Deutschland gibt es pro Jahr etwa 40 000 Alkoholtote, 2,5 Millionen sind alkoholabhängig und 600 000 bis 1 Million gelten als Alkoholiker. Damit ist Alkohol die drittgrößte vermeidbare Todesursache– nach dem Rauchen und den Folgen von falscher Ernährung (vgl. Medicine- Worldwide 2002).

Auf molekularer Ebene führt Alkoholkonsum zu einer Verstärkung der hemmenden Impulse im zentralen Nervensystem. Auf diese Weise ist seine beruhigende Wirkung zu erklären. Eine lang anhaltende, hohe Alkoholkonzentration im Gehirn führt dazu, dass das Nervensystem die verstärkte Hemmung durch eine Vermehrung der erregenden Impulse auszugleichen versucht. Fällt nun der regelmäßige Alkoholkonsum aus, überwiegen die erregenden Impulse im zentralen Nervensystem und es kommt zu typischen Entzugssymptomen, wie Unruhe, Zittern, Übelkeit und Erbrechen. Wegen dieser neuronalen Anpassung und wegen der Beschleunigung des Alkoholabbaus bei regelmäßigen Konsum müssen immer größere Alkoholmengen aufgenommen werden, um die ursprüngliche Rauschwirkung zu erzielen. Dieses Phänomen nennt man Toleranz (vgl. Medicine- Worldwide 2002).

In der Informationsbroschüre der Barmer Ersatzkasse zum Thema Drogen wird die Alkoholwirkung als betäubend, in geringen Dosen jedoch als anregend beschrieben (vgl. Mader 2000, S. 10).

Alkohol wirkt enthemmend, kann zu Selbstüberschätzung und aggressivem Verhalten führen. In größeren Mengen konsumiert, können Gleichgewichtsstörungen, Sprechstörungen und Übelkeit auftreten. Längerer Missbrauch führt zu schweren gesundheitlichen Schädigungen, wie beispielsweise Magenschleimhautentzündung, Herz- und Kreislaufstörungen und Leberschäden. Diese Erkrankungen können letztendlich den Tod zur Folge haben. (vgl. Ziegler 2002, S. 15ff).

Nicht zu vergessen die Folgen im sozialen Bereich, wie unter anderem die Unfähigkeit, den Alltag zu bewältigen einhergehend mit Arbeitslosigkeit, starke Belastung des eigenen sozialen Umfeldes (Familie, Freunde) und sozialer Isolation.

Auch durch das akute Risiko der erhöhten Unfallgefahr kommt es zu indirekten Opfern des Alkoholmissbrauchs. Denn unter Alkoholeinfluss wird das Reaktionsvermögen verlangsamt, der Gleichgewichtssinn ist gestört und das Sehvermögen ist eingeschränkt. So ist etwa bei 20% aller Unfälle mit tödlichem Ausgang Alkohol mit im Spiel (vgl. Ziegler 2002, S. 21).

Alkohol gehört heute zu den häufigsten Ursachen für Schädigungen des ungeborenen Kindes. Die Folgen reichen von Hirnschäden- und Minderwuchs bis zu Herzfehlern. In Deutschland werden jedes Jahr etwa 2200 Babys geboren, die unter alkoholbedingten Fehlbildungen leiden (vgl. Ziegler 2002, S. 14).

Trotz dieser möglichen verheerenden Folgen ist Alkohol eine legale Droge. Das weitaus weniger gefährliche Cannabis hingegen nicht. Wäre das wichtigste Kriterium für die Zuordnung psychotroper Substanzen zu legalen und illegalen Drogen die Schädlichkeit bzw. Gefährlichkeit, so müsste Alkohol zweifellos zu den illegalen Drogen zählen. Dies ist wegen der oben aufgezeigten Verwurzelung alkoholischer Getränke in unserer Kultur jedoch kaum möglich. Alkohol ist aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Jeder wird mit alkoholischen Getränken konfrontiert. Es gibt viele Situationen in denen es der Norm entspricht etwas zu trinken, wie beispielsweise an Sylvester oder auf einer Party. Trinkt man nicht mit, kommt es vor, dass man auffällt oder gar in eine Außenseiterposition gedrängt wird. Die Vermittlung von Fähigkeiten, einem in solchen Situationen entstehenden Gruppendruck standzuhalten, ist eine wichtige Aufgabe schulischer und auch anderer Suchtpräventionsprogramme.

Was möglich und auch wichtig ist, ist eine strengere Kontrolle der Abgabe alkoholischer Getränke, so dass die Verfügbarkeit dieser Substanz für Jugendliche weiter herabgesetzt wird. Zudem sollten in jeder Einrichtung, wie z.B. in Discos und Lokalen, die Preise antialkoholischer Getränke unter denen der alkoholischen liegen.

Tabak

Tabak sind die zum Konsum aufbereiteten Blätter der Tabakpflanze, wie auch die Pflanze selbst. Nach derzeitigen Erkenntnissen enthält Tabak mehr als 4 000 Inhaltsstoffe. Das Hauptalkaloid ist das toxische Nikotin (vgl. Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren 2002). In Form von Zigaretten, Zigarillos, Zigarren oder in einer Pfeife wird Tabak geraucht und somit primär über die Lunge aufgenommen. Eine weitere Möglichkeit ist das Kauen oder Schnupfen von besonders aufbereitetem Tabak. In unserem Kulturkreis spielt die Inhalation des Tabakrauchs einer Zigarette die weitaus größte Rolle.

Die Tabakpflanze stammt ursprünglich aus Amerika und gelangte im 16. Jahrhundert durch spanische Seefahrer nach Europa. Dort diente sie zunächst als Zierpflanze und am französischen Hof wurde mit dem Schnupfen von Tabak begonnen. Im 17. Jahrhundert verbreitete sich das Tabakrauchen im Zuge des Dreißigjährigen Krieges über ganz Europa. Der größte Aufschwung der Tabakindustrie fand schließlich im 20. Jahrhundert statt. Aufgrund der nachweisbar mit dem Tabakkonsum verbundenen gesundheitlichen Risiken ergreifen heute immer mehr Staaten Maßnahmen, um den Zigarettenkonsum einzudämmen (vgl. Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren 2002). Kampagnen gegen das Rauchen werden gestartet und Suchtpräventionsprogramme durchgeführt.

Nikotin ist dem Neurotransmitter Acetylcholin ähnlich; es bindet an dessen Rezeptoren und bewirkt die Ausschüttung verschiedener Transmitter wie Dopamin und Serotonin. Die Wirkung ist beruhigend und anregend zugleich: Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, die Durchblutung wird reduziert und die Körpertemperatur sinkt. Diese Art von Anspannung ist der Alarmbereitschaft des Körpers in einer Flucht- oder Angstsituation sehr ähnlich. Die entspannende Wirkung geht wohl auf die Aktivierung des Belohnungszentrums im Gehirn und der damit verbundenen Dopaminausschüttung zurück. Beim Abbau von Nikotin entsteht Nikotinsäure, welche gefäßerweiternd wirkt und die mentale Leistungsfähigkeit erhöht (vgl. Medicine- Worldwide 2002).

Tabakkonsum bewirkt eine Zunahme der Stresstoleranz, während gleichzeitig Erregung und Aggression abnehmen. In Stresssituationen kann Nikotin eher beruhigend und bei Niedergeschlagenheit eher anregend wirken. Zu Vergiftungserscheinungen, Schwindelgefühl, Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen und Herzjagen kann es bei ungewohntem Tabakgebrauch kommen (vgl. Medicine- Worldwide 2002).

Nikotinmissbrauch führt zu psychischer und körperlicher Abhängigkeit. Kröger (2002, S. 30) setzt das Suchtpotenzial von Nikotin sogar mit dem von Heroin und Kokain gleich.

Diese süchtig machende Wirkung hat neben den schon erwähnten noch andere Gründe: Durch die Aufnahme von Nikotin vermehren sich die Acetylcholinrezeptoren und „fordern“ Nachschub an Nikotin. Der bedeutendste Aspekt für das Entstehen einer psychischen Abhängigkeit ist die schnelle Anflutung des Nikotins im Gehirn. Jeder Zug führt so zu einem kleinen „Kick“, der ein kurzes Gefühl der Entspannung und Belohnung bewirkt (vgl. Lindinger 2002).

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Ende der Leseprobe aus 100 Seiten

Details

Titel
Drogenkonsum im Jugendalter - eine Analyse zum Phänomen mit Blick auf die Schulpraxis
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
1,5
Autor
Jahr
2004
Seiten
100
Katalognummer
V60464
ISBN (eBook)
9783638541374
ISBN (Buch)
9783638694094
Dateigröße
823 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Drogenkonsum, Jugendalter, Analyse, Phänomen, Blick, Schulpraxis
Arbeit zitieren
Jochen Bender (Autor), 2004, Drogenkonsum im Jugendalter - eine Analyse zum Phänomen mit Blick auf die Schulpraxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60464

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