Die Budgetierung ist eines der zentralen Führungsinstrumente und wird daher auch vielfach als „Rückgrat der Unternehmenssteuerung“ charakterisiert. Das Instrument der traditionellen Budgetierung scheint die Anforderungen einer steigenden Komplexität und Dynamik innerhalb der Unternehmen selbst und in der Unternehmensumwelt aber nur noch in einem begrenzten Maße zu erfüllen. Deshalb sieht sich die Budgetierung seit geraumer Zeit starker Kritik ausgesetzt. Die Budgetierung wird als ein zu aufwendiges und starres Verfahren beanstandet, dass der schnellen Anpassung an veränderte Marktsituationen und Kundenbedürfnissen entgegenwirkt. Bei all der Kritik an der traditionellen Budgetierung stellt sich die Frage, welche Alternativen einem dynamischeren Unternehmensmodell gerecht werden können. Eine radikale Alternative zur traditionellen Budgetierung stellt das Managementkonzept Beyond Budgeting dar. Beyond Budgeting, was so viel heißt wie „jenseits der Budgetierung“, steht für ein Steuerungsmodell, das völlig auf die Erstellung von Budgets verzichtet. Ziel des Konzeptes ist es, eine realitätsgetreue und aussagekräftige Planung zu realisieren, die sich mehr an Zielen und Ereignissen und weniger an festen Zeitperioden orientiert. In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, inwieweit Beyond Budgeting auch für deutsche Unternehmen als Alternative zur traditionellen Budgetierung interessant sein könnte. Die Basis dieser Arbeit bildet ein Überblick über die verschiedenen Kritikpunkte an Budgets und Budgetierungsprozessen sowie den Ursprung des Beyond-Budgeting-Modells. Anschließend werden die Kernelemente, welche durch die zwölf Prinzipien getragen werden, und die Managementinstrumente, die die Anwendung des Beyond-Budgeting-Modells unterstützen, erläutert. Darauf aufbauend werden die Voraussetzungen und Grenzen der Anwendungsmöglichkeiten des Beyond-Budgeting-Modells aufgezeigt. Hierbei wird insbesondere auch auf die kulturellen Voraussetzungen eingegangen, die deutsche Unternehmen für eine erfolgreiche Anwendung die Beyond-Budgeting-Modells erfüllen sollten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Entstehung des Beyond Budgeting
2.1 Kritik an Budgets und Budgetierungsprozessen
2.2 Entwicklung des Beyond-Budgeting-Modells
3 Das Konzept des Beyond-Budgeting-Modells
3.1 Die Prinzipien adaptiver Managementprozesse
3.2 Die Prinzipien radikaler Dezentralisierung
3.3 Instrumente zur Unterstützung des Beyond-Budgeting-Modells
4 Voraussetzungen und Grenzen der Anwendung von Beyond Budgeting
5 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Seminararbeit ist die kritische Untersuchung des Managementkonzepts „Beyond Budgeting“ und dessen Eignung als Alternative zur traditionellen Budgetierung in deutschen Unternehmen unter Berücksichtigung struktureller und kultureller Rahmenbedingungen.
- Kritik an klassischen, starren Budgetierungsprozessen
- Entstehung und Kernprinzipien des Beyond-Budgeting-Modells
- Einsatz von Instrumenten wie Forecasting und Balanced Scorecard
- Anforderungen an Komplexität und Dynamik des Marktumfelds
- Kulturelle Voraussetzungen im Vergleich zwischen Deutschland und Skandinavien
Auszug aus dem Buch
2.1 Kritik an Budgets und Budgetierungsprozessen
Für den Begriff des „Budgets“ gibt es keine einheitliche Definition. In der deutschsprachigen Literatur hat sich ein planungsbasierter Budgetbegriff durchgesetzt. Demnach ist ein Budget ein formalzielorientierter Plan, der einer Entscheidungseinheit für eine bestimmte Zeitperiode mit einem bestimmten Verbindlichkeitsgrad vorgegeben wird.
Unternehmen nutzen das Budget als ihr primäres Führungsinstrument. Es ist oftmals sogar das alleinige Instrument der erfolgsorientierten Unternehmenssteuerung und Prognose der Zukunft. Die Budgetierung wurde im Laufe der Zeit zu einem umfangreichen und komplexen Instrument entwickelt. Trotz des weit verbreiteten Einsatzes der Budgetierung sind die betroffenen Führungskräfte und Controller zunehmend unzufrieden mit diesem Instrument.
Die Unzufriedenheit mit dem Instrument der Budgetierung bezieht sich auf mehrere Kritikpunkte, die nun erläutert werden. Der Auswand des Budgetierungsprozess ist hoch, der daraus resultierende Nutzen aber vergleichsweise gering. Die Erstellung der Budgets nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, in der Praxis sind die Budgetzahlen aber schnell überholt. Nach einer Untersuchung des CFO Magazine beträgt die durchschnittliche Dauer zur Erstellung eines Finanzplans rund 20 Wochen, teilweise sind über die Hälfte der verfügbaren Mitarbeiter im Controlling mit Planungsaufgaben beschäftigt und fast 90 % aller CFO sind mit der Planung insgesamt unzufrieden.
Ein weiterer Kritikpunkt besteht darin, dass das Ausmaß an Budgetmanipulationen zu hoch und nicht mehr akzeptabel ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die zunehmende Kritik an der traditionellen Budgetierung aufgrund mangelnder Flexibilität und stellt das Beyond-Budgeting-Modell als mögliche, zukunftsorientierte Alternative vor.
2 Die Entstehung des Beyond Budgeting: Dieses Kapitel erläutert die Ursachen der Unzufriedenheit mit klassischen Budgets und zeichnet die Entwicklung des Beyond-Budgeting-Modells durch internationale Fallstudien nach.
3 Das Konzept des Beyond-Budgeting-Modells: Hier werden die Kernelemente des Modells, unterteilt in adaptive Managementprozesse und radikale Dezentralisierung, sowie unterstützende Instrumente detailliert dargelegt.
4 Voraussetzungen und Grenzen der Anwendung von Beyond Budgeting: Das Kapitel analysiert die operativen Anforderungen an Dynamik und Komplexität sowie den Einfluss kultureller Unterschiede auf die Implementierung in deutschen Unternehmen.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Beyond Budgeting keine Universallösung ist, sondern besonders für dynamische Unternehmen bei gleichzeitig geringer Komplexität eine sinnvolle Option darstellt.
Schlüsselwörter
Beyond Budgeting, Unternehmenssteuerung, Budgetierung, Managementkonzept, adaptive Managementprozesse, radikale Dezentralisierung, Finanzplanung, Unternehmenskultur, Controlling, Leistungsbewertung, Flexibilität, Dynamik, Komplexität, Marktveränderungen, Forecasting.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Managementkonzept "Beyond Budgeting" und hinterfragt, ob es als radikale Alternative zur klassischen Budgetierung für deutsche Unternehmen geeignet ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Kritik an starren Budgetierungsprozessen, den Prinzipien des Beyond Budgeting, der Bedeutung von Unternehmenskultur und der Relevanz von Marktkomplexität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Identifikation der Voraussetzungen, unter denen Beyond Budgeting erfolgreich in deutschen Unternehmen implementiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf Literaturrecherche und der Auswertung von Fallstudien des BBRT (Beyond Budgeting Round Table) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Entstehung des Modells, die Beschreibung der zwölf Prinzipien sowie die Analyse von Voraussetzungen, Grenzen und kulturellen Aspekten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Beyond Budgeting, adaptive Managementprozesse, radikale Dezentralisierung, Budgetierungskritik und Unternehmenskultur.
Warum ist das kulturelle Umfeld laut Autor entscheidend?
Der Autor zeigt auf, dass Unterschiede in Dimensionen wie der Maskulinität oder der Unsicherheitsvermeidung (nach Hofstede) erklären, warum sich das Modell in Skandinavien leichter verbreiten konnte als in Deutschland.
Welche Rolle spielt die "Komplexität" für die Anwendbarkeit?
Beyond Budgeting ist laut Arbeit besonders dann vorteilhaft, wenn das Umfeld zwar sehr dynamisch ist, die interne Komplexität des Unternehmens jedoch durch Outsourcing oder Standardisierung gering gehalten wird.
- Quote paper
- Thorsten Krumme (Author), 2005, Beyond Budgeting - Ein Konzept auch für deutsche Unternehmen ?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60529