In Zeiten von Wahlen nehmen Massenmedien eine bedeutende Rolle ein. Für den Großteil der Bevölkerung stellen sie, insbesondere das Medium TV, die wichtigste und oft einzige Informationsquelle über Kandidaten sowie Wahlthemen dar. Aber auch für die Parteien und Kandidaten selbst sind sie die wichtigste Basis, um den überwiegenden Teil der Wähler zu erreichen. Welchen Einfluss die Medien auf das Wahlverhalten haben hängt aber nicht nur von den Medien selbst ab, sondern auch von dem System indem die verschiedenen Medien eingebettet sind. Die Konstitution, die Medien- und Pressegesetze, die verschiedenen Praktiken sowie Traditionen des Journalismus, die politische und gesellschaftliche Landschaft. Dies sind alles wichtige Faktoren wie Wahlinformationen gestaltet sind und wie diese bei dem Wähler ankommen. In Russland wurde und wird Medienmacht zu allen Zeiten als unerwünschtes Gegengewicht zur politischen Macht gesehen. Im Rahmen des Demokratisierungsprozesses wurde zwar die Zensur abgeschafft und trotz der damit einhergehenden verrechtlichten Modifikation der politischen Kontrollmöglichkeiten scheint der Staat allmächtig, insbesondere in Zeiten der Wahlen. In der folgenden Arbeit werde ich die Präsidentschaftswahlen von 2000 als Beispiel verwenden, da viele Medienwissenschaftler sowie Wahlbeobachter behaupten, dass hier die Medien eine entscheidende Rolle in der Wahlentscheidung eingenommen haben. Da das TV das Medium ist, dem die Wähler die meiste Aufmerksamkeit schenken, werde ich mich in der folgenden Arbeit auf dieses Medium konzentrieren und damit Rundfunk, Presse sowie Internet weitgehend außer Acht lassen. Was den gesetzlichen Rahmen von Medien in der Wahlzeit betrifft, werde ich ausschließlich auf den Zugang der Kandidaten zu dem staatlichen Medien sowie die Neutralität der Journalisten bzw. ihrer Sender eingehen, da dies das Hauptproblem zu sein scheint. Doch bevor ich zu diesem Themen übergehe werden zunächst wesentliche Dinge zu Medien in Verbindung mit Wahlverhalten erläutert sowie die Grundlagen des russischen Mediensystems.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Medien und Wahlverhalten
2.1 Einfluss der Medien auf den Wähler
3 Die russische Medienlandschaft
3.1 Die Russische Medienlandschaft und Medienstruktur
3.2 Russische Medienpolitik
3.3 Die Medienstruktur im Kontext zu den Wahlen
3.4 Auswirkungen der Medienlandschaft auf die russischen Wähler
4 Die Politische Situation vor und während der Wahlen von 2000
4.1 Putin: Der Unbekannte
5 Gesetzlicher Rahmen und Praxis
5.1 Gesetzlicher Rahmen
5.1.1 Zugang der Kandidaten zu den Medien
5.1.2 Neutralität der Journalisten
5.2 Praxis
5.2.1 Zugang der Kandidaten zu den Medien
5.2.2 Propaganda im Staatstv
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Massenmedien, insbesondere des staatlichen Fernsehens, auf das Wahlverhalten in Russland mit Fokus auf die Präsidentschaftswahlen des Jahres 2000. Die zentrale Forschungsfrage ist, inwieweit die mediale Berichterstattung zur gezielten Profilierung des damaligen Kandidaten Wladimir Putin beitrug und das demokratische Wahlgefüge durch einseitige Propaganda beeinflusste.
- Rolle und Macht der Massenmedien im politischen Prozess
- Struktur und politische Kontrolle des russischen Mediensystems
- Gesetzliche Rahmenbedingungen und deren Umsetzung in der Praxis
- Analyse der Medienberichterstattung bei den Präsidentschaftswahlen 2000
- Wirkung von TV-Propaganda auf die Wählergunst
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Russische Medienlandschaft und Medienstruktur
Die wichtigste Bedeutung in der russischen Medienlandschaft nimmt TV ein. Es gibt zwar etwa 22.181 registrierte Zeitungen und 12.726 registrierte Magazine, aber meistens mit einer sehr geringen Auflage. Steigende Preise verursachen eine sinkende Leserschaft, Abonnements sind für alle Zeitschriften und Magazine zurückgegangen. Ein russischer Bewohner kauft in der Regel wöchentlich nur eine Zeitung.
Seit den 90er Jahren ist die Popularität des TV enorm gestiegen. Zum einen besteht heute ein großes Programmangebot und zum anderen ist TV erheblich billiger als Zeitunglesen. Um die nationalen Kanäle zu empfangen, muss der Zuschauer keinerlei Gebühren entrichten. Fast jeder russische Haushalt besitzt mindestens ein TV-Gerät und empfängt mindestens zwei nationale, einen regionalen sowie einen lokalen Kanal.
Bei dem Presseministerium sind etwa 3.600 TV-Kanäle registriert. Public Russian Television (ORT) ist der größte Fernsehkanal mit einer Abdeckung von 98 Prozent des russischen Territoriums und 140 Millionen Zuschauern. Der Staat hat an diesem Sender einen Aktienanteil von 51 Prozent. Der zweitgrößte Kanal, Kanal Russland, ist zu 100 Prozent staatlich und hat etwa 50 Millionen Zuschauer. An dritter Stelle kommt NTV als größter kommerzieller Kanal. 1996, nach der Wiederwahl Boris Jelzin, erreichte NTV, als einziger privater Kanal, den Status eines nationalen Senders. Diese Handlung wird als Preis betrachtet den Boris Jelzin den damaligen NTV Eigentümer Vladimir Gusinsky für seine Wahlunterstützung zahlte.
Online Medien spielen in Russland meist nur in Moskau sowie St. Petersburg eine größere Rolle. In den ländlichen Gegenden ist so gut wie kein Internetzugang vorhanden. Momentan nutzen nur etwa 18 Prozent der russischen Bevölkerung dauerhaft das Internet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Massenmedien bei Wahlen ein und legt den Fokus auf die Präsidentschaftswahlen 2000 in Russland sowie die methodische Beschränkung auf das Fernsehen.
2 Medien und Wahlverhalten: Das Kapitel erörtert die theoretischen Grundlagen der Medienwirkungsforschung und diskutiert, wie Medien Themen setzen und das Wahlverhalten beeinflussen können.
3 Die russische Medienlandschaft: Hier wird die Struktur des russischen Mediensystems analysiert, wobei die Dominanz staatlicher Sender und die politische Abhängigkeit der Medienlandschaft im Vordergrund stehen.
4 Die Politische Situation vor und während der Wahlen von 2000: Dieses Kapitel skizziert den Aufstieg Putins von einem unbekannten Premierminister zu einem populären Kandidaten vor dem Hintergrund der politischen Krise Ende der 1990er Jahre.
5 Gesetzlicher Rahmen und Praxis: Die Untersuchung befasst sich mit den formalen Wahlgesetzen einerseits und der manipulativen medialen Umsetzung im Wahlkampf andererseits.
6 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das staatlich gelenkte Fernsehen ein entscheidendes Werkzeug für den Erfolg Putins war, begünstigt durch das hohe Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Informationsquellen.
Schlüsselwörter
Russland, Präsidentschaftswahlen 2000, Massenmedien, Fernsehen, Wladimir Putin, Wahlkampf, Propaganda, Medienfreiheit, Staatssender, politische Kommunikation, Medienkontrolle, Wählerverhalten, Agenda-Setting, Informationsquelle, Journalismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Rolle der russischen Massenmedien während der Präsidentschaftswahlen 2000 und untersucht deren Einfluss auf den Wahlerfolg von Wladimir Putin.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Struktur des russischen Fernsehens, die staatliche Medienpolitik, rechtliche Rahmenbedingungen sowie die Praxis der politischen Propaganda.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch eine gezielte einseitige Berichterstattung in staatlichen Medien ein zuvor weniger bekannter Kandidat zur dominanten Figur im Wahlkampf aufgebaut wurde.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine Analyse der Medienlandschaft basierend auf vorhandener Literatur, Berichten von Wahlbeobachtungsinstituten und Wahldaten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die politische Ausgangslage, die gesetzlichen Regeln zur Medienneutralität und den Kontrast dazu in der medialen Praxis während des Wahlkampfs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Medieneinfluss, russische Medienlandschaft, Wahlen 2000, TV-Propaganda und staatliche Medienkontrolle.
Wie wurde der Zugang der Kandidaten zu den Medien in der Theorie geregelt?
Gesetzlich war eine Gleichbehandlung aller Kandidaten vorgesehen, inklusive freier Sendezeit und fairen Bedingungen für bezahlte Werbung.
Warum wurde ausgerechnet das Medium TV für die Studie ausgewählt?
Das Fernsehen ist in Russland die mit Abstand wichtigste und meistgenutzte Informationsquelle für die Bevölkerung, weshalb ihm der größte Einfluss auf Wahlentscheidungen zugeschrieben wird.
Welche Rolle spielte der Krieg in Tschetschenien für die mediale Darstellung Putins?
Die Berichterstattung über den Krieg diente dazu, Putin als starke, entschlossene Führungspersönlichkeit und militärischen Oberbefehlshaber zu inszenieren.
Was ist das Fazit der Autorin zur Neutralität der Medien?
Das Fazit stellt fest, dass die Medien durch staatliche Lenkung den politischen Wettbewerb massiv einschränkten und als Propagandainstrument gegen politische Konkurrenten missbraucht wurden.
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- Sarah Stolle (Author), 2006, Medien und Wahlen in Russland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60558