Keine geschichtliche Periode stellt den Mann derart infrage wie unsere postmoderne Gesellschaft. Ob man ihn nun als „Auslaufmodell“ betitelt , sein drohendes Aussterben visioniert , seine zunehmende Verunsicherung analysiert oder ihm schlicht und einfach den Untergang bescheinigt – hinsichtlich einer Diagnose scheinen sich die Autoren einig zu sein: „Der Mann“ befindet sich in einer heftigen Krise. Noch nie in der Geschichte des Abendlandes sah sich „der Mann“, der bis dato nahezu unbestritten das biologisch und sozial dominierende Geschlecht verkörperte, einer derartigen prinzipiellen Kritik ausgesetzt. Zeitgenössische Forscher diagnostizieren nun einen „dramatische[n] Kontrast zwischen kollektiver Privilegiertheit und persönlicher Unsicherheit“ des Mannes. Ein „epochale[r] Wandel von Männlichkeit“ wird beschrieben, bei dem das traditionelle männliche Rollenbild von „Herrschaft, Dominanz, Härte, Einzelkämpfertum und Ego-Trips“ stark an Überzeugungskraft eingebüßt habe. Was ist geschehen? Welches Verhältnis zu sich und welche Verhaltensweisen werden in unserer Gesellschaft noch als männlich angesehen?
Anhand des auflagenstärksten Männermagazins Men’s Health soll ein zeitgenössisches Bild davon entworfen werden, wie der erfolgreiche Mann von heute sein Leben zu gestalten hat, welche Bereiche problematisiert werden sowie mit welchen Selbsttechniken die gesteckten Ziele erreicht werden sollen. Im Vergleich mit dem von FOUCAULT in „Der Gebrauch der Lüste“ erläuterten Denken der griechischen Antike ist der Verfasser bestrebt aufzudecken, wie sich die Art und Weise, das männliche Sein „zu denken“, gewandelt hat.
Dabei scheint ein Unterschied zwischen der antiken griechischen und der modernen Gesellschaft entscheidend zu sein: Bei den alten Griechen drehte sich die Achse der Erotik um die Knaben, heute dreht sie sich um die Frauen. Damit sind bedeutende Konsequenzen verbunden...
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1. ZUR WAHL VON MEN’S HEALTH
2. DIE GRIECHISCHE GESELLSCHAFT IN DER „KLASSISCHEN ZEIT“
3. GRIECHISCHE UND MODERNE MORAL IM VERGLEICH
3.1 ZU MEN’S HEALTH
3.2 DER MORALBEGRIFF VON FOUCAULT
3.3 SEXUALMORAL
3.4. KÖRPERMORAL
3.5 DIE VERUNSICHERUNG DES MANNES
4. SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Krise des modernen Mannes, indem sie zeitgenössische Subjektivierungsweisen in der Zeitschrift Men’s Health mit den antiken griechischen Moralvorstellungen nach FOUCAULT vergleicht, um die Transformationen männlicher Identitätskonstitution und die Verschiebung der Machtverhältnisse im Bereich der Erotik aufzuzeigen.
- Analyse moderner männlicher Selbsttechniken anhand von Men’s Health
- Vergleich der zeitgenössischen Sexualmoral mit der griechischen Antike
- Untersuchung der Transformation von Machtverhältnissen zwischen den Geschlechtern
- Diskussion der Bedeutung von Körperästhetik und Fitness als Mittel der Selbstkonstitution
- Thematisierung der "Krise des Mannes" und der veränderten gesellschaftlichen Rollenbilder
Auszug aus dem Buch
3.2 Der Moralbegriff von Foucault
Der geneigte Leser mag sich über die Verwendung des Moralbegriffs im Zusammenhang mit einem modernen Lifestyle-Magazin wie Men’s Health gewundert haben. Wenn man seiner Betrachtung eine „enge“ Definition des Begriffs zugrunde legen würde, wäre die Verwunderung gerechtfertigt. Mit „Moral“ sollen aber nicht lediglich restriktive sittliche Ideale, Verweise auf „höherwertiges“ Verhalten oder ein erhobener Zeigefinger assoziiert werden. Vielmehr liegt dieser Studie der Moralbegriff von FOUCAULT zugrunde, der schließlich im Zusammenhang mit Men’s Health eine Wendung hin zur benthamschen Konzeption erfahren wird, welche die Frage nach dem größten Glück für die größte Zahl impliziert.
Nach FOUCAULT versteht man unter Moral „ein Ensemble von Werten und Handlungsregeln, die den Individuen und Gruppen mittels diverser Vorschreibeapparate – Familie, Erziehungsinstitutionen, Kirchen usw. – vorgesetzt werden“ – was „in diffuser Weise“ geschehen kann und ohne dass sie ein „systematisches Ganzes“ bilden müssen. Diese Verhaltensregeln fasst FOUCAULT unter dem Begriff „Moralcode“ zusammen. Ein anderes Verständnis von Moral zielt auf das tatsächliche Verhalten einzelner Personen oder Gruppen ab. Dabei ist die Moral dann intakt, wenn die Handlungen innerhalb der gesetzten Grenzen vollzogen werden. FOUCAULT bezeichnet diesen Teilaspekt als „Moralverhalten“. Schließlich führt er noch eine dritte Ebene der Betrachtung ein, wobei die Frage bedeutend ist, wie das Individuum das Verhältnis zu sich gestaltet, welches es während der Ausführung moralischer Handlungen einnimmt. Dieses Verhältnis kann bei der Befolgung einer Regel auf unterschiedliche Weise gebildet werden. FOUCAULT nennt vier Gesichtspunkte, nach denen diese Unterschiede zu analysieren sind – die ethische Substanz, die Unterwerfungsweise, die ethische Arbeit an sich selbst und die Teleologie.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Krise des modernen Mannes in der postmodernen Gesellschaft und führt FOUCAULTS theoretische Konzeptionen zur Analyse der männlichen Subjektivität ein.
1. ZUR WAHL VON MEN’S HEALTH: Dieses Kapitel rechtfertigt die Auswahl des Männermagazins Men’s Health als repräsentative Quelle für die Untersuchung moderner Subjektivierungsweisen und Parallelen zur griechischen Antike.
2. DIE GRIECHISCHE GESELLSCHAFT IN DER „KLASSISCHEN ZEIT“: Hier wird das sozialpolitische Klima und das Männerbild des antiken Athens skizziert, um die historischen Voraussetzungen für den anschließenden Moralvergleich zu schaffen.
3. GRIECHISCHE UND MODERNE MORAL IM VERGLEICH: Dieser Hauptteil analysiert auf Basis von FOUCAULTS Ebenen – Moralcode, Moralverhalten und ethische Selbstgestaltung – die Unterschiede in der Sexual- und Körpermoral zwischen der Antike und dem modernen Men’s Health-Diskurs.
4. SCHLUSS: Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf weitere lohnenswerte Forschungsfelder, wie die Einordnung von Pornografiedispositiven in modernen Medien.
Schlüsselwörter
Männlichkeit, Men’s Health, Foucault, Sexualmoral, Krise des Mannes, Ethik, Subjektivierung, Körperästhetik, Machtverhältnisse, griechische Antike, Selbsttechnik, Geschlechterrollen, Partnerschaftsmarkt, Erotik, Moral.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die gegenwärtige Identitätskrise des Mannes in der modernen Gesellschaft durch einen wissenschaftlichen Vergleich mit antiken griechischen Moralvorstellungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Konstruktion von Männlichkeit, die Bedeutung von Sexualität und Körperlichkeit sowie die Verschiebung der Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich die Anforderungen an das "Männerleben" gewandelt haben und wie diese durch moderne Medien wie Men’s Health reflektiert und geformt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Studie orientiert sich methodisch an FOUCAULTS Konzeption der "Trias von Wissen, Macht und Selbst" aus Sexualität und Wahrheit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil vergleicht systematisch die Moralvorstellungen der griechischen Antike mit den Ratschlägen und Normen in Men’s Health in Bezug auf Sexualmoral, Körpermoral und die Selbstgestaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Männlichkeit, Subjektivierung, Foucault, Sexualmoral, Körperästhetik und die Transformation von Machtverhältnissen.
Warum wird gerade Men’s Health für diese Analyse herangezogen?
Aufgrund der hohen Reichweite und des Einflusses auf den "Common Sense" moderner Männer eignet sich das Magazin als hervorragende Quelle für die Untersuchung zeitgenössischer Selbsttechniken.
Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit zur "Krise des Mannes"?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Abhängigkeit des Mannes von der Frau im modernen freien Spiel der Liebe und die damit einhergehende Unsicherheit ein zentrales Element der heutigen Identitätskrise darstellen.
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- Ralf Bub (Author), 2003, 21st Century Men: Die Zeitschrift "Men´s Health" im Vergleich mit der griechischen Klassik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60591