Vom Fordismus zum Postfordismus - Eine Betrachtung aus regulationstheoretischer Perspektive unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung in Deutschland


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
33 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung, Ziel und Aufbau der Arbeit

2. Theoretische Grundlegung: Die Regulationstheorie
2.1. Entstehung und Grundannahmen
2.2. Akkumulationsregime u. Regulationsweise

3. Das fordistische Akkumulationsregime

4. Die Krise des Fordismus: flexible Akkumulation und fordistische Regulation

5. Deutschland im Postfordismus
5.1. Postfordistische Entwicklungswege
5.2. Das deutsche Wirtschafts- und Sozialsystem
5.3. Die Krise
5.4. Reaktionen

6. Fazit und Ausblick

1. Einleitung, Ziel und Aufbau der Arbeit

In der Gegenwart geht es Jahre nach dem Scheitern des „sozialistischen Modells“ im Zeitalter der Ausweitung des internationalen Handels nahezu weltweit nicht mehr um die Frage nach Alternativen zum Kapitalismus, sondern um die Auseinandersetzung mit der Frage auf welche Art und Weise der Kapitalismus unter veränderten Umweltbedingungen gesellschaftlich neu organisiert und institutionell eingebettet werden soll.[1]

In der sozialwissenschaftlichen Analyse ist es abgesehen von den „neoklassischen Theorien liberaler Prägung“ (Aglietta 2000: 10) relativ unstrittig, dass die Logik der kapitalistischen Produktionsweise, welche sich durch das Privateigentum an Produktionsmitteln und durch das Ziel der Profitmaximierung auf der Basis betriebswirtschaftlicher Arbeitsorganisation auszeichnet, mit ihren innewohnenden Widersprüchen und Verwerfungen nicht allein den notwendigen gesellschaftlichen Zusammenhalt gewährleisten kann. Aus dieser Sichtweise bedarf es gesellschaftlicher Strukturen, die den Kapitalismus hinsichtlich seiner systemimmanenten Produktion von Ausbeutung, Ausgrenzung, sozialer Ungleichheit und Entfremdung mehr oder weniger beschränken, um ihn in den sozialen Zusammenhängen einer Gesellschaft auf eine breite Legitimationsgrundlage stellen zu können.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Geschichte des Kapitalismus seit seiner Durchsetzung als vorherrschende Produktionsweise im 19. Jahrhundert durch Krisen und sozialen Konflikten geprägt ist, welche mitunter, wie etwa im „fordistischen Klassenkompromiss“ (Kohlmorgen 2004: u.a.168), durch Prosperitätsphasen relativ stabiler Reproduktion und hoher sozialer Inklusion unterbrochen wurden[2].

Die vorwiegend auf die jeweiligen Binnenmärkte ausgerichtete soziale Einbettung des Kapitalismus im Fordismus stellte die industrialisierten Nationalstaaten im Prozess der Liberalisierung der Finanzmärkte, der zunehmenden Ausweitung des internationalen Handels und der Grenzen überschreitenden Arbeitsteilung sowie der Veränderung der betriebswirtschaftlichen Arbeitsorganisation begleitet und ermöglicht durch die informationstechnologische Revolution, ab den 1970er Jahren vor enorme Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund der umfangreichen Neuordnung in der Weltökonomie kam es zu einer bis heute anhaltenden Krise[3], die mit einer Verschärfung der Konkurrenzbeziehungen einherging und in sämtlichen westeuropäischen Ländern Beschäftigungskrisen auslöste. Die Auswirkungen des Wandels in der „kapitalistischen Betriebsweise“ (Röttger 2001: 1) auf die nationalen Regulationsstrukturen und die Arbeitsmärkte waren enorm. Restrukturierungsstrategien der gesellschaftlichen Institutionen erschienen daher unabdingbar. Ausgehend von den konkreten sozialstaatlichen Ausformungen der Gesellschaftsformationen im Fordismus und der jeweils unterschiedlichen Stellung auf den Weltmarkt ergeben sich dabei für die Industrienationen verschiedene Problemlagen und Möglichkeiten auf diese Herausforderungen zu reagieren.

In der folgenden Arbeit soll aus regulationstheoretischer Perspektive den Fragen nachgegangen werden, unter welchen Bedingungen es zu der Herausbildung der fordistischen Gesellschaftsformation kam, welche Entwicklungen dieselbe in eine Krise führten und welche Herausforderungen sich schließlich hinsichtlich der nationalen Regulationsweisen unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Situation daraus ergeben.

Hierzu erscheint es zunächst zur theoretischen Einordnung notwendig die Grundannahmen und die zentralen Begriffe der Regulationstheorie zu klären (2.). Im nächsten Schritt soll mit diesem sozialwissenschaftlichen „Werkzeug“ die Gesellschaftsformation des Fordismus mit seiner spezifischen Verbindung zwischen Akkumulationsregime und Regulationsweise dargestellt werden (3.), um anschließend die Krise dieses „goldenen Zeitalters“ (Lipietz 1998: 117) als ein Auseinanderfallen eben dieser Verbindung in seinen historischen Entstehungsbedingungen zu erläutern (4.). Im Anschluss erfolgt eine kurze Darstellung idealtypischer Restrukturierungsstrategien im postfordistischen Kontext, um abschließend den Entwicklungsweg Deutschlands unter Berücksichtigung des deutschen Wirtschafts- und Sozialsystems näher zu betrachten (5.).

2. Theoretische Grundlegung: Die Regulationstheorie

Der Regulationsansatz weist hinsichtlich der Methode und Konzeptionalisierung durchaus verschiedene Ausprägungen auf. Da ein umfassender Überblick im Rahmen dieser Arbeit nicht geleistet werden kann, wird der Ansatz hier weitgehend im Hinblick auf seine gemeinsamen grundlegenden Annahmen zusammengefasst behandelt. Bei weitergehenden Erklärungen folge ich insbesondere der werttheoretisch orientierten „Pariser Konzeption“ (Becker 2002) von Alain Lipietz (1998) und Michel Aglietta (2000).[4]

2.1. Entstehung und Grundannahmen

Der Regulationsansatz wurde in den 1970er Jahren in Frankreich zu Beginn der Krise der fordistischen Produktionsweise von Michel Aglietta begründet und in der Folge vor allem im Umfeld des französischen Forschungsinstituts CEPREMAP weiterentwickelt.

Im Gegensatz zu den ahistorischen neoliberalen Theorien geht dieser von einem permanenten Wandel in der kapitalistischen Wirtschaftsweise in Form von kleinen (konjunkturellen) und großen Krisen seit ihrem Anfang bis in die Gegenwart aus und versucht, indem gesellschaftliche und (makro-)ökonomische Entwicklungen miteinander in Verbindung gebracht werden, die Veränderungen in ihrem historischen Verlauf zu erklären (Hirsch 1995: 60f, Lipietz 1998: 16f).

Ideengeschichtlich bildete sich der Ansatz in der kritischen Auseinandersetzung mit dem von Althusser geprägten strukturalen Marxismus aus, der um die Erfassung und Darstellung von Konjunkturzyklen erweitert wurde. Der gemeinsame Ausgangspunkt beider Ansätze besteht darin, dass die Gesellschaft als ein Netzwerk sich reproduzierender sozialer Verhältnisse verstanden wird (Lipietz 1998: 15). Insbesondere die Unterscheidung der Strukturalisten zwischen Produktionsweise und Gesellschaftsformation bildete für das Konzept einen Anknüpfungspunkt (Koch 2003: 32). Allerdings wurde mit der neuen Herangehensweise ein Bruch mit dem „strukturalen Marxismus im hegelschen Sinne“ (Lipietz 1998: 15) vollzogen, indem die Annahme, dass die Produktivkräfte die Produktionsverhältnisse und die politischen Verhältnisse determinieren verneint wird. Die Entwicklung der Produktivkräfte ist entsprechend dieser Sichtweise vielmehr ein Ausdruck der spezifischen Anordnung sozialer Verhältnisse (und damit der Produktionsverhältnisse), die insbesondere auf der Basis sozialer Kompromisse zwischen den gesellschaftlichen Akteuren und Institutionen sowie der politischen Steuerung zustande kommen bzw. reguliert werden (ebd. 17).

Die zentralen sozialen Verhältnisse in der regulationstheoretischen Analyse sind dabei insbesondere das Lohn-, Konkurrenz- und Geldverhältnis, durchaus aber auch wie in einer aktuellen konzeptionellen Erweiterung von Kohlmorgen die Haushalts- und Familienform (Kohlmorgen 2004), welche durch eine bestimmte Institutionenstruktur (politisches System, unabhängige Zentralbanken, Verbände, Gewerkschaften, Bildungseinrichtungen, Medien, Familie etc.) (Koch 2003: 36) sowie den (davon nicht unabhängigen) gesellschaftlichen Wert- und Handlungsorientierungen geprägt werden (Lipietz 1998: 13).

Am strukturalen Marxismus wird weiterhin kritisiert, dass dieser einen zu starken Akzent auf die Darstellung der Reproduktion der sozialen Verhältnisse legt und damit die Widersprüchlichkeit dieser Verhältnisse nicht genügend beachtet. Es geht im Sinne des Regulationskonzeptes eben nicht um die Frage über die Reproduktion der Verhältnisse verwundert zu sein, sondern darum, „warum die Widersprüche manchmal stecken bleiben und warum sie dann wieder in einem Set von sozialen Verhältnissen eine solche Konfiguration annehmen, dass die Reproduktion nicht mehr stattfindet“ (ebd. 15).

Damit wird die grundsätzliche Abgrenzung zum klassischen Marxismus deutlich, deren allein auf eine Überwindung des Kapitalismus bezogene Konfliktbetrachtung die Möglichkeit von anderen zumindest zeitweise „funktionierenden“ sozialen Kompromissen innerhalb des Kapitalismus nicht berücksichtigt (Becker 2002: 60). Es geht weniger darum nachzuweisen, dass der Kapitalismus in die Krise zu geraten hat. Vielmehr wird jetzt versucht zu klären, unter welchen Bedingungen sich der Kapitalismus trotz seiner Widersprüche und Krisenhaftigkeit relativ stabil reproduzieren kann (Koch 2002: 32).

Die Analyse des Fordismus und die Entstehungsbedingungen seiner Krise sind dabei zentraler Untersuchungsgegenstand. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Krise kann damit als Ausgangspunkt für die Entwicklung des Ansatzes gesehen werden (Lipietz 1998: 13 u.16), wobei die Widersprüchlichkeit und Krisenhaftigkeit der kapitalistischen Produktionsweise, welche einer Regulierung bedarf, von vornherein vorausgesetzt wird. Es wird daher eine diskontinuierliche anstelle einer kontinuierlichen Entwicklung des Kapitalismus unterstellt, die stets der Gefahr von Brüchen und Krisen ausgesetzt ist und immer Konfliktpotential zwischen den jeweiligen gesellschaftlichen Kräften in sich birgt.

Die gemeinsamen zentralen Forschungsschwerpunkte der Regulationstheorie können demnach zusammenfassend aufgeteilt werden in dem (1.) Aufzeigen der Tatsache, dass die kapitalistische Reproduktion nicht aus sich selbst erfolgt, sondern einer bestimmten gesellschaftlichen Regulation bedarf; in dem (2.) Aufzeigen von Bedingungen, welche eine kapitalistische Reproduktion trotz seiner Widersprüchlichkeit mehr oder weniger dauerhaft gewährleisten (könnten); in dem (3.) Aufzeigen der Entstehungsbedingungen von Krisen nach einer gewissen Zeit (Lipietz 1998: 100).

2.2. Akkumulationsregime und Regulationsweise

Ein System sich zeitweilig in stabiler Weise reproduzierender sozialer Verhältnisse innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise wird von den Regulationstheoretikern als Akkumulationsregime bezeichnet (ebd. 13). Voraussetzung für die Herausbildung eines derartigen Regimes ist dabei, dass eine bestimmte historische Form der Produktion mit der der gesellschaftlichen Nachfrage (Konsumtionsnormen) in einem positiven Entsprechungsverhältnis bzw. einer Wachstumskonstellation über eine längere Periode miteinander verbunden und in Einklang gebracht werden (Koch 2003: 33).

„Als Akkumulationsregime bezeichnen wir eine Transformationsweise, die Produktions- und Konsumtionsnormen miteinander verbindet und sie kompatibel macht. Dieses Regime lässt sich als wiederholende Ausgangssituation der Produktion in den produktiven Abteilungen oder Branchen und der entsprechenden Nachfrage beschreiben: wir nennen das Reproduktionsschema oder makroökonomische Struktur.“ (Lipietz 1998: 100 f.)

Lipietz übernimmt hierbei in seiner werttheoretischen Konzeptionalisierung eines Akkumulationsregimes im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Akkumulation und Konsumtion das Reproduktionsschema von Karl Marx, welches die formale Kohärenz eines Akkumulationsregimes darstellt (Becker 2002: 64). Einerseits muss die (Re)allokation von Kapital in Investitions- und Produktionsgüter (Abteilung I der Gebrauchswertproduktion) gewährleistet sein, um die Reproduktion der kapitalistischen Produktionsweise und die Steigerung der Produktivität zu gewährleisten und andererseits muss die Produktion und Nachfrage nach Konsumgütern (Abteilung II) für die Reproduktion der Lohnempfänger sichergestellt werden (ebd. 64). Dabei ist die Möglichkeit der Disproportion zwischen den Löhnen bzw. der Nachfrage und produzierten Warenmengen stets gegeben. Ist das Lohnniveau zu niedrig angesetzt und damit der Ausbeutungsgrad zu hoch droht die Gefahr einer Überproduktion, da die Nachfrage nicht ausreichend gesichert ist. Im Gegensatz dazu droht bei einer „zu geringen“ Ausbeutung eine Unterinvestitionslücke. Auch ist das Marktverhältnis schwierig zu bestimmen, da sich erst auf dem Markt zeigt, ob (auch unabhängig von der Kaufkraft) produzierte Güter abgesetzt werden können (Lipietz 1998: 12f, 100).

Die komplexe Realität besteht dabei aus unzähligen Spiralen oder Kreisläufen von Geld-, Waren- und Produktivkapitalen sowie Konsumtionsformen, die miteinander in Beziehung stehen. Diese können sich im Erfolgsfall zu einem Akkumulationsregime verbinden, indem sie sich mehrheitlich gegenseitig stimulieren und in ein kohärentes Verhältnis gebracht werden (ebd. 102). Allerdings ist hierbei, wie bereits im Verhältnis zwischen Lohn und Nachfrage bereits beschrieben (s. o.), die Möglichkeit von Disproportionen in Form von „Falten und Löchern“ (ebd. 103) innerhalb der Kapitalakkumulation durchaus wahrscheinlich.

Im Zusammenhang der Vermittlungsprobleme zwischen den verschiedenen Kreisläufen haben die Regulationstheoretiker den Begriff der Regulationsweise, als Voraussetzung für ein funktionierendes Akkumulationsregime, geprägt. In ihm kommen die sozialen Vermittlungen der Kapitalakkumulation in Form von Wertorientierungen, die sich in bestimmten Verhaltensweisen niederschlagen, und institutionellen Normen zum Ausdruck innerhalb dessen die kapitalistische Produktionsweise betrieben werden kann (Koch 2003: 35.

Kommt es einerseits durch die Vermittlungen zu einer breiten Akzeptanz der kapitalistischen Produktionsweise und entsteht andererseits durch eine bestimmte Regulation ein kompatibles Entsprechungsverhältnis zwischen den verschiedenen Kreisläufen kann es zeitweise zu einer Stabilisierung von Akkumulation und Regulation kommen. Dementsprechend kann nach Hirsch ein stabiles Akkumulationsregime nur gewährleistet werden, „wenn eine ausreichende Rate und Masse des Mehrwerts bzw. Profits erzeugt wird“ und „wenn es in seiner Struktur und Dynamik sozial reguliert wird“ (Hirsch 1995: 49). Eine Regulationsweise muss also sicherstellen, dass die gegensätzlichen Interessen der gesellschaftlichen Kräfte so geformt werden, dass sie einerseits den gesellschaftlichen Zusammenhalt sichern und andererseits mit den Bedingungen der Kapitalverwertung in einem Akkumulationsregime vereinbar sind. Lipietz definiert daher eine Regulationsweise als die „Gesamtheit institutioneller Formen, Netze, explizierter oder implizierter Normen, die die Vereinbarkeit von Verhaltensweisen im Rahmen eines Akkumulationsregimes sichern, und zwar sowohl entsprechend des Zustandes der gesellschaftlichen Verhältnisse als auch über deren konfliktuelle Eigenschaften hinaus.“ (Lipietz 1998: 15)

In dem Begriff der Regulationsweise kommt damit zum Ausdruck, dass die kapitalistische Produktionsweise mit ihren immanenten Widersprüchen allein nicht den notwendigen gesellschaftlichen Zusammenhalt sichern kann. So ist für Aglietta eine Regulationsweise die „Gesamtheit von Vermittlungen, die die von der Kapitalakkumulation hervorgerufenen Verwerfungen so eingrenzen, dass sie mit dem sozialen Zusammenhalt innerhalb der Nation vereinbar ist.“ (Aglietta 2000: 11) Letztendlich wird eine prosperierende Gesellschaftsformation weitgehend durch die Regulation strukturiert: „Der Kapitalismus ist eine Macht der Veränderung, die ihr Regulationsprinzip nicht in sich trägt; dieses befindet sich in der Kohärenz der sozialen Vermittlungen, die die Kapitalakkumulation auf den Fortschritt ausrichten“ (ebd. 40). Altvater knüpft hier an Aglietta an, wenn er schreibt, dass die Gesamtheit der gesellschaftlichen Formen eine kohärente Gesellschaftsformation ausmacht, da diese Regelungen „den Produktionsprozess und die gesellschaftlichen und individuellen Reproduktionsbedingungen der Menschen ebenso umfassen wie die Gestaltung des politischen Systems“ (Altvater 1991: 57).

[...]


[1] Einen guten sozialwissenschaftlichen Einblick über den aktuellen Stand der Forschungsdebatte im Hinblick auf gegenwärtige Ausformungen des Kapitalismus und deren Problemlagen bietet m.E. die von Max Miller herausgegebene Aufsatzsammlung „Welten des Kapitalismus“ (2005).

[2] An dieser Stelle sollte allerdings nicht der Eindruck entstehen, dass die etwa 30 Jahre andauernde Phase des Fordismus konfliktfrei ablief. Vielmehr waren es die stetigen Auseinandersetzungen und Machtkämpfe, die im Resultat einerseits den Arbeitgebern Produktivitätszuwächse und genügende Nachfrage sicherten und andererseits den Arbeitnehmern Lohnzuwächse und vermehrte soziale Rechte zusicherten und so eine prosperierende Konstellation entstehen ließen (siehe 3.).

[3] Hinsichtlich der Bewertung eines Fortbestands der Krise im Postfordismus in allen entwickelten Industrienationen herrscht Uneinigkeit. So konstruiert Robert Boyer aus regulationstheoretischer Perspektive im Hinblick auf die US-Amerikanische Wirtschaft ein „finanzmarktgetriebenes Wachstumsmodell“, welches die Entwicklung eines neuen Akkumulationsregimes aufgrund eines neuen Produktionsparadigmas annimmt, das u.a. durch das Produktivitätswachstum infolge der informationstechnologischen Revolution angetrieben wird. Allerdings bestehen aufgrund einer Reihe unsicherer Prämissen und Kausalitäten sowie der dünnen empirischen Datenbasis erhebliche Zweifel. Die angenommene neue Prosperitätskonstellation muss sich insofern noch bewähren (vgl. Scherrer 2001; Kohlmorgen 2004: 182ff.). Es bestehen allerdings kaum Zweifel, dass Deutschland sowie eine Reihe anderer europäischer Staaten weiterhin erheblichen Beschäftigungsproblemen ausgesetzt sind und daher noch immer regulatorische Defizite hinsichtlich der Arbeitsmarktintegration aufweisen.

[4] Für ein weitergehendes Literaturstudium bietet Joachim Becker in seiner Arbeit „Akkumulation, Regulation und Territorium – zur kritischen Rekonstruktion der französischen Regulationstheorie“ (2002) einen umfassenden systematischen Überblick über die verschiedenen Ausprägungen und Strömungen in der frz. Theorieentwicklung. In Deutschland kann Joachim Hirsch als einflussreichster Vertreter der werttheoretisch orientierten Regulationsschule angesehen werden.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Vom Fordismus zum Postfordismus - Eine Betrachtung aus regulationstheoretischer Perspektive unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung in Deutschland
Hochschule
Universität Hamburg  (Soziologie)
Veranstaltung
Oberseminar: Ein neuer Geist des Kapitalismus
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
33
Katalognummer
V60604
ISBN (eBook)
9783638542418
ISBN (Buch)
9783638843904
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fordismus, Postfordismus, Eine, Betrachtung, Perspektive, Berücksichtigung, Entwicklung, Deutschland, Oberseminar, Geist, Kapitalismus
Arbeit zitieren
Holger Klahn (Autor), 2006, Vom Fordismus zum Postfordismus - Eine Betrachtung aus regulationstheoretischer Perspektive unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60604

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