[...] Diese Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, zunächst die Zusammenhänge zwischen Kultur und Wirtschaftsordnung und der Ausbildung eines Schutzsystems für Geistiges Eigentum anhand der chinesischen Geschichte aufzudecken. Anschließend werden die Prozesse der Gegenwart aufgezeigt und auf ihr Potential, die effektive Durchsetzung der Schutzrechte des Geistigen Eigentums in China zu ermöglichen, untersucht. Im Dritten Teil wird der Fragestellung nachgegangen, wie sich das im zweiten Teil umrissene Umfeld auf eine konkrete Branche auswirkt. Die Wahl fiel auf die Softwarebranche, da diese innerhalb des chinesischen Zukunftsmarktes Informationstechnologien besonders Wachstumspotential aufweist. Die Arbeit ist folgendermaßen gegliedert. In der Einführung werden die juristischen Grundlagen erläutert, die Entstehungsgeschichte der Geistigen Eigentumsrechte in Europa skizziert, auf die wirtschaftliche Bedeutung und Verletzungen dieser Rechte eingegangen. Der zweite Teil befasst sich mit dem Immaterialgüterschutz in China. So werden im sechsten Kapitel die zuständigen Institutionen beschrieben, anschließend die geschichtliche Entwicklung und der ideologisch, kulturelle Umfeld aufgezeigt. In einem Vergleich mit Europa wird dargelegt, welche Faktoren für die unterschiedliche Entwicklung ausschlaggebend waren. Kapitel Neun untersucht die aktuellen Entwicklungsprozesse und die Auswirkungen der historisch gewachsenen Institutionen auf die Gegenwart. Im zehnten Kapitel werden weitere Durchsetzungsschwierigkeiten aufgezeigt. Der letzte Teil widmet sich der Softwarebranche. Zunächst erfolgt eine Beschreibung des Marktes und des Ausmaßes der Softwarepiraterie. Wie Hersteller von Computerprogrammen mit diesem Problem umgehen, wird in Unterkapitel 11.3 erläutert. Nach einem Blick auf die von der Zentralregierung zur Stärkung der Softwarebranche unternommenen Maßnahmen, erfolgt eine Betrachtung des Verhaltens chinesischer Softwarenutzer, in dem sich die im Zweiten Teil der Arbeit erläuterten kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Prägefaktoren widerspiegeln. Die Arbeit beschäftigt sich sowohl mit dem Urheberrecht, als auch mit Patent-und Markenrechten da diese drei für die überwältigende Mehrheit der Unternehmen relevant sind und die Abgrenzung zwischen ihnen zunehmend verwischt. Da der dritte Teil sich auf die Softwareindustrie konzentriert, soll das Urheberrecht darin besonders hervorgehoben werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Erster Teil: Einführungen zum Geistigen Eigentum
2. Juristische Grundlagen
2.1 Geistiges Eigentum und die Einordnung in das Rechtssystem
2.2 Grundlagen zum Urheberrecht
2.3 Weitere Immaterialgüterrechte
2.4 Schrankenregelungen im Immaterialgüterrecht
2.5 Verwertbarkeit durch Übertragung oder Lizenzierung
2.6 Durchsetzung der Immaterialgüterrechte
3. Entwicklung in Europa und in Deutschland
3.1 Geistiges Eigentum von der Antike bis zur Moderne
3.1.1 Antike
3.1.2 Moderne
3.2 Entstehung der deutschen Immaterialgüterrechte
3.3 Internationale Abkommen
4. Allgemeine volkswirtschaftliche Bedeutung
4.1 Einführende volkswirtschaftliche Betrachtungen
4.2 Immaterialgüterrechte und die wirtschaftliche Entwicklung
4.3 Voraussetzungen effektiver Immaterialgüterrechte
4.4 Anteil des Geistigen Eigentums an der europäischen Wirtschaft
5. Verletzungen Geistigen Eigentums
5.1 Arten und Definition
5.2 Gründe und Auswirkungen
Zweiter Teil: Schutz des Geistigen Eigentums in der VRC
6. Immaterialgüterschutzsystem
6.1 Gesetzgebende Autoritäten
6.1.1 Legislative
6.1.2 Gesetze zum Schutz des Geistigen Eigentums
6.2 Justizsystem
6.2.1 Aufbau der Gerichte
6.2.2 Durchsetzung Geistiger Eigentumsrechte
6.2.3 Chinesische Richter und Anwälte
6.2.4 Übliche Streitbeilegungsverfahren
6.3 Rolle der Verwaltung
7. Entwicklung des Rechts in China
7.1 Einführung in die Rechtsgeschichte
7.1.1 Antike
7.1.2 Moderne
7.2 Entstehung der Immaterialgüterrechte
8. Geistiges Eigentum und die Kultur Chinas
8.1 Geistiges Eigentum in der traditionellen Rechtskultur
8.2 Rechtskultur der marxistisch-leninistischen Epoche
8.3 Kulturvergleich
9. Entwicklungen in der VRC mit Bezug auf das Geistige Eigentum
9.1 Wirtschaftliche Entwicklung
9.2 Politische Entwicklung
9.3 Gesellschaftliche Entwicklung
10. Widerstände gegen die Durchsetzung der Immaterialgüterrechte
10.1 Bürokratische Ineffizienz
10.2 Mängel des Justizsystems
10.3 Lokaler Protektionismus
Dritter Teil: Betrachtung der Softwarebranche in der VRC
11. Chinesischer Softwaremarkt
11.1 Beschreibung und Bedeutung
11.2 Softwarepiraterie
11.3 Handlungsweisen der Hersteller
12. Softwareschutzsystem der VRC
12.1 Rechtlicher Schutz von Computerprogrammen
12.2 Maßnahmen der Zentralregierung
13. Anwenderverhalten
13.1 Kosten-Nutzen Analyse
13.2 Entscheidungsverhalten chinesischer Softwarenutzer
14. Fazit und Schlussworte
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert die Wechselwirkungen zwischen Kultur und Wirtschaftsordnung in Bezug auf den Schutz des geistigen Eigentums in China, mit besonderem Fokus auf die Softwareindustrie. Es wird untersucht, wie historisch gewachsene kulturelle Prägungen die Entwicklung und Durchsetzung rechtlicher Schutzsysteme beeinflussen und welche Herausforderungen in der Gegenwart bestehen.
- Zusammenhänge zwischen chinesischer Rechtsgeschichte und heutigem Rechtsschutz.
- Wirtschaftliche Bedeutung des geistigen Eigentums in der Volksrepublik China.
- Herausforderungen durch Softwarepiraterie und lokaler Protektionismus.
- Analyse des Softwaremarktes und des Anwenderverhaltens in der VRC.
- Vergleich der chinesischen Rechtskultur mit europäischen Konzepten.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Bevor sie auf Papier oder Stoff, auf optischen Speichermedien oder als Maschinen verewigt werden, entstehen Musikwerke, wissenschaftliche Artikel, Markenzeichen, Computerprogramme, Erfindungen etc. in den Köpfen kreativer Menschen. Dass diese Werke deren Schöpfern gehören und ihnen Schutzrechte daran zustehen, wird in Deutschland und allen anderen Industrienationen als selbstverständlich angesehen. Begründet wird der Schutz mit wirtschaftlicher Notwendigkeit und ethischer Gerechtigkeit. Eine Manifestation der Ideen anderer zu imitieren, wird als unfaires Verhalten angesehen. Die Vorstellung, diese Werke seien das Eigentum des Schöpfers ist aber weniger alt, als man annehmen könnte. Vor gerade einmal 300 Jahren begann sie sich in Westeuropa und anschließend in Nordamerika durchzusetzen.
Heutzutage steht sie vor neuen Herausforderungen. Im Zuge verbesserter Kommunikations- und Transportmöglichkeiten ist die Arbeitsteilung global geworden. Waren gelangen nun von jedem Ende der Welt ans andere. Unter diesen Waren befinden sich immer mehr, die durch geistige Schutzrechte gesichert werden. Doch nicht überall wird dieser Schutz anerkannt. Oftmals stellt sich der Auffassung des Geistigen Eigentums die des gesellschaftlichen Eigentums gegenüber. Immaterielle Schöpfungen sind danach Allgemeingut und für alle frei nutzbar. Zum anderen wird die Vorstellung durch neue technische Möglichkeiten herausgefordert, dank deren Geistiges Eigentum, ohne die Kenntnisnahme des Schöpfers, problemlos vervielfältigt werden kann.
Mit beiden Problemen sehen sich Softwarehersteller auf dem chinesischen Markt konfrontiert. Technischer Fortschritt und eine Kultur, die Geistiges Eigentum nicht kennt, machen das Land zu einem „Paradies für Raubkopierer“. Aus Sicht der Industrienationen werden permanent Rechte verletzt. Diese Staaten setzen die Volksrepublik China (VRC) als auch die Republik China (RoC) seit Jahrzehnten unter Druck, Geistiges Eigentum effektiv zu schützen. Beide haben ein juristisches Schutzsystem geschaffen, zum einen um Sanktionen von Handelspartnern zu entgehen, zum anderen aber auch, weil sie den Nutzen dieses Mechanismus erkannt haben. Doch die Umsetzung gestaltet sich mehr oder weniger schwierig. Während auf Taiwan in den letzten Jahren erfolgreich gegen Produktpiraterie vorgehen konnte, werden der Volksrepublik weiterhin schwere Vorwürfe gemacht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass der Schutz geistigen Eigentums globalen Herausforderungen gegenübersteht, insbesondere in China, wo kulturelle Hintergründe die Durchsetzung stark beeinflussen.
2. Juristische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die rechtliche Einordnung von Immaterialgüterrechten, das Urheberrecht und die Mechanismen der Durchsetzung.
3. Entwicklung in Europa und in Deutschland: Hier wird die historische Genese der Urheber- und Schutzrechte von der Antike bis in die Moderne in Europa skizziert.
4. Allgemeine volkswirtschaftliche Bedeutung: Dieses Kapitel analysiert den volkswirtschaftlichen Nutzen von Schutzrechten sowie deren Einfluss auf F&E und technologische Entwicklung.
5. Verletzungen Geistigen Eigentums: Hier werden Definitionen von Piraterie sowie die Gründe und Auswirkungen von Rechtsverletzungen auf die Wirtschaft thematisiert.
6. Immaterialgüterschutzsystem: Dieses Kapitel beschreibt das aktuelle chinesische Rechtssystem, die zuständigen Behörden und das Justizsystem.
7. Entwicklung des Rechts in China: Eine historische Aufarbeitung der chinesischen Rechtskultur und wie sie sich zur heutigen Situation entwickelte.
8. Geistiges Eigentum und die Kultur Chinas: Dieses Kapitel beleuchtet den Einfluss der konfuzianischen Tradition und weiterer kultureller Faktoren auf das Verständnis von Eigentumsrechten.
9. Entwicklungen in der VRC mit Bezug auf das Geistige Eigentum: Hier werden aktuelle wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Reformprozesse im Kontext des Schutzes geistigen Eigentums beleuchtet.
10. Widerstände gegen die Durchsetzung der Immaterialgüterrechte: Eine Analyse von ineffizienten Strukturen, Justizmängeln und lokalem Protektionismus, die einer effektiven Umsetzung im Wege stehen.
11. Chinesischer Softwaremarkt: Dieses Kapitel beschreibt den aktuellen Stand des Marktes und die Verbreitung von Softwarepiraterie.
12. Softwareschutzsystem der VRC: Hier werden die spezifischen rechtlichen Rahmenbedingungen für Software sowie staatliche Fördermaßnahmen vorgestellt.
13. Anwenderverhalten: Eine Analyse auf Basis der Kosten-Nutzen-Theorie, warum illegale Software in China bevorzugt wird.
14. Fazit und Schlussworte: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die zukünftige Entwicklung sowie die Vereinbarkeit von westlichen Rechtsstandards mit der chinesischen Kultur.
Schlüsselwörter
Geistiges Eigentum, Softwarepiraterie, Immaterialgüterrecht, China, Urheberrecht, Patent, Rechtskultur, Konfuzianismus, Rechtsschutz, Technologie, Wirtschaftsentwicklung, Produktpiraterie, Durchsetzung, Rechtsstaat, Digitalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Wechselwirkung zwischen chinesischer Kultur und der Etablierung eines wirksamen Rechtsschutzes für geistiges Eigentum, insbesondere im Bereich der Softwareindustrie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themen umfassen rechtliche Grundlagen von Schutzrechten, die historische Entwicklung der chinesischen Rechtskultur, wirtschaftliche Faktoren in der Volksrepublik China sowie eine detaillierte Analyse der Softwarebranche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen kulturellen Prägungen und dem Schutz geistigen Eigentums zu entschlüsseln und zu untersuchen, ob und wie moderne Schutzrechte in der chinesischen Wirtschaft effektiv implementiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine interdisziplinäre Untersuchung, die sowohl rechtswissenschaftliche Grundlagen als auch volkswirtschaftliche Analysen und kulturwissenschaftliche Perspektiven kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen die historische Entwicklung Chinas, die moderne Gesetzeslage in der VRC sowie spezifische Widerstände wie bürokratische Ineffizienz und lokaler Protektionismus untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind Geistiges Eigentum, Softwarepiraterie, Konfuzianismus, Rechtsschutz, Wirtschaftsentwicklung und Rechtskultur.
Warum ist das Thema Software in der vorliegenden Arbeit besonders wichtig?
Die Softwarebranche wurde gewählt, da sie im chinesischen Zukunftsmarkt der Informationstechnologien ein besonderes Wachstumspotenzial aufweist und gleichzeitig stark von Piraterie betroffen ist.
Welche Rolle spielt die Regierung in der chinesischen Rechtsschutzpolitik?
Die Regierung spielt eine zentrale Rolle durch die Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen, Informationskampagnen und die Förderung von Standards, versucht jedoch gleichzeitig, dies mit den Erfordernissen der nationalen Entwicklung und sozialen Stabilität in Einklang zu bringen.
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- Diplom-Wirtschaftssinologe Agnes Köhler (Author), 2006, Wechselwirkungen zwischen Kultur und Wirtschaftsordnung: Geistiges Eigentum in China mit besonderer Betrachtung der Softwareindustrie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60619