High-Tech Cluster in Nordamerika


Hausarbeit, 2006

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 High-Tech-Industrie
1.2 Cluster

2 Zwei entstehende High-Tech-Cluster: Entwicklung bis in die 1980er Jahre
2.1 Die High-Tech-Schnellstraße der USA: Die Route 128
2.2 Der bekannteste Technologie-Cluster der Welt: Das Silicon Valley

3 Verschiedene Reaktionen auf die Herausforderungen der 1980er Jahre
3.1 Aufkommende Konkurrenz führt zum Abschwung
3.2 Ungleich erfolgreiche Erholung der beiden High-Tech-Cluster

4 Übertragbarkeit des Erfolges auf andere Regionen
4.1 München als Beispiel für einen deutschen High-Tech-Cluster
4.2 Lässt sich die Lektion verallgemeinern?

5 Schlussbemerkung

6 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Region um Boston

Abbildung 2: Die Region des Silicon Valley

Abbildung 3: Hochtechnologiebeschäftigte SV und R128: 1959-1990

Abbildung 4: Anzahl schnell wachsender Elektrofirmen SV und R128: 1985-1990

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Was gibt es außer Surferstränden sowohl an der Westküste als auch an der Ostküste der USA?

Nicht Strände, sondern vielmehr die berühmtesten High-Tech-Regionen der Welt erklären das große Interesse von Ökonomen und Regionalforschern, welche sich in zahlreichen Arbeiten mit dem kalifornischen Silicon Valley und der Route 128 in Neuengland befassen. Beide Regionen sind weltweit für prosperierende High-Tech-Unternehmen bekannt, wobei häufig die Frage aufgekommen ist, ob und wie die regionalen Erfolgsgeschichten andernorts reproduziert werden könnten.

Ziel dieser Arbeit ist es, Beispiele für regionale Entwicklungswege detailliert zu beschreiben und zu vergleichen, um dabei Parallelen aufzuzeigen, welche auch für andere Regionen von Interesse sein könnten. Nach kurzen Begriffsklärungen folgt eine ausführliche Analyse der Entstehung und Entwicklung des Silicon Valley und der Route-128-Umgebung. Anschließend wird im Vergleich zu einer deutschen High-Tech-Region, dem Münchener Raum, eine Untersuchung auf Entsprechungen vorgenommen, um schlussendlich Empfehlungen für Regionalentwickler abzuleiten, die „eigene“ High-Tech-Zentren anstreben.

1.1 High-Tech-Industrie

Bei den meisten Autoren wird der Begriff High-Tech-Industrie anhand des den amtlichen US-Wirtschaftsstatistiken zu Grunde liegenden Klassifikationsschemas Standard Industrial Classification (SIC) eingegrenzt. Obwohl es manchmal Abweichungen zwischen Definitionen in verschiedenen Arbeiten gibt, werden typischerweise die folgenden SIC Codes aufgenommen[1]:

1. Computer and Office Equipment (SIC 366)
2. Electronic Components and Accessories (SIC 367)
3. Guided Missiles and Space Vehicles and Parts (SIC 376)
4. Instruments (SIC 38)
5. Computer Programming and Data Processing (SIC 737).

Wenngleich mit diesen Abgrenzungen gewisse Probleme verbunden sind, führen auch in deutschsprachiger Literatur verfasste andere Methoden zu ähnlicher Bestimmung, die folgende Sektoren beinhaltet[2]:

1. Pharmazie/Plastik
2. Präzisionsinstrumente
3. Flugzeug-/Raketenbau
4. Elektronik
5. Computer
6. Telekommunikation
7. Elektrik.

Das Ziel dieser Seminararbeit, in welche Werke verschiedener Autoren mit eventuell leicht differierenden Definitionen einfließen, wird durch eine weitgefasste Interpretation von High-Tech als Oberbegriff nicht beeinflusst. Die dieser Arbeit zugrunde liegende Definition des High-Tech-Sektors bezieht sich daher auf Industrien, die auf hohem technologischen Niveau stehende Produkte herstellen. Der Einwand, dass möglicherweise der Begriff Schlüsseltechnologie adäquater sein könnte[3], kann vernachlässigt werden. Um dem im Titel dieser Arbeit verwendeten Begriff Rechnung zu tragen, wird er übergreifend verwendet.

1.2 Cluster

Michael Porter beschreibt in seinem grundlegenden Werk The competitive advantage of nations erstmals Cluster als regionale Anhäufungen von Unternehmen einer Branche, die durch horizontale und vertikale Beziehungen miteinander verbunden sind[4]. Die Wettbewerbsfähigkeit eines solchen Clusters wird maßgeblich von den im berühmten Diamanten zusammengefassten, sich gegenseitig bedingenden Kräften bestimmt[5]:

1. Unternehmensstrategie und -struktur, Inlandswettbewerb
2. Faktorbedingungen
3. Nachfragebedingungen
4. Verwandte und unterstützende Branchen, welche um folgende zusätzliche Einflussfaktoren ergänzt werden:
5. Staat
6. Zufall.

Obwohl mittlerweile zahlreiche Erweiterungen des Clusterkonzepts diskutiert worden sind[6], soll aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit einzig Porters Definition erwähnt bleiben.

2 Zwei entstehende High-Tech-Cluster: Entwicklung bis in die 1980er Jahre

2.1 Die High-Tech-Schnellstraße der USA: Die Route 128

Die Verkehrsinfrastruktur der Region um Boston wird maßgeblich durch zwei konzentrische Autobahnringe geprägt. Die Route 128, welche in den 1950er Jahren als Umgehungsautobahn angelegt wurde und entlang welcher die erste konzentrierte Ansiedlung von High-Tech-Unternehmen stattfand, sowie der noch weiter außen liegende Halbkreis der Interstate 495, an welchem es ab den 1960er Jahren zu ähnlicher Ballung kam, sind in Abbildung 1 zu erkennen[7].

Abbildung 1: Die Region um Boston

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bathelt/Schamp 1999, S. 7:„The Boston Region“

Als in den 1930er Jahren die Region begann, zum militärischen Forschungs- und Technologiezentrum heranzuwachsen, besaß sie bereits zwei Jahrhunderte Industrietradition. Durch Abwandern der ursprünglichen Produktion von Textil- und Lederwaren an Billiglohnstandorte wuchs die Bedeutung der Herstellung von Technik und Geräten für die Textil-, Rüstungs-, Werkzeugmaschinenindustrie und später auch von Automobil- und Elektronikteilen.

Das für Bostons Entwicklung bedeutende Massachusetts Institute of Technologie (MIT) veranlasste ab 1918 einen ersten Technologieplan, um große Unternehmen finanziell an der Forschung zu beteiligen, und legte somit das Fundament für eine Zusammenarbeit mit den Firmen[8]. Ab den 1930er Jahren lösten die reichlich verfügbaren Rüstungsforschungsgelder, welche großteils an das MIT aber auch an die Harvard University und lokale Unternehmen flossen, eine Konzentration auf Forschung und Produktion von High-Tech sowie enormes Wachstum innerhalb dieser Branche aus. Dadurch befand sich bereits zu Ende des Weltkriegs am MIT, der Harvard University und den anderen lokalen Hochschulen sowie auch den industriellen Forschungszentren entlang der Route 128 der best ausgebildete technologische Arbeitskräftepool der USA, wenn nicht sogar der Welt[9].

Mit der Gründung der American Research and Development Corporation 1946 war zum ersten Mal venture capital aus öffentlicher Hand verfügbar, aus welchem unter anderem 1957 die Digital Equipment Corporation entsprang. Aus dieser Zeit und damit als direktes Resultat der öffentlichen Forschungsgelder entstanden zahlreiche Neugründungen und spin-offs, welche sich hauptsächlich in den hierfür entlang der Route 128 angelegten Industrieparks ansiedelten[10]. Durch das anhaltende Prosperieren des Technologiezentrums inklusive der neu gegründeten Firmen gewann auch privates Kapital an Bedeutung, konnte aber nicht den Einfluss staatlicher Ausgaben im Zuge des Kalten Krieges und des so genannten spacerace ablösen: während der 1950er Jahre flossen über 6 Mrd. US$ aus dem nationalen Rüstungsetat in die Bostoner Region, während der 1960er Jahre kamen jährlich über 1 Mrd. US$ hinzu, sodass zum Beispiel im Jahr 1962 50% des Gesamtumsatzes der an der Route 128 ansässigen Betriebe aus dem Bundeshaushalt stammte[11]. Damit war ein Großteil der im Jahr 1961 rund 24.000 Technologiebeschäftigten von den Militär- und Raumfahrtentscheidungen Washingtons abhängig[12].

Durch Rüstungseinschnitte zum Ende des Vietnam-Kriegs und die Verlangsamung des spacerace in den 1970er Jahren kam es zu hohen Arbeitsplatzverlusten in der Rüstungs- und Raumfahrtindustrie. Dies bedingte zusammen mit dem endgültigen Ausklingen der Textil- und Bekleidungsindustrie eine Krise, welche jedoch im Zuge des als Massachusetts miracle bekannten Aufschwungs durch eine stärkere Marktorientierung und Restrukturierung überwunden wurde. Insbesondere zunehmende Fokussierung auf die Produktion von Minicomputern reduzierte die militärische Abhängigkeit deutlich[13]. Die Route-128-Region zählte im Jahr 1975 fast 100.000 High-Tech-Beschäftigte, welche „nur ein vages Bewusstsein über die Gefahr hatten, die ihnen eine Technologieregion in Kalifornien darstellte, welche bereits mehr Menschen beschäftigte und deutlich schneller wuchs “[14].

2.2 Der bekannteste Technologie-Cluster der Welt: Das Silicon Valley

Der weltbekannte Name für den in Abbildung 2 zu sehenden südlich der San Francisco Bay liegenden Bereich wurde vom Journalisten Don Hoefler geprägt. Dieser beschrieb 1971 die Entwicklungsdynamik des ursprünglichen Santa Clara Valleys unter dem vom englischen Wort für Silizium abstammenden Titel, das als halbleitendes Element Grundlage aller mikroelektronischen Bauteile ist[15].

Abbildung 2: Die Region des Silicon Valley

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Kenney 2000, S. 1:„The San Francisco Bay Area and Silicon Valley. (Silicon Valley is not a formal geographic area but encompasses much of San Mateo and Santa Clara counties, from San Carlos in the north to San Jose in the south.)”

Die Technologisierung des vorher nur für landwirtschaftliche Produkte bekannten Silicon Valley geschah deutlich später als in der Bostoner Region. Es ist umstritten, ob der Boom des Tals bereits in der Gründung der Federal Telegraph Corporation im Jahr 1909 begründet ist[16]. Typischerweise werden die Ursprünge des Valley jedoch auf die Gründung von Hewlett Packard (HP) 1937 zurückgeführt[17]. Angespornt von Frederick Terman, Professor an der Stanford University, gründeten die Studenten William Hewlett und David Packard ihre heute weltbekannte Firma in einer Garage in Palo Alto, womit spätestens die rasante Entwicklung der Region eingeläutet wurde. Basierend auf kriegsbedingten Militäraufträgen an HP und weitere neu gegründete Technologieunternehmen entstand in dieser Zeit bald ein Elektrotechnikzentrum, das anfangs jedoch geringe Bedeutung im Vergleich zur auch stark von Rüstungsausgaben profitierenden Route-128-Region besaß[18].

Insbesondere nach Kriegsende bildete Termans verstärktes Engagement das Fundament für die Verwirklichung des entstehenden High-Tech-Clusters: Er bewirkte die Gründung des Stanford Research Institute, beteiligte Unternehmen an der Hochschulausbildung im Rahmen eines Honors Cooperative Program und erreichte darüber hinaus die Eröffnung des Stanford Industrial Park (SIP). Dies, sowie die durch seine persönlichen Kontakte zur Regierung bedingten Aufträge für die Universität und lokale Firmen, trugen zu seinem Ziel, der Schaffung eines Technologiezentrums durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen der Stanford University und den benachbarten Betrieben, bei[19]. Bereits 1961 waren 25 Unternehmen allein im SIP angesiedelt und beschäftigten über 11.000 Mitarbeiter[20].

Wichtigste Errungenschaft für das Silicon Valley ist die Halbleitertechnologie. Aus der 1955 in Palo Alto angesiedelten Shockley Transistor Corporation ging kurze Zeit später die auf Wagniskapital gestützte Fairchild Semiconductor Company hervor. Diese wurde zur wichtigsten Quelle weiterer 31 Unternehmensausgliederungen im Bereich Halbleiter in den 1960er Jahren[21]. Während dieses Zeitraums entwickelte sich eine besondere Neugründungsdynamik, die auf der mittlerweile ausgezeichneten Faktorverfügbarkeit sowohl an geschulten Mitarbeitern als auch an Vorprodukten sowie der zusätzlich umfangreichen Disponibilität von venture capital beruhte. Neben sonstigen privaten Investoren stellte sogar die Stanford University selbst Kapital für Firmengründer bereit. Diese „Kombination von universitärer Forschung, Militärausgaben und unternehmerischer Risikobereitschaft stimulierte eine sich selbst verstärkende Dynamik lokaler industrieller Entwicklung“[22], die dazu führte, dass im Silicon Valley (wie in Abbildung 3 zu erkennen) im Jahr 1975 mit einer Anzahl von über 100.000 erstmals die Zahl der Technologiebeschäftigten entlang der Route 128 übertroffen wurde.


[...]

[1] Vgl. Saxenian 1995, S. 209.

[2] Vgl. Bathelt 1991, S. 21ff.

[3] Vgl. Bathelt 1991, S. 11ff.

[4] Vgl. Porter 1990, S. 149.

[5] Vgl. Porter 1990, S. 132ff.

[6] Vgl. Feser 1998, S. 18ff.

[7] Vgl. Bathelt/Glückler 2002, S. 217.

[8] Vgl. Saxenian 1995, S. 13.

[9] Vgl. Saxenian 1995, S. 14.

[10] Vgl. Bathelt 1991, S. 79.

[11] Vgl. Estall 1963, zit. in Saxenian 1995, S. 17.

[12] Vgl. Everett 1961, zit. in Saxenian 1995, S. 16.

[13] Vgl. Bathelt/Glückler 2002, S. 219.

[14] Saxenian 1995, S. 19 (Vom Verfasser der Seminararbeit erfolgte Übersetzung des Originaltextes (Ü)).

[15] Vgl. Hoefler 1971, zit. in Saxenian 1995, S. 31.

[16] Vgl. Kenney 2000, S. 1ff. und Sturgeon 2000, S. 15ff.

[17] Vgl. Saxenian 1995, S. 20.

[18] Vgl. Saxenian 1995, S. 21.

[19] Vgl. Saxenian 1995, S. 23ff.

[20] Vgl. Bylinski 1976, zit. in Saxenian 1995, S. 24.

[21] Vgl. Saxenian 1995, S. 26.

[22] Saxenian 1995, S. 27 (Ü).

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
High-Tech Cluster in Nordamerika
Hochschule
Universität zu Köln  (Wirtschafts- und sozialgeographisches Institut)
Veranstaltung
Wirtschafts und Sozialgeographie
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V60622
ISBN (eBook)
9783638542531
ISBN (Buch)
9783638848817
Dateigröße
919 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
High-Tech, Cluster, Nordamerika, Wirtschafts, Sozialgeographie
Arbeit zitieren
Michael Baur (Autor), 2006, High-Tech Cluster in Nordamerika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60622

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