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Ökonomische Kritik der prohibitiven Drogenpolitik und Diskussion von Alternativen

Title: Ökonomische Kritik der prohibitiven Drogenpolitik und Diskussion von Alternativen

Seminar Paper , 2005 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jonathan Zahner (Author)

Business economics - Business Ethics, Corporate Ethics
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Summary Excerpt Details

Die der ökonomischen Theorie zugrundegelegte Modellierung der Individuen geht von einem schier unbegrenzten Maß an Rationalität aus. Entsprechende Akteure werden im Interesse ihrer Nutzenmaximierung stets sinnvolle Handlungsoptionen wählen. Im Rahmen einer ökonomischen Sozialvertragstheorie ist es dann Aufgabe des Staates die Handlungsfreiheit der Individuen dort zu beschräken, wo durch sie die Rechte anderer Individuen beeinträchtigt werden (könnten). Eine Rechtfertigung von nicht-konfliktären Handlungsbeschränkungen hingegen ist in diesem Kontext nicht möglich. Im politischen Geschehen werden solche gewöhnlich paternalistisch begründet, so beispielsweise die Helmpflicht für Motorradfahrer und auch die Drogenprohibition. Eine derartige Begründung ist problematisch, weil durch die Einschränkungen ausschließlich der jeweils Handelnde geschützt werden kann, da kein anderer in seinen Interessen durch die Handlung bedroht ist. Da die Individuen aber sowohl als ökonomische Akteure wie auch als Staatsbürger mündig und mit rationaler Entscheidungsfähigkeit versehen angenommen werden, scheinen nichtkonfliktäre Beschränkungen „bestenfalls überflüssig, schlechtestenfalls [...] einen mit Nutzeneinbussen verbundenen und daher nicht über Konsens legitimierten Eingriff in die Freiheit des einzelnen dar[zustellen].“ Fortgesetzter Drogenmissbrauch ist zunächst als massiv selbstschädigendes Verhalten mit der Annahme von Rationalität unvereinbar. Durch Abrücken vom „Rational-Choice“-Ansatz, dem Zugeständnis eines ‚multiple selfs’ lässt sich solches Verhalten als Problem der Machtverhältnisse zwischen langfristigem Planer und kurzfristig agierendem Macher beschreiben, oder aber als eine falsche Diskontierung des Nutzens: „Ein Suchtproblem resultiert daraus, dass die langfristigen negativen Konsequenzen des Drogenkonsums im Vergleich zum unmittelbaren Kick systematisch unterschätzt werden. In der jeweiligen Konsumentscheidung werden damit geringere Opportunitätskosten in Rechnung gestellt, als sich langfristig ergeben.“ Das Erkennen eines solchen Misstandes durch ein rationales Individuum muss zum Bestreben führen, die eigenen Handlungsmöglichkeiten in geeigneter Weise zu beschränken. Solcher Selbstpaternalismus kann von einer durch Selbstdisziplin geleisteten Veränderung der Präferenzordnung bis zur Suspendierung der Entscheidungsbefugnis - die durch Dritte überwacht zu werden hat - reichen. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 EINFÜHRENDES UND PROGRAMM

2 ENTWICKLUNG UND INTERESSENLAGE DER DROGENPOLITIK

2.1 Historie der problematischen Politik

2.2 Interessen der beteiligten Gruppen

2.3 Resultierende Zielsetzungen

3 INTENTION UND WIRKUNG DER TOTALPROHIBITION

3.1 Das Prohibitionskonzept

3.2 Konkrete Ausgestaltung

3.3 Besonderheiten des Rauschgiftmarkts und Auswirkungen

3.4 Fazit zur Prohibition

4 ALTERNATIVE STRATEGIEN

4.1 Kontrollierte Teilliberalisierung

4.1.1 Programm und Intention

4.1.2 Mögliche Einwände

4.2 Legalisierung

4.3 Prohibitionsverschärfung

5 AUSBLICK IM RÜCKBLICK

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die prohibitive Drogenpolitik aus einer ökonomischen Perspektive, um deren Wirksamkeit zu analysieren und alternative Strategien zu evaluieren, wobei die Forschungsfrage der Zielkonformität repressiver Maßnahmen im Zentrum steht.

  • Ökonomische Analyse der Wirkungsmechanismen von Drogenverboten.
  • Interessenkonflikte zwischen den verschiedenen Akteuren am Drogenmarkt.
  • Untersuchung der tatsächlichen Konsequenzen (z.B. Beschaffungskriminalität, organisierte Kriminalität) der Prohibition.
  • Evaluation alternativer drogenpolitischer Ansätze wie der kontrollierten Teilliberalisierung.
  • Kritische Reflexion der staatlichen Rolle im Kontext von Selbstpaternalismus und Konsumentensouveränität.

Auszug aus dem Buch

3.1 Das Prohibitionskonzept

Prohibitive Politik versucht das Ziel der absoluten Drogenabstinenz mittels Strafverfolgung beider Marktseiten zu erreichen. Wirtschaftlich heißt das, „Prohibition ist der Versuch, Anbieter und Nachfrager mittels Kostenbelastungen aus dem Markt zu hebeln.“34 Dies lässt sich gut anhand des Preis-Mengen-Diagramms nachvollziehen.

Ausgehend von einem Marktgleichgewicht im Punkt G wird durch die Prohibition die Kostensituation für beide Marktseiten verschlechtert. Deshalb verschiebt sich die Angebotskurve nach Nordwesten, die Nachfragekurve nach Südwesten. Auf Anbieterseite machen die Zusatzkosten das Kriminalitätsrisiko aus. Dieses ergibt sich als Produkt aus der Wahrscheinlichkeit gefasst und bestraft zu werden und des zu erwartenden Strafmaßes; es bewirkt eine Verteuerung des Angebotes. Für die Nachfrageseite entstehen ebenfalls Zusatzkosten, und zwar in mehrerlei Hinsicht. Da zumindest der Besitz der Drogen ebenfalls strafbewehrt ist, ergibt sich ein analoges Strafrisiko. Außerdem ist für die Kaufabwicklung unter den Bedingungen eines Schwarzmarktes ein deutlich größeres Maß an Transaktionskosten aufzubringen, so etwa der zeitliche Mehraufwand.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINFÜHRENDES UND PROGRAMM: Einleitung in die ökonomische Modellierung des Drogenproblems und Begründung der paternalistischen staatlichen Eingriffe.

2 ENTWICKLUNG UND INTERESSENLAGE DER DROGENPOLITIK: Analyse historischer Hintergründe sowie der divergierenden Interessen von Süchtigen, Konsumenten und der Gesellschaft.

3 INTENTION UND WIRKUNG DER TOTALPROHIBITION: Ökonomische Untersuchung der Prohibitionslogik und deren praktische Auswirkungen, insbesondere auf die Entstehung von Schwarzmärkten.

4 ALTERNATIVE STRATEGIEN: Diskussion möglicher Lösungsansätze, insbesondere der kontrollierten Teilliberalisierung gegenüber der Legalisierung oder der Verschärfung.

5 AUSBLICK IM RÜCKBLICK: Zusammenfassendes Fazit über das Scheitern der Prohibition als zielkonformes Mittel.

Schlüsselwörter

Drogenpolitik, Prohibition, Ökonomische Analyse, Rational-Choice, Schadensbegrenzung, Schwarzmarkt, Konsumentensouveränität, Selbstpaternalismus, Beschaffungskriminalität, Teilliberalisierung, Legalisierung, Rauschgiftmarkt, Drogenabstinenz, Preiselastizität, Interessenskoalition.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die prohibitive Drogenpolitik in Deutschland aus einer ökonomischen Perspektive und hinterfragt deren Effektivität sowie Eignung zur Erreichung der gesetzten Ziele.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die ökonomische Kritik an Drogenverboten, die Analyse der Marktmechanismen unter Repressionsbedingungen und die Diskussion alternativer Ansätze zur Drogenkontrolle.

Welches Ziel verfolgt der Autor mit der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die derzeitige Drogenprohibition ihre eigenen Intentionen konterkariert und alternative Strategien ökonomisch sinnvollere Lösungen bieten könnten.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Untersuchung basiert auf ökonomischen Modellen, wie Preis-Mengen-Diagrammen, und bezieht ethische Aspekte sowie empirische Erkenntnisse in die Argumentation ein.

Was behandelt der Hauptteil?

Der Hauptteil widmet sich dem Prohibitionskonzept, der konkreten Ausgestaltung der Drogenpolitik sowie der Analyse von Marktbesonderheiten, die eine effiziente Prohibition in der Praxis verhindern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?

Wichtige Begriffe sind Drogenpolitik, Prohibition, Schadensbegrenzung, Schwarzmarkt, ökonomische Analyse und Teilliberalisierung.

Wie erklärt der Autor das Scheitern der Prohibition?

Der Autor argumentiert, dass die Prohibition durch die Verteuerung des Marktes lediglich die organisierte Kriminalität fördert und die Risiken für Süchtige sowie die Kosten für die Allgemeinheit erhöht, ohne den Konsum nennenswert zu reduzieren.

Was versteht man unter dem Modell der "kontrollierten Teilliberalisierung"?

Dies ist ein Modell zur staatlichen Abgabe von Drogen an Süchtige und kontrollierte Nutzer unter ärztlicher Aufsicht, um den Schwarzmarkt auszutrocknen und die Beschaffungskriminalität zu senken.

Warum lehnt der Autor eine vollständige Legalisierung ab?

Die vollständige Legalisierung wird als schwierig angesehen, da hierbei der Schutz von Jugendlichen schwer zu gewährleisten wäre und ein unerwünschter Signaleffekt hinsichtlich der Risikoeinschätzung entstehen könnte.

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Details

Title
Ökonomische Kritik der prohibitiven Drogenpolitik und Diskussion von Alternativen
College
University of Bayreuth  (Institut für Philosophie)
Course
Ethische Aspekte von Währungskrisen
Grade
1,0
Author
Jonathan Zahner (Author)
Publication Year
2005
Pages
26
Catalog Number
V60640
ISBN (eBook)
9783638542654
Language
German
Tags
Kritik Drogenpolitik Diskussion Alternativen Ethische Aspekte Währungskrisen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jonathan Zahner (Author), 2005, Ökonomische Kritik der prohibitiven Drogenpolitik und Diskussion von Alternativen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60640
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