Bewertung von Papsttum und Kirche in Machiavellis Werk


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
27 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

INHALT

Einleitung

1. Moral contra Politik bei Machiavelli
1.1. Der Machtbegriff bei Machiavelli
1.2. Machiavellis Menschenbild

2. Zur Bewertung von Religion, Kirche und Papsttum in Il Principe und in den Discorsi
2.1. Die Rolle der Kirche bei Machiavelli
2.2. Machiavellis Kritik an Kirche und Papsttum
2.3. Die Stellung der Religion und des Glaubens in den Discorsi

3. Exkurs: Machiavellis Moralverständnis am Beispiel der Borgia- Familie

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Damit eine religiöse Institution oder ein Staat lange überleben kann, müssen öfter einmal ihre ursprünglichen Prinzipien wiederhergestellt werden.“ (Niccolò Machiavelli, Discorsi[1])

Niccolò Machiavelli, einer der bedeutendsten politischen Theoretiker, schuf mit seinem Traktat Il Principe[2] (deutsch: Der Fürst) eine der meist umstrittenen Schriften politischer Theorien. Darin beschäftigt er sich mit Fragen der Moral und der Tugend eines Staatsführer und den Bedingungen und Eigenschaften, die ein erfolgreicher Staatsführers sich zu Eigen machen sollte. Er richtete sich mit Il Principe an Lorenzo de` Medici, dem damaligen Staatsführer der Republik Florenz, der zu dem Geschlecht der Medici, dem das damals größte Handels- und Bankhaus Europas gehörte, in der Hoffnung, wieder zurück in die florentinische Politik zu gelangen und ein politisches Amt erhalten zu können. Doch im Principe bewertet er auch die Kirche und das Papsttum im Besonderen und verweist auch auf das Beispiel des Cesare Borgia, der sich seine Macht durch die Hilfe seines Vaters Papst Alexander VI. sichern konnte. Anhand seiner Person ließ sich Machiavelli zu seinen Ansichten und zum Principe inspirieren. Doch auch in seinem anderen Werk Discorsi. Gedanken über Politik und Staatsführung behandelt Machiavelli das Thema der Religion in Zusammenhang mit der optimalen Staatsführung, weswegen ich in dieser Arbeit mich auch mit dem elften, zwölften und dreizehnten Kapitel der Discorsi, den Kapiteln der Religion, beschäftigen möchte.

Anhand dieser Vorlagen möchte ich in dieser Arbeit Fragen zu Kirche und Religion beantworten und werde mich demzufolge auch mit Machiavellis Definition von Macht und Moral beschäftigen, um aufgrund dieser Definitionen sein Menschenbild aufzuzeigen, welches schließlich mitunter zu seinen politischen Ansichten geführt hat. Anschließend werde ich mich im zweiten Kapitel mit Machiavellis Bewertung von Kirche, Religion und Papsttum beschäftigen, und mit der Frage, welche Rolle und welchen Stellenwert er der Kirche und dem Glauben zuerkennt. Ich werde mich dabei insbesondere mit seiner Kritik an der Institution Kirche beschäftigen und auf drei Kapitel in den Discorsi eingehen, in denen sich Machiavelli mit der Religion des antiken Roms beschäftigte.

Schließlich möchte ich noch in einem Exkurs die Frage beantworten, welches Resumée Machiavelli bezüglich des „selbsternannten“Condottiere Cesare Borgia zieht und wie er seinen Niedergang bewertet. Diese Fragen möchte ich in den nun folgenden Kapiteln klären und deutlich machen, wie sehr sich Machiavelli mit Themen beschäftigt hat, die unter anderem noch bis in die Neuzeit aktuell sind, und wie sehr Machiavelli mit seinem Machiavellismus noch bis heute als Begründer einer Staatslehre gilt, die Erfolg über Moral stellt.

1. Moral contra Politik bei Machiavelli

Der Begriff des Machiavellismus steht als Synonym für skrupellose Machtpolitik, für einen rücksichtslosen Machtmissbrauch des Regierenden, der mit grausamen Methoden, die fern jeder Moral sind, die Herrschaft zu sichern versucht. Mittlerweile hat sich der Begriff des Machiavellismus sogar schon fast gänzlich von der historischen Person und ihrem Wollen gelöst und ist beinah schon zu einem eigenen Forschungszweig angewachsen[3]. Machiavellis oberste Norm war eine nationalistische Ethik, die keine Unterscheidung zwischen Moral und Politik zulässt. Gerade in der Neuzeit gab dies immer wieder Anlass für Konflikte zwischen Moral und Politik. Fuhr betont, dass Machiavelli der erste war, der radikale Konsequenzen der Politik gezogen hat, „deren oberstes Ziel das Wohl des Staates (die Staatsraison) ist“[4]. Auch Münkler sieht in Machiavelli einen Staatspolitiker, für den Stabilität und Dauerhaftigkeit des Staates, und nicht die Freiheit der Bürger, im Vordergrund stand. Er betont jedoch, dass Machiavelli die bürgerliche Freiheit nicht als solche ablehnte, „aber er erhob sie nicht zur Konstanten seiner politischen Theorie, sondern beließ sie auf einer Ebene der Variablen“[5]. Das heißt, Machiavelli war davon überzeugt, dass für die Dauerhaftigkeit und Stabilität eines Staates der freie Bürger eine wichtige Voraussetzung sei, sollte dieser jedoch fehlen, so war er auch bereit, andere Mittel zur Erreichung seiner Ziele einzusetzen: „Alle anderen Imperative treten für sie [die Dauerhaftigkeit und Stabilität] hinter der absoluten Norm der Selbsterhaltung des Staates zurück“[6]. Machiavellis Interesse galt der Ursachenforschung bei politischem Misserfolg und den Gelingensbedingungen des politischen Handels. Er betrachtete in diesem Zusammenhang auch virtù und fortuna, also die Tüchtigkeit des Handelnden und das Glück, das dem Handelnden zum Erfolg verhelfen solle. Allein im Principe widmet er diesen Bedingungen eigene Kapitel, klammert sie von der Moral aus. Seine eigene politische Anschauung ist Ergebnis orientiert und frei von ethischen Aspekten, die es zu berücksichtigen gilt. Relevant ist die Frage nach der Bedeutung innerhalb Machiavellis politischer Anschauung hinsichtlich seiner gesamten Politikvorstellungen und der Auffassung, eine Politik ohne Moral bzw. eine Politik, die von moralischen Aspekten stark differenziert wird, sei erstrebenswert. Machiavelli bezieht sich mit seinen Vorstellungen auf seine eigenen politischen Erfahrungen, jedoch im Grunde versucht er, keine unmoralische Politik zu erzielen, sondern eine Ergebnis orientierte Politik zu erreichen. Machiavelli befreite sich vielmehr von moralischen Vorstellungen, um eine handlungsfähigere Politik anstreben zu können. Kersting spricht davon, dass zwischen der mittelalterlich- christlichen Fürstenspiegelliteratur[7] und Machiavellis Principe Welten liegen. Er betont, dass humanistische wie auch mittelalterliche Autoren ein „Idealbild des Herrschers“ und eine „unrealistische politische Welt“ entwerfen und dass beide den idealen Herrscher und den guten Menschen als identisch ansehen.

„Die Herrschertugend ist dadurch bestimmt, dass sie alle Tugenden in sich begreift und zur vollkommenen Tugendhaftigkeit integriert. Der gute Herrscher ist darum auch immer ein guter Mensch.“[8]

Machiavellis Principe steht jedoch im genauen Gegensatz zu dieser Tradition der Fürstenspiegelliteratur

„und führt einen von allen Wertbindungen gelösten politischen Realismus und Pragmatismus in die politische Literatur ein. Vom Tugendhandeln zumal im Diesseits Glücksfolgen zu erwarten, ist für ihn hochgradig wirklichkeitsfremd.“[9]

Kersting führt weiterhin an, dass im politischen Denken Machiavellis das Ziel der Festigung von Herrschaft in den Mittelpunkt rückt und nach einer „Theorie der rationalen Mittelwahl“ verlange, die sich in ihrer „Effizienzorientierung durch keine moralischen und religiösen Wertgesichtspunkte beeinträchtigen lässt“[10]. Machiavelli hat, wie Münkler betont,

„den Konflikt zwischen den Methoden, die zur Erreichung der politischen Ziele erforderlich sind, und der Moral, die das private Verhältnis zwischen den Menschen normiert und normieren muss, für unlösbar gehalten.“[11]

Aus Machiavellis Theorien geht hervor, dass Moral und Politik für unvereinbar gehalten werden, die Politik steht im Vordergrund und er löst jegliche moralische Anforderungen von den Bedingungen, ein guter Herrscher zu sein.

Nach 1513, also nach dem Verfassen des Traktats Il Principe, diente Machiavelli das geschriebene Wort als „politische Brücke“[12] zwischen ihm und den Regierenden- in seinem Fall den Medici- dessen Gunst er sich erhoffte, um erneut in die Politik zu gelangen, da sich Machiavelli eine andauernde Verbindung zu den Machthabern erhoffte. Mit seinem Werk schuf Machiavelli ein klassisches Werk der Staatsphilosophie, ein Werk, das einen Umbruch hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen Politik und Moral bedeuten sollte.


[...]

[1] Machiavelli, Niccolò (1517): Discorsi. Gedanken über Politik und Staatsführung. Übersetzt und erläutert von Dr. Rudolf Zorn. Stuttgart: Kröner 1977

[2] Machiavelli, Niccolò (1513): Il Principe. Stuttgart: Reclam, 1986.

[3] Fuhr, Andreas (1985): Machiavelli und Savonarola. Politische Rationalität und politische

Prophetie. Frankfurt: Lang. S. 22.

[4] ebd. S. 25

[5] Münkler, Herfried (1982): Machiavelli. Die Begründung des politischen Denkens der Neuzeit aus der Krise der Republik Florenz. Frankfurt/M.: Europäische Verlagsanstalt. S.97.

[6] ebd. S. 97.

[7] In der Fürstenspiegeltradition zeichnet sich die Politik durch stete Sorge um das Gemeinwohl, eine gerechte Gesetzgebung und Herrschaftsausübung, durch die Bewahrung des Friedens und ein Interesse an dem Glück des Menschen aus.

[8] Kersting, Wolfgang (1988): Niccolò Machiavelli. München: Beck. S. 91.

[9] ebd. S. 91.

[10] ebd. S.99.

[11] Münkler: Machiavelli. Die Begründung.. S. 299.

[12] Mittermaier, Karl (1990): Machiavelli. Moral und Politik zu Beginn der Neuzeit. Gernsbach: Katz. S. 287.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Bewertung von Papsttum und Kirche in Machiavellis Werk
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Romanistik, Abteilung italienische Sprache und Kultur)
Veranstaltung
Kulturwissenschaftliches Seminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
27
Katalognummer
V60645
ISBN (eBook)
9783638542708
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bewertung, Papsttum, Kirche, Machiavellis, Werk, Kulturwissenschaftliches, Seminar
Arbeit zitieren
Daniela Artuso (Autor), 2005, Bewertung von Papsttum und Kirche in Machiavellis Werk, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60645

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