Ende 1906 und Anfang 1907 hat der amerikanische Philosoph William James acht Vorlesungen gehalten, die nach ihrer Veröffentlichung zu einem Grundtext des Pragmatismus werden sollten.
Das Seminar besprach alle Vorlesungen. Jede einzelne von ihnen wurde in Referaten präsentiert. Diese ausführliche Ausarbeitung hat die 3. VL zum Thema. Der Basistext ist: William James: Der Pragmatismus. Ein neuer Name für alte Denkmethoden. Hrsg. von Klaus Oehler. Hamburg: Meiner Verlag 1994
Inhaltsverzeichnis
II. Einleitung: Thematik, Problem, Struktur der Ausarbeitung
III. Hauptteil
1. Der Begriff der Substanz
2. George Berkeleys Begriff der Materie
3. Die Materialisten und die ‚metaphysische Frage’
4. Die Theisten und die ‚metaphysische Frage’
5. Anwendung der pragmatischen Methode auf metaphysische Probleme
IV. ‚Überlappungsbereich’: Ende von Teil I und Ausblick auf Teil II
V. Schlussteil: Kritische Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendung der pragmatischen Methode von William James auf klassische metaphysische Fragestellungen. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der Begriffe „Substanz“ und „Materie“ sowie der Auseinandersetzung zwischen materialistischen und theistischen Weltbildern hinsichtlich ihrer praktischen Konsequenzen für das menschliche Handeln.
- Die pragmatische Methode als Kriterium für die Relevanz philosophischer Probleme.
- Analyse des Substanzbegriffs und der Immaterialismusthese von George Berkeley.
- Gegenüberstellung von Materialismus und Theismus vor dem Hintergrund der Weltlenkung.
- Kritische Reflexion des „philosophischen Protestantismus“ nach William James.
- Untersuchung des praktischen Nutzens („Cash-value“) metaphysischer Annahmen.
Auszug aus dem Buch
1. Der Begriff der Substanz
Substanz (von lat. substantia, griech. hypostasis, hypokeimenon, ousia) kann mit ‚das zu Grunde liegende’ übersetzt werden und meinte ursprünglich das Subjekt in einem Satz. Das Subjekt ist Träger einer bestimmten Eigenschaft. Ein skizzenhafter Exkurs in die Philosophiegeschichte kann verdeutlichen, in welchem Sinne James den Begriff in seiner dritten Vorlesung verwendet. Nach Aristoteles ist Substanz das, was im eigentlichen Sinne seiend ist (Metaphysik VII.1). Die aristotelische Tradition unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Substanz. Bei der primären Substanz handelt es sich um das konkrete individuelle Ding (z. B. ein Mensch), bei der sekundären Substanz um eine Art (i. B. der Mensch) oder eine Gattung (z. B. Lebewesen). Eine primäre Substanz vermag durch sich selbst zu existieren, unabhängig von allem anderen. Dies unterscheidet sie von Eigenschaften und Relationen, die als Eigenschaften nur an oder als Relationen nur zwischen primären Substanzen existieren können. Die sekundäre Substanz ist eine Essenz (ein Wesen). Descartes bestimmt die Substanz als etwas, das existiert und zu seiner Existenz nichts anderes benötigt.
In diesem Sinn ist Gott für DESCARTES die einzige Substanz. Allerdings begreift er auch das materielle Ding und die Seele als Substanz, weil sie als Geschaffene für ihre Existenz nur Gott benötigen. DESCARTES differenziert zwischen wesentlicher und zufälliger Eigenschaft, Attribut (Essenz) und Modus (Akzidens). Seiner Meinung nach kann man ein Attribut nicht bestimmen, ohne es zugleich einer Substanz zuzuschreiben. Wenn es ein Attribut gibt, muss es auch eine Substanz geben, der es angehört. Umgekehrt lässt sich eine Substanz nicht ohne ihre Eigenschaften auffassen, weil die Unterscheidung von Substanz und Attribut eine Distinktion der Vernunft ist. Die wesentliche Eigenschaft der Seele liegt im Denken. Die wesentliche Eigenschaft oder das Attribut der materiellen Dinge liegt in der Ausdehnung; denn um sie als materielle Dinge überhaupt identifizieren zu können, ist Ausdehnung notwendig.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Thematik, Problem, Struktur der Ausarbeitung: Einführung in den Pragmatismus als philosophische Strömung, die Wahrheit an praktischem Nutzen bemisst, sowie Vorstellung der Zielsetzung der Arbeit.
Hauptteil: Detaillierte Auseinandersetzung mit der pragmatischen Analyse metaphysischer Konzepte wie Substanz und Materie, unterteilt in die Perspektiven von Nominalisten, Scholastikern, Berkeley, Materialisten und Theisten.
‚Überlappungsbereich’: Ende von Teil I und Ausblick auf Teil II: Fazit der ersten Analyse, wonach metaphysische Streitfragen ohne konkreten Bezug auf zukünftiges Handeln als müßige „Wortwissenschaft“ erscheinen.
Schlussteil: Kritische Stellungnahme: Auseinandersetzung mit der methodischen Konsistenz von James und Hinterfragung, ob sein „philosophischer Protestantismus“ nicht selbst dogmatische Züge trägt.
Schlüsselwörter
Pragmatismus, William James, Substanz, Materie, Metaphysik, Cash-value, Nominalismus, Scholastik, George Berkeley, Materialismus, Theismus, praktische Konsequenz, Wahrheitstheorie, philosophischer Protestantismus, Weltlenkung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die dritte Vorlesung von William James aus seinem Werk „Der Pragmatismus“ und analysiert seine Anwendung der pragmatischen Methode auf metaphysische Probleme.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Begriffe Substanz und Materie sowie auf den metaphysischen Gegensatz zwischen materialistischen und theistischen Weltbildern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, wie James mithilfe der pragmatischen Methode prüft, ob metaphysische Annahmen einen praktischen Wert („Cash-value“) für das Handeln der Menschen haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet eine deskriptive und kritische Analysemethode, die den dialektischen Ansatz von James nachzeichnet und dessen Thesen vor dem Hintergrund philosophischer Traditionen und Sekundärliteratur reflektiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Substanzbegriff bei Descartes und Aristoteles, Berkeleys Immaterialismusthese sowie der Streit zwischen Materialisten und Theisten über die lenkende Kraft der Welt diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Pragmatismus, Substanz, metaphysische Frage, praktische Konsequenz, Materialismus, Theismus und der „Cash-value“.
Wie bewertet der Autor James’ „philosophischen Protestantismus“?
Der Autor steht diesem Konzept kritisch gegenüber und argumentiert, dass James' Zuspruch zu metaphysischen Entitäten wie Gott letztlich auf persönlichen Annahmen beruht und somit nicht zwingend aus der pragmatischen Methode folgt.
Warum hält James manche metaphysische Fragen für irrelevant?
James betrachtet Fragen nach „ersten Dingen“ oder Ursachen, die keinen Einfluss auf die zukünftige Gestaltung der Welt oder das aktuelle menschliche Handeln haben, als bedeutungslos für den pragmatischen Diskurs.
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- Simon Emmerling (Author), 2005, William James: Einige metaphysische Probleme in pragmatischer Beleuchtung. Ausarbeitung zur dritten Vorlesung - Der Begriff der 'Substanz' - Materialismus vs. Theismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60731