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Konjunkturen der Totalitarismustheorie - Zwischen politischer Instrumentalisierung und wissenschaftlicher Erkenntnis

Title: Konjunkturen der Totalitarismustheorie - Zwischen politischer Instrumentalisierung und wissenschaftlicher Erkenntnis

Seminar Paper , 2006 , 16 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Julia Wiedersich (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Kaum ein Streit wurde erbitterter geführt, als der Streit um die Vergleichbarkeit von Nationalsozialismus und Kommunismus. Vor allem Anhänger des Marxismus wehrten sich heftigst dagegen, mit ihrem Feindbild verglichen oder gar gleichgesetzt zu werden. Der Totalitarismusansatz behandelt aber Faschismus und Kommunismus gleichermaßen, da beide auffällige Gemeinsamkeiten aufweisen und die Demokratie inklusive ihrer Werte ablehnt. Steffen Kailitz zeichnet das Bild wie folgt: „Die beiden tragenden Säulen der demokratischen Verfassungsstaaten, die Akzeptanz des Pluralismus und die unbedingte Achtung der Menschenrechte, werden bewusst negiert. Der Glaube im Besitz der objektiven Wahrheit zu sein, bedingt den Versuch einer ideologischen ‚Gleichschaltung’ der Bevölkerung; damit wird der Pluralismus zerstört. Totalitarismen bedeutet der einzelne Mensch nichts und das Kollektiv alles; das ermöglicht rücksichtslose Verletzung der Menschenrechte im Namen der ‚guten’ Sache.“ 1

Das 20. Jahrhundert ist das Zeitalter, in dem totalitäre Systeme in Europa entstanden und wieder untergegangen sind. Damit ist es auch das Zeitalter der Theorien über den Totalitarismus. Hierbei ist zu beachten, dass es nicht „die“ erkenntnistheoretische Theorie gibt, gleichzeitig aber viele verschiedene Ansätze, die während dieser Zeit verschiedene Phasen zwischen hoher Akzeptanz und kategorischer Ablehnung durchliefen. Diese Arbeit stellt einzelne theoretische Ansätze im Zeitverlauf vor und versucht darzustellen, welche Stadien das Totalitarismuskonzept durchlaufen hat und welche Mechanismen dabei gewirkt haben. Im Anschluss daran soll ein Überblick über die aktuelle Diskussion gegeben werden, in der sich der Totalitarismusansatz der teilweise berechtigten Kritik stellen muss, um schließlich herauszufinden, ob und unter welchen Voraussetzungen ein Festhalten am Konzept der Totalitarismustheorien sinnvoll ist.

Excerpt


Gliederung

1. EINLEITUNG

2. TOTALITARISMUSTHEORIEN IM WANDEL DES 20. JH.

2.1. Die Entdeckung des neuen Phänomens

2.2. Die „Klassiker“ der Totalitarismustheorie

2.3. Die Soziologisierung des Totalitarismusansatzes

2.4. Das Wiederaufleben des Totalitarismuskonzepts

3. DIE AKTUELLE DISKUSSION

4. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und den Wandel der Totalitarismustheorien im 20. Jahrhundert unter Berücksichtigung ihrer wissenschaftlichen Einordnung sowie ihrer politischen Instrumentalisierung. Ziel ist es, die Stadien des Totalitarismuskonzepts nachzuvollziehen, die Kritik an diesem Ansatz zu analysieren und zu prüfen, unter welchen Voraussetzungen ein Festhalten an der Theorie weiterhin sinnvoll ist.

  • Historischer Verlauf der Totalitarismusforschung
  • Wechselverhältnis zwischen politischer Entwicklung und wissenschaftlicher Theoriebildung
  • Analyse klassischer Totalitarismusansätze (Arendt, Friedrich)
  • Kritische Auseinandersetzung mit der "Doppelnatur" des Begriffs
  • Diskussion über die Perspektiven für eine zukünftige, gesellschaftstheoretisch fundierte Totalitarismusforschung

Auszug aus dem Buch

2.1. Die Entdeckung eines neuen Phänomens

Bereits 1919 charakterisierte der Moskauer Korrespondent der „Frankfurter Zeitung“ Alfons Pacquet den neuentstandenen Bolschewismus in Russland als „revolutionären Totalismus Lenins“. Der Begriff fand zu dieser Zeit aber noch keine weitere Verwendung. Dieses änderte sich jedoch mit der faschistischen Machtübernahme in Italien. Der Liberale Giovanni Amendola bezeichnete 1923 das als neuartig empfundene System Mussolinis als „sistema totalitario“. Mussolini selbst übernahm diesen Begriff 1925 für sein Herrschaftssystem und konnte ihm anfangs damit auch eine positive Bedeutung verleihen.

Ab Mitte der zwanziger Jahre zeigten sich vereinzelt erste vergleichende Betrachtungen von Bolschewismus und italienischem Faschismus, anfangs eher politischer Natur waren. Doch hob bereits 1926 der Liberaldemokrat Francesco Nitti neben den untrüglichen ideologischen Differenzen zwischen Bolschewismus und italienischem Faschismus die Gleichartigkeit der beiden Systeme hervor und bezeichnete sie als die „zwei vollkommenen Verleugnungen des liberalen Systems und der Demokratie.“

Nach der Machtübernahme Hitlers wurde auch in wissenschaftlichen Studien vermehrt die Gleichartigkeit zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus erkannt und untersucht. So stellte beispielsweise Eric Voegelin bereits 1938 in „Die politischen Religionen“ fest, dass totalitäre Ideologien religionsähnliche Elemente aufwiesen. Mit Hilfe dieser „Ersatzreligion“, verbunden mit den zugehörigen pseudoreligiösen Riten, konnten Nationalsozialismus sowie Bolschewismus die Massen der säkularisierten Gesellschaft vereinnahmen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Darstellung der historischen Kontroverse um die Vergleichbarkeit von Nationalsozialismus und Kommunismus sowie Einführung in die Zielsetzung der Arbeit.

2. TOTALITARISMUSTHEORIEN IM WANDEL DES 20. JH.: Analyse der theoretischen Entwicklungsstadien, von der ersten Entdeckung über die klassischen Ansätze bis hin zur Soziologisierung und dem Wiederaufleben des Konzepts.

3. DIE AKTUELLE DISKUSSION: Auseinandersetzung mit der Kritik am Totalitarismusansatz, insbesondere bezüglich der Instrumentalisierung des Begriffs und der Forderung nach einer Verbindung mit Demokratietheorien.

4. FAZIT: Zusammenfassung der Ergebnisse und Plädoyer für eine erkenntnisorientierte Totalitarismustheorie, die als Gesellschaftstheorie fungieren soll.

Schlüsselwörter

Totalitarismus, Faschismus, Kommunismus, Nationalsozialismus, Totalitarismustheorie, Politische Instrumentalisierung, Demokratie, Historikerstreit, Ideologie, Herrschaftsstruktur, Sozialwissenschaft, Politische Theorie, Systemvergleich, Gesellschaftstheorie, Terror.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit thematisiert die Entstehung, den Wandel und die wissenschaftliche sowie politische Rezeption der Totalitarismustheorien im Verlauf des 20. Jahrhunderts.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder umfassen die historische Entwicklung des Totalitarismusbegriffs, die Analyse bedeutender Theoretiker wie Hannah Arendt und Carl J. Friedrich sowie die kritische Reflexion des Begriffs im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Analyse und politischer Instrumentalisierung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Wandel der Totalitarismuskonzepte darzustellen, die gegen das Konzept gerichtete Kritik zu prüfen und zu erörtern, ob und wie eine wissenschaftliche Weiterführung der Theorie sinnvoll bleibt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse, die theoretische Ansätze im Zeitverlauf nachzeichnet und in den Kontext der jeweiligen politischen Rahmenbedingungen einordnet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung der Theorie, eine soziologische Betrachtungsweise, das Wiederaufleben des Konzepts nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und eine kritische Diskussion aktueller Debatten.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Totalitarismus, Herrschaftsstruktur, ideologische Gleichschaltung, politische Instrumentalisierung, Demokratie und den systematischen Vergleich totalitärer Regime geprägt.

Wie bewertet die Arbeit den "Historikerstreit"?

Die Arbeit sieht den Historikerstreit als Beleg dafür, dass der Vergleich zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus weiterhin starkem Widerstand begegnet und die Frage nach der Singularität des Holocausts berührt.

Warum wird eine Verbindung zur Demokratietheorie gefordert?

Die Arbeit führt aus, dass eine moderne Totalitarismustheorie über die bloße Herrschaftsstrukturanalyse hinausgehen muss, um sowohl die Verteidigung der parlamentarischen Demokratie zu legitimieren als auch die gesellschaftliche Anziehungskraft totalitärer Systeme zu erklären.

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Details

Title
Konjunkturen der Totalitarismustheorie - Zwischen politischer Instrumentalisierung und wissenschaftlicher Erkenntnis
College
University of Lüneburg
Course
Vergleichende Extremismusforschung
Grade
1,0
Author
Julia Wiedersich (Author)
Publication Year
2006
Pages
16
Catalog Number
V60737
ISBN (eBook)
9783638543293
ISBN (Book)
9783656779513
Language
German
Tags
Konjunkturen Totalitarismustheorie Zwischen Instrumentalisierung Erkenntnis Vergleichende Extremismusforschung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Wiedersich (Author), 2006, Konjunkturen der Totalitarismustheorie - Zwischen politischer Instrumentalisierung und wissenschaftlicher Erkenntnis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60737
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