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Heinrich von Kleist: Penthesilea - Der gewaltsame Kulturkonflikt und seine Ursachen in Kleists 'Penthesilea'

Title: Heinrich von Kleist: Penthesilea - Der gewaltsame Kulturkonflikt und seine Ursachen in Kleists 'Penthesilea'

Seminar Paper , 2005 , 15 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Daniela Wuest (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Kleists vielschichtiges Drama „Penthesilea. Ein Trauerspiel“ bietet viele Ansätze zur Interpretation: Ich werde in meiner Hausarbeit in erster Ebene auf den Kulturkonflikt, dem Penthesilea ausgesetzt ist, und dessen Ursache als Auslöser ihrer gewalttätigen Handlung eingehen. Damit folge ich auf zweiter Ebene der These von Victor Turner, dessen wesentliche Aussage ist, dass am Anfang jeder Kultur die Gewalt und das Problem deren Bewältigung steht.1 Laut Rene Girards2 werden Rituale als Ventil für soziale Gewalt genutzt, wenn diese durch die Bildung von Gemeinschaften oder staatlichen Ordnungen entsteht. Diese sind wichtiger Bestandteil jeder Kultur und können auf zweiter Ebene wiederum selbst zum Auslöser von Gewalt werden oder zu deren Legitimierung dienen. Die Rituale in Kleists Drama „Penthesilea“ erfüllen außerdem den Zweck der „Identitätsbildung in der Gemeinschaft“ der Amazonen, „der Unsicherheitsreduktion im sozialen Umfeld“ und der „Kulturisation“ des Subjekts“3. Bei Penthesilea tritt die Gewalt in Form eines Reflexes einer Bewegung auf, die ihren Ursprung in der Geschichte ihrer Gesellschaft und ihrem individuellen Subjekt hat4, was am Ende des Dramas zur Frage führt, ob Penthesilea an den Gesetzen und rituellen Vorgaben ihrer eigenen Kultur „zerbricht“5.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Kulturmodell der Amazonen

II.I. Staatsgründung

II.II. Gewalt als Grundlage von Staatsgründung und Identitätsbildung

II.III. Die Prophezeiung der Otrere

II.IV. Die Rituale

II.IV.I. Funktion des Racherituals

II.IV.II. Initiationsritual – „Rosenfest“

II.IV.III. Motiv der Jagd

II.IV.IV. Katharsis – Ritual der Sühne

II.IV.V. Funktion von Sprache und „narratio“

III. Penthesilea als Opfer ihrer eigenen Kultur

III.I. Das „Zerbrechen“ an der Kultur

IV. Abschluss

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den gewaltsamen Kulturkonflikt in Heinrich von Kleists „Penthesilea“ sowie dessen Ursachen als Auslöser für das Handeln der Titelfigur, wobei insbesondere die Rolle ritueller Gewalt für die Identitätsbildung und den Staatserhalt der Amazonen analysiert wird.

  • Kulturmodell und Identitätsbildung der Amazonen
  • Die Funktion ritueller Gewalt und gesellschaftlicher Tabus
  • Das Motiv der Jagd als Ausdruck von Macht und Begehren
  • Die Bedeutung von Katharsis und Sprache als Mordwerkzeug
  • Die existenzielle Tragödie des Scheiterns an der eigenen Kultur

Auszug aus dem Buch

II.IV.I. Funktion des Racherituals

Nach der Vergewaltigung durch die äthiopischen Krieger und deren Ermordung, brauchen die Amazonen ein Ritual, um das Zusammengehörigkeitsgefühl als Gruppe und das neu gewonnene Bewusstsein des Amazonenstaats zu stärken: Es dient als Grundlage zur Rechtfertigung der Gewalt gegen Männer im Allgemeinen und gegen die Griechen im Speziellen.

Im Männerhass vereinigt, stehen alle Frauen hierarchisch auf einer Stufe, mit Ausnahme der Oberpriesterin, die dem Tempel der Diana vorsteht, und Penthesilea, der Tochter des Kriegsgottes Mars, als Staatsoberhaupt und Heeresführerin. Alle Aktivitäten der Amazonen finden im Kollektiv statt: Sei es das Rosenfest im Diana-Tempel als „Massenbefruchtung“ oder der Kampf gegen Männer ganz im Allgemeinen. Jeder Ausbruch aus dem Kollektiv würde die Stabilität des neuen Staates und das erkämpfte Bewusstsein der Amazonen gefährden. Dies ist auch der Grund, warum die freie Wahl des Partners für das „Rosenfest“ als unverzeihlicher Tabubruch gilt, und Penthesileas Wunsch nach individueller Liebe zu Achill, laut der Oberpriesterin, nicht möglich ist:

„Was geht dem Volke der Pelide an?

- Ziemt`s einer Tochter Ares`, Königin,

Im Kampf auf einen Namen sich zu stellen?“

Sie verstößt Penthesilea aber erst, nachdem sie erfahren hat, wie sie Achill getötet hat: Es also die Art der Tötung und nicht der Umstand an sich.

„Hinweg, du Scheußliche!

Du Hadesbürgerin! Hinweg sag ich!

Nehmt diesen Schleier, nehmt, und deckt sie zu.“

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in die Thematik des Kulturkonflikts in Kleists Drama und Darlegung der theoretischen Grundlage unter Rückgriff auf Victor Turner und Rene Girard.

II. Kulturmodell der Amazonen: Analyse der gesellschaftlichen Strukturen, rituellen Praktiken und der Rolle der Gewalt für den Bestand des Amazonenstaates.

III. Penthesilea als Opfer ihrer eigenen Kultur: Untersuchung der ambivalenten Identität Penthesileas und die Analyse ihres Scheiterns als existenzielles Zerbrechen an den gesetzten gesellschaftlichen Vorgaben.

IV. Abschluss: Zusammenfassende Betrachtung der „Existenztragödie“ Penthesileas, die aus dem unlösbaren Spannungsfeld zwischen Staatserhalt und individueller Leidenschaft resultiert.

Schlüsselwörter

Heinrich von Kleist, Penthesilea, Amazonen, Kulturkonflikt, Gewalt, Identitätsbildung, Rituale, Rosenfest, Katharsis, Achill, Staatserhalt, Existenztragödie, Patriachat, Narratio, Tabubruch

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert den gewaltsamen Kulturkonflikt in Heinrich von Kleists Drama „Penthesilea“ und untersucht die Ursachen für das Handeln der Protagonistin.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Struktur des amazonischen Kulturmodells, die Bedeutung ritueller Gewalt, die Identitätsbildung sowie die Auswirkungen gesellschaftlicher Gesetze auf das Individuum.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit hinterfragt, inwieweit Penthesilea an den rigiden Gesetzen und rituellen Vorgaben ihrer eigenen Kultur zerbricht, während sie versucht, Staatsverpflichtungen und individuelle Gefühle zu vereinen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Untersuchung, die auf theoretischen Ansätzen zur Gewaltforschung (Victor Turner, Rene Girard) und der Phänomenologie der Gewalt (Gerhard Gönner) basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des amazonischen Kulturmodells, die Analyse spezifischer Rituale wie das Racheritual oder das Rosenfest sowie die Untersuchung Penthesileas als „Dritte“ zwischen weiblichen und männlichen Identitätsanteilen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?

Schlüsselbegriffe sind Gewalt, Identität, Ritual, Kulturkonflikt, Staatserhalt und das Zerbrechen des Individuums an gesellschaftlichen Normen.

Warum spielt die Oberpriesterin eine so entscheidende Rolle für Penthesilea?

Die Oberpriesterin fungiert als Repräsentantin des Staatssystems, die über die Einhaltung der Rituale wacht und durch die Verstoßung Penthesileas die Grenze zwischen legitimierter ritueller Gewalt und individuellem Begehren zieht.

Welche Funktion hat die Sprache im Kontext der Gewalt?

Laut der Autorin dient Sprache in diesem Drama nicht der Konfliktlösung, sondern fungiert als Mittel, das Gewalt auslöst und im Fall von Penthesileas Sühneopfer selbst zum Mordwerkzeug wird.

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Details

Title
Heinrich von Kleist: Penthesilea - Der gewaltsame Kulturkonflikt und seine Ursachen in Kleists 'Penthesilea'
College
University Karlsruhe (TH)
Course
Heinrich von Kleist: Penthesilea
Grade
1,3
Author
Daniela Wuest (Author)
Publication Year
2005
Pages
15
Catalog Number
V60784
ISBN (eBook)
9783638543705
ISBN (Book)
9783640531141
Language
German
Tags
Heinrich Kleist Penthesilea Kulturkonflikt Ursachen Kleists Penthesilea Heinrich Kleist Penthesilea
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniela Wuest (Author), 2005, Heinrich von Kleist: Penthesilea - Der gewaltsame Kulturkonflikt und seine Ursachen in Kleists 'Penthesilea', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60784
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