Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age

Die Sexualität der Frau als Argument im Kulturkampf

Title: Die Sexualität der Frau als Argument im Kulturkampf

Seminar Paper , 2006 , 28 Pages , Grade: 1

Autor:in: B.A. Philosophie David Egli (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Der in der internationalen Presse einstimmig propagierte ‚Karikaturen-Streit’ scheint der düsteren Theorie des Kulturdarwinismus nun endlich die ihr gebührende reale Existenz zu verleihen. Der westlichen Kultur droht, so der Tenor, durch die verstärkte islamische Migration eine Unterwanderung ihrer Grundwerte und schliesslich der Untergang insgesamt.
Blickt man auf die abendländische Geschichte, erinnert die momentane Rhetorik stark an die mittelalterliche Polemik gegenüber dem sich ausbreitenden osmanischen Reich. Mit der Einnahme Konstantinopels 1453 durch die Osmanen setzte im abendländischen Europa eine ungeheure Schrifttätigkeit über die sogenannte ‚Türkengefahr’ ein. Begünstig durch das neue Medium des Buchdrucks und im Zusammenhang mit der christlichen Heilsgeschichte, entstand ein mächtiger Diskurs der sich dem Gegensatzpaar ‚Christen-Türken’ widmete. Sind es heute die Werte der Aufklärung die man in Gefahr wähnt, sah man damals die gesamte Christenheit einem Ansturm der muslimischen Türken ausgesetzt – man befürchtete den Untergang des gesamten Christentums. Die Deutungen der Geschehnisse gingen soweit, dass man die osmanische Expansion als Zeichen für die Ankunft des Antichristen wertete.
Neben der Notwendigkeit sich Informationen über den scheinbar übermächtigen Feind anzueignen, waren es oftmals auch persönliche Erfahrungsberichte, die Eingang in den Wissenskorpus über die Türken fanden – immer gekoppelt mit der Forderung sich des Feindes zu erwehren.
Einer dieser Berichte, das ‚Tractatus de moribus, condictionibus et nequicia Turcorum’ welches Georg von Ungarn zugeschrieben wird, soll bei der vorliegenden Arbeit als Quelle dienen. Ziel ist es den Umstand darzulegen, wieso bei der Beschreibung der ‚islamischen Kultur’ die Komponente der weiblichen Sexualität eine herausragende Rolle spielt. Scheint eine Analyse derselben Tendenz heutiger Texte, vor dem Hintergrund moderner Werte wie der weiblichen Emanzipation vergleichsweise einfach, ist man beim vorliegenden Text von Georg gezwungen verschiedene Aspekte in die Auswertung mit einzubeziehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Traktat Georgs – Ein Reisebericht

2.1 Warnungen vor dem übermächtigen, verschlagenen Feind

2.2 Worte des Lobes

3. Die Intention des Autors

3.1 Autobiographische Beweggründe

3.2 Das Argumentationsschema

4. Mittelalterliche Diskurse

4.1 Der Diskurs zur Türkengefahr

4.2 Der theologische Diskurs zur Sexualität

5. Bemerkungen

6. Literaturverzeichnis

6.1 Quelle

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, warum die weibliche Sexualität im mittelalterlichen Diskurs zur sogenannten „Türkengefahr“ eine zentrale Rolle einnahm und wie Georg von Ungarn diese Thematik in seinem Traktat „Tractatus de moribus, condictionibus et nequicia Turcorum“ instrumentalisierte, um eigene Glaubenskrisen zu legitimieren und christliche Moralvorstellungen zu stützen.

  • Die Analyse des „Tractatus de moribus, condictionibus et nequicia Turcorum“ als Quelle.
  • Die biographischen Hintergründe des Autors Georg von Ungarn und deren Einfluss auf den Text.
  • Die Rolle der visuellen Wahrnehmung und der „disciplina oculorum“ im mittelalterlichen Diskurs.
  • Die Funktion der vermeintlich vorbildlichen sittlichen Ordnung der Türkinnen als Spiegel christlicher Unzulänglichkeit.
  • Der Zusammenhang zwischen osmanischer „Türkengefahr“ und theologischem Diskurs zur Sexualität.

Auszug aus dem Buch

2.1 Warnungen vor dem übermächtigen, verschlagenen Feind

Georg beginnt sein Traktat mit einer fulminanten Vorrede in der er mit aller Dringlichkeit auf die der ganzen Christenheit drohende Gefahr hinweist:

„Oder sehen wir denn nicht jene blutrünstige Bestie, den Feind des Kreuzes Christi, den grausamen Drachen – ich meine den sektiererischen Haufen der ungläubigen Türken? Zuerst hat er alle Länder des Orients zugrunde gerichtet [...] und nun nähert er sich den Grenzen Italiens und giert mit aller Gewalt danach, die römische Kirche zu Fall zu bringen, die er als einzige noch verschont hatte.“

Dabei spricht Georg nicht von einem Feind der sich mit seiner Gewalt gegen den menschlichen Körper richtet, sondern vielmehr sieht er die christlichen Seelen in Gefahr. Die Türken würden es darauf anlegen, den Christen ihren Glauben zu nehmen um somit ihre Seelen zu töten. Georg, der die hinterlistigen Machenschaften der Türken am eigenen Leib erfahren hat, sieht sein Traktat denn auch als Hilfestellung für jedermanns persönlichen Kampf, sollte er jemals in Machtbereich der Osmanen geraten:

„... all das, was ich durch eigene Erfahrung über die Taten, die Lebensverhältnisse, die Sitten und die Arglist der Türken gelernt habe, schriftlich niederzulegen und festzuhalten, damit ich mich, falls ich auf meine alten Tage nochmals in ihre Gefangenschaft geraten sollte [...] vor ihren Irrlehren besser zu schützen vermag als in meiner Jugend. Und ich glaube auch, dass es jedem Gläubigen von grossem Nutzen sein kann, wenn er sich in diesen Zeiten daran macht, solche Dinge zu hören, zu studieren und zu lesen.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung bettet die historische „Türkengefahr“ in den aktuellen Kontext ein und definiert das Ziel der Untersuchung: Die Analyse der Rolle weiblicher Sexualität im Diskurs über die Osmanen anhand Georgs von Ungarn Traktat.

2. Das Traktat Georgs – Ein Reisebericht: Dieses Kapitel stellt die Quelle vor, beleuchtet Georgs drastische Schilderungen der „Türkengefahr“ und arbeitet das ambivalente Bild heraus, das Georg zwischen Warnungen vor dem Feind und lobenden Beschreibungen der türkischen Sitten zeichnet.

3. Die Intention des Autors: Der Autor untersucht Georgs traumatische Biographie als Sklave und Konvertit, um aufzuzeigen, wie seine persönlichen Erlebnisse sein komplexes Argumentationsschema und sein theologisches Traktat maßgeblich prägten.

4. Mittelalterliche Diskurse: Hier werden die Ergebnisse mit dem allgemeinen mittelalterlichen Diskurs zur „Türkengefahr“ und dem theologischen Diskurs zur Sexualität verknüpft, wobei die Macht des Sehens als Verführungsquelle eine zentrale Rolle einnimmt.

5. Bemerkungen: Das Fazit fasst zusammen, dass Georgs Werk eine enorme Signalwirkung hatte und die Darstellung der weiblichen Sexualität als „roter Faden“ zur Verteidigung christlicher Werte diente.

6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.

6.1 Quelle: Detaillierter Nachweis zur verwendeten Primärquelle.

Schlüsselwörter

Georg von Ungarn, Türkengefahr, Weibliche Sexualität, Mittelalter, Islam, Diskursanalyse, Theologie, Reisebericht, Konstantinopel, Sklavenhandel, Christianisierung, Tugendhaftigkeit, Visuelle Wahrnehmung, Christentum, Osmanisches Reich.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Darstellung der weiblichen Sexualität innerhalb des mittelalterlichen Diskurses über das Osmanische Reich anhand der Schrift eines ehemaligen Sklaven.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die „Türkengefahr“, die Rolle der Frau, die christliche Sexualmoral des Mittelalters sowie der Einfluss von Reiseberichten auf das europäische Feindbild.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu verstehen, warum die weibliche Sexualität ein so zentrales Argument in der Beschreibung der „islamischen Kultur“ durch mittelalterliche christliche Autoren darstellte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine diskursanalytische Untersuchung durchgeführt, die Georgs Traktat mit biographischen, historischen und theologischen Kontexten verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die inhaltliche Analyse des Traktats, Georgs Lebensgeschichte als Sklave, die theologische Einordnung der Sexualität und den Vergleich mit anderen zeitgenössischen Reiseberichten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Türkengefahr, weibliche Sexualität, mittelalterlicher Diskurs, Georg von Ungarn und christliche Moral definieren.

Warum war für Georg die Verschleierung der Frau ein positives Merkmal?

Georg sah darin ein Mittel, um das „Auge als Eingangspforte der Sünde“ zu schließen und so den gläubigen Mann vor der Verführung durch weibliche Erotik zu bewahren.

Inwiefern beeinflusste Georgs Biographie sein Werk?

Als ehemaliger Sklave, der kurzzeitig zum Islam konvertierte, diente das Traktat Georg vermutlich dazu, seinen eigenen Glaubensabfall vor der klerikalen Umwelt zu legitimieren und das Christentum wieder stärker zu betonen.

Spiegeln die Beschreibungen des Autors die historischen Tatsachen wider?

Nein, die historischen Tatsachen zeigen, dass Frauen im Osmanischen Reich zur damaligen Zeit in der Regel unverschleiert waren; die Beschreibungen sind eher als Konstruktion für einen christlichen Diskurs zu werten.

Excerpt out of 28 pages  - scroll top

Details

Title
Die Sexualität der Frau als Argument im Kulturkampf
College
University of Luzern
Course
Sexualität im Mittelalter
Grade
1
Author
B.A. Philosophie David Egli (Author)
Publication Year
2006
Pages
28
Catalog Number
V60875
ISBN (eBook)
9783638544467
ISBN (Book)
9783638742153
Language
German
Tags
Sexualität Frau Argument Kulturkampf Sexualität Mittelalter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
B.A. Philosophie David Egli (Author), 2006, Die Sexualität der Frau als Argument im Kulturkampf, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60875
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  28  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint