Die Handlungsepisode des Ausbrenners


Referat (Ausarbeitung), 2005

15 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung oder die Frage: Burnout nur bei Helfern?

2. Die Handlungsepisode des Ausbrenners
2. 1 Anfänge des Burnout-Prozesses
2.2 Arbeitshypothesen Burisch`s: Ausbrenner
2.3 Die Handlungsepisode bei fortgeschrittenem Burnout
2.3.1 Motiv-Profil
2.3.2 Handlungsplanung
2.3.3 Handlungsausführung
2.3.4 Bewertung des Handlungsergebnisses
2.3.5 Erneute Handlungsplanung
2.3.6 Ausbleibende Belohnung
2.3.7 Nebenwirkungen
2.3.8 Rückblendende Bewertung von Anforderung und Nettoertrag
2.3.9 Ausbleibende Motivsättigung
2.3.10 Mittelbare Konsequenzen
2.3.11 Inflexibilität
2.3.12 Eingeschränktes Strategierepertoire
2.3.13 Folgewirkungen missglückten Copings

3. Fallbeispiel: Burnout einer Krankenschwester

4. Schlussbemerkung

Literatur

1. Einleitung oder die Frage: Burnout nur bei Helfern?

Es steht außer Frage, dass Menschen in Sozial- und Dienstleistungsberufen besonders von Burnout-Erkrankungen betroffen sind. Gerade diejenigen, die sich zu diesen Berufen am stärksten und ausschließlichsten hingezogen fühlen, neigen dazu auszubrennen. Sie sind am schwächsten mit den Selbstschutzkompetenzen ausgestattet, die in diesen Berufen jedoch für ein befriedigendes Berufsleben vonnöten sind. Das Helfersyndrom ist bei diesen Personen besonders stark ausgeprägt. „Es kann nur derjenige ausbrennen, der einmal für etwas gebrannt hat.“1Die Vermutung, dass die Burnout-Fälle in anderen Berufsgruppen weniger stark ausgeprägt sind, weist Burisch in seinem Buch „Das Burnout-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung“ zurück: Der Burnout verläuft zwar unter Umständen anders ab, erweist sich jedoch als genauso tragisch.

2. Die Handlungsepisode des Ausbrenners

-Am Anfang 2steht immer ein Scheitern-

2. 1 Anfänge des Burnout-Prozesses

Die Anfänge des Burnout-Prozesses verlaufen oft unbemerkt. Die betroffenen Personen gehen von einer vorübergehenden Verstimmtheit aus, die „von ganz allein“ wieder verschwindet. Auch die ersten körperlichen Anzeichen, wie Appetitlosigkeit, Magen-Darm-Beschwerden etc. werden oft verkannt und kaum Bedeutung beigemessen. Aus diesem Grund ist die Frühphase so gut wie nicht erforscht: die Betroffenen fühlen sich nicht als Betroffene.

Retroperspektiv lässt sich jedoch zumeist genau eine Zäsur im Leben, z.B. eine geänderte Lebensbedingung, datieren, die als „Auslöser“ des Burnout-Prozesses gewertet werden kann. Nicht selten hat es etwas mit dem Berufsleben, beispielsweise einem Stellungs- oder Positionswechsel, Wechsel eines Vorgesetzten etc. zu tun. Die Betroffenen haben das Gefühl, dass auf einmal „nichts mehr klappt“. Ungelöste berufliche Probleme werden mit in die Freizeit „genommen“ und beinträchtigen die dringend notwendige Regeneration. Schleichende Anfänge des Burnout-Prozesses sind hingegen eher selten zu beobachten und nicht die Regel.

2.2 Arbeitshypothesen Burisch`s: Ausbrenner

Burisch stellt zu Beginn zwei Arbeitshypothesen zu den Ausbrennern auf, welche grundlegend für die gesamte Handlungsepisode gelten: zum einem erleben Ausbrenner subjektiv häufiger und/oder nachhaltiger gestörte Handlungsepisoden und zum anderen scheitern sie häufiger bei der konstruktiven Bewältigung von gestörten Handlungssituationen als Menschen, denen das Burnout erspart bleibt.

2.3 Die Handlungsepisode bei fortgeschrittenem Burnout

Burisch beginnt in seinem Buch mit einem Hinweis zu der Darstellung der Handlungsepisoden bei fortgeschrittenem Burnout: „Die Aufgabe ein Flussdiagramm mit Vernetzungen zwischen allen Punkten in der Linearität eines geschriebenen Textes abzubilden wäre zu vergleichen mit der Aufgabe, einen Stadtplan mitsamt darauf rollendem Autoverkehr in ein fortlaufendes Protokoll zu übersetzen.“3Er macht mit diesem Zitat deutlich, wie schwierig es ist einen so komplexen Prozess, wie der einer Burnout-Erkrankung, schriftlich darzustellen:

Die Trennung von disponierten Persönlichkeitsmerkmalen von denen durch Erfahrung veränderten Strukturen ist kaum jemals eindeutig möglich. Ursachen und Folgen sind meist nicht klar auseinander zu halten. Burisch`s Darstellung hat nicht den Anspruch den direkten Ablauf der Burnout-Erkrankung abzubilden, sondern soll kurze Handlungsepisoden, die zu unterschiedlichen Phasen des Burnouts gehören, aufzeigen.

2.3.1 Motiv-Profil

Die betroffene Person verfügt über riskante Handlungsmotive, und bestimmte Motivarten sind gehäuft vorhanden (z.B. das Motiv helfen zu wollen). Wurden Handlungssituationen mehrmals frustriert, führt dies zu einer Motivverstärkung.

Burisch führt an dieser Stelle das Beispiel eines leidenschaftlichen Kreuzworträtsellösers an. Dieser ruht unter Umständen nicht, ehe er das letzte Kästchen gefüllt hat. Burisch spricht hier von dem Appetenzmotiv. Beginnt der ursprünglich ungebrochene Optimismus allmählich zu welken, so taucht alsbald das Motiv auf, sich der nächsten Enttäuschung nicht auch noch zu stellen. Dieser Impuls der Meidung (oder auch Meidungsmotiv) wird recht schnell unbewusst generalisiert; z.B. generell ungern in jede Klasse; generell ungern zur Arbeit.

Treffen Appetenzmotiv und Meidungsmotiv aufeinander, besteht bereits ein Appetenz-Aversions-Konflikt, welcher zu eskalierenden inneren Konflikten führt. Im weiteren Verlauf ebnet sich das Motivprofil ein und besteht fast nur noch aus Meidungsmotiven; die Appetenzmotive verlagern sich im günstigsten Falle auf den Freizeitbereich.

2.3.2 Handlungsplanung

Das Weltbild der Personen, die vom Burnout-Syndrom betroffen sind, weist Anomalien auf: Sie neigen zu extrem hochgesteckten Zielen, da bescheidenere Ziele für sie zu wenig Anreizwert besitzen. Außerdem neigen die Ausgebrannten (bzw. diejenigen, denen die Krankheit noch bevorstehen könnte) zu Unterschätzung von Aufwand und Zeitbedarf und zum Übersehen von eventuellen Nebenwirkungen (wie z. B. Schlafmangel, Stress…) Die Erfolgsaussichten werden stark überschätzt und die Personen verfallen in eine Art „Wunschdenken“, welches mit der Realität kaum übereinstimmt. Burnout-Betroffene gehen mit einer gewissen Rigidität bei der Setzung ihres Anspruchsniveaus vor. Eine Korrektur „nach unten“ wird für sie als Kapitulation, als Aufgabe eines Lebensplans gewertet. Diese dauernde Überforderung und die emotionalen Probleme führen zu Stress: das Resultat aus dem Bemühen, trotz mangelnder Erfolge mit der Tätigkeit fortzufahren. Die Misserfolge sind einerseits Resultat mangelnder Vorbereitung und Überforderung, andererseits die Folge ablenkender emotionaler Probleme. Die Ausgebrannten versuchen sich vor weiteren Enttäuschungen durch Misserfolge zu schützen, indem sie sich schon im Vorfeld einreden: „ bestimmt geht es wieder schief“ („Enttäuschungsprophylaxe“). Der eigene Einsatz wird durch die innere Resignation schon im Vorfeld verringert und verfehlt gerade darum ein erreichbares Ziel. Nun ist die Person unweit von der „inneren Kündigung“, zum „Dienst nach Vorschrift“ entfernt: dies erfordert nur ein minimale Handlungsplanung. Der Beruf bereitet keine Freude mehr, was aber auch gar nicht mehr erwartet wird.

2.3.3 Handlungsausführung

Was veränderte sich im Laufe eines Burnout-Prozesses, das die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns beim Handeln erhöhte? Burisch führt an dieser Stelle zum einen die mangelhafte Planung, welche zu Handlungen führt, die unter Zeitdruck ausgeführt werden müssen und zum anderen die geistige, seelische und körperliche Erschöpfung der mittlerweile selbst Hilfebedürftigen an. Meidungsmotive verhindern die nötige Bündelung von Energien. Im Gefolge einer mechanisierten Handlungsplanung bildet sich ein neuer Stil der Handlungsausführung heraus: gehandelt wird nun nur noch reaktiv, mit minimalem Energieeinsatz, unter Umständen fast geistesabwesend. Das Stadium der Empfindungslosigkeit ist erreicht.

2.3.4 Bewertung des Handlungsergebnisses

Zur Bewertung der eigenen Handlungsergebnisse ist die psychische Selbstversorgung notwendig: der einzige Indikator der eigenen Handlung ist die Reaktion der anderen Person. Es bedarf nun der Fähigkeit sich selbst Bekräftigung zu geben und sein eigenes Bemühen als positiv zu werten. Diese Fähigkeit dürfte bei von Burnout betroffenen Personen, vor allem bei Helfern, eher unterentwickelt sein.

2.3.5 Erneute Handlungsplanung

Um aktive Versuche zu starten, die Situation wieder „in den Griff zu bekommen“, braucht es „heuristische Kompetenz“: die Fähigkeit, neuartige Situationen zu meistern. Führt ein Aktivitätsschub tatsächlich zum Ziel, steht der Aufwand oft nicht mehr im Verhältnis zum Ertrag; bleibt ein Aktivitätsschub vergeblich, ist auch noch eine Enttäuschung zu überwinden. Häufige Zielerschwerungen (mehr Aufwand, als Ertrag) und Zielvereitelungen dürften, so Burisch, zum Aufgeben einer erneuten Handlungsplanung führen. Gibt die betroffene Person auf, kommt es nicht selten zu Selbstanklagen.

Im weiteren Verlauf eines Burnout-Prozesses wird ein erneute Handlungsplanung unter Umständen seltener nötig: riskante Zielsetzungen (riskant im Sinne von Chance der Bewältigung wird selbst als sehr gering eingeschätzt) werden gar nicht mehr ins Auge gefasst. Der/Die Ausgebrannte „spielt auf Nummer sicher“. Motivationsverlust und Kompetenzeinbußen und nicht zuletzt die unverzügliche Resignation sind die Folge. Die Betroffenen sind kaum noch für etwas zu begeistern.

2.3.6 Ausbleibende Belohnung

Eine der häufigsten Ursachen der Burnout-Erkrankung ist die fehlende Anerkennung der Arbeit der Betroffenen. Es gibt Arbeitsfelder und Berufsgruppen, die geradezu so organisiert sind, dass bestimmte Arten von Belohnungen „abgeschnitten werden“ (beispielsweise Ärzte auf der Intensivstation: Patienten werden nach Verbesserung des Zustands auf die normale Station verlegt, Zahnärzte: Patient kommt in der Regel nur nach Beschwerden wieder…) Personen in Helfer-Berufen (Krankenschwestern, Ärzte, Lehrer, Erzieher etc.) bekommen nur selten positives Feedback für ihr Handeln, was die Struktur des Berufes widerspiegelt: ihr Beruf und damit ihre Aufgabe ist es anderen zu helfen bzw. ihnen beiseite zu stehen. Eine direkte Entlohnung (außer natürlich durch ihr Gehalt) findet nicht statt. Helfern trifft negative oder ausbleibende Rückmeldung härter, als Menschen in anderen Berufen, da sie in viel höherem Grad identisch mit ihrer Arbeit sind: sie sind meist selbst sowohl „Produzent“ als auch „Produkt“ ihrer Arbeit.

2.3.7 Nebenwirkungen

Nebenwirkungen finden sich häufig in konfliktreichen Arbeitsfeldern und Großorganisationen mit schwer durchschaubaren Interessen- und Einflussstrukturen. D. h. jeder Erfolg im Beruf hat seinen Preis und wird auf unterschiedlichste Art und Weise „vergütet“ (bspw. Außendienstler:

[...]


1Zitat Stabenow: Seminar: „Burnout“ SS 2004

2 Vgl. Burisch, Matthias: Das Burnout-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung. 2., unveränderte Auflage. Berlin 1994.

3 Ebd. S. 178

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Handlungsepisode des Ausbrenners
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Erziehungswissenschaft )
Veranstaltung
Burnout-Syndrom bei Lehrern und in helfenden Berufen
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V60881
ISBN (eBook)
9783638544511
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Handlungsepisode, Ausbrenners, Burnout-Syndrom, Lehrern, Berufen
Arbeit zitieren
Andrea Fuchs (Autor), 2005, Die Handlungsepisode des Ausbrenners, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60881

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