Der Maschinenbau in Halle


Hausarbeit, 2005
24 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Der Standort Halle/Saale

3. Die halleschen Maschinenbauer

4. Anfänge der Maschinenbauindustrie in Halle

5. Gründungen und Arbeitsbereiche

6. Hallescher Maschinenbau nach 1914

7. Beispiele für Maschinenfabriken in Halle
7.1 Die Hallesche Maschinenfabrik AG, vormals Riedel & Kemnitz
7.2 Die Maschinenfabrik Wegelin & Hübner

8. Zusammenfassung

9. Quellenverzeichnis

1.Einführung

Der Maschinenbau in Halle war bis in die 90er Jahre des 20.Jahrhunderts der bedeutendste Industriezweig in der Saalestadt. Er hatte entscheidenden Einfluss für die Entwicklung zu einer Großstadt. Das mag zunächst verwundern, da es in Halle und Umgebung, anders als zum Beispiele im Ruhrgebiet, keine nennenswerten Eisenerzvorkommen gibt. Doch bei genauerer Betrachtung fallen einige Standortfaktoren ins Auge, die diese Entwicklung des Industriezweiges als logisch erscheinen lassen. Zu nennen sind hier die Landwirtschaft, die sich daraus entwickelnde Zuckerrübenindustrie, die chemische Industrie und der Braunkohlenbergbau. Deren Bedarf an Maschinen führte zur raschen Entwicklung des Maschinenbaus in Halle.

Durch die fortschreitende Industrialisierung Mitte des 19.Jahrhunderts wurde auch der Bau von Maschinen gefördert. Zunächst fingen viele Unternehmen als Reparaturbetriebe an[1]. Bei den in Halle reparierten Produkten handelte es sich vor allem um englische Drill- und Dreschmaschinen sowie Maschinen und Pumpen für den Bergbau. Aber auch der sich entwickelnde Eisenbahnbau, die erste größere Strecke wurde zwischen 1836 und 1840 zwischen Leipzig, über Halle nach Magdeburg gebaut, benötigte Zulieferungen aus der Stadt[2]. Doch auch schon zu dieser Zeit ist „für einen bescheidenen außerlokalen Bedarf gearbeitet worden[3] “.

Hier soll die Geschichte dieses für die Stadt Halle so wichtigen Industriezweiges aufgezeigt und deren Bedeutung verdeutlicht werden.

Zunächst wird nochmals deutlich auf die entscheidenden Standortfaktoren eingegangen, die dazu führten, dass sich in dieser Stadt kein allgemeiner, sondern ein spezieller Maschinenbau entwickelte, welcher es zu Weltruf brachte. Dann wird die Entwicklung von den Anfängen bis zum Beginn des ersten Weltkrieges beleuchtet. Im Hauptteil werden zwei Maschinenbaubetriebe genauer betrachtet. Dabei wird es sich um die Firma Riedel & Kemnitz, sowie die Firma Wegelin und Hübner handeln. Hier wird auch auf die Unternehmer-Persönlichkeiten genauer eingegangen und deutlich werden, dass diese in drei Gruppen zu unterteilen sind. Danach wird die weitere Entwicklung über die beiden Kriege bis zum Ende des Halleschen Maschinenbaus zu Beginn der1990er Jahre eingegangen.

2. Der Standort Halle/Saale

Das Halle als Standort der Maschinenbauindustrie gewählt wurde war zunächst eher ein Produkt des Zufalls. Günstig auf Entstehung und Wachstum wirkten sich vor allem der Bedarf der Zuckerrübenindustrie, sowie das Vorhandensein eines ausgeprägten Braunkohlebergbaus aus. Das bewusste Ausnutzen des Standortwachstums spielte erst bei der darauffolgenden Generation Unternehmertums in Halle eine Rolle. Diese zweite Generation bildete sich ab ca. 1865 heraus. Im Unterschied zur Ersten, die nur auf Nachfrage der Braunkohlenindustrie und der Landwirtschaft reagierte, agierte die zweite Generation als Schrittmacher der Entwicklung. Sie waren innovativ und ihrer Zeit oftmals voraus. Diese Unternehmer kalkulierten die Standortfaktoren bewusst mit ein.

Es ist allerdings anzumerken, dass bereits vor 1856 Metallarbeiter in Halle ihrer Arbeit nachgingen. Schon um 1840 sei für den außerlokalen Bedarf in geringem Umfang gearbeitet worden[4]. Es wurden „Maschinen und komplizierte Apparate in eleganter Form und kunstgerecht[5] “ hergestellt. Ein gewisser Herr Nietzschmann, welcher bis zu 20 Mitarbeiter hatte, verkaufte seine Produkte bis nach Hamburg, Bremen und Lübeck[6].

Im Jahre 1835 errichte die Zucker-Compagnie in Halle ihre erste Fabrik. Drei Jahre später wurde in Mucrena die erste große Zuckerfabrik der Region eröffnet. In wenigen Jahren folgte ein große Zahl weiter Zuckerfabriken in und um Halle. Der aus den Kolonien eingeführte Zucker verlor immer mehr an Bedeutung. Damit wurde er für die Preise auf dem Zuckermarkt immer weniger ausschlaggebend.

In den 50er Jahren des 19.Jahrhunderts hatten sich in der Region der Braunkohlenbergbau und die Zuckerrübenfabrikation fest etabliert und stellten die wichtigsten industriellen Unternehmungen dar. 1856 bestanden im Handelskammerbezirk Halle bereits 28 Zuckerfabriken, die 122.000 Tonnen Zuckerrüben verarbeiteten[7]. Fünf Jahre später waren es bereits 30 Fabriken die jetzt schon die doppelte Menge an Rüben verarbeiteten.

Begünstigt wurde diese Entwicklung durch den relativ hohen Preis für indischen Zucker.

Der andere wichtige Faktor für die Entwicklung des Maschinenbaus in Halle war der Braunkohlenbergbau in der Umgebung. Die Firma Leutert & Möves in Halle zum Beispiel spezialisierte sich auf diesem Gebiet. Sie begannen mit der Reparatur von Bergbaumaschinen und Förderanlagen. Dazu kam, dass mit der Kohle auch ein gefragter Brennstoff für den mit hohem Energiebedarf verbundenen Maschinenbau direkt vor den Toren der Stadt gefördert wurde.

Aber auch der Bedarf an Maschinen und Kesseln in den Ziegeleien, in Papierfabriken, Mühlen, Brauereien, Mälzereien, Färbereien, Spinnereien und Zichoriendarren. Allgemein wurden immer mehr Betriebe auf den Betrieb mit Dampfmaschinen umgestellt. Dies führte zu einer erhöhten Nachfrage nach Maschinen und Ersatzteilen und wirkte sich ebenfalls günstig auf die Entwicklung des Maschinenbaus in Halle aus. Nicht zuletzt spielte auch die verkehrsgünstige Lage der Stadt ein Rolle für die rasche Entwicklung.

3. Die Halleschen Maschinenbauer

Die ersten Gründer von Unternehmen in der Saalestadt gingen vorrangig aus Handwerkerfamilien hervor. Ihre Fähigkeiten erlernten sie als Schmiede, Schlosser oder Klempner. Ihre kleinen Werkstätten verwandelten sich im Laufe der Zeit zu sogenannten Maschinenbauanstalten, die später zu Fabriken wurden. Mit dem Wachsen des Unternehmens nahmen sie später auch einen standortbedingten Umzug in Kauf.

Zunächst wurden in den Maschinenbauanstalten nur Reparaturen auswärtig hergestellter Maschinen durchgeführt. Außerdem wurde auf Bestellung gearbeitet und englische Maschinen nachgebaut. Mit Beginn der 50er Jahre des 19.Jahrhunderts wurde bereits mit der Konstruktion und dem Bau eigener Maschinen begonnen.

Als Beispiel für diese Entwicklung kann der Halberstädter Unternehmer Friedrich Dehne (1826-1886) herangezogen werden. Nach seiner Ausbildung in der Huf- und Beschlagschmiede seines Vaters, reparierte er ab 1853 zunächst landwirtschaftliche Geräte und Maschinen bevor er damit begann eigene Maschinen zu konstruieren. Um sein Wissen zu erweitern beschäftigte er den englischen Ingenieur Woolnough, welcher das weitaus fortgeschrittenere Wissens des englischen Maschinenbaus in das Unternehmen einbrachte[8].

In Halle war es Albert Dehne (1832-1906), der zunächst als Mechaniker und Optiker ausgebildet wurden war, der 1857 eine der ersten Fabriken gründete. Seine Maschinen- und Armaturenfabrik entwickelte sich zu einem gutgehenden Unternehmen. Er häufte ein stattliches Vermögen an, so dass er seinen Nachfahren ein Erbe in Höhe von ca. 7-8 Millionen vermachen konnte[9].

Die nächste Unternehmergeneration stellten die ausgebildeten Ingeneure dar. Sie hatten ihr Abitur an Gymnasien erlangt, bevor sie später an Provinzialgewerbeschulen, oder besser noch an sogenannten Polytechnika[10], vereinzelt auch an naturwissenschaftlichen Fakultäten der Universitäten studierten. Ihre praktischen Fähig- und Fertigkeiten erlangten sie aus längeren Angestelltentätigkeiten in bereits etablierten Unternehmen. Eine dieser bekannten und sehr erfolgreichen Firmen war die Berliner Maschinenfabrik Wöhlert und Borsig.

In Halle gehörten dieser Generation die Unternehmer Richard Riedel (1838-1916) und G. Kemnitz an. Ersterer erhielt seine hervorragende Ausbildung an der TH Lüttich. Diese gründeten zunächst ein „Ingenieurtechnisches Büro[11] “ und 1866 eine Maschinenfabrik. Nach dem Tod von Kemnitz und der Übernahme der Maschinenfabrik und Eisengießerei Jung und Must erfolgte 1872 die Gründung der Halleschen Maschinenfabrik und Eisengießerei AG, die sich später eines weltweit guten Rufes erfreute. Richard Riedel stand dem Unternehmen bis 1900 als Direktor vor. Er ist beispielhaft für die Entwicklung vom Unternehmer dem die Produktionsmittel gehören zum Manager eines Großbetriebes.

Für Halle ebenfalls herausragende Bedeutung haben die Ingeneure Ernst Hübner (1840-1905) und Alfred Wegelin (1841-1888). Sie begannen 1869 mit dem Bau einer Schmiede und richteten später ihre Produktion auf Pumpen, Kompressoren und Dampfmaschinen aus. Ab 1899 konnte das mittlerweile zur Aktiengesellschaft umfirmierte Unternehmen ganze Zuckerfabriken ausstatten. Hübner erhielt seine praktische Ausbildung wie der ebenso erfolgreiche Unternehmer Ernst Weise, der später die Maschinenfabrik Weise und Monski begründete, bei Halleschen Unternehmen (A.L.G. Dehne)[12]. Weise, der seine theoretische Ausbildung an der TH Hannover erhielt, erlangte seine praktischen Kenntnisse bei der Halleschen Maschinenfabrik AG als leitender Ingenieur. So erlangten sie Organisations- und Leitungsfähigkeiten, taten sich selbst als Konstrukteur hervor und gelangten auf Auslandsreisen zu umfassenden Kenntnissen auf dem Gebiet des Maschinenbaus. Ihre Firmen gründeten sie meist als Personengesellschaften, an ihrer Seite bevorzugten sie kaufmännische Gesellschafter. Dies geschah, weil sich um die Jahrhundertwende eine kaufmännische Betriebsführung als notwendig erwies, um konkurrenzfähig bleiben zu können.

[...]


[1] Henning, Friedrich-Wilhelm, Die Ansätze der industriellen Entwicklung in Sachsen-Anhalt im 19. und 20.Jahrhundert, in: Preußische historische Kommission: Forschungen zur Brandenburgischen und preußischen Geschichte. Band 4, Heft 1, Berlin 1994, S. 15

[2] ebenda

[3] Dr. Neuß, Erich, Die Entwicklung des halleschen Wirtschaftsleben vom Ausgang des 18.Jahrhunderts bis zum Weltkriege, in: Beiträge zur mitteldeutschen Wirtschaftsgeschichte und Wirtschaftskunde, Hrsg: Prof. Dr. Aubin, xxx, Halberstadt 1924, S. 125

[4] Dr. Neuß, Erich, Die Entwicklung des halleschen Wirtschaftsleben vom Ausgang des 18.Jahrhunderts bis zum Weltkriege, in: Beiträge zur mitteldeutschen Wirtschaftsgeschichte und Wirtschaftskunde, Hrsg: Prof. Dr. Aubin, Halberstadt 1924, S. 125

[5] ebenda

[6] ebenda

[7] ebenda

[8] Berndt, Roswitha, Unternehmer in Sachsen-Anhalt : Grundlinien ihrer geschichtlichen Entwicklung vom Beginn des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, Berlin 1999, S.59

[9] Berndt, Roswitha, Unternehmer in Sachsen-Anhalt : Grundlinien ihrer geschichtlichen Entwicklung vom Beginn des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, Berlin 1999, S.60

[10] Vorgänger der Technischen Hochschulen

[11] Berndt, Roswitha, Unternehmer in Sachsen-Anhalt : Grundlinien ihrer geschichtlichen Entwicklung vom Beginn des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, Berlin 1999, S.63

[12] Petri, Rolf, Der Maschinenbau in Halle an der Saale (1856-1914). Ein Marschallscher Distrikt?, aus: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte (2002) 2, S.176

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Der Maschinenbau in Halle
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Geschichte)
Veranstaltung
Vergleich Halle/Leipzig
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V60885
ISBN (eBook)
9783638544559
ISBN (Buch)
9783638667647
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Maschinenbau, Halle, Vergleich, Halle/Leipzig
Arbeit zitieren
Oliver Friedel (Autor), 2005, Der Maschinenbau in Halle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60885

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