Ob Medien in Krisen eher zu einer Verständigung durch Informationsvermittlung führen, oder durch ihre Integration im jeweiligen System die Differenzen noch verstärken ist umstritten.
Zensur ist sicher mit dafür verantwortlich, ob Krisen zu Nachrichten werden. Auf der anderen Seite dient sie auch oft als Entschuldungsargument für verfehlten Journalismus. Doch Journalismus muss sich nicht immer der Zensur unterwerfen, sondern kann sie selbst zum Thema machen und kritisch reflektieren. Der Journalismus befindet sich jedoch auch aus Selbsterhaltungstrieb in dem Zwang aus Informationen und Bildern aktuelle Nachrichten zu produzieren. Auf der anderen Seite sind auch die Militärs auf das System Journalismus angewiesen, um ihre Auffassungen in der Öffentlichkeit kund zu tun, um Public Relation zu betreiben. Sie bieten den Medien Wirklichkeitsmodelle als Erklärungsmuster. Zensur verknappt dabei Informationen und erhöht damit journalistische Aufmerksamkeit.
Das System Journalismus verändert sich ständig dadurch das es sich auch selbst thematisiert. Dies geschieht in Krisen besonders stark. Journalismus passt sich aber nicht nur an veränderte Bedingungen an, sondern thematisiert sich auch aus kommerziellen Gründen. Schnell werden aus Reportern Kriegshelden und der eigentliche Krieg rückt in den Hintergrund.
Diese Phänomene werde ich am Beispiel des Spiegels näher untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Geschichte der Krisenkommunikation
2.1. 1. Weltkrieg
2.2. 2. Weltkrieg
2.3. Vietnamkrieg
3. Wirklichkeitskonstruktion/Zensur
4. Aktualität
5. Glaubwürdigkeit
6. Selbstreflexion im Spiegel
7. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Selbstreflexion des Journalismus in Krisenzeiten und analysiert kritisch, wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" über die Berichterstattung in Konfliktsituationen, insbesondere während des dritten Golfkriegs, berichtete. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf den Umgang der Medien mit Zensur, militärischen Vorgaben und dem Anspruch auf objektive Informationsvermittlung.
- Historische Entwicklung der Kriegsberichterstattung
- Mechanismen der Wirklichkeitskonstruktion und Zensur in Kriegen
- Relevanzkriterien journalistischer Themenauswahl und Aktualität
- Vertrauenswürdigkeit und Glaubwürdigkeitskonzepte in der Krise
- Fallbeispiel: Kritische Berichterstattung und Selbstreflexion beim "Spiegel"
Auszug aus dem Buch
6. Selbstreflexion im Spiegel
Die Medien werden immer wieder als vierte Gewalt im Staat bezeichnet. Doch im Gegensatz zu den anderen wird sie nicht überprüft. Deshalb hat der Journalismus die Aufgabe sich selbst zu überprüfen. Wie gut, beziehungsweise schlecht das funktioniert hat der zweite Golfkrieg gezeigt. Damals wurde die „Wahrheit“ einzig und allein von der amerikanischen Regierung gemacht und über CNN verbreitet. Nicht wenige Journalisten übernahmen diese „Wahrheit“ ungeprüft und machten sie zu ihrer eigenen.
Das es auch anders geht beweist zum Beispiel der Spiegel, der in Krisenzeiten das Thema Kriegsberichterstattung zum Thema macht und in kritischer Weise hinterfragt. Ob dies wirklich der Fall ist möchte ich untersuchen.
In dem von mir untersuchten Zeitraum vom Beginn des Krieges am 20.März 2003 bis zum 21.Juli 2003 ist mir aufgefallen, dass eine deutliche Häufung der Berichterstattung über Journalismus vorliegt. Das verwundert nicht, wenn man sich die Anzahl der im „ersten Live-Krieg der Geschichte“ eingesetzten Berichterstatter betrachtet. Der Spiegel schätzt das allein im Irak über 1500 Medienvertreter über den Kriegsverlauf berichten, davon über 500 sogenannte „embedded journalists“, welche die amerikanischen Truppen begleiten, in ihnen integriert sind. Es wird in Real-Time berichtet und das 24 Stunden am Tag. Auf einigen Panzern sind sogar Kameras montiert. In den Berichten des Spiegels wird allerdings auch die Frage gestellt, was der Rezipient davon hat. Der zweite Golfkrieg hat gezeigt, wie das Publikum mitunter vorgeführt wird. Damals waren die Journalisten auf die Übertragungtechniken der Militärs angewiesen. Damit lag es auch in ihrer Macht, was in die Heimat übertragen wird und was nicht. Sprich was die Zuschauer sehen und was ihnen vorenthalten wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Diese Einleitung erläutert die soziologischen Grundlagen von Krisen sowie den Einfluss von Medien auf die Wirklichkeitskonstruktion und die Rahmenbedingungen der Kriegsberichterstattung.
2. Geschichte der Krisenkommunikation: Das Kapitel skizziert die historische Entwicklung der Berichterstattung von den ersten Schreibern Alexanders des Großen bis zu den Zensurmaßnahmen in Weltkriegen und dem Paradigmenwechsel während des Vietnamkriegs.
3. Wirklichkeitskonstruktion/Zensur: Hier wird analysiert, wie Medien in Krisen als Propagandainstrumente fungieren und inwieweit Journalisten durch Zensur und Abhängigkeiten in ihrer Berichterstattung eingeschränkt werden.
4. Aktualität: Das Kapitel behandelt die journalistischen Auswahlkriterien, wie Überraschungseffekte, Eindeutigkeit und die Rolle von Elitenationen bei der Entscheidung, was als kriegsrelevante Nachricht gilt.
5. Glaubwürdigkeit: Hier wird die Rezipientenrolle und das Vertrauen in Medien untersucht, wobei aufgezeigt wird, dass Medien in Krisenzeiten häufig an Glaubwürdigkeit verlieren, wenn sie unreflektiert staatliche Informationen wiedergeben.
6. Selbstreflexion im Spiegel: Dieses Kapitel fungiert als Hauptteil, in dem das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hinsichtlich seiner kritischen Auseinandersetzung mit der Kriegsberichterstattung und der Rolle "embedded journalists" im dritten Golfkrieg analysiert wird.
7. Zusammenfassung: Abschließend wird resümiert, dass der "Spiegel" durch kritische Reflexion und die Einbeziehung alternativer Informationsquellen einen Beitrag zu einem glaubwürdigeren Journalismus geleistet hat.
Schlüsselwörter
Kriegsberichterstattung, Krisenkommunikation, Der Spiegel, Journalismus, Zensur, Wirklichkeitskonstruktion, embedded journalists, Glaubwürdigkeit, Medientheorie, Nachrichtenwert, Propaganda, Golfkrieg, Systemtheorie, Medienethik, Rezipientenanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Mechanismen und die ethische Verantwortung des Journalismus während bewaffneter Konflikte und Krisenzeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themen umfassen die Geschichte der Krisenkommunikation, die Instrumentalisierung der Medien durch Militärzensur, den Nachrichtenwert von Kriegen sowie Konzepte journalistischer Glaubwürdigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie kritisch das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" seine eigene Berichterstattung und die Rolle des Journalismus im Kontext des dritten Golfkriegs reflektiert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch systemtheoretische und medienwissenschaftliche Literatur, kombiniert mit einer inhaltlichen Analyse der Berichterstattung des Spiegels im untersuchten Zeitraum 2003.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Schwerpunkt auf dem Spannungsfeld zwischen der Unabhängigkeit von Reportern und dem Druck durch militärische "Embedded"-Strukturen während des Irak-Krieges.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Kriegsberichterstattung, System Journalismus, Zensur, Glaubwürdigkeit und der Fall des Spiegels als Beispiel für eine selbstkritische Medienpraxis.
Welche Bedeutung kommt den "embedded journalists" im Text zu?
Der Autor hinterfragt die Unabhängigkeit dieser Journalisten, da ihre Nähe zu den Militärverbänden eine freie Berichterstattung erschwert und sie zur Zielscheibe in Konflikten werden können.
Warum spielt der Vietnamkrieg für die Argumentation eine wichtige Rolle?
Der Vietnamkrieg wird als Wendepunkt genannt, an dem die Berichterstattung erstmals massiv Einfluss auf die öffentliche Meinung nahm, was in späteren Kriegen zu einer stärkeren Reglementierung der Medien führte.
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- Oliver Friedel (Author), 2005, Die Selbstreflexion des Journalismus in Krisenzeiten am Beispiel des Spiegels, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60886