Die geheime Zusammenarbeit zwischen Reichswehr und Roter Armee in der Zeit der Weimarer Republik stellte lange Zeit ein sehr gut gehütetes Geheimnis dar. Erst vor wenigen Jahren, mit Ende des kalten Krieges und dem Zerfall der Sowjetunion konnte etwas Licht in diese geheimnisumwitterte Zusammenarbeit gebracht werden. Durch allmähliche Veröffentlichung von Quellen und die langsam steigende Zugänglichkeit von Archiven wurde dieses Thema nun genauer untersucht
Die Streitkräfte dieser Staaten waren durch Welt- und Bürgerkrieg stark geschwächt. Der Vertrag von Versailles verordnete dem Deutschen Reich ein auf 100000 Mann beschränktes Heer mit zwölfjähriger Dienstzeit. Angriffswaffen, d.h. Flugzeuge, Panzerwagen und Gaskampfstoffe waren ihnen verboten. Damit war keine andere Institution mehr betroffen von den Versailler Verträgen, als das deutsche Militär. Die Einhaltung dieser Vorschriften wurde durch die sogenannte Interallierte Militär-Kontrollkommission überwacht. Die Streitkräfte der Sowjetunion brauchten ihrerseits dringend eine neue allgemeine militärische Strategie. Die der Armeen des Kaiserreichs galt Ihnen als Vorbild für die notwendigen Reformen. Im berühmten deutschen Offensivgeist erkannten die Russen Elemente, die ihren Erfahrungen aus dem eigenen Bürgerkrieg entsprachen. Deutschland hatte wonach sie suchten: militärisches Wissen, moderne Kriegserfahrungen und eine hochentwickelte Rüstungstechnik. Das Deutsche Reich hatte die Möglichkeit die Waffen zu entwickeln, die wie sich am Ende des 1.Weltkriegs herausgestellt hatte, richtungsweisend sein würden für die Kriegsführung der Zukunft. Wer in kommenden Auseinandersetzungen bestehen wollte, brauchte moderne Flugzeuge und Panzer.
Da lag es nahe, dass beide Parteien zusammenfanden und sich gegenseitig militärisch unterstützen, denn sie würden beide ihre Vorteile aus dieser Zusammenarbeit ziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Quellen und Forschungsstand
3. Vorraussetzungen
3.1 Vorraussetzungen in Deutschland
3.2 Vorraussetzungen in Russland
4. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit
4.1. Phase der Annäherung
4.2. Das Junkerswerk in Fili
5. Das zusammenwirken der Luftstreitkräfte
5.1. Die Zentrale Moskau
5.2. Die Gruppe Fiebig
5.3. Das Flugzentrum in Lipeck
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die geheime militärische und technologische Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion während der Weimarer Republik, um zu klären, inwiefern diese Kooperation den Grundstein für die spätere Aufrüstung des Dritten Reiches legte.
- Geheimhaltung und Rahmenbedingungen der deutsch-sowjetischen Militärkooperation
- Wirtschaftliche Zusammenarbeit und das Junkerswerk in Fili
- Ausbildung von Flugpersonal und Erprobung neuer Waffentechnologien
- Die Rolle des Flugzentrums in Lipeck für den Aufbau der Luftwaffe
- Kritische Würdigung der These über die autarke militärische Aufrüstung durch die Nationalsozialisten
Auszug aus dem Buch
3.1. Vorraussetzungen in Deutschland
Auf keinem anderen Gebiet war Deutschland mehr vom Versailler Vertrag betroffen, als auf dem militärischen Sektor. Die Wehrpflicht wurde abgeschafft und die Reichswehr musste sich als Berufsarmee neu formieren. Dabei war die Größe des neu zu schaffenden Heeres auf nur 100.000 Mann begrenzt. Es wurde eine zwölfjährige Dienstzeit für Unteroffiziere und Mannschaftsgrade, sowie eine 25 jährige für Offiziere festgelegt. Des weiteren war es Deutschland verboten Giftgas sowie Panzer, oder ähnliche Fahrzeuge zu besitzen, oder zu produzieren. Ebenfalls wurde ihnen die Errichtung einer Luftwaffe verwährt. Für Kriegsschiffe, Festungen und Artilleriewaffen bestanden starke Beschränkungen. Deutschland war es also unmöglich, sich mit den Waffen auszustatten, denen die Zukunft gehören würde.
Außerdem waren die sich gegen Ende des Ersten Weltkriegs offenbarenden neuen Dimensionen der Kriegsführung, durch vor allem Tanks und Flugzeuge, für das deutsche Militär unerreichbar. Der militärische Im- und Export war den Deutschen komplett verboten. Durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages würde Deutschland auf Jahrzehnte hinaus den anderen europäischen Streitkräften unterlegen sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema der geheim gehaltenen Zusammenarbeit zwischen Reichswehr und Roter Armee ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach deren Bedeutung für das militärische Erstarken des Dritten Reiches.
2. Quellen und Forschungsstand: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die schwierige Quellenlage sowie die Entwicklung der historischen Forschung von den ersten Enthüllungen 1926 bis zur Öffnung russischer Archive nach der Perestrojka.
3. Vorraussetzungen: Hier werden die militärischen und politischen Rahmenbedingungen in Deutschland unter dem Versailler Vertrag sowie die Defizite der neu formierten Roten Armee in Russland gegenübergestellt.
4. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit: Das Kapitel behandelt die diplomatische Annäherung beider Staaten und detailliert das gescheiterte Projekt des Junkerswerkes in Fili.
5. Das zusammenwirken der Luftstreitkräfte: Der Hauptteil beschreibt die operativen Strukturen wie die "Zentrale Moskau", die Tätigkeit der Gruppe Fiebig und die Ausbildung sowie technische Erprobung im Flugzentrum Lipeck.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass die Aufrüstung des Dritten Reiches wesentlich auf den in der Weimarer Republik geschaffenen Grundlagen und der deutsch-sowjetischen Zusammenarbeit beruhte.
Schlüsselwörter
Weimarer Republik, Reichswehr, Rote Armee, Luftrüstung, Versailler Vertrag, Junkers, Fili, Lipeck, Militärkooperation, Geheimrüstung, Flugzeugbau, Ausbildung, Flieger, Strategie, Aufrüstung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die geheime militärische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Sowjetunion zwischen 1920 und 1933, insbesondere im Bereich der Luftfahrt und Rüstungstechnologie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernpunkten gehören die Umgehung der Versailler Rüstungsbeschränkungen, die Ansiedlung deutscher Rüstungsprojekte in der UdSSR und die gegenseitige militärische Ausbildung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob die Zusammenarbeit lediglich untergeordnete Bedeutung hatte oder ob sie entscheidende Voraussetzungen für die militärische Stärke des Dritten Reiches schuf.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine historische Analyse unter Auswertung von zeitgenössischen Dokumenten, Sekundärliteratur und Biographien, wobei ein besonderer Fokus auf neu zugänglichen Quellen nach 1990 liegt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die wirtschaftliche Kooperation (Junkers-Werk in Fili), die administrative Zusammenarbeit (Zentrale Moskau) sowie die praktische militärische Ausbildung und Waffenerprobung in Lipeck detailliert beschrieben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Reichswehr, Rote Armee, Lipeck, Junkers, Geheimrüstung und Versailler Vertrag fassen die wesentlichen inhaltlichen Schwerpunkte zusammen.
Warum war das Junkerswerk in Fili für die Reichswehr so bedeutsam?
Es bot die Möglichkeit, trotz der Verbote des Versailler Vertrages moderne Ganzmetallflugzeuge zu entwickeln, zu testen und das Personal technisch auf einem aktuellen Stand zu halten.
Welche Rolle spielte das Flugzentrum Lipeck für die spätere Luftwaffe?
Lipeck fungierte als geheime Ausbildungsstätte für Piloten und Beobachter sowie als Testgelände für neue Prototypen, wodurch ein erfahrener Kader und technisches Know-how für den späteren Aufbau der Luftwaffe verfügbar waren.
Zu welchem Schluss kommt der Autor hinsichtlich der Aufrüstung durch die Nationalsozialisten?
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass die Legende vom militärischen Erstarken des Dritten Reiches aus eigener Kraft nicht haltbar ist, da wesentliche Grundlagen bereits in der Weimarer Republik gelegt wurden.
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- Oliver Friedel (Author), 2003, Die deutsch-russische Zusammenarbeit auf dem Luftfahrtsektor von 1920-33, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60887