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Die Lokalisierung des pfingstlich-charismatischen Christentums

Title: Die Lokalisierung des pfingstlich-charismatischen Christentums

Seminar Paper , 2006 , 31 Pages , Grade: 1

Autor:in: Lena Wanitsch (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Summary Excerpt Details

Eine der Entwicklungen innerhalb des Christentums, die am meisten Aufmerksamkeit sowohl bei Theologen wie auch Religionssoziologen und -ethnologen erregt hat, ist die schon fast explosionsartige Ausbreitung seiner pfingstlich/ charismatischen (p/c) Ausprägung. Die rasante Zunahme in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten sowohl der Anzahl Anhänger wie auch der Gruppierungen insbesondere in der nichtwestlichen Welt hat manche Forscher dazu veranlasst, von einer grundlegenden Veränderung des weltweiten Christentums zu sprechen, da bei gleich bleibender Entwicklung bald die Mehrheit der Christen nicht mehr den klassischen protestantischen Kirchen oder der katholischen Kirche angehören werden, sondern einer der tausenden von kleineren und grösseren Kirchen und kirchenähnlichen Gruppierungen, denen gemeinhin die Etikette pfingstlich oder charismatisch angeheftet wird. Erstaunlich ist dabei nicht nur die rasche und weltweite Ausbreitung, sondern auch die grosse Anzahl unterschiedlicher sozialer und kultureller Kontexte, in welcher p/c Kirchen mittlerweile eine Rolle spielen; auf allen Kontinenten sind sie zu finden; am stärksten wachsen sie in Lateinamerika, v.a. Brasilien; Afrika und Asien, v.a. Korea und China, aber auch in Osteuropa. (Anderson 2005) In all diesen Kontexten hat sich die p/c Bewegung lokalisiert und ist Teil der lokalen Gesellschaft geworden. Im Zentrum dieser Arbeit steht nun die Lokalisierung des p/c Christentums in Ghana und Nigeria. Zunächst werde ich die Begriffe pfingstlich/pentecostal und charismatisch klären, mit Einbezug ihrer historischen Entwicklung, sowie darauf eingehen, was ich unter Lokalisierung und Globalisierung verstehe. Anschliessend werde ich auf die globalen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der p/c Kirchen eingehen und auf die Gründe, die zu ihrer enormen Verbreitung geführt haben. Bei der Betrachtung der Situation in Ghana und Nigeria geht es zuerst darum, einen Eindruck des Spektrums innerhalb der p/c Kirchen zu geben und der spezifischen Verbreitungsgründe in Bezug auf Ghana und Nigeria. Anschliessend werde ich das Verhältnis von lokaler Organisation und globalem Netzwerk darstellen und die Aneignung moderner Medien und ihre Rolle in der Dialektik von global und lokal. Anhand zweier Beispiele wird die Übertragung der p/c dualistischen Weltsicht auf den ghanaischen/nigerianischen Kontext verdeutlicht und abschliessend einige Eindrücke gegeben von der Rückwirkung der p/c Kirchen auf die Gesellschaft.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Die „drei Wellen“ des pfingstlich/charismatischen Christentums

1.2. Globalisierung und Lokalisierung

2. Die globalisierte Pfingstbewegung

2.1. Vereinigt in Christus – globale Gemeinsamkeiten und Unterschiede

2.2. Nicht nur die Randständigen – Gründe für eine globale Attraktivität und Verbreitung

3. Lokalisierung der p/c Kirchen in Nigeria und Ghana

3.1. Verbreitung, Einheit und Vielfalt

3.2. Lokale Organisationen, globales Netzwerk

3.3. „Spreading the gospel“ – Aneignung moderner Medien

3.4. Der Bereich des Teufels

3.4.1. Die dämonisierte Tradition

3.4.2. “Winning Nigeria for Jesus”

3.5. Rückwirkung der p/c Kirchen auf die Gesellschaft

4. Zusammenfassung und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Lokalisierung des pfingstlich-charismatischen Christentums in Ghana und Nigeria im Kontext der Globalisierung. Dabei wird analysiert, wie eine global verbreitete, pfingstliche Weltsicht in lokalen kulturellen Kontexten Fuß fasst, dort durch organisatorische und mediale Strategien sowie eine spezifische dualistische Logik verankert wird und gesellschaftliche Rückwirkungen entfaltet.

  • Prozesse der Globalisierung und Lokalisierung pfingstlich-charismatischer Kirchen.
  • Gemeinsamkeiten und Unterschiede innerhalb globaler Pfingstnetzwerke.
  • Die Rolle moderner Massenmedien bei der Konstruktion globaler Identität.
  • Transformation und die dualistische Weltsicht im Umgang mit Tradition und Hexerei.
  • Politische und soziale Dimensionen des pfingstlichen Wachstums in Westafrika.

Auszug aus dem Buch

3.4.2. “Winning Nigeria for Jesus”

Ein anderes Beispiel der Übertragung des pfingstlichen dualistischen Schemas ist der politische Diskurs in Nigeria. Die korrupte politische und militärische Elite des nigerianischen post-kolonialen Staates wird in den Augen der christlichen Bevölkerung stark mit dem muslimischen Norden des Landes in Verbindung gebracht, und deren Erlangung von Reichtum mit Hexerei und „traditionellen Praktiken“. Das Projekt der Pfingstkirchen von individueller und sozialer Transformation erhält eine politische Dimension und nimmt sich zum Ziel, die nigerianische Gesellschaft als ganze zu verändern, mit der schlechten, korrupten, islamischen Vergangenheit zu brechen. Oder anders gesagt, Nigeria für Jesus zu gewinnen.

Auf der einen, der guten Seite stehen demzufolge die – aufrichtigen und nicht-bestechlichen – Anhänger von Jesus aus dem Süden, die „unbescholtenen Bürger“, die ein vorbildliches Leben „in Christus“ führen wollen, gegenüber den Muslimen aus dem Norden, die als Anhänger Satans dargestellt und mit korrupter Elite, Hexerei, moralischer Degeneration und schlechter Wirtschaft in Verbindung gebracht werden. Die Probleme des Landes können folglich nur gelöst werden, indem möglichst viele Muslime zum Christentum (genauer seiner pfingstlichen Variante) übertreten. Der politische Konflikt um die Kontrolle des Staates und die damit zusammenhängenden Ressourcen wird rhetorisch zu einem spirituellen Kampf zwischen den Jüngern Jesu und den Agenten Satans.

Marshall-Fratani sieht die Situation als die Lokalisierung eines transnationalen Konfliktes zwischen globalen religiösen Identitäten. Oder umgekehrt gedacht bietet sich ein als global wahrgenommener Konflikt an, um für einen lokalen Konflikt ein Deutungsmuster zu liefern (wobei der Konflikt selbst mit dem Diskurs darüber natürlich auch in einer Wechselwirkung steht). Die dichotomische Weltsicht der Pfingstkirchen wird einerseits auf die lokale politische Situation übertragen, und stellt ein sinnvolles Deutungsschema zur Kritik am Zustand der Gesellschaft und der politischen Situation dar, andererseits trägt sie aber auch selbst dazu bei, die vorhandenen Konflikte zu verschärfen, nicht zuletzt durch ihren damit verbundenen starken Missionsdrang.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die rasante weltweite Ausbreitung des pfingstlich/charismatischen Christentums ein und formuliert das Ziel, dessen Lokalisierung speziell in Ghana und Nigeria zu untersuchen.

2. Die globalisierte Pfingstbewegung: Das Kapitel skizziert die globalen Charakteristika der Bewegung, wie exstatische Erfahrungen und eine dualistische Weltsicht, und analysiert Faktoren für ihren Erfolg.

3. Lokalisierung der p/c Kirchen in Nigeria und Ghana: Hier wird detailliert dargestellt, wie sich die Bewegung in Westafrika durch spezifische Organisationsformen, die Nutzung moderner Medien und die dualistische Deutung lokaler Traditionen verankert.

4. Zusammenfassung und Fazit: Dieser Abschnitt fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und betont die komplementäre Beziehung zwischen globalen Strukturen und lokalen Anpassungen.

Schlüsselwörter

Pfingstbewegung, Charismatische Erneuerung, Globalisierung, Lokalisierung, Ghana, Nigeria, Transformation, Spiritualität, Hexerei, Medien, Born-again, Christentum, Weltsicht, Dualismus, Diaspora.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die Entwicklung und Verankerung des pfingstlich-charismatischen Christentums in Ghana und Nigeria als Teil eines globalen Phänomens.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die globalen Gemeinsamkeiten der Pfingstbewegung, die lokale Anpassung in Westafrika, der Einfluss von Medien sowie die Bedeutung der Transformation im Leben der Anhänger.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie ein globales religiöses Modell in spezifischen lokalen Kontexten interpretiert, umgedeutet und angewendet wird, um den Gläubigen Deutungsmuster für ihr Leben anzubieten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen ethnologischen Ansatz, um die Interaktion zwischen globalen Diskursen und lokalen sozialen Realitäten auf Basis existierender Fachliteratur zu analysieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Verbreitung, Organisation und Medialisierung der Kirchen sowie ihre Rolle bei der dualistischen Deutung lokaler Traditionen und politischer Konflikte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen Pfingstbewegung, Lokalisierung, Transformation, spiritueller Kampf und mediale Identitätsbildung.

Wie spielt das Internet oder Fernsehen eine Rolle bei der Pfingstbewegung?

Medien dienen als Werkzeug zur Delokalisierung, indem sie eine globale Identität („imagined community“) schaffen und Anhänger mit internationalen Netzwerken und Narrativen verbinden.

Was bedeutet der Begriff „dämonisierte Tradition“ im Kontext dieser Arbeit?

Er beschreibt die Strategie der Kirchen, lokale Bräuche und Glaubensvorstellungen, wie z.B. den Hexenglauben, als satanisch umzudeuten, um sich gleichzeitig von ihnen abzugrenzen und sie als real existent zu bestätigen.

Welche politische Dimension hat das pfingstliche Christentum in Nigeria?

Die Pfingstkirchen nutzen ihre dualistische Weltsicht, um politische und soziale Krisen als spirituellen Kampf zwischen gut und böse zu deuten und das Ziel einer „Re-Christianisierung“ der Gesellschaft zu verfolgen.

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Details

Title
Die Lokalisierung des pfingstlich-charismatischen Christentums
College
University of Basel  (Ethnologisches Seminar)
Grade
1
Author
Lena Wanitsch (Author)
Publication Year
2006
Pages
31
Catalog Number
V60959
ISBN (eBook)
9783638545181
ISBN (Book)
9783656815365
Language
German
Tags
Lokalisierung Christentums
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lena Wanitsch (Author), 2006, Die Lokalisierung des pfingstlich-charismatischen Christentums, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60959
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