Widukind von Corvey und die Sachsengeschichte


Hausarbeit, 2005

16 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1. Präzisierung des Themas
1.2. Bearbeitungsperspektive und Arbeitsschritte

2. Die Res gestae Saxonicae
2.1. Zusammenfassung der relevanten Kapitel
2.2. Bewertung und Interpretation

3. Vergleich mit anderen Quellen

4. Zusammenfassung

5. Literatur

1. Einleitung

1.1. Präzisierung des Themas

In dieser Hausarbeit soll es um die Frühgeschichte des Sachsenstammes gehen, die ich aus aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten werden: Zum einen aus dem der ersten acht Kapitel von Widukinds Res gestae Saxonicae, die er 967 oder 968 fertiggestellt hat - also immerhin mindestens ein halbes Jahrhundert nach der zu behandelnden Zeitspanne - und zum anderen aus der Sicht der übrigen Quellen aus dieser Zeit, die zur Verfügung stehen. Dies sind entweder Schriften, für die Nachwelt aufgezeichnet und aus ähnlicher Motivation entstanden wie die Sachsengeschichte, oder es handelt sich um archäologische Funde. Zu beiden Bereichen kann man sagen, dass es hier keine grosse Fülle gibt ( oder diese noch nicht erschlossen ist ) und die Überlieferung eher fragmentarisch ist.

Von der Entstehung des Stammes bis zu dessen Eingliederung in das fränkische Reich Karl des Grossen zu Beginn des 9. Jahrhundert fehlen die stammeseigenen Zeugnisse (Wir sprechen hier von einem Zeitraum, der sich über min. 600 Jahre erstreckt). Die sporadischen Erwähnungen der Sachsen in dieser Zeit handeln meist von ihren kriegerischen Angriffen oder ihren Raubzügen fern der Stammesheimat. Es sind Fremdaufzeichnungen mit einem bestimmten Bild von den Sachsen und einer eigenen kulturellen Prägung. Ihr Sinn bestand nicht darin, die Sachsen als eigenes Volk objektiv zu beschreiben.

Einen weiteren zentralen Punkt (auch der ersten acht Kapitel) stellt die „Invasion“ Britanniens dar.

Aus dieser Problematik ergibt sich die zentrale Fragestellung:

Ist - oder inwiefern ist - Widukinds Sachsengeschichte ein glaubwürdiges Zeugnis der Entstehungsgeschichte des Sachsenstammes und der Landnahme in Britannien? Oder haben wir es hier mit einem überzeichneten Idealbild zu tun, das weitestgehend frei erfunden, seinen Landsleuten eine lange und ruhmreiche Tradition übermitteln soll?

1.2. Bearbeitungsperspektive und Arbeitsschritte

Vor dem Hintergrund dieser Fragestellung ist meine Hausarbeit folgendermaßen gegliedert: Nach einer Zusammenfassung der frühgeschichtlich relevanten Kapitel von Widukinds Werk und ihrer Interpretation/ Bewertung werde ich einen Überblick über andere Quellen, beziehungsweise ihre Sekundär- Literatur geben, um einen Vergleich anstellen zu können, inwieweit es hier zu Widersprüchen oder Übereinstimmungen kommt und welche anderen Schlüsse diese Quellen zulassen. Da die Quellenlage nicht sehr ergiebig und zum Teil auch schwer zu erschliessen ist, möchte ich an dieser Stelle auf das Buch von Torsten Capelle hinweisen, welches mir den Einstieg in die Thematik sehr erleichtert hat. Leider verzichtet der Autor auf Fussnoten und verwertbare Quellenangaben. Anschliessend habe ich versucht, aus der mir zugänglichen Literatur die themenrelevanten Aspekte herauszuarbeiten und in diesen Zusammenhang einzubinden. Ich verzichte aber weitgehend auf die Einbeziehung von archäologischen Funden, es sei denn, sie unterstützen schriftliche Zeugnisse. Zwischen den beiden Quellenarten kann leider oft kein direkter Zusammenhang hergestellt werden.

2. Die Res gestae Saxonicae

2.1. Zusammenfassung der relevanten Kapitel

Nach der Vorrede und dem Inhaltsverzeichnis sind es die ersten acht Kapitel, die für unser Thema interessant sind. Es handelt sich hier um nur fünf Seiten in der Reclam Ausgabe. Der Endpunkt soll für uns die Landnahme in Britannien sein, welcher sich allein zwei Seiten widmen.

Kapitel 1: Nach Erfüllung seiner Pflicht als Mönch widmet sich Widukind nun einem weltlichen Thema – der Geschichte seines Stammes.

Kapitel 2: Der Ursprung des Sachsen-Stammes ist (Widukind) unklar. Es existieren Sagen, nach denen er sich richtet. So behaupten manche, die Sachsen stammen von den Wikingern und Normannen ab, andere sagen von den Griechen oder Makedonen. Für ihn steht auf jeden Fall fest, dass sie ein alter und edler Stamm sind.

Kapitel 3: Die Landung der Sachsen in Hadeln[1] mit Schiffen.

Kapitel 4: Die dort lebenden Thüringer wehren sich gegen die Invasion, können die Sachsen aber nicht vertreiben. Die Sachsen sichern sich den Hafen. Nach langem und verlustreichem Kampf führen beide Seiten Friedensverhandlungen, die den Sachsen erlaubt, Handel zu treiben, aber ihnen verwehrt, Land zu besetzen oder zu plündern. Als den Sachsen die Ressourcen ausgehen, beschliessen sie, die Abmachungen zu brechen.

Kapitel 5: Durch eine List gelingt es einem Sachsen, ein grösseres Stück Land zu kaufen.

Kapitel 6: Es kommt wiederum zum Kampf, nachdem die Thüringer den Kauf an sich und das Gebiet der Ankömmlinge nicht akzeptieren. Die Sachsen sind militärisch überlegen und erzwingen neue Friedensverhandlungen. Zu diesen kommen sie aber nicht, wie verabredet, unbewaffnet und töten alle Unterhändler und Fürsten.

Kapitel 7: Dadurch gelangten sie zu Bekanntheit, sowie zu ihrem Namen. Von Sa(c)hs = Messer.

Kapitel 8: Zeitgleich zu diesen Vorfällen wird Britannien durch Nachbarvölker angegriffen. Die Römer sind nicht in der Lage, die benötigte Hilfe zu leisten. Also schicken die Briten Gesandte zu den Sachsen, um diese um Unterstützung zu bitten. Im Gegenzug bieten sie ihnen Siedlungsrecht. Die Sachsen willigen ein und ziehen gegen die Schotten und Pikten in den Kampf und erhalten dafür von den Briten alles Notwendige zum Leben. Damit bescheiden sie sich nicht, und sie schliessen mit den Feinden Frieden und erobern Britannien. Die dort lebenden Sachsen werden seither Angelsachsen genannt. Widukind verweist hier auf die Geschichte der Angelsachsen, um Näheres darüber zu erfahren ( etwa über die Sachsen-Führer dieser Zeit, oder die Christianisierung unter Papst Gregor[2] ).

[...]


[1] Hadeln gibt es heute nicht mehr. Es gibt nur noch die Region Hadelner Land bei Cuxhaven in Niedersachsen. Siehe auch Karte 1 „erster Siedlungsraum“

[2] Papst Gregor d.Gr., erster Mönchspapst, erstmals "servus servorum Dei". Er bringt das Papstum zur höheren Geltung. Es beginnt die Stadtherrschaft und die Bekehrung der Angelsachsen, die die starke Bindung an Rom ins Frankenreich tragen, wo die sog. Schottenmönche schon vorher erfolgreich gewirkt haben. (Papst von 590–604)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Widukind von Corvey und die Sachsengeschichte
Hochschule
Universität Konstanz
Veranstaltung
Widukind von Corvey
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V60991
ISBN (eBook)
9783638545402
ISBN (Buch)
9783656578666
Dateigröße
615 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Widukind, Corvey, Sachsengeschichte, Widukind, Corvey
Arbeit zitieren
Tobias Luchsinger (Autor), 2005, Widukind von Corvey und die Sachsengeschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60991

Kommentare

  • Daniel Schmidl am 27.11.2006

    Kritik zur zeitlichen Einordnung W. v. Corveys Sachsengeschichte.

    Es ist mir rätselhaft, wie der Autor seine Hausarbeit in die Antike/Frühgeschichte einordnen kann, wenn er sich nahezu ausschließlich auf Widukind v. Corveys Sachsengeschichte stützt. Auch der Titel der Arbeit gibt eindeutig die ausschließliche Behandlung dieses Themas vor.
    Die Res gestae Saxonicea wurde wie vom Autor erwähnt um 968 geschrieben. Zwar werden die Sachsen in röm. Quellen frühestens seit dem 2. Jh. fassbar und die Wanderungen der Sachsen einschließlich der Einwanderung auf die brit. Hauptinsel fand vermutlich ca. bis zum 5. Jh. statt. Da die Intention dieser Arbeit jedoch die Deutung und "Realitätsnähe" von Widukinds Schilderungen dieser Ereignisse sind, ist die Arbeit eindeutig in das Frühmittelalter einzuorden. Im allgemeinen wird ab 476 vom Ende der Antike gesprochen. Selbst wer den Beginn des Frühmittelalters extrem spät setzt, wird mit dem Jahr der Ks.-krönung Karl d. Großen (800) und der damit verbundenen Erneuerung des Weström. Reiches einverstanden sein. Widukind schreibt gut 150 Jahre später. Hier von Frühgeschichte zu sprechen ist schlicht falsch.

    Ebenso ist zu kritisieren, dass der Autor nicht erwähnt, dass er sich nur auf das erste der drei Büchern der Res gestae S. bezieht. Nur hier sind die erwähnten 8 Kapitel zu finden. Inwiefern der Autor allerdings zu dem Schluss gekommen ist, dass eine Beschränkung auf die ersten acht Kapitel ausreichend ist, um die von ihm aufgeworfene Fragestellung zu erläutern/klären, muss dahin gestellt bleiben.

    Auch bleibt fraglich, inwiefern archäologische Quellen bei der Beantwortung der Frage helfen sollen, ob Widukinds Darstellungen ein "überzeichnetes Idealbild sind, das weitestgehend frei erfunden, seinen Landsleuten eine lange und ruhmreiche Tradition übermitteln soll".
    Was die Literaturlage zur Geschichte der Sachsen angeht, so ist diese ausgesprochen gut. Es sei dabei u.a. (!) auf grundlegende Darstellungen wie von Götz und Althoff verwiesen, ebenso auf Herfried Stingels "Die Entstehung der deutschen Stammesherzogtümer am Anfang des 10. Jahrhunderts." und Matthias Springers "Sage und Geschichte um das alte Sachsen." (In: Westfälische Zeitschrift. Bd. 146. Paderborn 1996. S

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