In dieser wissenschaftlich - historischen Hausarbeit soll der Frage nachgegangen werden, welche Rolle und Bedeutung die Frau in der terroristischen Organisation der „Leuchtende Pfad“ (SenderoLuminoso - SL)in den 80er und Anfang der 90er Jahre gespielt hat. Der Ursprung von Sendero Luminoso sowie dessen Ideologie, Machtstruktur und nicht zu letzt der Verlauf und das Ende „seiner Revolution“ ist in unzähligen Buchpublikationen, Zeitungsartikeln und anderen Medienberichten dokumentiert und diskutiert worden. Jedoch ist die Anzahl derjenigen Arbeiten, die sich auf die Rolle und die Bedeutung der Frau als Mitglied und Kämpferin innerhalb der Organisation beschränkt haben, äußerst gering. Als einzige, sich ausschließlich dieser Thematik widmenden Publikation, möchte der Autor dieser Hausarbeit, das Werk von Robin Kirk, „Grabadoen piedra: las mujeres de Sendero Luminoso“,hervorheben. Alle anderen Quellen, die für diese Arbeit benutzt und konsultiert wurden, beschränken sich in ihren Werken und Artikeln lediglich auf einigen Seiten mit dem Titel dieser Hausarbeit, was die relativ hohe Anzahl von benutzten Quellen erklärt. Um ein flüssiges, aufbauendes und logisches Lesen dieser Hausarbeit zu ermöglichen, hat der Autor sich entschlossen, nach einem knappen, historischen Überblick, bezüglich der Auswirkungen der Modernisierung im Peru des 20. Jahrhunderts, näher auf die Struktur der Organisation, sowie auf die wichtigsten, historischen Ereignisse und Auswirkungen des Bürgerkrieges, einzugehen. Anschließend wird die Rolle der Frau innerhalb der Organisation ausführlich behandelt und diskutiert. So wird auf die Bedeutung dermujer senderistaseit der Existenz des „Leuchtenden Pfades“ eingegangen, und es werden die verschiedenen Positionen und Ämter, die sie inne hatte, erläutert; ferner wird eine quantitative Untersuchung dermujer senderistavorgenommen. Danach hinterfragt der Autor, worin die Attraktivität des „Leuchtenden Pfades“ für viele weibliche Mitglieder bestand, bevor abschließend auf das ambivalente Verhältnis dermujer senderistainnerhalb der Organisation, eingegangen wird.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Sendero Luminoso ( SL) – PCP : Ein Überblick
III. Die Rolle der Frau in Sendero Luminoso
III 1. Die Anfänge
III.2. Frauen in der Organisation – Ämter und Posten
III.3. „Die Frauen von Guzmán“
III.4. Die Frau in Sendero Luminoso – eine quantitative Untersuchung
IV. Die Attraktivität von Sendero Luminoso
V. Das zwiespältige Verhältnis zwischen Sendero Luminoso und der mujer senderista
VI. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Bedeutung von Frauen innerhalb der terroristischen Organisation Sendero Luminoso in Peru während der 1980er und frühen 1990er Jahre, wobei insbesondere die Gründe für ihre hohe Partizipation und die ideologische Instrumentalisierung durch die Führung beleuchtet werden.
- Historische und sozioökonomische Rahmenbedingungen in Peru
- Struktur der Sendero Luminoso und Rekrutierungsstrategien
- Rolle der Frau in führenden Positionen und militärischen Einheiten
- Quantitative Analyse der weiblichen Beteiligung
- Ambivalenz zwischen revolutionärem Anspruch und patriarchaler Realität
Auszug aus dem Buch
III.1. Die Anfänge
In der Gruppe, in der sich in den 60er Jahren die Macht von SL in Ayacucho konzentrierte, bekannt als die „heilige Familie“ (la sagrada familia), hatten die Frauen bereits eine wichtige Rolle inne, auch wenn ihre politische Identität oftmals verbunden war mit der ihres Partners oder Ehemannes.
Bereits im Jahre 1965 hatte Guzmán als Arm der kommunistischen Partei das Movimiento Popular de Mujeres in Ayacucho gegründet. Der Frauenanteil der Universität in Ayacucho, an der er lehrte, galt als besonders hoch: im Jahre 1968 studierten 30% Frauen, hauptsächlich in den Departamentos „Sozial – und Erziehungswesenwesen“ und „Geburtenhilfe“. Guzmán konzentrierte sich, um neue weibliche Mitglieder zu rekrutieren, besonders auf den Bereich des Erziehungswesens, wo die Frauen die Mehrheit darstellten.
Die in den 70er Jahren gegründeten Frente Femenino Popular und das Frente Estudiantil Revolucionario waren verantwortlich für die Gewinnung von neuen weiblichen (universitären) Mitgliedern, die aus einfachen oder schlechten Verhältnissen kamen. Ebenso erarbeitete SL eine marxistische Analyse bezüglich der Situation und der Stellung der Frau innerhalb der Geschichte. Catalina Arianzen veröffentlichte hierzu das Werk: El marxismo de Mariátegui y el movimiento femenino, welches als Pflichtlektüre für die senderistas galt. In diesem Werk wird die These von Engels von der Diskriminierung und Ausbeutung der Frau erläutert und unterstützt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Arbeit definiert die Forschungsfrage nach der Rolle der Frau in der Organisation Sendero Luminoso und erläutert den methodischen Ansatz sowie die Quellengrundlage.
II. Sendero Luminoso ( SL) – PCP : Ein Überblick: Dieses Kapitel bietet einen historischen Abriss über die Entstehung, Ideologie und die gewaltsame Entwicklung der Terrororganisation.
III. Die Rolle der Frau in Sendero Luminoso: Hier werden die Rekrutierung, die verschiedenen Funktionsbereiche der Frauen und die Bedeutung spezifischer Persönlichkeiten innerhalb der Organisation analysiert.
IV. Die Attraktivität von Sendero Luminoso: Der Text untersucht, warum die Organisation trotz ihrer rigiden Regeln für viele Frauen als Antwort auf gesellschaftliche Unterdrückung und berufliche Perspektivlosigkeit attraktiv war.
V. Das zwiespältige Verhältnis zwischen Sendero Luminoso und der mujer senderista: Es wird kritisch hinterfragt, ob die Partizipation der Frauen tatsächlich Emanzipation bedeutete oder ob lediglich patriarchale Strukturen fortgesetzt wurden.
VI. Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei betont wird, dass Sendero Luminoso zwar Frauen förderte, diese jedoch letztlich in einer autoritären Struktur instrumentalisierte.
Schlüsselwörter
Sendero Luminoso, Peru, Frauenrolle, Guerilla, Abimael Guzmán, Feminismus, politische Partizipation, soziale Diskriminierung, mujer senderista, ideologische Instrumentalisierung, lucha armada, Geschichte Lateinamerikas, Terrorismus, Emanzipation, Machtverhältnisse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Rolle, Bedeutung und Partizipation von Frauen in der peruanischen Guerilla-Organisation Sendero Luminoso während der 80er und 90er Jahre.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Rekrutierungsmethoden, das Verhältnis zur Parteiführung um Abimael Guzmán sowie die soziale Motivation und politische Einordnung der weiblichen Mitglieder.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu ergründen, warum die Organisation eine solch hohe Anziehungskraft auf Frauen ausübte und inwieweit die Teilhabe an der Guerilla als Emanzipationsversuch oder als Unterwerfung unter patriarchale Strukturen zu werten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Autorin stützt sich auf eine historisch-analytische Auswertung von Fachliteratur, Medienberichten, zeitgenössischen Dokumenten und Sekundärquellen wie soziologischen Studien zur peruanischen Geschichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Sendero Luminoso, die Analyse der Ämter und Funktionen von Frauen in der Organisation sowie eine Untersuchung der Diskurse und der Attraktivität der Ideologie für verschiedene soziale Frauenschichten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Sendero Luminoso, Frauenrolle, Guerilla, Abimael Guzmán, politische Partizipation, Emanzipation und die spezifische peruanische sozioökonomische Situation.
Welche Rolle spielt Abimael Guzmán im Kontext der weiblichen Mitglieder?
Guzmán fungierte als zentrale Vaterfigur, der durch ein System der Verehrung und Hingabe die weiblichen Mitglieder instrumentalisierte, während er gleichzeitig jegliche inhaltliche politische Mitbestimmung auf sich selbst konzentrierte.
Wie unterscheidet sich die Rolle von María Elena Moyano von der einer typischen „senderista“?
Moyano agierte als Gegenbeispiel, da sie sich zwar für die Belange der Frau und gegen soziale Ungerechtigkeit einsetzte, dies jedoch in legalen, zivilgesellschaftlichen Frauenorganisationen tat und den bewaffneten Kampf von Sendero Luminoso vehement ablehnte.
Wie bewertet der Autor die Erfolge der Emanzipation innerhalb von Sendero Luminoso?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass trotz hoher Partizipation keine echte Befreiung stattfand, da die Frauen innerhalb der Organisation weiterhin untergeordneten, ausführenden Rollen unterworfen waren und eine patriarchale Struktur beibehalten wurde.
- Quote paper
- Adrian Oelschlegel (Author), 2006, Die Frau in Sendero Luminoso, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61012