Über Max Hoelz: "Vom Weißen Kreuz zur roten Fahne"


Hausarbeit, 2002
29 Seiten, Note: angenommen (keine Benotung)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wer war Max Hoelz?

3. Vom ‘Weissen Kreuz’ zur roten Fahne
3.1. Kindheit, Jugend, Sexualität
3.2. Schlüsselerlebnisse
3.3. Max Hoelz ein Kommunist?

4. Wie stand Hoelz zu Gewalt?
4.1. Schlüsselerlebnisse mit Gewalt
4.2. Gewalt gegen sich selbst
4.3. Gewalt gegen andere
4.4. Verurteilung und Rechtfertigung von Gewalt

5. Wie machte sich Hoelz einen Namen?
5.1. Der Name Hoelz – Kult und Missbrauch
5.2. Dokumentation einer Manipulation

6. Wie war Max Hoelz’ Einstellung zur Gefangenschaft?
6.1. Die Unmenschlichkeit des Einsperrens, Vergleiche mit der Sowjetunion
6.2. Briefe aus dem Zuchthaus

7. Koordinierte Fragestellung

8. Schluss

Quellen- und Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Max Hoelz hat seine Memoiren über sein Leben bis kurz nach der Entlassung aus den sieben Jahren in Gefangenschaft verfasst. Die Memoiren umfassen den Zeitraum von seiner Geburt 1889 bis ein halbes Jahr nach seiner Entlassung im Juli 1928.

Im folgenden sollen vor allem vier Hauptfragestellungen beantwortet werden:

Wie ging Hoelz’ Wandel vom ‚Weissen Kreuz‘ zur ‚Roten Fahne‘ vor sich?

Wie stand Hoelz zu Gewalt?

Was steckt hinter dem Namen Max Hoelz?

Wie war Hoelz' Einstellung zur Gefangenschaft im Speziellen?

Da die Quelle sehr subjektiv ist, werde ich hauptsächlich anhand der Quelle versuchen, die Einstellungen und Motive von Hoelz herauszuarbeiten, wobei ich mich auf die vier oben genannten Fragen konzentriere.

Das Memoirenwerk enthält durchaus Hinweise, sich auch kritisch mit Max Hoelz auseinander zu setzen. Das Werk ist also nicht ein Versuch der durchgehend positiven Darstellung.

Um die kritischen Bereiche besser belichten zu können, verwende ich zusätzlich Texte über Hoelz.

Die Arbeit soll die Motive von Hoelz aufzeigen. Sie soll den Revolutionär Hoelz von mehreren Seiten belichten und nicht wertend für oder gegen den ‘Marxismus’ oder den ‘Kapitalismus’ sprechen. Weiter soll die Arbeit das Schwarz-Weiss- bzw. Gut-Böse-Denken hinterfragen. Ich weiss, dass mir das alles nicht absolut gelingen kann und dass die Arbeit durch meine Wertvorstellungen etwas subjektiv gefärbt sein wird. Daher bitte ich um eine kritische Auseinandersetzung mit meiner Arbeit.

Max Hoelz versuchte das Unrecht zu bekämpfen indem er sich dem Klassenkampf stellte. Auch heute gibt es Menschen die ihr ganzes Leben einem ähnlichen Ziel opfern. Wer versteht wie Hoelz dachte, kann auch Menschen wie diese besser verstehen. Wer Hoelz zu kritisieren weiss, erkennt auch die Problematik, an der zeitgenössische ‘Kämpfer/innen für Gerechtigkeit‘ oft scheitern.

2. Wer war Max Hoelz?

Max Hoelz wurde am 14. Oktober 1889 in Moritz bei Riesa, im heutigen Sachsen, geboren.

Im Jahre 1891 zog seine Familie - eine arme Landarbeiterfamilie - nach Hirschstein an der Elbe. Von 1895 bis 1903 besuchte Max Hoelz die Volksschule in verschiedenen Orten zwischen Riesa und Meißen. Ab 1903 arbeitete Hoelz als Landarbeiter beim Bauern Klotzsche in Riesa. Im Jahre 1905 arbeitete er erst als Hausdiener in Riesa, dann als Silberputzer in Heidelberg und schliesslich als Diener in Baden-Baden.

1906 reiste Hoelz, nachdem er als Liftboy einige Brocken Englisch gelernt hatte, nach London, wo er sich als Küchenjunge und Wagenwäscher durchschlug. Später fand er eine Stelle als technischer Zeichner.

1909 musste Hoelz wegen seiner Militärdienstpflicht zurück nach Deutschland, wo er als Hausknecht und später als Hilfskellner in Berlin arbeitete.

1912 übersiedelte Hoelz nach Falkenstein im Vogtland. Dort war er als Filmvorführer und als Landvermesser tätig.

Am 10. August 1914 erfolgte Hoelz’ Einstellung in den Kriegsdienst beim 18. Königshusarenregiment. Ab Ende Oktober 1914 wurde Hoelz auf eigenen Wunsch an verschiedenen Fronten des Ersten Weltkrieges eingesetzt. An der Front wurde Hoelz täglich mit den Greueln des Krieges konfrontiert. 1917 hatte er seine erste Begegnung mit marxistischem Gedankengut, als er Georg Schumann an der Galizischen Front bewachen sollte.

Am 9. November 1918 kehrte Hoelz nach Falkenstein zurück. Kurz nach seiner Rückkehr wurde er Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in der Novemberrevolution.

Ab Februar 1919 war er Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands und ab dem 24. April 1919 Vorsitzender des Arbeitslosenrates in Falkenstein. Der Arbeitslosenrat zwang in einigen Fällen Leute zu Abgaben oder führte Enteignungen durch. Der Bürgermeister von Falkenstein bat daher um Hilfe bei der Reichswehr. Am 29. April marschierte die Reichswehr in Falkenstein ein, um gegen Hoelz und seine Leute vorzugehen. Am 3. Juni besetzte ein Jägerregiment die Stadt und am 22. Juni erfolgte die dritte Besetzung Falkensteins durch Sicherheitstruppen. Da Hoelz gesucht wurde, beschloss die Partei, ihn im Spätsommer 1919 in die Parteischule der KPD in Walsrode (Lüneburger Heide) zu bringen. Dort setzte er sich erstmals vertieft theoretisch mit kommunistischem Gedankengut auseinander.

Im März 1920 nahm Hoelz am Kampf gegen den Kapp-Lüttzwitz-Putsch im Vogtland teil. Am 12. April 1920 marschierte die Reichswehr im Vogtland ein und es herrschte Ausnahmezustand.

Am 21. März 1921 begann der Generalstreik in Mansfeld. Am folgenden Tag kam Hoelz ins Streikgebiet. Vom 23. März bis 1. April des gleichen Jahres kommandierte er Arbeitertruppen an den Märzkämpfen in Mitteldeutschland. Durch Verrat wurde Hoelz am 15. April 1921 in Berlin verhaftet. Der Prozess gegen ihn begann am 13. Juni 1921 und endete mit der Verurteilung zu lebenslanger Zuchthausstrafe, da er des Totschlages am Gutsbesitzer Hess bezichtigt wurde. Hoelz kämpfte im Gefängnis für die Wiederaufnahme seines Prozesses, um sich vom Totschlag freisprechen zu lassen. Die anderen Anklagepunkte, wie Enteignungen und Sprengstoffattentate, gestand er oder nahm sie hin, auch wenn sie falsch waren. Am 14. Juli 1921 wurde Hoelz ins Zuchthaus Münster in Westfalen eingeliefert.

Im September 1922 wurde er ins Zuchthaus nach Breslau verlegt. Im Jahre 1923 wurde Hoelz als erster Deutscher von damaligen Sowjetunion mit dem Rotbannerorden ausgezeichnet. Immer noch inhaftiert, wurde Hoelz 1924 dennoch Spitzenkandidat der KPD für die Reichtagswahlen. 1925 heiratete er im Zuchthaus die Parteigenossin Traute Loebinger, nachdem er von seiner ersten Frau Klara, mit der er 1915 kriegsgetraut wurde, im Oktober 1923 geschieden worden war.

Im folgenden Jahr erschien die Broschüre ‘Gerechtigkeit für Max Hoelz’ von Erich Mühsam im Verlag der ‘Roten Hilfe’. Ebenfalls 1926 wurde Hoelz ins Zuchthaus Gross-Strehlitz in Oberschlesien verlegt. Das ‘Neutrale Komitee für Max Hoelz’ wurde 1927 ins Leben gerufen. Es kämpfte für die Wiederaufnahme des Prozesses um Max Hoelz. Im gleichen Jahr erfolgte die Verlegung von Hoelz in die Haftanstalt Sonnenburg bei Berlin. Am 1. Januar 1928 wurde Max Hoelz Ehrenmitglied des Leningrader Stadtsowjets.

Am 18. Juli des gleichen Jahres wurde er nach rund sieben Jahren Haft wieder auf freien Fuss gesetzt. Er begann noch im selben Jahr in Todtmoos-Rütte, einem Dorf im Badischen Schwarzwald, seine Memoiren zu schreiben. Erschienen ist das Memoirenwerk 1929 in einer Auflage von 29'000 Exemplaren. 1929 trat Hoelz seine erste Reise in die damalige Sowjetunion an. 1930 kehrte er nach Deutschland zurück und nahm an den Wahlkämpfen teil. Im September 1930 wurde Hoelz von Faschisten in Bad Elster schwer verwundet. Auf Beschluss der Kommunistischen Partei emigrierte Hoelz im Oktober 1930 in die Sowjetunion und studierte an der Leninschule.

Von 1931 bis 1932 war Hoelz als Bergarbeiter und Parteifunktionär in Sibirien tätig. Er wollte das kommunistische System von ganz unten kennen lernen und schrieb über seine Erfahrungen. 1933 arbeitete er dann auf einem Staatsgut bei Gorki.

Am 16. September 1933 wurde er in der Nähe von Gorki ertrunken aufgefunden, nachdem er einige Jahre in der Sowjetunion verweilt hatte. Die Umstände, die zum Tod von Hoelz führten, sind umstritten. Die einen sagen Hoelz sei ertrunken und sprechen von einem Unfall, andere sagen, Hoelz sei von Funktionären der GPU, der staatlichen Sicherheitspolizei unter Stalin, ermordet worden, da er zu viel Kritik am System der Sowjetunion übte.[1]

3. Vom ‘Weissen Kreuz’ zur roten Fahne

Der Titel seiner Memoiren weist auf den inneren Wandel von Hoelz hin, der sein Leben nach dem Ersten Weltkrieg massgeblich bestimmte.

Er brauchte die beiden Ausdrücke ‘Weisses Kreuz‘ und ‘rote Fahne‘ im Titel seines Memoirenwerks nicht zufällig. Beide sind als Symbole zu verstehen. Das ‘Weisse Kreuz‘ war ein evangelischer Keuschheitsbund, dem Hoelz bis 1914 angehörte.[2] Die Zeit in diesem Bund markierte den Punkt im Leben von Hoelz, an dem er sich nachträglich wohl am stärksten von seiner Frömmigkeit eingeengt fühlte. Das würde erklären, weshalb er den Ausdruck als Pol demjenigen der ‘roten Fahne’ gegenüberstellt.

Die ‘ R ote Fahne’ war das Zentralorgan des Spartakusbunds und wurde etwas später die Tageszeitung der Kommunistischen Partei Deutschland (KPD). Der Ausdruck ‘rote Fahne‘ verweist möglicherweise auf diese Zeitung, in der am 2. Oktober 1926 ein Aufruf zur Freilassung von proletarischen politischen Gefangenen am „Schulfall Hoelz“ enthalten ist.[3] Dafür würde sprechen, dass Hoelz die meiste Zeit während seiner Gefangenschaft daran arbeitete, das Fehlurteil um ihn eben als „Schulfall“ publik zu machen und so die Missjustiz gegen die Arbeiterbewegung aufzudecken. Dabei war diese Zeitung nicht unbeteiligt.

Die Zeitung selbst aber trägt einen symbolischen Titel. Die rote Fahne wird an Arbeiterkundgebungen oft geschwenkt und ist Symbol für eine sozialistische Gesinnung, also die Fahne der Arbeiter und Arbeiterinnen.

Im Titel der Memoiren ist rot (Vom „Weissen Kreuz“ zur roten Fahne) zudem klein geschrieben und somit ist nicht klar, ob Hoelz damit wirklich auf die Zeitung verweisen wollte. Ausserdem ist „Weissen Kreuz“ in Anführungs- und Schlusszeichen gesetzt und rote Fahne nicht.

Hoelz meinte mit ‚rote Fahne‘ vermutlich allgemein seine Zeit als Revolutionär.

3.1. Kindheit, Jugend, Sexualität

Max Hoelz war Sohn armer Landarbeiter. Sein Vater war Schneidemühlearbeiter und seine Mutter war Tagelöhnerin. Oft hatten sie nicht genug zu essen. Hoelz litt in der Schule öfters daran, dass er nicht wie die anderen Kinder ordentliche Kleider trug. Er wurde deswegen nämlich gehänselt. Schon früh beschloss er, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und verliess 1905, im Alter von sechzehn Jahren, ohne die Einwilligung seiner Eltern, das Elternhaus. Er ging nach Riesa und nahm eine Stelle als Hausdiener an. Drei Monate später zog er weiter nach Heidelberg, wo er eine Stelle als Silberputzer fand. Nach seinem Aufenthalt in Baden-Baden, wo er nicht wie gewünscht eine Stelle fand, bei der er wenigstens so viel freie Zeit gehabt hätte, um sich weiterzubilden, reiste Hoelz kurz entschlossen nach London.[4]

[...]


[1] Gebhardt, S. 314. Buber-Neumann/Rütti-Morand, S. 16. Siehe auch Anhang 2.

[2] Gebhardt, S. 31.

[3] Gebhardt, S.226. Siehe Anhang 1.

[4] Gebhardt, S. 19-27.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Über Max Hoelz: "Vom Weißen Kreuz zur roten Fahne"
Hochschule
Université de Fribourg - Universität Freiburg (Schweiz)  (Institut für Zeitgeschichte)
Veranstaltung
Seminar über Tagebücher und Memoiren
Note
angenommen (keine Benotung)
Autor
Jahr
2002
Seiten
29
Katalognummer
V6106
ISBN (eBook)
9783638137638
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit zeigt die Figur Max Hoelz aus verschiedenen Perspektiven. Sie stellt zudem in den Vordergrund, was ein bekannter Name alles bewirken und anrichten kann, wie er verarbeitet wird, wie er missbraucht wird und weshalb auch bekannte Namen in Vergessenheit geraten können. Die Arbeit ist auch ohne Anhang vollwertig. Der Anhang fehlt bei dieser Version aus kopier- und übermittlungstechnischen Gründen. Seitenzahl ohne Anhang. 296 KB
Schlagworte
Max Hoelz, Figur, Zeitgeschichte, Revolutionär, Wirkung, Namen, Gefängnis, Zuchthaus, 1920, Schrecken, Grauen, Memoiren, 1. Weltkrieg
Arbeit zitieren
Matthias Giger (Autor), 2002, Über Max Hoelz: "Vom Weißen Kreuz zur roten Fahne", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6106

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