Das Südmotiv in zwei Gedichten von Ingeborg Bachmann


Hausarbeit, 2006
11 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1) Ingeborg Bachmann
1.1) Das Verhältnis der Autorin zur Lyrik

2) Das Südmotiv als ambivalentes Konzept
2.1) Herbstmanöver[1]
2.2) Das erstgeborene Land[2]

Nachwort

Bibliografie

Vorwort

Viele Gedichte Ingeborg Bachmanns konfrontieren den Leser mit existenziellen Fragen über Tod, Zeit, Schuld, Form und Inhalt von Sprache, kurz: über alles, was Leben ist und mehr. Ihre Bildsprache, die in der Hausarbeit im weitesten Sinne betrachtet werden soll, geht mit der meist klaren Form und Struktur der Texte und den erwähnten existenziellen Themen eine für Bachmanns Werke charakteristische Verbindung ein. Die von der Schriftstellerin verwendete Metaphorik ist vielfältig, so benutzt sie z.B. Himmelskörper, Sternzeichen, menschliche Sinnesorgane, u.a. das Auge als sehendes und wissendes Symbol. Aber auch mediterrane Zeichen wie Fische, Schiffe, Ufer, usw. setzt sie ein, um ihre Fragen an den Leser zu formulieren. Anders als Gottfried Benn gibt sie ihren Gedichten eine dialogische Funktion, also auch der Kunst an sich. Sie sieht sie den Künstler als Teil der Gesellschaft, der eine aufklärende Verpflichtung hat.

Mit Gottfried Benn und anderen Dichtern, nicht nur des 20. Jahrhunderts, hat Ingeborg Bachmann gemeinsam, dass sie sich unter anderem mit dem Motiv des Südens oder besser gesagt mit einem ganzen Komplex an Südmetaphern und –zeichen beschäftigten. Was der Süden in den Gedichten Bachmanns bedeuten kann, soll hier im Verlauf der Arbeit und anhand von den zwei als exemplarisch ausgewählten Gedichten Herbstmanöver und Das erstgeborene Land untersucht werden.

1) Ingeborg Bachmann

Seit ihrem Auftritt bei einer Tagung der Gruppe 47 im Jahr 1952 wurde sie erst 26jährig als der „neue Stern am deutschen Poetenhimmel“ (G. Blöcker) und als exemplarische Lyrikerin der Nachkriegszeit gefeiert. Aufgrund des stetigen öffentlichen Interesses an ihrer Person und Privatsphäre, scheint eine vorurteilslose Annäherung an ihre Texte unmöglich.[3] Ingeborg Bachmann und ihr Werk sind Zeit ihres Lebens und darüber hinaus als ein Mythos von der Kritik bejubelt und diffamiert worden. Der Reiz, ihre zwei hier zu betrachtenden Gedichte ohne eine kurze biografische Einführung zu behandeln, ist groß, aber nicht sinnvoll, denn die autobiografischen Elemente, die in eben diesen Gedichten enthalten sind, wenn auch nicht annähernd so stark wie das Interesse an ihnen, können und sollen notwendigerweise in Bezug auf das zu betrachtende Südmotiv nicht verschwiegen werden.

Ingeborg Bachmann wurde 1926 im österreichischen Klagenfurt geboren. Zwölf Jahre später marschierte die deutsche Wehrmacht in Österreich ein und der Nationalsozialismus prägte sieben Jahre lang die Kindheit und Jugend Bachmanns, die aber schon früh zu schreiben anfing und so ein Mittel fand, ihre regimekritische Haltung zum Ausdruck zu bringen. Ihr Philosophiestudium begann sie 1945 in Innsbruck, führte es dann in Graz und kurz darauf in ihrer ersten Wahlheimatstadt Wien fort. Auf die zweite und vielleicht eigentliche Wahlheimat soll im Zusammenhang mit dem Südmotiv später noch eingegangen werden. In Wien stieß Bachmann auf die Schriften Ludwig Wittgensteins[4], schrieb ihre Doktorarbeit über die Existentialphilosophie Martin Heideggers und lernte Hans Weigel und seinen Literatenkreis kennen. Ihren literarischen Durchbruch erlangte sie durch den Erhalt des Preises der Gruppe 47 im Jahr 1953 und durch ihren im selben Jahr erschienenen ersten Gedichtband Die gestundete Zeit. Sie verlegte ihren Hauptwohnsitz kurz nach ihrer ersten Italienreise von Wien nach Rom. Dennoch lebte sie rastlos bis zu ihrem mysteriösen Unfalltod im Jahr 1973 auch in anderen europäischen Großstadtmetropolen wie Paris, London, Berlin und Zürich, vermutlich im Zusammenhang mit ihren schwierigen Liebesbeziehungen zu Schriftstellerkollegen wie Paul Celan, Max Frisch, etc., die, wie schon erwähnt, in der Literaturkritik ebenso starkes Interesse hervorriefen wie ihre Werke selbst.[5]

1.1) Das Verhältnis der Autorin zur Lyrik

Die geistige Heimatlosigkeit der frühen Nachkriegsliteratur fand in der Unentschiedenheit zwischen Tradition und Innovation, die in Ingeborg Bachmanns Gedichten angeblich widergespiegelt wird, ihr Ebenbild.[6] In der Literaturkritik hieß es Ende der 50er Jahre, als Bachmann sich zunehmend von der Lyrik distanzierte und sich erst den Hörspielen, dann den Erzählungen und Romanen, d.h. ihrem unvollendeten Todesarten – Projekt zuwandte, dass sich die begabte Lyrikerin Bachmann in die Prosa verirrt und eigentlich in ihr nichts verloren habe.[7] Man warf ihr darin den Mangel an ästhetischer Distanz zwischen sich selbst und ihren Gegenständen vor und die totale Identifikation mit dem Schmerz, sowie Kitsch und Trivialität,[8] während Bachmanns Lyrik zu ihren Lebzeiten trotz der selben existentiellen Themen, die sie dort behandelt, in den höchsten Tönen gelobt wurde. Allerdings muss dieser von ihr bewusst vollzogene Wechsel von der Lyrik zur Prosa und das Experimentieren mit den literarischen Genre als Antwort auf eben diese missverstehende Kritik und Öffentlichkeit gedeutet werden. Den Ruhm, der ihr durch Die gestundete Zeit (1953) und noch stärker durch ihren zweiten und letzten Lyrikband Anrufung des Großen Bären (1956) zu teil wurde, sah sie als Gefährdung ihrer Schriftstellerexistenz an, deren Ziel es sein sollte, Wahrheit aufzudecken und sie für den Menschen sichtbar zu machen. Das Finden und Schreiben der Wahrheit galt Ingeborg Bachmann als ihr „ethisch-moralischer Imperativ“, mit dem sie sich und ihre Kunst überforderte, wissend, dass die Wahrheit „etwas Furchtbares“ ist.[9] Die Ambivalenz in ihrer existenziellen Lebensphilosophie spiegelt sich natürlich auch in ihren Werken wider, so unter anderem in der Polarität der Schönheit und des Schreckens, die als beliebte Motive in der modernen Lyrik im Allgemeinen eine verstörende Symbiose eingehen. Auch sie sollen im Verlauf der Arbeit in Bezug auf das Motiv des Südens näher betrachtet werden.

Wie Hegel begriff Bachmann die Literatur als ein Medium der Erkenntnis, die sie zunehmend nicht mehr in der Lyrik verwirklicht sah,[10] u.a. aufgrund der trügerischen Schönheit der sprachlichen Form. Wittgensteins Tractatus Logico-Philosophicus verstand die Autorin als einen Aufruf an die Kunst, dort über die Wahrheit der existenziellen Not des Menschen zu sprechen, wo die Philosophie schweigen muss.[11]

[...]


[1] Bachmann, Ingeborg (2000): Die gestundete Zeit. München: Piper Verlag GmbH, 10. Auflage

[2] Bachmann, Ingeborg (1991): Anrufung des Großen Bären. München/ Zürich: R. Piper & Co. Verlag,

12. Auflage

[3] Vgl. Golisch, Stefanie: 12

[4] Vgl. Beicken, Peter: 22

[5] Vgl. Golisch, Stefanie: 8

[6] Vgl. Golisch, Stefanie: 10

[7] Vgl. Golisch, Stefanie: 44

[8] Vgl. Golisch, Stefanie: 16

[9] Golisch, Stefanie: 14

[10] Vgl. Golisch, Stefanie: 25

[11] Vgl. Golisch, Stefanie: 30

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das Südmotiv in zwei Gedichten von Ingeborg Bachmann
Hochschule
Universität Potsdam  (Germanistik)
Veranstaltung
Deutsche Lyrik ab 1945
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
11
Katalognummer
V61161
ISBN (eBook)
9783638546775
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Südmotiv, Gedichten, Ingeborg, Bachmann, Deutsche, Lyrik
Arbeit zitieren
Juliane Fehlig (Autor), 2006, Das Südmotiv in zwei Gedichten von Ingeborg Bachmann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61161

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