Der Naturalismus exemplifiziert anhand von Émile Zolas Roman 'La Terre'


Seminararbeit, 2004

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Der Naturalismus
2.1.1. Definition
2.1.2. Wichtige Vertreter des Naturalismus
2.2. Naturalistische Elemente im Roman „La Terre“
2.2.1. Themen
2.2.2. Sprachliche Darstellungsmittel

3. Schluss

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Grundzügen des Naturalismus, die anhand von Émile Zolas Roman „La Terre“ beispielhaft verdeutlicht werden sollen.

Zunächst soll durch eine Definition der literarischen Epoche, sowie durch die allgemeine Darstellung naturalistischer Elemente eine Einführung gegeben werden.

Einleitend soll die Denkweise der Naturalisten und deren Motivation vorgestellt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in 2.1 auf der Darstellung von Inhalten, literarischen Formen, sowie Darstellungsmitteln, die im Naturalismus eine prägnante Rolle eingenommen haben. Außerdem werden einige berühmte Schriftsteller kurz vorgestellt, die einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Naturalismus hatten.

In 2.2 sollen die in 2.1 bereits vorgestellten Grundelemente des Naturalismus anhand des Romans „La Terre“ von Émile Zola herausgestellt werden. Der im Seminar besprochene Roman eignet sich hierbei besonders als Textgrundlage, da er viele der Themenbereiche widerspiegelt, die im Naturalismus erstmals behandelt wurden. Des Weiteren lassen sich die im Naturalismus häufig verwendeten Darstellungsmittel anhand von „La Terre“ sehr gut herausheben, da Zola eine herausragende Rolle im französischen Naturalismus besetzte und in seinen Romanen naturalistische Elemente fast exemplarisch vorführte.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt in diesem Kapitel auf den Themenbereichen Alkoholismus, Liebe in Abhängigkeit vom Trieb, Inzest und Kriminalität, die durch den Gebrauch von Umgangssprache, Grammatikfehlern und dem Sekundenstil verdeutlicht werden und die Authentizität der Probleme belegen sollen.

Des Weiteren soll in diesem Kapitel deutlich werden, dass Zola einige Themen mehrmals in unterschiedlichen Ausführungen aufgreift, um eine Pauschalisierung zu vermeiden.

Aufgrund des vorgegebenen Rahmens der Arbeit ist es jedoch nicht möglich, die Verwendung von Dialekten und Satzabbrüchen in dem Roman genauer zu untersuchen. Außerdem können aus diesem Grund die Themenbereiche nur kurz erläutert werden; auf eine intensivere Ausführung musste leider verzichtet werden.

2. Hauptteil

2.1. Der Naturalismus

2.1.1. Definition

In der Literatur ist der Begriff Naturalismus die Bezeichnung für eine Strömung zwischen 1870 und 1900, „in der die genaue Beschreibung der Natur als sinnlich erfahrbare Erscheinung zum ästhetischen Prinzip erhoben ist.“[1] Als Grundlagen des Naturalismus dienten die Erkenntnisse der Naturwissenschaft und die darauf basierende Philosophie des Positivismus.

Im 19. Jahrhundert nahm man an, dass die einzige Wissenschaft, die die Realität richtig erfasste, die Naturwissenschaft war. Folglich mussten deren wissenschaftliche Erkenntnisse nach Meinung der Naturalisten ebenfalls als Grundlage in der Kunst, der Literatur, sowie in der Philosophie dienen.

Weiterhin ist der Naturalismus dem Realismus verwandt, da beide Strömungen dieselben geistigen und sozialen Wurzeln haben. Die Naturalisten empfanden sich jedoch als radikaler als die Realisten, da sie versuchten, die Grundideen des Realismus konsequent zu Ende zu denken.

„Nur zu dieser Zeit können alle formalen und gehaltlichen Aspekte des radikalen Realismus sich verdichten, woraus der Naturalismus als einmalige Bewegung dann hervorgeht.“[2]

Ziel war es, die Wirklichkeit in der Literatur so exakt wie möglich darzustellen.

Im Naturalismus vollzogen die Schriftsteller eine bis dahin unbekannte Hinwendung zur sozialen Umwelt. Es wurden erstmals Themenbereiche angesprochen, die bis zu diesem Zeitpunkt vernachlässigt und tabuisiert worden waren. Die Lebensumstände der schwächeren sozialen Schichten, Alkoholismus, Prostitution, Kriminalität und die Zerrüttung von Familien und Ehen waren Themen, die die Zielsetzung der Naturalisten am stärksten zum Ausdruck brachten. Anhand dieser Inhalte wird deutlich, dass der Naturalismus in erster Linie eine bürgerlich-intellektuelle Protestbewegung gegen soziale Missstände und gegen die politischen sowie kulturellen Verhältnisse der Gründerzeit war.

Diese Missstände entwickelten sich u.a. aus der Industrialisierung, aus der die Heranbildung einer neuen Arbeiterklasse und soziale Probleme, wie z.B. Arbeitslosigkeit, resultierten. Sie führten zu einer Verschärfung der Klassengegensätze und zu politischen Konflikten.[3]

Die Naturalisten waren jedoch prinzipiell von pessimistischer Grundhaltung, da sie weder Lösungsvorschläge für die von ihnen kritisierten Probleme, noch Hoffnung vermittelten. Trotz aller Sympathie für die Sozialdemokratie sahen sie sich nicht als Anhänger einer politischen Bewegung mit konkreten Zielen und Strategien.

Die bevorzugte Darstellungsform der Naturalisten war der Roman. In der Lyrik experimentierte man mit Erzählgedichten oder Prosalyrik.

Als literarische Darstellungsmittel wählte man häufig Umgangssprache, Dialekte, Satzabbruch und Grammatikfehler. Der Sekundenstil, bei dem die Abbildung der Wirklichkeit in der Registrierung kleinster Details dargestellt wird, war ebenfalls ein beliebtes Mittel der naturalistischen Autoren.

Nach 1895 verlor der Naturalismus an Bedeutung, er wirkte sich aber dennoch insbesondere inhaltlich und strukturell, sowie in Form seiner beschreibenden Darstellungsmittel auf die nachfolgende literarische Entwicklung aus.

2.1.2. Wichtige Vertreter des Naturalismus

Émile Zola wurde durch den „Experimentalroman“, den er 1880 verfasste zum Programmatiker des europäischen Naturalismus. Er hat den Naturalismus vor allem unter literaturtheoretischem Aspekt stark beeinflusst und wurde aufgrund seiner sozialkritischen Texte in vielen Ländern hochgeschätzt.

Weitere Bedeutende Einflüsse kamen überwiegend aus Russland, u.a. von den Schriftstellern F.M. Dostojewski und L.N. Tolstoi, sowie aus Skandinavien, wo sich nach 1870 vor allem das naturalistische Drama durch H. Ibsen und A. Strindberg entwickelte.

Bedeutende Vertreter des deutschen Naturalismus waren Gerhart Hauptmann, Arno Holz und Johannes Schlaf. A. Holz und J. Schlaf entwickelten in dem Novellenband Papa Hamlet (1889) den für den Naturalismus charakteristischen Sekundenstil. Außerdem führten sie den Dialekt als sprachliches Darstellungsmittel ein, um größere Authentizität zu erlangen. Im Gegensatz zu Zola forderten beide jedoch schöpferische Subjektivität nach folgender Formel: Kunst = Natur – x, wobei der Faktor x möglichst nach Null tendieren solle, um die Wirklichkeit so exakt wie möglich abzubilden.

[...]


[1] Der Brockhaus, Band 10, S. 22.

[2] Cowen, Roy C., Der Naturalismus, Kommentar zu einer Epoche, S. 9 f.

[3] Vgl. Encarta 98.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Naturalismus exemplifiziert anhand von Émile Zolas Roman 'La Terre'
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Veranstaltung
Romanisches Seminar: Proseminar: Zola et le naturalisme roumain
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V61314
ISBN (eBook)
9783638547970
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Naturalismus, Zolas, Roman, Terre, Romanisches, Seminar, Proseminar, Zola, Thema Naturalismus
Arbeit zitieren
Anja Krechel (Autor), 2004, Der Naturalismus exemplifiziert anhand von Émile Zolas Roman 'La Terre', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61314

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