Die Funktion von Analogie und Metapher in der französischen Argumentation


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Analogie
2.2 Metapher
2.2.1 Die argumentative Metapher nach Perelman
2.2.2 Schwierigkeiten im Gebrauch der argumentativen Metapher
2.3 Korpusanalyse
2.3.1 Politische Rede
2.3.2 Zeitungsartikel
2.3.3 Werbung

3 Schluss

4 Literaturverzeichnis
4.1 Korpus
4.2 Sekundärliteratur

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Rolle von Analogie und Metapher als Mittel zur Stützung einer These. Das Ziel der Arbeit ist es zu klären, ob Analogien und Metaphern bestimmte Funktionen in der französischen Argumentation haben.

Dazu leitet zunächst ein theoretischer Teil in die Problematik ein. Die Kapitel 2.1 und 2.2 beschäftigen sich mit dem Stand der Forschung auf diesem Gebiet.

Das Kapitel 2.1 ist dabei kurz gehalten, es dient zur Einführung in die Problematik der Analogie, auf die das Kapitel 2.2 über die Bildung und Verwendung der Metapher aufbaut.

Zunächst bietet eine diachrone Analyse der Metapherntheorie von Aristoteles über Stephen Ullmann, George Lakoff und Mark Johnson bis hin zu Michael Pielenz einen Überblick über den Funktionswandel der Metapher.

Ein Schwerpunkt liegt im darauffolgenden Kapitel auf der Arbeit von Chaïm Perelman, der eine klare Abgrenzung zwischen Analogie und Metapher vornimmt und den Unterschied zwischen poetischer und argumentativer Metapher erläutert.

Die Werke der o.g. Sprachwissenschaftler sind besonders geeignet, da die Autoren sich kritisch mit der Metapherntheorie auseinandersetzen und neue Erkenntnisse über den Stand der Forschung publizieren.

Das Kapitel 2.3 besteht aus einer synchronen Sprachanalyse eines selbst erstellten Korpus. Um zu zeigen, dass argumentative Metaphern in verschiedenen Sprachbereichen vorkommen, wurden für die Analyse drei Textsorten ausgewählt; die politische Rede, Zeitungsartikel und Werbetexte aus Frauenmagazinen.

Aufgrund des beschränken Umfangs der Arbeit, können die o.g. Textsorten nur auszugsweise analysiert werden, außerdem ist eine Auswertung weiterer Textsorten leider nicht möglich.

Bei der Analyse, wie in der gesamten Arbeit, liegt ein Schwerpunkt auf der Verwendung metaphorischer Elemente. Der Unterschied zwischen Analogie und Metapher soll jedoch, wie im Kapitel 2.2.1 erläutert, deutlich werden.

Die Korpusanalyse soll zeigen, inwiefern die in den vorherigen Kapiteln erläuterten Theorien in der Praxis Anwendung finden und es soll geklärt werden, ob Metapher und Analogie eine bestimmte Funktion in den analysierten Genres zukommt.

2 Hauptteil

2.1 Analogie

Obwohl die Analogie als essentieller Faktor der Erfindung angesehen wurde, wurde sie zunächst misstrauisch betrachtet, als man aus ihr ein Beweismittel machen wollte. Einige Philosophen wie z.b. Plato oder Thomas von Aquin sahen die Analogie als spezifischen und unverzichtbaren Typus des Folgerns.

Empirische Denker hingegen, sehen in der Analogie nur die Aussage einer sehr ungenauen Vergleichbarkeit, deren einziger Wert darin besteht, Anlass zur Formulierung von Hypothesen zu geben, die dann durch Induktion bestätigt werden müssen. Die Analogie selbst kann ihrer Meinung nach jedoch keinen Eingang in die Formulierung wissenschaftlicher Ergebnisse bieten.

Perelman ist der Meinung, dass die Tatsache, dass die Analogie uns eine Hypothese einer anderen vorziehen lässt, zeigt, dass sie einen argumentativen Wert besitzt und somit in argumentativen Studien eingeschlossen werden muss.

In der Linguistik befasst sich die Analogie mit der Ähnlichkeit zweier Relationen zueinander und nicht, wie in der Mathematik, mit der Gleichheit der Beziehungen.

Perelman definiert die allgemeine Struktur der Analogie folgendermaßen:

„A est à B ce que C est à D.“[1]

Das Paar AB, das die Konklusion trägt, wird hierbei als Thema der Analogie (thème) bezeichnet, das Paar CD, das dazu dient, die Begründung zu stützen, wird als Träger der Analogie (phore) bezeichnet.[2]

Das Thema dieser Analogie soll durch das bereits Bekannte, den Träger, erhellt, strukturiert und bewertet werden.

Die Analogie soll dazu beizutragen, dass einer oder ggf. beide Begriffe des Themas bestimmt werden. Dies ist besonders häufig bei der Analogie mit drei Begriffen der Fall. Perelman definiert die Struktur dieser Analogie folgendermaßen:

«B est à X, comme C est à B.»[3]

Die Bereiche der Analogie dürfen nicht wie in der mathematischen Relation homogen sein, sie müssen aus verschiedenen Domänen stammen, damit das Ziel, das Thema durch den Träger zu erhellen, erfüllt werden kann. Sobald die gegenübergestellten Relationen aus derselben Domäne stammen, fällt diese argumentative Struktur nicht mehr in den Bereich der Analogie, sondern nimmt die Struktur eines Beispiels oder einer Illustration an.

Im Gebrauch der Analogie werden bestimmte Bezüge, die die Konklusion stützen, in den Vordergrund gerückt und andere, die für die Konklusion irrelevant sind, werden außer Acht gelassen.

Ist das Ziel der Analogie, etwas Unbekanntes durch ein bekanntes Phänomen zu erläutern, erreicht, kann die Analogie aufgegeben werden. Das Thema, das nun erhellt ist, kann inzwischen unabhängig vom Träger der Analogie weiter bearbeitet werden.

Um die hervorgebrachte These, die durch eine Analogie illustriert wurde, zu kritisieren, muss man diese entweder so umformen, dass sie den eigenen Vorstellungen entspricht oder sie durch eine andere Analogie, die für angemessener gehalten wird, ersetzen.

2.2 Metapher

Bereits in der Antike wurde die Metapher als rhetorisches Mittel verwendet. Sie war zunächst klassischer Gegenstand der Rhetorik, der historischen Semantik, der Textlinguistik und der Literaturwissenschaft.

Aristoteles definierte die Metapher in seiner Poetique als:

„die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art, oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf die andere, oder nach den Regeln der Analogie.“[4]

Seither beschäftigen sich viele Literatur- und Sprachwissenschaftler mit diesem häufig verwendeten sprachlichen Mittel und ordnen der Metapher unterschiedliche Funktionen bei, die im Folgenden zusammengefasst werden sollen.

Stephen Ullmann beschreibt die unterschiedlichen Funktionen der Metapher. Zunächst greift er auf die klassische Definition

„la métaphore est en dernière analyse une comparaison en raccourci“[5]

zurück, die er dann später durch den Einfluss der modernen Semantik erweitert.

„L’étude de la métaphore a été poussée si loin par la rhétorique et la stylistique classiques ainsi que par la sémantique moderne.“[6]

Auch Harald Weinrich analysierte die Funktion der Metapher. Er führte die Begriffe Bildempfänger und Bildspender ein.[7] Bei der Übernahme eines Begriffes aus einem bereits bekannten Bereich, dient dieser Bereich als Quelldomäne und der Begriff als Bildspender. Der Bereich, auf den wir den Begriff dann anwenden, ist die Zieldomäne und der Gegenstand, auf den wir den Begriff anwenden, ist der Bildempfänger. Die Art von Metaphern, die durch diese Übertragung eines Bildes aus einem Bereich in einen andern entstehen, nennt man Konzeptmetaphern.[8]

In dem essayhaften Buch Metaphors we live by von George Lakoff und Mark Johnson gelang es den Autoren jedoch zu zeigen, dass die Metapher eben nicht nur eine rhetorische Figur ist, sondern auch Gegenstand der Alltagssprache.

„Wir haben dagegen festgestellt, dass die Metapher unser Alltagsleben durchdringt, und zwar nicht nur unsere Sprache, sondern auch unser Denken und Handeln.“[9]

Michael Pielenz untersucht in seinem Werk Argumentation und Metapher u.a. ebenfalls die o.g. Theorien von Lakoff/ Johnson. Er unterstützt deren These, dass die Metapher in der Alltagssprache häufig verwendet wird und fügt hinzu, dass sie in der Argumentation unentbehrlich eingebunden wird. Er behauptet, dass der Metapher, sowie dem Topos

„eine argumentationsstabilisierende Rechtfertigungsdimension eigen ist.“[10]

Er legt somit einen Schwerpunkt auf die argumentative Funktion der Metapher und arbeitet heraus, dass konzeptuelle Metaphern und Topoi über eine analoge argumentative Gebrauchsfunktion verfügen und funktional deckungsgleich sind.[11].

In Anlehnung an Steen unterscheidet Pielenz drei Schwerpunktgebiete innerhalb der linguistischen Erforschung der Metapher:

a) dem sprachlichen
b) dem psychologischen
c) dem sozialen Bereich.

Da die Argumentation Teil der sozialen Praxis ist, konzentriert sich Pielenz auf die Erforschung der sozialen Dimension der Metapher.[12]

Er betont, dass die Anpassung an den sozialen Kontext bei der Verwendung von Metaphern in der Redepraxis unabkömmlich ist.

2.2.1 Die argumentative Metapher nach Perelman

Auf die Zeit von Aristoteles geht die Tradition zurück, dass die Rhetorik als Kunst der Überzeugung gilt. Diese Tradition greifen Perelman und Olbrechts-Tyteca in ihrer Argumentationstheorie ebenfalls wieder auf.

[...]


[1] Perelman, Chaïm/ Olbrechts-Tyteca, Lucie., Traité de l’argumentation, 1976, S. 500.

[2] Vgl. Ders., S. 501.

[3] Ders., S. 515.

[4] Aristoteles, Poetik, 1457b.

[5] Ullmann, Stephen, S.277.

[6] Ders., S.278.

[7] Vgl. Weinrich, Harald, Sprache in Texten, 1976.

[8] Vgl. Blank, Andreas, Einführung in die lexikalische Semantik, 2001, S. 76.

[9] George Lakoff/ Marc Johnson, Leben in Metaphern, 2000, S.11.

[10] Pielenz, Michael, Argumentation und Metapher, 1993, S. 119.

[11] Vgl. Ders., S. 138 f.

[12] Vgl. Ders., S. 57f.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Funktion von Analogie und Metapher in der französischen Argumentation
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Romanisches Seminar)
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V61316
ISBN (eBook)
9783638547994
ISBN (Buch)
9783640813582
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Funktion, Analogie, Metapher
Arbeit zitieren
Anja Krechel (Autor), 2004, Die Funktion von Analogie und Metapher in der französischen Argumentation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61316

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