Die Problematik der Metapher


Seminararbeit, 2003

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Bedeutung der Metapher
2.1. Allgemeine Definition
2.2. Funktionsänderung der Metapher
2.3. Bedeutungswandel
2.4. Bildempfänger und Bildspender
2.5. Die kühne Metapher

3. Allgemeine Semantik der Metapher
3.1. Kontextdetermination
3.2. Determination und Konterdetermination
3.3. Lexem- und Morphemmetaphern
3.4. Sprachkritik an der Metapher

4. Streit um Metaphern
4.1. Mikro-Metaphorik
4.2. Kontext-Metaphorik
4.3. Text-Metaphorik

5. Schluss

6. Bibliographie

1. Einleitung

Der erste Teil der vorliegenden Arbeit beschäftigt sich zunächst mit einer synchronen Analyse der Metapherntheorie und wird dann durch eine diachrone Sprachanalyse von Aristoteles und Cicero bis hin zu Stephen Ullmann, George Lakoff, Marc Johnson, Andreas Blank und Harald Weinrich erweitert. Hierbei soll versucht werden, die verschiedenen Metapherntheorien kritisch darzustellen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in diesem Kapitel auf den Büchern Metaphors we live by von George Lakoff und Marc Johnson und den beiden Werken Einführung in die lexikalische Semantik und Prinzipien des lexikalischen Bedeutungswandels am Beispiel der romanischen Sprachen von Andreas Blank. Diese Werke sind besonders geeignet, da die Autoren nicht nur eigene Theorien vorstellen, sondern auch die Theorien anderer Linguisten kritisch betrachten.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der allgemeinen Semantik der Metapher. Hierbei liegt ein Schwerpunkt auf dem Thema der Kontextdetermination und somit auch der Determination und Konterdetermination. Ich beziehe mich in diesem Kapitel hauptsächlich auf Harald Weinrich, der sich mit diesem Thema in seinem Buch Sprache in Texten sehr ausführlich auseinandersetzt und auf häufige Streitfragen um die Metaphern in der Alltagssprache eingeht.

Das vierte Kapitel der Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik der Klassifizierung der Metapher. In diesem Zusammenhang werden drei Analysemethoden vorgestellt, die Harald Weinrich zur Schlichtung der oben genannten Streitfragen vorstellt.

Aufgrund des Umfangs der Arbeit, war es leider nicht möglich, näher auf die Theorien von Max Black und auf den Begriff der absoluten Metapher von Hans Blumenberg einzugehen.

Außer der Darstellung der verschiedenen Metapherntheorien war es mir wichtig zu zeigen, dass Metaphern in verschiedenen Sprachbereichen vorkommen. Daher habe ich nicht nur Beispiel aus der Literatur herangezogen, sondern auch Ausschnitte aus Frauenzeitschriften oder Liedtexten.

2. Bedeutungen der Metapher

2.1. Allgemeine Definition

Das Wort Metapher stammt aus dem griechischen und bedeutet „Übertragung“, zu metaphére „anderswohin tragen“. Metaphern sind sprachliche Ausdrucksmittel der uneigentlichen Rede. Hierbei wird das eigentlich gemeinte Wort durch ein anderes ersetzt, das eine sachliche oder gedankliche Ähnlichkeit hat oder dieselbe Bildstruktur aufweist.[1]

2.2 Funktionsänderung der Metapher

Bereits in der Antike wurde die Metapher als rhetorisches Mittel verwendet. Sie war zunächst klassischer Gegenstand der Rhetorik, der Historischen Semantik, der Textlinguistik und der Literaturwissenschaft.

Von Aristoteles stammt folgende berühmte Definition:

„Metapher ist die Übertragung eines fremden Nomens, entweder von der Gattung auf die Art oder von der Art auf die Gattung oder von einer Art auf eine andere oder gemäß der Analogie.“

Seitdem beschäftigen sich viele Literatur- und Sprachwissenschaftler mit diesem häufig verwendeten sprachlichen Mittel.

In dem essayhaften Buch Metaphors we live by von George Lakoff und Mark Johnson (1980) gelang es den Autoren jedoch zu zeigen, dass die Metapher eben nicht nur eine rhetorische Figur ist, sondern auch Gegenstand der Alltagssprache.

„Wir haben dagegen festgestellt, daß die Metapher unser Alltagsleben durchdringt, und zwar nicht nur unsere Sprache, sondern auch unser Denken und Handeln.“[2]

Auch Stephen Ullmann beschreibt die unterschiedlichen Funktionen der Metapher. Zunächst greift er auf die klassische Definition „la métaphore est en dernière analyse une comparaison en raccourci“[3] zurück, die er dann später durch den Einfluss der modernen Semantik erweitert.

„L’étude de la métaphore a été poussée si loin par la rhétorique et la stylistique classiques ainsi que par la sémantique moderne.“[4]

Die These, dass die Metapher nicht nur ein rhetorisches Mittel, sondern auch ein notwendiger Teil der Alltagssprache ist, wird wie es anhand dieser Beispiele gezeigt werden soll also von mehreren Linguisten vertreten.

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden unbewusst Metaphern verwendet, wenn für einen bestimmten Gegenstand keine eigentliche Benennung existiert. Sie werden häufig im wissenschaftlichen Bereich für neue Erfindungen gebraucht, z.B. Glühbirne, Atomkern, aber auch zum Ausdruck körperlicher und seelischer Empfindungen greift man gern auf Begriffe wie „oben“ oder „hoch“, die ursprünglich zur Darstellung von räumlichen Beschaffenheiten gebraucht wurden, zurück.

George Lakoff und Marc Johnson bezeichnen diese Metaphern als Orientierungsmetaphern „weil die meisten von ihnen mit der Orientierung im Raum zu tun haben“[5].

Andreas Blank greift diese These in seinem Buch Einführung in die lexikalische Semantik ebenfalls auf und bestätigt die vorangegangene Feststellung.

Durch den Gebrauch eines bereits bekannten Begriffs, wird dem Rezipienten das Verständnis des neu verwendeten Begriffs erleichtert, dem Sprecher wird die Veranschaulichung neuer oder abstrakter Gegenstände vereinfacht, um die Kommunikation möglichst erfolgreich verlaufen zu lassen.

Auch Stephen Ullmann sagt, dass der Mensch sich alle Dinge in einer konkreten Form vorstellt und begründet somit den Gebrauch der Metaphern zur Veranschaulichung abstrakter Gegenstände.

Du concret à l’abstrait. – L’homme primitif voit tout sous une forme concrète.“[6]

Um die o.g. These von George Lakoff und Marc Johnson zu stützen, dass Metaphern nicht nur rhetorische Figuren sind, die ausschließlich in der Literatur vorkommen, habe ich einige moderne Liedtexte daraufhin untersucht, ob auch bei ihnen Metaphern verwendet werden. Anhand des Refrains des Liedes „Manhattan Kaboul“ von Renaud und Axel Red soll gezeigt werden, dass auch im Bereich der Popmusik Metaphern verwendet werden.

„Deux étrangers au bout du monde, si différents

Deux inconnus, deux anonymes, mais pourtant,

Pulvérisés, sur l’autel, de la violence éternelle“[7]

Bei diesem Beispiel ist es eindeutig, dass die beiden Menschen, von denen in diesem Lied die Rede ist, nicht wirklich auf einem Altar in die Luft gesprengt werden, sondern dass hier eine Metapher verwendet wird, die deren Gefühlszustand beschreiben soll.

Des Weiteren habe ich einige Beispiele aus modernen Frauenzeitschriften ausgewählt, die über das Alltagsleben einer Frau berichten. In diesen Texten werden zahlreiche Metaphern verwendet, um die sie lebendiger zu gestalten.

„Son intérieur est un vrai cocon“[8]

Hier beschreibt eine Frau ihre Gefühle für ihr Auto und die Wirkung, die es auf sie hat. Um auch dem Leser diese Gefühle näher zu bringen und es ihm zu ermöglichen, sich in die Situation der Frau hinein zu versetzen, ist die Verwendung von Metaphern ideal. Auch wenn der Leser das Auto noch nie gesehen hat, bekommt er durch den Bezug zu einem Kokon eine gewisse Vorstellung vermittelt und kann leichter das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit in diesem Auto nachvollziehen, als wenn man versuchen würde, es mit eigenen Worten und ohne Metaphern zu beschreiben.

In demselben Artikel wird in der Überschrift ein metaphorischer Ausdruck verwendet, der jedoch im Gegensatz zu dem oben genannten Beispiel bereits lexikalisiert ist.

„En coups de cœur“[9].

Hierbei lässt sich gut erkennen, was für einen großen Teil der Alltagssprache Metaphern sowie lexikalisierte metaphorische Ausdrücke ausmachen.

2.3 Bedeutungswandel

Beim Bedeutungswandel unterscheiden die Linguisten zwischen zwei Arten; dem innovativen und dem reduktiven Bedeutungswandel. Im ersten Fall entstehen neue lexikalische Einheiten in einer Sprache, im zweiten Fall werden sie abgebaut.

Da der innovative Bedeutungswandel für die Semantik interessanter ist, als der reduktive Bedeutungswandel, liegt der Schwerpunkt dieses Kapitels auf der Semantischen Innovation.

Betrachtet man das Beispiel des Begriffs der Computer-Maus genauer, so stellt man fest, dass diese Metapher nicht auf gemeinsame Seme zurückgeführt werden kann, sondern dass hierbei auch Aussersprachliches eine Rolle spielt. Dieses graphische Zeigegerät für Computer wurde zunächst 1969 unter einem nichtssagenden technischen Namen patentiert, ist 1983 aber schließlich unter dem Namen mouse kommerziell verbreitet worden. Die Innovation dieser Metapher bestand in der Übertragung des ursprünglichen Begriffes mouse für ein Nagetier auf das graphische Zeigegerät für Computer.

Durch die Kommerzialisierung des Produktes und die Übernahme des Begriffes innerhalb der Sprachgemeinschaft kam es zunächst zur Habitualisierung und schließlich zur Lexikalisierung.[10] An diesem Beispiel lässt sich deutlich erkennen, dass der Gebrauch dieser Metapher wesentlich effizienter ist als die Erfindung eines neuen Begriffs. Es findet eine Übertragung von etwas bereits Bekanntem auf etwas Neues, noch Unbekanntes aus einem anderen Bereich unseres Wissens statt. Hierbei übertragen wir automatisch auch bestimmte Merkmale und Konnotationen des Bekannten auf das Neue und der Bildempfänger wird schließlich als Bildspender wahrgenommen. In Anlehnung an die Gestaltpsychologie wird dieser Vorgang als „Kippeffekt“ bezeichnet.

Anhand der folgenden Grafik von Andreas Blank wird gezeigt, dass die Übertragung des Begriffes Maus vom Nagetier auf das graphische Zeigegerät auf äußerlich-perzeptuellen Merkmalen beruht. Beide sind durch eine runde Form und ein schmales, langes Kabel bzw. Schwanz geprägt. Die Sem-Übereinstimmung der beiden Elemente ist jedoch sehr gering.[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Vgl. Brockhaus, Bd. 14, S. 554 f.

[2] George Lakoff/ Marc Johnson S.11.

[3] Ullmann, Stephen, S.277.

[4] Ullmann, Stephen, S.278.

[5] George Lakoff/ Marc Johnson S.22.

[6] Ullmann, Stephen, S.280.

[7] Renaud/ Axel Red, Manhattan Kaboul

[8] „ Les passions d’Inès, Affirmer sa différence, une affaire de style“ in: marie claire, Januar 2003, S.128 f.

[9] „Les passions d’Inès, Affirmer sa différence, une affaire de style“ in: marie claire, Januar 2003, S.128.

[10] Vgl. Blank, Andreas, Einführung in die lexikalische Semantik, S. 72.

[11] Blank, Andreas, Prinzipien des lexikalischen Bedeutungswandels am Beispiel der romanischen Sprachen, S. 151.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Problematik der Metapher
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Romanisches Seminar)
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V61317
ISBN (eBook)
9783638548007
Dateigröße
581 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Problematik, Metapher
Arbeit zitieren
Anja Krechel (Autor), 2003, Die Problematik der Metapher, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61317

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