Inwiefern wird Interkulturelle Pädagogik heutzutage im schulischen Alltag umgesetzt? Zu dieser Fragestellung liegen bisher kaum Untersuchungen vor. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, in meiner wissenschaftlichen Übungsarbeit dieser Fragestellung anhand zweier an deutschen Schulen durchgeführten Schulfallstudien nachzugehen.
Ich stelle zu Beginn verschiedene Diskurse (historischer Rückblick, administrative Ebene, theoretische Ebene) vor, um im Hauptteil der Arbeit auf dieser Grundlage die Schulfallstudien (Praxis) und ihre Ergebnisse darzustellen. Im Anschluss daran stelle ich die Studien kritisch gegenüber, vergleiche sie und nenne Erklärungsversuche für das Verhalten der Lehrer. Den Abschluss stellt eine kritische Auseinandersetzung mit Problemen, Lösungswegen und Chancen für Lehrer, Schüler und Gesellschaft dar.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Multikulturalität in Deutschland
2.1 Ursachen
2.2 Auswirkungen auf die Schulen
3. Von der Ausländerpädagogik zur Interkulturellen Pädagogik
- Verschiedene Ansätze -
4. Aktuelle Situation
5. Analyse der aktuellen Situation anhand zweier Schulfallstudien
5.1 Fallstudien allgemein: Definition
5.2 Fallstudie: „Großstadt - Grundschule“
5.2.1 Vorstellung
5.2.2 Methodisches Vorgehen
5.2.3 Ergebnisse
5.3 Fallstudie: „Interkulturelle Erziehung im Schulalltag“
5.3.1 Vorstellung
5.3.2 Methodisches Vorgehen
5.3.3 Ergebnisse
6. Schulfallstudien in der Kritik
6.1 Kritischer Vergleich
6.2 Erklärungsversuche
7. Fazit: Probleme, Lösungen und Chancen für Lehrer und Schüler
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die praktische Umsetzung der interkulturellen Pädagogik im deutschen Schulalltag. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Inwiefern wird interkulturelle Pädagogik heutzutage im schulischen Alltag umgesetzt und wie gehen Lehrkräfte mit der multikulturellen Schülerschaft um?
- Historische und theoretische Grundlagen der Ausländerpädagogik und Interkulturellen Pädagogik
- Analyse der aktuellen Situation an deutschen Schulen durch Fallstudien
- Gegenüberstellung und kritische Reflexion zweier Schulfallstudien
- Identifikation von Problemen bei der Integration von Migrantenkindern
- Aufzeigen von Handlungsmöglichkeiten und Lösungsansätzen für Lehrkräfte
Auszug aus dem Buch
5.2.3 Ergebnisse
Bei der Betrachtung der Sitzordnung über den Gesamtzeitraum von anderthalb Jahren stellten die Beobachter fest, dass die Kinder zu Beginn der Untersuchung noch stark nach Geschlechtern und Nationalitäten getrennt saßen. Es gab beispielsweise zwei Mädchentische: an dem einen saßen die ein-, an dem anderen die mehrsprachigen Mädchen. Im Laufe der Untersuchung lösten sich die Barrieren zwischen den Nationalitäten weitgehend auf, wohingegen die Grenzen zwischen den Jungen und Mädchen größtenteils bestehen blieben. Es bildeten sich kulturell bzw. sprachlich heterogene Gruppen (vgl. ebd. S. 124 - 128).
Aufgrund meiner Erfahrungen ist die Trennung nach Geschlechtern für Kinder dieser Altersstufe typisch, hat nichts mit den Nationalitäten zu tun und ist auch in rein einsprachigen Klassen zu finden.
Die Lehrer versuchten, sich auf die die Mehrsprachigkeit und die Kulturenvielfalt in ihrer Schule einzustellen. Sie bemühten sich, den Unterricht umzustellen und zum Positiven hin zu verändern, wenn auch im Nachhinein nicht alle ihre Bemühungen als gewinnbringend und zufrieden stellend empfanden. Die Lehrer berichteten beispielsweise, dass Schüler die Bitte, etwas über ihre Sprache/Herkunft zu erzählen, oft verweigerten.
Das Lehrerkollegium wollte der Vielsprachigkeit der Schule gerecht werden. Es war jedoch auffällig, dass es sich dabei vorwiegend auf die türkische Sprache konzentrierte. Andere Sprachen mit in den Unterricht zu integrieren, stellte sich für die meisten Lehrer als zeitaufwendig und nur wenig erfolgreich heraus. Viele vertraten die Auffassung, dass Fachkräfte mit dem gleichen Hintergrund wie dem der Kinder (sprachlich, ethnisch, kulturell) eingestellt werden müssten, damit die Vielfalt der Sprachen/Kulturen gewährleistet werden könnte. Auf jeden Fall wurde - zumindest teilweise - versucht, die früher monolin-
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie interkulturelle Pädagogik im Schulalltag realisiert wird, und beschreibt das methodische Vorgehen mittels Fallstudien.
2. Multikulturalität in Deutschland: Dieses Kapitel thematisiert die historischen Ursachen der Migration nach Deutschland und deren Auswirkungen auf die Schullandschaft.
3. Von der Ausländerpädagogik zur Interkulturellen Pädagogik: Es werden die begrifflichen Unterschiede und die historische Entwicklung dieser pädagogischen Ansätze erläutert.
4. Aktuelle Situation: Dieses Kapitel beschreibt die gegenwärtige Realität an Schulen mit unterschiedlichem Migrationsanteil und das Informationsdefizit im Umgang mit Multikulturalität.
5. Analyse der aktuellen Situation anhand zweier Schulfallstudien: Hier werden Definitionen von Fallstudien gegeben und zwei spezifische Projekte („Großstadt - Grundschule“ sowie „Interkulturelle Erziehung im Schulalltag“) detailliert vorgestellt und ausgewertet.
6. Schulfallstudien in der Kritik: Eine kritische Auseinandersetzung und ein Vergleich der untersuchten Studien, ergänzt durch Erklärungsversuche für das Lehrerverhalten.
7. Fazit: Probleme, Lösungen und Chancen für Lehrer und Schüler: Abschließende Betrachtung der Problemlagen sowie Entwurf von Chancen und alternativen Lösungswegen für eine erfolgreiche interkulturelle Schulpraxis.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Pädagogik, Ausländerpädagogik, Multikulturalität, Migration, Schulfallstudien, Integration, Sprachförderung, Lehrverhalten, Assimilation, Segregation, Unterrichtspraxis, Interkulturelle Erziehung, Heterogenität, Schulerfolg, Diversität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Umsetzung der Interkulturellen Pädagogik an deutschen Schulen, insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit einer multikulturellen Schülerschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen zählen die historische Entwicklung der Ausländerpädagogik, die Analyse von zwei konkreten Schulfallstudien und die kritische Reflexion des Lehrerverhaltens in heterogenen Klassen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie interkulturelle Pädagogik im Alltag realisiert wird und welche Problematiken sowie Lösungsansätze sich daraus für Lehrer und Schüler ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die Analyse von Schulfallstudien, um anhand stichprobenartiger Einblicke in die schulische Realität Aussagen über pädagogische Reaktionsweisen auf Diversität zu treffen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Vorstellung und Auswertung zweier spezifischer Fallstudien zur interkulturellen Arbeit an Schulen sowie einer kritischen Gegenüberstellung der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind unter anderem Interkulturelle Pädagogik, Integration, Migration, Schulfallstudien, Heterogenität und Diversität.
Welche Rolle spielt die türkische Sprache in den untersuchten Fallstudien?
Die Studien zeigen, dass sich Bemühungen von Lehrkräften zur Mehrsprachigkeit oft einseitig auf die türkische Sprache konzentrieren, während andere Herkunftssprachen häufig vernachlässigt werden.
Wie bewerten die Studien die Rolle der Lehrkräfte?
Die Studien deuten darauf hin, dass viele Lehrkräfte noch in einem monokulturellen Selbstverständnis verhaftet sind und interkulturelle Ansätze oft als zeitaufwendig oder schwierig empfinden.
- Quote paper
- Kristina Nennstiel (Author), 2005, Interkulturelle Pädagogik in der deutschen Schulpraxis - insbesondere am Beispiel zweier Schulfallstudien - , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61327