Wenn Kapitän Jean-Luc Picard und seine Crew zur Entspannung oder zur Übung bestimmter Situationen sich auf das „Holodeck“ des Raumschiffes Enterprise begeben, so begeben sie sich in eine fast perfekt phantomatisierte Welt. Dieses „Holodeck“ würde von Stanislaw Lem wohl als äußerst komplexe phantomatische Maschine mit einer ebenso hohen phantomatischen Potenz empfunden werden. Denn das was Kapitän Kirk und seine Crew auf dem „Holodeck“ sehen, spüren, riechen und erleben ist nur eine von einem Computer generierte künstliche Welt. Eine Welt, die den „Gesetzen“ der Phantomologie unterliegt. Phantomologie ist ein von Stanislaw Lem entworfener Begriff für einen Themenbereich, der uns heute wohl eher als „Virtuelle Realität“ oder „Cyberspace“ bekannt ist. Lem entwickelte seine Thesen zu diesem Thema bereits in seiner erstmals 1964 erschienenen Abhandlung „Summa technologiae“1. Im Wesentlichen ordnet Lem die verschiedenen Möglichkeiten zur Erzeugung künstlicher Realitäten unter dem Begriff der Phantomatik ein. Die Phantomatik ist eine Technik, die Phantomologie hingegen eine Disziplin, die der Erforschung aller Konsequenzen, die sich aus der Anwendung eben jener Technik ergeben, gewidmet ist.2 In der folgenden Arbeit sollen zu Beginn die Grundlagen der Phantomologie sowie die verschiedenen Grade der Phantomatisierung und ihre technische Umsetzung durch eine phantomatische Maschine angeführt werden. Die entscheidende Qualität dieser phantomatischen Maschine liegt darin, dass zwischen der künstlichen Realität und ihrem Empfänger wechselseitige Verbindungen geschaffen werden. Die Interaktion zwischen Subjekt und virtueller Realität ist also das entscheidende Kriterium.
Anschließend wird die Unterscheidung zwischen den zwei grundsätzlichen Varianten der Phantomatik, der zentralen Phantomatik und der peripheren Phantomatik, eingeführt. Im Weiteren sollen in diesem Kapitel die Grenzen der Phantomatik untersucht werden. Zum Abschluss dieser Arbeit wird auf weitere von Lem entwickelte Techniken und Verfahren zur Erzeugung von künstlicher Realität eingegangen. In diesem Kapitel werden hauptsächlich die so von Lem getauften Verfahren der Cerebromatik, Teletaxie und Phantoplikation betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Grundlagen der Phantomologie
- Periphere und Zentrale Phantomatik
- Weiterführende Techniken und Verfahren zur Erzeugung von künstlichen Realitäten
- Schluss
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit der Erzeugung künstlicher Realitäten im Sinne von „virtueller Realität“ oder „Cyberspace“, wie es von Stanislaw Lem im Begriff der Phantomologie beschrieben wird. Die Arbeit untersucht die Grundlagen, die verschiedenen Grade der Phantomatisierung, die technische Umsetzung und die Grenzen der Phantomatik. Zusätzlich werden Lem's weiterführende Techniken zur Erzeugung künstlicher Realität, wie Cerebromatik, Teletaxie und Phantoplikation, behandelt.
- Grundlagen der Phantomologie und Phantomatisierung
- Die Unterscheidung zwischen zentraler und peripherer Phantomatik
- Die Grenzen der Phantomatik
- Lem's weitere Techniken zur Erzeugung von künstlicher Realität: Cerebromatik, Teletaxie, Phantoplikation
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Arbeit stellt das Konzept der Phantomologie vor und erläutert den Zusammenhang zu virtueller Realität. Sie beschreibt die Relevanz von Lem's Thesen und die Struktur der Arbeit.
- Grundlagen der Phantomologie: Dieses Kapitel beleuchtet die Frage nach der Erzeugung von Realitäten, die für den Menschen nicht von der normalen Realität zu unterscheiden sind, aber anderen Gesetzen unterliegen. Das Kapitel diskutiert die Problematik der einseitigen Informationsübertragung und führt das Konzept der „Kunst der Rückkoppelung“ ein.
- Periphere und Zentrale Phantomatik: Dieses Kapitel behandelt die Unterscheidung zwischen den beiden Hauptformen der Phantomatik und untersucht deren Unterschiede und Gemeinsamkeiten.
- Weiterführende Techniken und Verfahren zur Erzeugung von künstlichen Realitäten: In diesem Kapitel werden Lem's weitere Techniken zur Erzeugung künstlicher Realität, wie Cerebromatik, Teletaxie und Phantoplikation, erläutert und ihre spezifischen Eigenschaften dargestellt.
Schlüsselwörter
Phantomologie, Virtuelle Realität, Cyberspace, Phantomatik, künstliche Realität, Cerebromatik, Teletaxie, Phantoplikation, Rückkoppelung, interaktive Realität.
- Arbeit zitieren
- M.A. Markus Skuballa (Autor:in), 2005, Stanislaw Lem: Die Phantomologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61362