Herkunft und Geschichte des Wortes 'deutsch'


Hausarbeit, 2002

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Etymologie

3. Frühgeschichte
3.1. Geschichtliche Voraussetzungen
3.2. Erste Erwähnungen
3.3. Übertragung auf die Sprachträger
3.3.1. Erste Übertragung
3.3.2. Besonderheiten der Übertragung

4. Orthografie und Aussprache
4.1. Schreibweisen in den Epochen
4.2. Streit um die richtige Schreibweise
4.2.1. Wechsel von anlautendem "t" zu "d"
4.2.2. Argumente der Parteien

5. Bedeutungsgeschichte
5.1. Funktionen des Wortes
5.2. Bedeutungen seit dem späten 8. Jahrhundert
5.3. Bedeutungen im 18. und 19. Jahrhundert
5.4. Bedeutungen im Nationalsozialismus
5.5. Auffällige Tendenzen in der Bedeutungsgeschichte
5.6. Heutige Bedeutung

6. Resümee

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als Thema meiner Hausarbeit im Proseminar "Einführung in die historische Sprachwissenschaft II" habe ich den Versuch der Klärung von Herkunft und Geschichte des Wortes deutsch gewählt.

Dieses Thema war und ist für mich vor allen Dingen deshalb ansprechend, da ich schon seit längerer Zeit großes Interesse an der Geschichte des Volkes habe, dem ich angehörig bin. Dazu gehört auch die Entstehung des Sprachnamens- schließlich ist es meiner Meinung nach wichtig zu wissen, was das Wort bedeutet, mit dem ich mich selbst und das Land, in dem ich lebe, bezeichne.

Des weiteren wurde in diversen Diskussionen des vergangenen Jahres die Frage nach der "deutschen Leitkultur" gestellt, es gilt herauszufinden, was "typisch deutsch" ist. Diese Frage kann nur beantwortet werden, wenn man sich der Herkunft und Geschichte des Wortes bewusst ist.

Zu diesem Zweck soll in einem ersten Schritt die Etymologie des Wortes problematisiert werden, d.h. von welchen Wörtern es abgeleitet wurde, was es ursprünglich bedeutete etc.

Anschließend soll auf die Frühgeschichte eingegangen werden, welche Aufschluss gibt, wann und wo deutsch das erste Mal schriftlich festgehalten wurde und was die Voraussetzung für die Entwicklung des Sprachnamens war. Dieser Punkt beinhaltet des weiteren auch die Übertragung des Sprachbegriffs auf die Sprachträger.

Sodann will ich die Orthographie und Aussprache behandeln; die verschiedenen Schreibweisen in den Epochen und die Erklärung für die heutige Schreibweise sind Teile davon, ebenfalls sollen die Angelegenheiten des Streits im 18. Jahrhundert, welcher sich um die richtige Schreibweise von deutsch drehte, erläutert werden.

Schließlich soll auf die Bedeutungsgeschichte, mit Schwerpunkt auf die übertragene Bedeutung, eingegangen werden, wobei die heutigen Bedeutungen nicht vernachlässigt werden sollen, obwohl sie strenggenommen nicht zur Geschichte gehören, wie es das Thema der Hausarbeit vorschreibt, meiner Meinung nach allerdings für die Vollständigkeit unerlässlich sind.

2. Etymologie

Deutsch ist ein Adjektiv, welches vor dem 11 Jahrhundert entstanden ist. Im Mittelhochdeutschen hieß es tiutsch, diut(i)sch, im Althochdeutschen diutisc, altsächsisch thiudisc.

Das Wort deutsch wurde abgeleitet von griechisch * peudõ für Volk. Das Wort Volk wird folgendermaßen übersetzt: in gotisch piuda, altenglisch peod, altfranzösisch thiãd, altsächsisch thiod(a), althochdeutsch diot. Dieses kommt vom indogermanischen * teutã für Volk, in altlitauisch tautà, altiranisch túath, oskisch-umbrisch touto und wohl auch hethitisch tuzzi-"Heer" (eine ältere Bedeutung verweist auf neupersisch tõda, was soviel wie "Masse" oder 'Erdhaufen' bedeutet, übertragen auf Volk wohl "Menschenmasse"). Das Adjektiv deutsch bedeutet also "zum Volk gehörig". Es ist systematisch gebildet. Wegen des Vokalunterschieds von ahd. diot zu ahd. diutisc muss das Adjektiv alt sein.

Die Bedeutung ("in der Volkssprache") wurde im Frankenreich schon früh festgelegt, zuerst 786 in latinisierter Form bezeugt (theodisce, theodisca lingua). Dieser latinisierte Gebrauch ist früh auch schon in England für die Volkssprache – altenglisch - verwendet worden, möglicherweise in Anlehnung an den fränkischen Gebrauch.

So wie das althochdeutsche Wort heimisc einerseits "heimisch" und "innländisch", andererseits aber auch "ungebildet", "dumm" und "stümperhaft" bedeuten kann, kann das Adjektiv deutsch einerseits "zum Volk gehörig", aber auch - in abwertender Weise - "nur zum Volk gehörig", "auf die Volkssprache beschränkt" bedeutet haben.

Der Gegensatz zur Volkssprache war das Latein, welches nur die Geistlichen und Gebildeten sprachen. Für sie könnte deutsch ein abfälliger Ausdruck für die bäuerliche und ungebildete Bevölkerung gewesen sein. Im Zuge der Romanisierung der Westfranken und der Abgrenzung des Altfranzösischen gegen das Althochdeutsche (Fränkische) wird dann deutsch aber auch als Bezeichnung gegenüber dem Romanischen verwendet. Im Laufe des 10. und 11. Jahrhunderts wird deutsch zur Bezeichnung aller kontinentalgermanischen Sprachen, einschließlich der niederländischen Sprachausprägungen.[1]

3. Frühgeschichte

3.1. Geschichtliche Voraussetzungen

Voraussetzung zur Entwicklung des Wortes deutsch war das Zusammenfassen der deutschen Stämme zu einem Reich. Erst dadurch konnte ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt werden, welches den Anlass gab, für dieses neue Bewusstsein ein Wort zu finden. Die Reichsbildung gab den Anstoß für die Entstehung eines Nationalbewusstseins, sie schuf den Gegensatz zwischen Franken und den übrigen Germanen und bot den germanischen Stämmen, den Bayern, Sachsen, Franken, Alemannen usw. in der Reichseinheit Gelegenheit, sich gegenüber dem romanischen Westen ihrer Andersartigkeit wie auch ihrer Zusammengehhörigkeit bewusst zu werden.

Am wesentlichsten an der Herausbildung des späteren deutschen Reiches beteiligt war Karl der Große (768-814). Unter seiner Herrschaft wurden die einzelnen Stämme rechts des Rheins fester politisch-organisatorisch miteinander verknüpft, auch wenn sie noch keine eigene politische Einheit bildeten.

Karl der Große führte eine Herrschafts- und Glaubenseinheit ein. Dies geschah teilweise durch die Reichsverwaltung, welche größtenteils mit Mitgliedern der Reichsaristokratie besetzt war. Diese besaßen meist Güter in mehreren Teilen des Reiches und waren deshalb, schon allein aus Eigeninteresse, Vertreter der Reichseinheit über die Stämme hinweg. Auf der anderen Seite stand die Reichskirche, welche die Stämme über regionale und ethische Grenzen miteinander verband.[2]

3.2. Erste Erwähnungen

Die erste schriftliche Erwähnung des Wortes deutsch stammt aus dem Jahre 786, nach L. Weisgerber ist das Wort jedoch früher, im 7. Jahrhundert, um Tournai, Cambrai und Soissons aufgekommen. Damals herrschte ein kultureller und politischer Kampf zwischen Romanen- und Frankentum. Das Vordringen der Romanen hatte eine stärkere Betonung der Eigenart der fränkisch-germanischen Bevölkerung innerhalb des Reichs zur Folge. "Der dt. Sprachname ist in gewissem Sinne ein Heimatruf der in dem Schicksal der Romanisierung stehenden Franken jenseits der späteren Sprachgrenze, ausgesandt bei dem Bemühen, dieses kaum mehr abwendbare Schicksal aufzuhalten."[3]

Die erste schriftliche Erwähnung des deutschen Sprachnamens, die uns heute bekannt ist, erfolgte 786 in einem Brief Wigbods, Kaplan Karls des Großen. Der Brief war an den Papst adressiert und berichtete über eine Synode unter König Offa von Mercien in England. Dort seien die Beschlüsse verlesen worden "tam latine, quam theodisce, quo omnes intelligere possent". ("sowohl in der lateinischen Kirchensprache, als auch in der Volkssprache...").[4] In den Reichsannalen von 788 wird erwähnt, dass der Reichstag von Ingelheim dem Herzog Tassilo von Bayern den Prozess wegen eines Verbrechens machte, quod theodisca lingua harisliz dicitur,"was in der Volkssprache[5] 'Heerspaltung' oder 'Fahnenflucht' genannt wird." (Herzog Tassilo hatte auf dem aquitanischen Feldzug mit seinem Heerteil eigenmächtig das Reichsheer verlassen.)

Mit dem Begriff der "deutschen Sprache" war zunächst nichts anderes gemeint als die germanische Volkssprache; der Grund für die Bildung war wohl, dass hier der Volkssprachencharakter der damaligen germanischen Sprachen im Reich Karls des Großen gegenüber dem gelehrten Latein der Kleriker abgegrenzt werden sollte. "Lingua theodisca" beschränkte sich nicht nur auf die germanischen Stämme des Frankenreiches, sondern galt auch für die außerfränkischen Germanen-Idiome (Mundarten) Englands oder Skandinaviens.[6]

Im Jahre 801 nahm Karl der Große auf lombardischem Boden für sich in Anspruch, theodisce zu sprechen, womit er seine Sprache von der romanischen abgrenzte. Das Wort fränkisch konnte er in diesem Zusammenhang nicht verwenden, da der verwelschte Teil der Franken francisce (= française) sprach.[7]

Die Bedeutung des deutschen Sprachbegriffs wurde immer klarer, als sich im Jahre 842 der Westfrankenkönig Karl der Kahle mit dem Ostfranken Ludwig dem Deutschen verbündete (Straßburger Eide). Die Schwurformeln wurden einmal in romanisch oder altfranzösisch für Karls Heer, ein zweites Mal in "deutscher" Sprache für Ludwigs Gefolgschaft gesprochen. Der Begriff hatte sich damit auf die germanischen Teile des Frankenreichs verengt.

[...]


[1] Vgl.: Kluge (1995)

[2] Vgl.: Prinz (1993)

[3] Aus: L. Weisgerber (1953)

[4] Vgl.: Bach (1956)

[5] der Begriff theodisce wird im Zusammenhang mit den Reichsannalen von 788 teilweise auch mit "Rechtssprache" statt "Volkssprache" übersetzt

[6] Vgl.: Valentin (1965)

[7] Vgl.: Bach (1956)

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Herkunft und Geschichte des Wortes 'deutsch'
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für deutsche Sprache und Literatur II)
Veranstaltung
Einführung in die Historische Sprachwissenschaft II
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V6139
ISBN (eBook)
9783638137850
ISBN (Buch)
9783638777254
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Herkunft, Geschichte, Wortes, Einführung, Historische, Sprachwissenschaft
Arbeit zitieren
M A. Florian Fix (Autor), 2002, Herkunft und Geschichte des Wortes 'deutsch', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6139

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