In diversen Diskussionen des vergangenen Jahres wurde die Frage nach der "deutschen Leitkultur" gestellt, es gilt herauszufinden, was "typisch deutsch" ist. Diese Frage kann nur beantwortet werden, wenn man sich der Herkunft und Geschichte des Wortes bewusst ist.
Zu diesem Zweck soll in einem ersten Schritt die Etymologie des Wortes problematisiert werden, d.h. von welchen Wörtern es abgeleitet wurde, was es ursprünglich bedeutete etc.
Anschließend soll auf die Frühgeschichte eingegangen werden, welche Aufschluss gibt, wann und wo deutsch das erste Mal schriftlich festgehalten wurde und was die Voraussetzung für die Entwicklung des Sprachnamens war. Dieser Punkt beinhaltet des weiteren auch die Übertragung des Sprachbegriffs auf die Sprachträger.
Sodann will ich die Orthographie und Aussprache behandeln; die verschiedenen Schreibweisen in den Epochen und die Erklärung für die heutige Schreibweise sind Teile davon, ebenfalls sollen die Angelegenheiten des Streits im 18. Jahrhundert, welcher sich um die richtige Schreibweise von deutsch drehte, erläutert werden.
Schließlich soll auf die Bedeutungsgeschichte, mit Schwerpunkt auf die übertragene Bedeutung, eingegangen werden, wobei die heutigen Bedeutungen nicht vernachlässigt werden sollen, obwohl sie strenggenommen nicht zur Geschichte gehören, meiner Meinung nach allerdings für die Vollständigkeit unerlässlich sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Etymologie
3. Frühgeschichte
3.1. Geschichtliche Voraussetzungen
3.2. Erste Erwähnungen
3.3. Übertragung auf die Sprachträger
3.3.1. Erste Übertragung
3.3.2. Besonderheiten der Übertragung
4. Orthografie und Aussprache
4.1. Schreibweisen in den Epochen
4.2. Streit um die richtige Schreibweise
4.2.1. Wechsel von anlautendem "t" zu "d"
4.2.2. Argumente der Parteien
5. Bedeutungsgeschichte
5.1. Funktionen des Wortes
5.2. Bedeutungen seit dem späten 8. Jahrhundert
5.3. Bedeutungen im 18. und 19. Jahrhundert
5.4. Bedeutungen im Nationalsozialismus
5.5. Auffällige Tendenzen in der Bedeutungsgeschichte
5.6. Heutige Bedeutung
6. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Herkunft und geschichtliche Entwicklung des Wortes "deutsch" zu klären. Dabei wird untersucht, wie sich die Bedeutung des Sprachnamens von einer rein sprachlichen Differenzierung hin zur Bezeichnung für Volk und Land entwickelte und welche historischen sowie orthografischen Prozesse diesen Wandel prägten.
- Etymologische Herleitung des Wortes und seiner indogermanischen Wurzeln.
- Frühgeschichtliche Zusammenhänge und erste schriftliche Belege.
- Der historische Streit um die Rechtschreibung zwischen "deutsch" und "teutsch".
- Wandel der Bedeutungsinhalte durch historische Epochen bis zur heutigen Verwendung.
Auszug aus dem Buch
3.1. Geschichtliche Voraussetzungen
Voraussetzung zur Entwicklung des Wortes deutsch war das Zusammenfassen der deutschen Stämme zu einem Reich. Erst dadurch konnte ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt werden, welches den Anlass gab, für dieses neue Bewusstsein ein Wort zu finden. Die Reichsbildung gab den Anstoß für die Entstehung eines Nationalbewusstseins, sie schuf den Gegensatz zwischen Franken und den übrigen Germanen und bot den germanischen Stämmen, den Bayern, Sachsen, Franken, Alemannen usw. in der Reichseinheit Gelegenheit, sich gegenüber dem romanischen Westen ihrer Andersartigkeit wie auch ihrer Zusammengehörigkeit bewusst zu werden.
Am wesentlichsten an der Herausbildung des späteren deutschen Reiches beteiligt war Karl der Große (768-814). Unter seiner Herrschaft wurden die einzelnen Stämme rechts des Rheins fester politisch-organisatorisch miteinander verknüpft, auch wenn sie noch keine eigene politische Einheit bildeten.
Karl der Große führte eine Herrschafts- und Glaubenseinheit ein. Dies geschah teilweise durch die Reichsverwaltung, welche größtenteils mit Mitgliedern der Reichsaristokratie besetzt war. Diese besaßen meist Güter in mehreren Teilen des Reiches und waren deshalb, schon allein aus Eigeninteresse, Vertreter der Reichseinheit über die Stämme hinweg. Auf der anderen Seite stand die Reichskirche, welche die Stämme über regionale und ethische Grenzen miteinander verband.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Motivation und Zielsetzung, die Herkunft des Begriffs "deutsch" in Kontext von Identität und Geschichte zu beleuchten.
2. Etymologie: Untersuchung der indogermanischen Wurzeln und der systematischen Entstehung des Adjektivs aus der Bezeichnung für das Volk.
3. Frühgeschichte: Analyse der politischen Reichsbildung unter Karl dem Großen als Grundlage für die Etablierung des Sprachnamens und dessen Ausweitung auf die Sprachträger.
4. Orthografie und Aussprache: Darstellung der historischen Entwicklung der Schreibweise und des kontroversen Streits um die korrekte Form zwischen anlautendem "t" und "d".
5. Bedeutungsgeschichte: Betrachtung des semantischen Wandels durch verschiedene Epochen, inklusive der Einflüsse des Nationalsozialismus und heutiger Identitätsdiskurse.
6. Resümee: Zusammenfassende Einordnung der Einzigartigkeit des Wortes "deutsch" und der historischen Bedingtheit seines Wandels.
Schlüsselwörter
Etymologie, Sprachgeschichte, Identität, Reichsbildung, Karl der Große, Orthografie, Semantik, Nationalbewusstsein, Sprachwandel, Volkssprache, Deutsch, deutsche Leitkultur, Bedeutungsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Herkunft, die historische Entwicklung und den Bedeutungswandel des Wortes "deutsch" im deutschen Sprachraum.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Etymologie, die frühgeschichtlichen Voraussetzungen, die Entwicklung der Orthografie sowie den historischen Bedeutungswandel des Begriffs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich der Sprachname "deutsch" von einer Unterscheidung zwischen Volkssprache und Latein zu einem identitätsstiftenden Begriff für Land und Leute gewandelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven und historisch-analytischen Auswertung von Literatur, Wörterbuchartikeln und historischen Quellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Etymologie, die Entstehung im Kontext des Frankenreichs, den Rechtschreibstreit des 18. Jahrhunderts und die Analyse des Bedeutungswandels bis in die Gegenwart.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Etymologie, Sprachgeschichte, nationale Identität, Wortbedeutung und historischer Wandel.
Welche Bedeutung hatte das Annolied für den Begriff "deutsch"?
Das Annolied (um 1180) markiert den ersten literarischen Beleg, in dem der deutsche Sprachbegriff unbefangen und in seiner vollen Breite – für Sprache, Land und Leute – verwendet wurde.
Warum gab es im 18. Jahrhundert einen Streit um die Schreibweise?
Der Streit entzündete sich an der Frage der Normierung, wobei sich Befürworter von "teutsch" auf eine angebliche etymologische Verbindung zum Stammesvater beriefen, während Vertreter von "deutsch" eher lautliche oder ästhetische Argumente anführten.
- Quote paper
- M A. Florian Fix (Author), 2002, Herkunft und Geschichte des Wortes 'deutsch', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6139