Spielen und Lernspiele im HuS (MNK)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

18 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist ein Spiel ?

3. Positive Aspekte über das Spiel in der Grundschule
3.1. Warum ist das Spiel wichtig ?
3.2. Argumente für das Spiel im HuS

4. Kritik am Spiel

5. Resümee
5.1. Voraussetzungen für das Lernen im Spiel
5.2. Ausblick

6. Literaturliste

Spielen und Lernspiele im HuS

1. Einleitung

Die Grundschule hat eine eigene Funktion als Schule für Kinder und steht in erster Linie dafür, dass die kindlichen Ansprüche gewahrt werden, die Kinder sich wohl und geborgen fühlen und kindgemäße Aktivitäten wie Spiel und Bewegung dort umgesetzt werden. Die Grundschule sollte laut dem Grundschulgesetz von 1989 eine Stätte sozialer Begegnung und gemeinsamer Grunderfahrungen für die Kinder sein-. Die Kinder sollten zu Eigenaktivität und schöpferischer Kreativität herangeführt werden, um Wertvorstellungen und die eigene Identität zu finden. Viele Experten sind der Meinung, dass das Spielen in der Grundschule eine sehr wichtige Rolle dabei spielt. Das Spielen trage dazu bei, den sozialen Umgang der Kinder untereinander zu verbessern und emotionale Probleme und Konflikte dadurch positiver lösen zu können. Spiele können handlungsbezogenes Lernen unterstützen und Kinder werden durch Experimente und Anregung der eigenen Fantasie zu Kreativität, zu eigenständigem und auch zu selbstbestimmtem Handeln geführt.

Das Spiel wird heutzutage jedoch oft auch negativ, kindisch und in der Schule als überflüssig gesehen. Spielen wird als eine Freizeitbeschäftigung verurteilt: „Spielen kannst du zu Hause – hier wird gearbeitet!“. Der Stellenwert des Spieles als eine Methode im Unterricht lässt sich besser vermitteln, wenn man sich vorher die Frage nach den Ursachen folgender Tatsachen der Schulwirklichkeit stellt:

Warum wird die Neugier vieler Kinder auf die Schule bald zum Jammer über den großen Leistungsdruck? Wieso wird die Schule nicht mehr von den Interessen der Kinder und ihrer Erwartungen bestimmt, sondern von Alltagsroutine, Langeweile und Klage über den Zwang lernen zu müssen?

Es sollen zuerst allgemeine Aspekte des Spiels beschrieben werden, was ein Spiel überhaupt ist. Dann werden die Vorteile des Spieles in der Grundschule allgemein und bezogen auf den Heimat- und Sachunterricht (warum ist das Spiel wichtig?), sowie die Kritik des Spieles geschildert. Schließlich sollen beide Seiten des Spiels beurteilt werden und ein Kompromiss zwischen den beiden unter Beachtung von Voraussetzungen für das Lernen im Spiel angestrebt werden.

2. Was ist ein Spiel ?

Eine Definition von „Spiel“ ist fast nicht möglich, denn Spiele sind sehr vielgestaltig. Im engeren Sinn ist das Spiel das Kinderspiel, im weiteren Sinne kann das Spiel jedoch sehr viele Formen annehmen, wie zum Beispiel das Glockenspiel, Spiele in der Spielbank, Computerspiel, Spiele der Erwachsenen, Klavierspiel oder Theaterspiel.

Verschiedene wissenschaftliche Disziplinen würden das Spiel jedoch wieder ganz anders auffassen. Dennoch lassen sich einige Kennzeichen finden, die auf die Mehrheit der Situationen von Spielen zutreffen. So ist das Spiel eine Tätigkeit, eine aktive und freiwillige Handlung, die Aktivität selbst verschafft Behagen. Spiel entsteht freiwillig, aus eigenem Antrieb, spielen macht Spaß und ist von angenehmen Empfindungen begleitet oder ruft sie hervor. Dabei entsteht ein Wechsel von Anstrengung und Ausruhen, Zufälligkeit und Regelung, Eingriff und Eigendynamik. Das Spiel fordert die Spieler geistig, körperlich und intuitiv. Außerdem wird beim Spielen das Verhalten geschult bzw. verstärkt. Das wichtige am Spiel ist die eigene Welt, in der nichts ernst genommen werden muss und die aktive Gründung oder Vermutung einer zweiten Wahrheit. Trotzdem nehmen die Spieler ihre realen Fähigkeiten mit ins Spiel.

Das Spielen, das eine besondere Art der Beschäftigung des Menschen mit der Umwelt darstellt, wird heutzutage leider oft verlernt, dies hängt damit zusammen, dass in heutiger Zeit Abstrahieren „Hauptgegenstand“ aller Schulfächer und Schulstufen ist, und wahrnehmbares, greifbares Handeln und Verhalten sogar fast bestraft wird. Das Spiel wird zudem oft als unseriös, naiv und unbrauchbar abgetan und als eine menschliche Tätigkeit weit unter der Arbeit und anderen Freizeittätigkeiten Erwachsener gesehen.[1]

3. Positive Aspekte über das Spiel in der Grundschule

3.1. Warum ist das Spiel wichtig ?

Ulrich Baer beschreibt das Spiel in seinem Buch über die Spielpraxis[2] als eine für Kinder sehr hochgeschätzte Tätigkeit. Es ist für sie der angemessene Weg, sich ihren Lebensraum fassbar und begreifbar zu machen und ist zudem noch eine wichtige Form der Sozialisation und Unterhaltung. „Das Spiel ist geprägt von aktiver, neugieriger Haltung, schöpferisch wird Neues erfunden. ... Ein besseres Lernklima, eine effektivere Motivation kann man sich kaum vorstellen, als sie im Spiel gegeben ist.“[3]

Auch viele Erzieher und Lehrer sind der Ansicht, dass das Lernen nur mit dem Kopf, zum Beispiel beim Rechnen, oder nur mit dem Körper, zum Beispiel im Sportunterricht, oder nur mit dem Gefühl, zum Beispiel im Musikunterricht, eine sehr einseitige Tatsache ist. Das Spiel beschäftigt dagegen die Ganzheit des Menschen mit „Kopf, Herz und Hand“ und fördert verschiedene Arten von Lernen, wie das optische und akustische Lernen (sinnliches Lernen), das motorisch-haptische Lernen und das produzierende / schaffende Lernen.

Zudem ist das Spiel eine bildliche Darstellung und Verfremdung der Wirklichkeit, also die Realität in einer vereinfachten oder variierten Form, so wird es für die Kinder (aber auch für Erwachsene) einfacher, in dieser Spielwelt angstfrei neue Erkenntnisse machen zu können. Darauf wird im Verlauf dieses Abschnittes noch näher eingegangen.

Aufgrund der beiden Vorzüge des Spiels, der allseitigen Beanspruchung des Menschen und der veränderten Abbildung der Realität, sieht Ulrich Baer das Spiel als eine sehr beliebte Übungs- und Lernform der Kinder. Dies können sich Pädagogen zunutze machen und das Spiel als erfolgreiche Lernmethode einsetzten, mit der sich das Lernen einfacher und „erträglicher“ gestaltet lässt.

Durch den Spaß am Lernen und durch das eigene Entdecken, welches diese Unterrichtsmethode mit sich bringt, lernen die Schüler den fachlichen Lernstoff viel besser, prägen sich vieles leichter und schneller ein, nicht durch mühsames auswendig lernen, wie es früher und auch heute noch bei älteren Unterrichtsmethoden der Fall ist.

Aber nicht nur die fachlichen Inhalte profitieren vom Lernen im Spiel, sondern es werden auch andere Lernbereiche vom Spielprozess besonders gut gefördert. Nach Ulrich Baer gehört dazu zum Beispiel das soziale Verhalten. Angesichts der Tatsache, dass sich viele Spiele in Gruppen abspielen, kann man sagen, dass im Spiel verschiedene Verhaltensweisen erprobt werden können, unter anderem auch Verhalten, die ein Kind sich im realen Leben nicht trauen würde oder Verhalten, die für ein Kind tabu sind. Wie schon erwähnt ist die Spielsituation eine Art verfremdete Wirklichkeit, so dass sich auch zum Beispiel das Verhalten der Kinder verändern kann und somit die Erprobung neuer Verhaltensweisen möglich wird. Wenn ein Spiel bestimmte Verhalten der Kinder verlangt, passen sich die Kinder meist unabhängig ihrer eigenen Verhaltensweisen an. So kann sich beispielsweise ein ruhiges, schüchternes Kind im Spiel durchsetzen, aktiv dabei sein und kann sogar auch Führerrollen einnehmen, die es im realen Leben niemals einnehmen könnte. Verhaltensweisen, die für das Leben zwar von großer Bedeutung sind, für das Kind jedoch unvorstellbar und unerreichbar erscheinen, weil das Kind eben den Ruf des kleinen, zurückhaltenden Kindes hat, können im Spiel plötzlich real werden. Das Spiel gibt so einem Kind zusätzlich die Möglichkeit, diese unerreichbare Verhaltensweisen zu üben, zu trainieren und dazu zu ermutigen. Ein selbstbewusstes, lebendiges und den Unterricht eher störendes Kind muss sich den Regeln des Spiels ebenfalls anpassen. Dadurch, dass das Kind sich in die Spielgemeinschaft gleichwertig einordnet und mitspielt, lernt es, rücksichtvoll mit anderen umzugehen. Es lernt auch die Akzeptanz, dass sich auch andere durchsetzen können und dass nicht nur das Kind immer bestimmt, sondern dass auch manchmal über das Kind bestimmt wird. Solche Verhalten und ungeschriebene Regeln über das Verhalten, zum vorbildlichen und einklanglichen Miteinander von Schulklassen oder kleineren Gruppen von Kindern werden im Spiel gelernt.

Neben dem Sozialen Verhalten kann auch die Wahrnehmung und Geschicklichkeit im Spiel gut trainiert werden. Beim Spielen jeglicher Art wird die Wahrnehmung und Geschicklichkeit geschult, und zwar mit allen Sinnen, ob beim erforschen, planen oder experimentieren, das Kind ist immer mit Kopf, Herz und Hand dabei, und genauso wie auch jeder Lerninhalt am besten über möglichst viele Lernkanäle gelernt wird, wird auch die Wahrnehmung und Geschicklichkeit am besten geschult, wenn das Kind mit „Haut und Haar“, also mit Spannung und Spaß beim Spiel dabei ist.

Ein weiterer Lernbereich, der gut durch das Spiel gefördert wird, ist die Ausdrucksfähigkeit des Kindes. Sie wird besonders in Gruppenspielen, wie zum Beispiel Rollenspiel, Schattenspiel, Theaterspiel, Pantomime und Sing- oder Malspiel durch die Bewegungen, Sprechen, Singen, Malen und anfertigen oder ausarbeiten von Materialen geschult.[4] Bedeutsam hierfür ist die gemeinsame Gestaltung, die Kinder müssen zusammenarbeiten, müssen sich vereinen, gegenseitig absprechen, gemeinsam planen, sich in der Darbietung einig sein und kooperieren. Die Kinder lernen die Fähigkeit sich sprachlich gut auszudrücken, ihre Ideen und Vorschläge interessant zu präsentieren, aber auch ein gewisses Selbstbewusstsein, Bewegungsfreiheit und Sprachgewandtheit.

Letztlich wäre noch die Kreativität und Phantasie zu nennen, die ebenfalls durch Spiele gefördert werden können, denn Spiele bedeuten oft Ideen zu haben, Sachen zu erfinden, Außergewöhnliches zu tun, und das sind Dinge, welche die Kreativität und Phantasie anregen. Zur Kreativität und Phantasie führen auch die vielen verschiedenen Lösungsmöglichkeiten, die ein Spiel bietet, die Kinder können ihrer Phantasie freien Lauf lassen, sie können sich alle möglichen Sachen einfallen lassen, ohne Konsequenzen oder Bestrafung, denn es handelt sich nur um ein Spiel. Die Kinder können beispielsweise kreativ sein in der Variation des Spieles, des Spielgeländes oder der Spielregeln, sie können ihr Spiel immer mehr ausschmücken und erweitern, sowie immer wieder neue Spiele erfinden.

Neben Ulrich Baer und vielen weiteren Pädagogen und Psychologen fordert auch der noch aktuelle Bildungsplan für die Grundschule[5] die Lernform des Spiels. Er schreibt das Spiel sogar verpflichtend vor. Wie auch schon in der Einleitung angesprochen wurde, kann das Spiel viele Tätigkeiten, Aufgaben oder Ziele, die im Erziehungs- und Bildungsauftrag auf S. 9 ff. verlangt werden, besonders gut fördern bzw. umsetzen. Dazu gehören viele Aspekte, die auch Baer schon erwähnt hatte, beispielsweise das Trainieren von Verhaltensweisen und Benehmen der Kinder, die Rücksicht gegenüber anderen, gegenseitige Achtung und Verständnis, das voneinander Lernen und das gemeinschaftliche Miteinander in der Schule und außerhalb, die Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit von Jungen und Mädchen, die Unterstützung bei dieser Verschiedenheit und Ermutigung zur Kooperation zwischen beiden. Darüber hinaus auch die Entwicklung der Kreativität, des eigenen Gestaltens und schöpferischen Ausdrucks, sowie die Aneignung von Wissen und Fertigkeiten, die sowohl für die Arbeit in der Schule als auch für die Lebensbewältigung von großer Bedeutung sind. Auch in den Forderungen zur Unterrichtsgestaltung des Erziehungs- und Bildungsauftrags auf S. 10 ff. wird deutlich, dass das Spiel für den Grundschulunterricht sehr bedeutsam ist. Das Spielen wird als „eine Form des Lernens in der Grundschule“[6] gesehen. Dabei begünstigt und orientiert sich das Spiel am „emotionalen, psychomotorischen, intellektuellen und sozialen“[7] Stand der Entwicklung von Kenntnissen und Fertigkeiten der Kinder. Das Spiel gestaltet eine Einigkeit und Zusammenarbeit, in welche sich die Kinder hineinversetzen, Ideen produzieren und gemeinsam einfache Auseinandersetzungen bewältigen können. Ähnlich wie Baer die Bedeutung des Spiels beim Lernen geschildert hat, wird es auch im Bildungsplan der Grundschule beschrieben. „Spielen ermutigt auch gehemmte und scheue Kinder zu Äußerung und Selbstdarstellung, verlangt von allen Mitspielern Selbstdisziplin und Kooperationsbereitschaft und regt die schöpferische Phantasie und Gestaltungskraft an. Im Spiel kann in besonderer Weise fächerverbindende Unterrichtsplanung und –gestaltung verwirklicht und vielseitiges Lernen ermöglicht werden. Anlässe zum Spielen geben die Themen des Unterrichts und das Leben in der Schule, der Fest- und Jahreskreis, das lokale und regionale Brauchtum sowie die Lebenswirklichkeit der Kinder.“[8] Das fächerverbindende Lernen hatte Baer zwar nicht erwähnt, es ist aber genau wie alle anderen erwähnten Aspekte unumgänglich für die Grundschule, vom Bildungsplan wird es auf S. 10 als „durchgängiges Prinzip des Unterrichts“ beschrieben.

[...]


[1] Vergl. Baer, Ulrich, Spielpraxis, Eine Einführung in die Spielpädagogik, Kallmeyersche Verlagsbuchhandlung,

Hannover, 1995, S. 29 ff.

[2] Baer, Ulrich, Spielpraxis, Eine Einführung in die Spielpädagogik, Kallmeyersche Verlagsbuchhandlung,

Hannover, 1995.

[3] Ebenda, S. 75.

[4] Vergl. Baer, Ulrich, Spielpraxis, Eine Einführung in die Spielpädagogik, Kallmeyersche Verlagsbuchhandlung,

Hannover, 1995, S. 79.

[5] Bildungsplan für die Grundschule, Kultus und Unterricht, Amtsblatt des Ministeriums für Kultus und Sport

Baden Württemberg, Neckar-Verlag, Villingen-Schwenningen, 1994.

[6] Ebenda, S. 12.

[7] Ebenda, S. 12.

[8] Ebenda, S. 12.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Spielen und Lernspiele im HuS (MNK)
Veranstaltung
Probleme, Inhalte und Methoden des Anfangsunterrichts im Heimat- und Sachunterricht (MNK)
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V61429
ISBN (eBook)
9783638548908
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spielen, Lernspiele, Probleme, Inhalte, Methoden, Anfangsunterrichts, Heimat-, Sachunterricht
Arbeit zitieren
Simone Effenberk (Autor), 2004, Spielen und Lernspiele im HuS (MNK), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61429

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